Chanterelle (von französisch chanter „singen“) ist die höchste Saite eines Saiteninstruments.

Herkunft und Verbreitung Chanterelle ist das gebräuchliche, aus dem Französischen stammende Synonym für cantino (lateinisch) oder Sangsaite Don Michael Randel: The Harvard Dictionary of Music. 4. Aufl., Cambridge MA 2003 S. 144 bzw. Quintsaite (deutsch). Seit dem 16. JahrhundertCentre National de Ressources Textuelles et Lexicales und im Deutschen mindestens seit dem 18. Jahrhundert bezeichnet Chanterelle die höchste Saite der Violine, wird aber auch für Lauten, Theorben, Banjos und andere Saiteninstrumente verwendet: In der deutschen Lautenmusik des 16. Jahrhunderts heißt die höchste Saite jedoch nur Quintsaite, die Sangsaite war der zweite ChorHans Neusidler: Ein newgeordent künstlich Lautenbuch. Nürnberg 1536, Teil 1, fol. 4a.

Bei ansonsten doppelchörig gestimmten Instrumenten wie Laute und Theorbe wurde die Chanterelle meist einfach ausgeführt. So wird in der Allgemeinen Musikalischen Zeitung 1831 die klassische Laute beschrieben:

In ähnlicher Form beschreibt Wilhelm Schneider 1834 die klassische Ausführung der Theorbe:

Beim fünfsaitigen Banjo heißt Chanterelle die kürzeste Saite, die seitlich am Griffbrett endet und einen hohen Bordunton erzeugt. Bei indischen Saiteninstrumenten wie Sitar, Vina, Mayuri vina und Gottuvadyam ist Chanterelle die höchste und stets am meisten gespielte Melodiesaite.Chanterelle. In: P. Sambamurthy: A Dictionary of South Indian Music and Musicians. Vol. 1 (A–F), The Indian Music Publishing House, 2. Auflage, Madras 1984, S. 75f (1. Auflage 1954)

Bedeutungsumfeld Neben der beschriebenen Bedeutung bezeichnet heute im Französischen chanterelle (oder chanter, wie auch im Englischen) außerdem alle oder die höchste Spielpfeife von Sackpfeifen. In Heidelberg wurde 1979 der Chanterelle Verlag gegründet, der seit 2013 als Edition Chanterelle im Allegra Musikverlag, zu dem auch der Musikverlag Zimmermann gehört, weitergeführt wird.Geschichte. Gründungsdaten und Entwicklung der Verlagsgruppe. Musikverlag Zimmermann

Die besondere höchste Saite eines Saiteninstruments im Türkischen heißt zil teli (zil bedeutet „hoch“ und tel, „Saite“). Zil geht auf das persische und arabische Wort zīr für „höchste Saite“ oder „hohe Stimme“ zurück und kommt noch im Georgischen für die kurze Saite der Laute tschonguri vor.

Einzelnachweise

Kategorie:Bauteil (Saiteninstrument)