Das Montafon () ist ein 39 Kilometer langes Tal in Vorarlberg (Österreich), das von der Bielerhöhe bis Bludenz reicht und von der Ill durchflossen wird. Das Tal wird im Norden von der Verwallgruppe und im Süden vom Rätikon und der Silvretta begrenzt. Die höchste Erhebung in der Umgebung ist der hohe Piz Buin in der Silvretta-Gruppe.
Geographie Das Montafon wird durch eine Talverengung zwischen St. Gallenkirch und Tschagguns, in die Innerfratte (taleinwärts gesehen nach der Fratte) und die Außerfratte (taleinwärts gesehen vor der Fratte) unterhalb der Fratte geteilt.Hermine und Walther Flaig: Alpenpark Montafon. Führer und kleine Heimatkunde der Talschaft Montafon in Vorarlberg/Österreich. Verkehrsverband Montafon, Schruns, 8., vermehrte und verbesserte Aufl. 1972, S. 134.
Gemeinden mini|hochkant=1|Gemeinden im Montafon
Die Gemeinden im Montafon gehören alle dem Bezirk Bludenz an. Im geographischen Sinn sind es (Talauswärts): Gaschurn () besteht aus den Orten Gaschurn und Partenen () St. Gallenkirch (); mit den Ortsteilen Gargellen () und Gortipohl () Schruns () Tschagguns () Silbertal () Bartholomäberg () Vandans () St. Anton im Montafon () Diese acht Gemeinden haben zusammen 16.394 Einwohner. (Stand: 1. Jänner 2020)
Die Gemeinden Lorüns (583 m) und Stallehr (600 m) werden aus nicht eindeutig in die eine oder andere Richtung interpretierbaren historischen Gründen entweder dem Montafon oder dem Walgau zugerechnet.Geschichte von Lorüns, Internetseite der GemeindeGeschichte von Stallehr, Internetseite der Gemeinde Auf Grund des doch beträchtlichen Höhenunterschiedes zwischen St. Anton im Montafon und Lorüns liegt Lorüns orographisch außerhalb des Montafons, nämlich auf Höhe des Bludenzer Talkessels, ebenso Stallehr. Regionalplanerisch gehören die beiden Gemeinden nicht zum Montafon, sondern zum Großraum Bludenz (Alpenregion Bludenz), wenn auch Lorüns landläufig als am Taleingang des Montafons liegend beschrieben wird. Von den Einheimischen wird auch Stallehr als am Eingang des Klostertals befindlich empfunden.
Damit haben die zehn Gemeinden des Montafons zusammen 16.920 Einwohner. (Stand: 1. Jänner 2020)
Der Gemeindeverband der Talschaft, die Partnerschaft Stand Montafon – als öffentlich-rechtliche Vertretung, die zugleich eine raumplanerische Region der Landesebene darstellt – steht aber im ungeteilten Eigentum aller zehn Gemeinden (Standesgemeinden), also Bartholomäberg, Gaschurn, Lorüns, Silbertal, Schruns, Stallehr, St. Anton im Montafon, St. Gallenkirch, Tschagguns und Vandans.Standesvertretung. Stand Montafon
Diese Gemeinden im Montafon (ohne Lorüns und Stallehr) gehören dem Tourismusverband der Tourismusregion MontafonVorarlberg Tourismus → Regionen an – einem Zusammenschluss der Gemeinden und der Golm Silvretta Lünersee Tourismus GmbH sowie der örtlichen Bergbahnen.Firma Montafon Tourismus GmbH. Firmenbuchdaten Creditreform/firmenabc.at Innerhalb dieser Tourismusregion arbeiten die beiden Gemeinden Schruns und Tschagguns traditionell enger zusammen, Gaschurn nennt seine Ortschaft Partenen immer mit, und die St. Gallenkirchner Ortschaft Gargellen hat eine eigene Tourismus-Vertretung.
Insbesondere entspricht die Zusammenfassung aller zehn Gemeinden zum ehemaligen gemeinsamen Gerichtsbezirk Montafon – wobei sich der Sitz des Bezirksgerichts in Schruns befand – ebenfalls dieser Auffassung der Region Montafon. Der Gerichtsbezirk wurde mit 1. Juli 2017 aufgelassen und dem Gerichtsbezirk Bludenz angeschlossen, womit dieser nunmehr flächenmäßig mit dem politischen Bezirk übereinstimmt. Das ehemals eigenständige Bezirksgericht Montafon wurde aufgelöst und seine Zuständigkeit auf das Bezirksgericht Bludenz übertragen.Bezirksgericht Montafon: Schließung offiziell auf vorarlberg.orf.at am 13. Dezember 2016.
Nachbarregionen Die umliegenden Gebirgsgruppen sind kursiv gesetzt
Seitentäler Das Montafon ist durch die zahlreichen Seitentäler stark gegliedert:
Silbertal: Gemeinde Silbertal Valschavieltal Verbellatal: Grenze Verwall/Silvretta Ochsental: Ursprung der Ill Klostertal (Silvretta) Kromertal Garneratal Novatal Gargellental: Ortschaft Gargellen, Grenze Silvretta/Rätikon Gamperdelstal Gauertal Rellstal
Verkehr Die Silvrettastraße L/B 188 mit dem mautpflichtigen Passabschnitt, der Silvretta-Hochalpenstraße, verbindet das Montafon mit dem Paznaun im Bundesland Tirol. Die Bahnstrecke Bludenz–Schruns (Montafonerbahn) führt von Bludenz nach Schruns. In Planung befindet sich eine Verlängerung dieser Bahnstrecke bis nach Partenen.
Geschichte mini|Karte Vorarlbergs (von 1783); unten grün die Herrschaft Bludenz
Wie archäologische und botanische Untersuchungen belegen, siedelte der Mensch bereits vor 5000 Jahren im Montafon. So finden sich Reste einer etwa 3500 Jahre alten Siedlungsstätte im Friagawald bei Bartholomäberg, die Teil einer mächtigen bronzezeitlichen Burganlage war.
Besiedelt wurde das Montafon ursprünglich von aus dem Walgau und aus Graubünden zugewanderten Rätoromanen. Davon geben noch heute eine Vielzahl rätoromanischer Berg-, Fluss-, Orts-, Flur- und Familiennamen Zeugnis (wie Albona, Gafluna, Montjola, Silvretta, Tilisuna).Benedikt Bilgeri: Die Zeit der Rätoromanen im Montavon.
Wie vermutlich in der Bronze- und Eisenzeit war das Montafon auch durch das ganze Mittelalter hindurch ein Zentrum des Bergbaues: Eisen, Kupfer und Silber wurden hier gewonnen. Im Spätmittelalter – ab etwa 1300 – zogen die im Bergbau beschäftigten Silberer im Silbertal sowie an der Rodung hoher Berghalden beteiligte Walser ins Montafon. Die romanische und später deutsche Besiedlung wurde vorwiegend vom gräflichen Meierhof in St. Peter bei Bludenz organisiert.Lit. Montafoner Heimatbuch. Am 13. Oktober 1319 bestätigte Friedrich der Schöne (fridericus rex romanorum) dem Albrecht I., Graf von Werdenberg, dass dieser seinem Bruder argentifodinam seu montem dictum Mvntafúne, die Silbergrube und den Berg Mvntafúne übereignen darf.Fürstliches Archiv in Donaueschingen 1885, 347; in der lateinischen Urkunde wird der Name Albertus anstelle von Albrecht verwendet. Diese Feststellung ist in vielfacher Hinsicht von Bedeutung:Vergleiche Müller, 1925 mit Übersetzung der Urkunde Erstmals erscheint der Name „Mvntafúne“, also Montafon, und darüber hinaus in Verbindung mit dem Bergbau, der für diese Zeit am Kristberg mittels der Baumringdatierung (Dendrochronologie) belegt ist.[Pfeifer 2007, 93 ff]. Das Wort argentifodinam, also „Silbergrube“, ist ein eindeutiger Beleg für Silberabbau.Ob im Sprachgebrauch des Mittelalters das Wort argentifodina im engeren Sinne „Silbergrube“ bedeutet oder aber allgemeiner für „Bergbau“ verwendet wurde lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen. In Dasypodius’ Lexikon (Straßburg 1536 75 Spalte 3, Stichwort „Fodio“) heißt „Argentifodina“ zu Deutsch „ein sylberertz grub“. Der lateinische Name von Banská Štavnica in der Slowakei lautet im Jahre 1270 „Argentifodina“ und auch bei S-charl gab es im Jahre 1317 die Verleihung einer „argentifodinam in Valle dicta Scharla fita in Engandina“ (Sperges 1765, 279f). Es ist folglich naheliegend, von einem Zusammenhang zwischen Silberbergbau und „Mvntafúne“ ausgehen zu können. Weinzierl (1972, S. 13–14) glaubt die Silbergrube in der Flur „Kalandarsch“ in Bartholomäberg lokalisieren zu können, da er den Flurnamen von „Kalanda“ – Erzberg und „argient“ – Silber ableitet. Er schließt jedoch den Kristberg als mögliche Lokalität nicht aus.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war wie anderenorts der Bergbau im Montafon vermutlich deutlich zurückgegangen. Ein Grund mag in den Pestepidemien jener Zeit zu suchen sein.Niederstätter 1996, S. 71; vgl. Suhling 1976, S. 73, der vom 14. Jahrhundert als Zeit der Stagnation spricht.
Politisch gehörte das in Churrätien gelegene Montafon von etwa 1258 bis 1418/1420 zum Herrschaftsbereich der Grafen von Werdenberg, die zwischen 1259 und 1296 die Stadt Bludenz gründeten. Der den Bund ob dem See auflösende, in Konstanz geschlossene Friede wurde 1408 unter anderem auch von den Landleuten im Montafon mit ihrem zwei gekreuzte Schlüssel aufweisenden Siegel bekräftigt.
Nach dem Übergang der Herrschaft auf das Haus Habsburg änderte sich für den Bergbau zunächst wenig. Wichtige Repräsentanten der Obrigkeit blieben. Daher verpachteten die Habsburger das Gebiet an den Montforter Graf Wilhelm V. zu Tettnang, der den Verwalter Junker Hardegen von Rudberg bestellte, der dieses Amt bereits zu Zeiten der Werdenberger ausgeübt hatte.Welti 1971, S. 7–8. Gleichzeitig lehnten sich im 15. und 16. Jahrhundert innerhalb Europas die Bauern und Bürger gegen die bestehende Herrschaft auf: Sie kämpften um mehr Rechte, die Reformationsbewegung begann, und in Deutschland, besonders in Süddeutschland, brachen Bauernaufstände aus.
Bludenz und das Montafon waren eingebunden in das Habsburger Reich und wurden in dessen militärische Auseinandersetzungen verwickelt, vor allem mit den westlichen Nachbarn, den Eidgenossen. Ein einschneidendes Ereignis war 1499 während des Schwabenkrieges die Schlacht bei Frastanz, bei der etwa 500 Walgauer, unter ihnen sicher auch Montafoner Bergknappen, den Tod fanden.Welti 1974a, S. 426; Burmeister 2009. Die Habsburger regierten ab dem 15. Jahrhundert Vorarlberg und damit auch die Orte im Montafon wechselnd von Tirol und Vorderösterreich (Freiburg im Breisgau) aus, von Innsbruck aus auch noch nach 1867, als Vorarlberg Kronland wurde. Das Montafon gehörte zur Herrschaft Bludenz. Von 1805 bis 1814 gehörte das Montafon zum Königreich Bayern, ab 1814 dann wieder zu Österreich.
Mit der Neuordnung der Vorarlberger Gerichtssprengel im Jahre 1806 wurde das ganze Montafon dem neu installierten Landgericht Sonnenberg mit Sitz in Bludenz unterstellt, aus dem sich der heutige politische Bezirk entwickelt hat.
Das Montafon war 1945 bis 1955 Teil der französischen Besatzungszone in Österreich.
Wappen und Siegel
80px|links|Wappen des Tales Montafon
Das Wappen und SiegelHermann Sander: Geschichte des Montafoner Wappens. 1903 der Montafoner zeigt: In silbernem Schild zwei schwarze, gekreuzte Schlüssel.
Der Schlüssel im Wappenschild ist ein Zeichen der Aufgeschlossenheit. Er ist auch Symbol für Petrus. Das Symbol der gekreuzten Schlüssel ist dem päpstlichen Wappen entnommen, es wird seit dem frühen 15. Jahrhundert eingesetzt und beruht auf dieser Geschichte: Während des Appenzellerkriegs (1405–1408) organisierten sich die Montafoner zu einem „Land“ und verwendeten als Zeichen im Wappen zwei vom Hof St. Peter (bei Bludenz) abgeleitete gekreuzte Schlüssel. Dieses Wappen wurde später eigenmächtig zum päpstlichen Wappen umgestaltet, indem dem Wappenschild noch eine dreifache Papstkrone hinzugefügt wurde. Begründet wurde dies damit, dass Papst Johannes XXIII. auf dem Weg zum Konzil von Konstanz in einer Sänfte vom Klostertal über den Kristberg ins Montafon getragen wurde, um der Pest zu entgehen und ihnen dann das Recht verliehen habe. 1700 gestattete Papst Innozenz XII. den Montafonern offiziell die Führung dieses Wappens., kristberg.at
Das Wappen führt heute der Kommunalverband Stand Montafon.
Namensherkunft und Schreibung Der Name Montafon ist rätoromanischen Ursprungs. Bis ins 15. Jahrhundert wurde im Montafon Rätoromanisch gesprochen. Zur genauen Namensherkunft gibt es unterschiedliche Theorien: Der historische Name „Montavon“ könnte von mont davon, „Berg davor, Vorberg, Vorderberg“ (eventuell Vorarlberg? siehe Etymologie des Arlberges) oder von munt tovun, „durchlöcherter Berg“, „Grubenberg“ kommen. Andere Erklärungsversuche sind „Bergbrunn“, „Stillalpenberg“ oder eine Wortverdopplung des Begriffs „Berg“.