mini|Filmproduzent Arthur Cohn Arthur Cohn (* 4. Februar 1927 in Basel; † 12. Dezember 2025 in JerusalemYves Kugelmann: Filmproduzent Arthur Cohn verstorben. In: tachles, 12. Dezember 2025.) war ein Schweizer Filmproduzent und mehrfacher Oscar-Preisträger.

Leben und Wirken Arthur Cohns Vater Marcus war ein Basler Anwalt und rettete aus seinem Schweizer Standort viele Juden im Zweiten Weltkrieg; seine Mutter Rose stammte aus Berlin, war Lyrikerin und schrieb u. a. Texte für das Cabaret Cornichon. Sein Grossvater Arthur Cohn (1862–1926) war von 1885 bis 1926 der erste vollamtliche Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel.

Arthur Cohn verbrachte seine Jugend- und Studienjahre in Basel, danach folgten Jahre als Journalist, u. a. beim «Echo der Zeit» (Radio) und die Beschäftigung mit der Konzeption von Drehbüchern, die ihn zum Film brachte.

Seine bekanntesten Produktionen sind Der Garten der Finzi Contini (1970), unter der Regie von Vittorio De Sica, sowie Die Kinder des Monsieur Mathieu (2004, Regie: Christophe Barratier), der besonders in Frankreich erfolgreich war. Mehrere Filme des brasilianischen Regisseurs Walter Salles wurden von ihm mitproduziert. Engste Mitarbeiter Cohns in den letzten drei Jahrzehnten waren Pierre Rothschild (Zürich) und Lillian Birnbaum (Paris).

Cohn starb im Dezember 2025 im Alter von 98 Jahren in Jerusalem.

Ehrungen Oscargewinne Die Dokumentarfilme Nur Himmel und Dreck (1960, gemeinsam mit René Lafuite), American Dream (1990, gemeinsam mit Barbara Kopple) und Ein Tag im September (1999, gemeinsam mit Kevin Macdonald) wurden mit einem Oscar ausgezeichnet,Liste der Auszeichnungen für Arthur Cohn bei IMDb. den Cohn jeweils als einer der Produzenten und Preisträger entgegennahm.

Nach offizieller Lesart der vergebenden Academy ist Cohn somit dreifacher Oscargewinner.

Arthur Cohn bezeichnete sich selbst in Pressetexten jedoch stets als sechsfachen Oscar-Preisträger. Friedrich Reinhardt Verlag, 28. März 2007 (Medienmitteilung). und hat auch sechs Oscar-Statuen in seinem Besitz. Die drei weiteren Oscars wurden jeweils für den besten fremdsprachigen Film verliehen, im Einzelnen waren dies Der Garten der Finzi Contini (Auszeichnung 1972), Sehnsucht nach Afrika (Auszeichnung 1977) sowie Gefährliche Züge (Auszeichnung 1985). Produzenten können namentlich mit dem Oscar jedoch nur bei Dokumentarfilmen und englischsprachigen Spielfilmen geehrt werden. Der Oscar für den besten fremdsprachigen Spielfilm wird an das Werk als Ganzes und an das Land, das die Bewerbung einreicht, verliehen82nd Academy Awards Rules. Rule Fourteen: Special Rules for the Best Foreign Language Film Award. In: oscars.org.. So war Cohn Produzent von Sehnsucht nach Afrika (Frankreich/Schweiz/Elfenbeinküste), offiziell verliehen wurde der Oscar jedoch an die ebenfalls mitproduzierende Elfenbeinküste (einreichendes Land) und den Film als Ganzes.

Weitere Ehrungen Arthur Cohn erhielt für sein Schaffen mehrere Ehrungen: Die Boston University (1998), die Yeshiva University (2001), die Universität Basel (2006). Universität Basel, 24. November 2006. und die Bar-Ilan-Universität (2021) verliehen ihm Ehrendoktorate. 1995 ehrte ihn das französische Kulturministerium mit dem Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres, dem höchsten Orden, den ein nichtfranzösischer Bürger erhalten kann. Cohn war am 17. November 1992 der erste nicht-US-amerikanische Produzent, dessen Name einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame erhielt. Zudem wurde er im November 2005 im Rahmen einer Benefiz-Gala mit dem UNESCO-Award ausgezeichnet.Arthur Cohn erhält UNESCO-Award. In: news.ch. 10. November 2005.

Auf dem Basler Münsterplatz fand während der sommerlichen Openair-Kinoveranstaltung regelmässig eine Arthur-Cohn-Gala statt, zuletzt am 27. Juli 2006. Dabei wurde jeweils seine neuste Produktion aufgeführt und vorgestellt.

Cohn erhielt den Preis für das Lebenswerk vom Chicago International Film Festival (1992), Jerusalem Film Festival (1995), Internationales Filmfestival Shanghai (1999) sowie vom Haifa International Film Festival (2016).

Am 11. Februar 2019 wurde Arthur Cohn von der Cinema-for-Peace-Foundation in Berlin für sein Lebenswerk ausgezeichnet.«Cinema for Peace»: Basler Filmproduzent in Berlin ausgezeichnet

Filmografie Jahr Film Bemerkungen 1961 Nur Himmel und Dreck (Le Ciel et la Boue) Oscar/Bester Dokumentarfilm 1963 Mit Karl May im Orient TV-Serie, gedreht in Jugoslawien 1964 Paris Secret Dokumentarfilm 1967 Siebenmal lockt das Weib (Woman Times Seven) Golden-Globe-Award-Nominierung für Shirley MacLaine als Beste Hauptdarstellerin 1968 Clown Kurzstummfilm Der Duft deiner Haut (Amanti) 1970 Sonnenblumen (I girasoli) Der Garten der Finzi Contini (Il giardino dei Finzi-Contini) Oscar/Bester internationaler Film 1972 Lo chiameremo Andrea 1973 Ein kurzer Urlaub (Una breve vacanza) David di Donatello-Preis Gewinner 1976 Sehnsucht nach Afrika (La Victoire en chantant) Oscar/Bester internationaler Film 1979 Verhängnisvolle Freundschaft (L’Adoption) 1981 Der gelbe Stern – Die Judenverfolgung 1933–1945 Oscar-Nominierung für Bester Dokumentarfilm1984 Theater der Liebe (L'Amour par terre) Gefährliche Züge (La Diagonale du fou) Oscar/Bester internationaler Film 1990 American Dream Oscar/Bester Dokumentarfilm 1991 Novembertage Dokumentarfilm zum Fall der Berliner Mauer 1995 25 Cents (Two Bits) 1997 White Lies – Das Leben ist zu kurz, um ehrlich zu sein (White Lies) 1998 Central Station (Central do Brasil) Oscar-Nominierung für Bester internationaler Film und Beste Hauptdarstellerin und Golden Globe Award/Bester fremdsprachiger Film 1999 Kinder der Nacht (Children of the Night) Kurzdokumentarfilm mit rarem Material zu Kindern im Holocaust Ein Tag im September (One Day in September) Oscar/Bester Dokumentarfilm 2001 Hinter der Sonne (Abril Despedaçado) Golden-Globe-Award-Nominierung für Bester fremdsprachiger Film 2004 Die Kinder des Monsieur Mathieu (Les Choristes) Oscar-Nominierung für Bester internationaler Film und Bester Song 2008 Das gelbe Segel (The Yellow Handkerchief) Die Kinder der Seidenstraße (The Children of Huang Shi) 2009 Federfächer und Seidenband (Feathered Fan and Silken Ribbon) Dokumentarfilm 2012 Russendisko 2018 Das etruskische Lächeln (The Etruscan Smile)

Schriften Der Staat Israel – heute. Frey, Basel 1950. Unruheherd Mittlerer Osten. Athena, Basel 1953. Israel: wie es lebt und lacht. Maor, Jerusalem 1963.

Literatur Gero von Boehm: Arthur Cohn. In: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S. 307–315 (Interview).

-minu: Arthur Cohn: der Mann mit den Träumen. In: Basler Zeitung. Basel 1999, ISBN 3-85815-341-9.

Weblinks

Michael Bahnerth: Das Leben schuldet mir nichts! 79 Fragen an Arthur Cohn. In: Basler Zeitung. 20. August 2012.

Einzelnachweise

Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Oscarpreisträger Kategorie:Träger des Ordre des Arts et des Lettres (Komtur) Kategorie:Ehrendoktor der Bar-Ilan-Universität, Ramat Gan Kategorie:Ehrendoktor der Universität Basel Kategorie:Ehrendoktor der Yeshiva University Kategorie:Ehrendoktor der Boston University Kategorie:Mitglied der Deutschen Filmakademie Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Mann