Suzanne Schiffman (* 27. September 1929 in Paris; † 6. Juni 2001 ebenda; eigentlich Suzanne Klochendler) war eine französische Drehbuchautorin und Regisseurin.

Leben Schiffman wurde 1929 als Suzanne Klochendler in Paris geboren. Nach ihrem Abschluss in Kunstgeschichte an der Sorbonne, wo sie sich mit jungen Filmemachern angefreundet hatte, gelang ihr der Einstieg ins Filmgeschäft als Scriptgirl der Nouvelle-Vague-Regisseure Jean-Luc Godard, Jacques Rivette und François Truffaut.Sophie Baker: Suzanne Schiffman. Award-winning French film-maker who began her career as a New Wave script girl. In: The Guardian. 14. Juni 2001.

Vor allem mit Truffaut arbeitete sie fortan häufig zusammen, zumeist als Drehbuchautorin, aber auch als Regieassistentin und Casting-Direktorin. Zusammen mit ihm und Jean-Louis Richard erhielt sie 1975 eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch für Die amerikanische Nacht. Die Figur des Scriptgirls Joelle, gespielt von Nathalie Baye, wurde von Schiffman autobiografisch angelegt. 1981 gewann sie mit Truffaut den César in der Kategorie Bestes Drehbuch für Die letzte Metro. Das Drehbuch zum Film über ein französisches Theater unter deutscher Besatzung, wurde von Schiffmans eigenen Kriegserfahrungen inspiriert. Während der deutschen Besatzung Frankreichs war ihre jüdische Mutter von französischen Hilfsagenten der Gestapo festgenommen und zunächst in ein Lager in der Nähe von Beaune deportiert worden. Schiffman und ihre Geschwister versteckten sich bei einem Nonnenorden. Ihr Vater lernte derweil eine andere Frau kennen und führte mit dieser eine Beziehung. Die Kinder mochten die neue Frau an der Seite ihres Vaters, hofften aber auf die Rückkehr der Mutter. Diese starb schließlich in einem deutschen Konzentrationslager. In Die letzte Metro gerät, ähnlich wie Schiffman, die von Catherine Deneuve gespielte Protagonistin in einen Gewissenskonflikt, als sie sich in ihren Schauspielkollegen verliebt, während sich ihr jüdischer Mann vor den Nazis im Keller des Theaters verstecken muss.

Nach Truffauts Tod im Jahr 1984 fiel es Schiffman schwer, mit anderen Regisseuren zusammenzuarbeiten. Sie entschied sich daher, ihre eigenen Filme zu drehen.Gerald Peary: Schiffman: From Script Girl to Director. In: Los Angeles Times. 25. September 1988. 1987 lieferte sie mit Der Mönch und die Hexe ihr Regiedebüt. Für das Mittelalterdrama über die Rolle der Kirche im Bezug auf die Unterdrückung der Frau erhielt Schiffman eine Nominierung für den César in der Kategorie Bestes Erstlingswerk. Nebenbei förderte sie auch junge Filmemacher, die sie finanziell und mit ihren beruflichen Kontakten unterstützte.

Mit dem US-amerikanischen Künstler Philippe Schiffman war sie von 1949 bis zu dessen Tod im Jahr 2000 verheiratet. Ihre gemeinsamen Söhne Matthieu und Guillaume sind als Schauspieler bzw. Kameramann ebenfalls im Filmgeschäft tätig. Suzanne Schiffman starb 2001 im Alter von 71 Jahren an Krebs. Sie wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris beigesetzt.

Filmografie (Auswahl) Drehbuch: 1972: Out 1: Spectre – Regie: Jacques Rivette 1973: Die amerikanische Nacht (La Nuit américaine) – Regie: François Truffaut 1975: Die Geschichte der Adèle H. (L’Histoire d’Adèle H.) – Regie: François Truffaut 1976: Taschengeld (L’Argent de poche) – Regie: François Truffaut 1977: Der Mann, der die Frauen liebte (L’Homme qui aimait les femmes) – Regie: François Truffaut 1979: Liebe auf der Flucht (L’Amour en fuite) – Regie: François Truffaut 1980: Die letzte Metro (Le Dernier Métro) – Regie: François Truffaut 1981: Die Frau nebenan (La Femme d’à côté) – Regie: François Truffaut 1981: An der Nordbrücke (Le Pont du Nord) – Regie: Jacques Rivette 1981: Merry-Go-Round – Regie: Jacques Rivette 1983: Auf Liebe und Tod (Vivement dimanche!) – Regie: François Truffaut 1984: Theater der Liebe (L’Amour par terre) – Regie: Jacques Rivette 1984: Flügel und Fesseln – Regie: Helma Sanders-Brahms 1985: Rouge-gorge – Regie: Pierre Zucca 1985: Sturmhöhe (Hurlevent) – Regie: Jacques Rivette 1987: Der Mönch und die Hexe (Le Moine et la Sorcière) – auch Regie 1989: Corps perdus – Verlorene Körper (Corps perdus) – Regie: Eduardo de Gregorio 2001: Tangos volés – Regie: Eduardo de Gregorio

Auszeichnungen 1975: Nominierung für den Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch zusammen mit François Truffaut und Jean-Louis Richard für Die amerikanische Nacht 1975: New York Film Critics Circle Award in der Kategorie Bestes Drehbuch zusammen mit François Truffaut und Jean Gruault für Die Geschichte der Adèle H. 1981: César in der Kategorie Bestes Drehbuch zusammen mit François Truffaut für Die letzte Metro 1988: Nominierung für den César in der Kategorie Bestes Erstlingswerk für Der Mönch und die Hexe 1995: Nominierung für den Cóndor de Plata in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch zusammen mit José Pablo Feinmann, Eduardo de Gregorio, Robert Scheuer und Charles Tesson für Corps perdus – Verlorene Körper

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Einzelnachweise

Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Filmregisseur Kategorie:César-Preisträger Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1929 Kategorie:Gestorben 2001 Kategorie:Frau