mini|Die Brunnen Stille Wasser (vorn) und Stürmische Wogen (hinten) bei Nacht mini|Umgekehrte Ansicht bei Tag: Stürmische Wogen (vorn) und Stille Wasser (hinten) Stille Wasser und Stürmische Wogen ist eine Zwillingsbrunnenanlage auf dem Albertplatz in Dresden-Neustadt, die 1894 eingeweiht wurde und unter Denkmalschutz steht.Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Dresden. (Sonderband) Deutscher Kunstverlag, München / Berlin 2005, ISBN 3-422-03110-3, S. 121. Die Figurengruppen wurden von 1883 bis 1894 von dem Dresdner Bildhauer Robert Diez geschaffen.
Geschichte Vom Wettbewerb bis zur Fertigstellung mini|Ansicht der Brunnen um 1910 mini|Die Zwillingsbrunnenanlage auf dem Albertplatz aus der Luft gesehen Auf dem Albertplatz standen um 1875 bereits zwei schlichte, runde Brunnenbecken mit einfachen Springbrunnen, die an regenfreien Tagen für wenige Stunden liefen.Engel, Hänsch: Stürmische Wogen und Stilles Wasser... (vergleiche Literatur), S. 4. Der Rat der Stadt schrieb 1879 einen Wettbewerb aus, in dem Entwürfe für plastischen Schmuck für beide Brunnenbecken eingereicht werden sollten. Aus 20 Einsendungen wählte der Rat der Stadt drei Entwürfe aus, die gleichwertig prämiert wurden: Der erste Entwurf stammte von Werner Stein und der zweite von Heinrich Bäumer und Architekt Ernst Hermann. Der dritte Entwurf entstand in Zusammenarbeit des Bildhauers Robert Diez mit den Architekten Ernst Giese und Paul Weidner.Jochen Hänsch: Die Stürmischen und das Stille. In: Sächsische Zeitung vom 31. August 2009, S. 20.
Diez überarbeitete seine Entwürfe und schuf bis 1883 Modelle der beiden Brunnenplastiken, die in seinem Atelier, Zirkusstraße 24, besichtigt werden konnten. Nachdem die Stadtverordneten die Modelle in Augenschein genommen hatte, gaben sie im Oktober 1883 ihre Zustimmung zur Ausführung der Entwürfe. Diez erhielt schließlich Weihnachten 1883 vom Dresdner Stadtrat den Auftrag, beide monumentalen Plastiken herzustellen. Diez erhielt dafür aus der Dr.-Güntz-Stiftung ein Honorar von 60.000 bis 80.000 Mark; die Kosten für die Brunnen wurde mit 225.000 Mark angesetzt.
Die Fertigstellung beider Brunnen verzögerte sich. Grund dafür war unter anderem Diez’ Ernennung zum Professor an der Kunstakademie Dresden und damit einhergehende Verpflichtungen. Im Jahr 1888 waren erste Teile des Brunnenmodells Stille Wasser fertiggestellt. Wie vertraglich festgelegt, stellte Diez das erste Brunnenmodell bis April 1892 fertig. Der erste Brunnen wurde von der Dresdner Kunst- und Glockengießerei C. Albert Bierling im Mai 1892 in Bronze gegossen. Das zweite Brunnenmodell wurde im Jahr 1893 fertiggestellt und im März 1894 gegossen. Ebenfalls 1894 entstanden die Brunnenbecken aus Granit – nachdem man sich gegen eine Weiterverwendung der alten Becken entschieden hatte, die stattdessen auf dem Straßburger Platz aufgestellt werden sollten. Den Schmuck der Wasserschalen über den Diez’schen Figurengruppen schuf Clemens Grundig.
Beide Brunnen wurden nach ihrer Fertigstellung 1894 schließlich mit rund 326.000 Mark abgerechnet, was die ursprünglich zur Verfügung gestellte Summe deutlich übertraf. In einer Meldung der Fachzeitschrift Deutsche Bauzeitung hieß es dazu: „Indem der Stadtrat von Dresden als Verwalter der Dr. Güntz-Stiftung der Ausgabe dieser über viermal grösseren SummeDie Meldung vermischt hier die Summe des ursprünglichen Entwurfshonorars für Diez mit den Geldmitteln zur Ausführung der Brunnen. ohne Vorbehalt zustimmte, gab er eines der seltensten und bemerkenswerthesten Beispiele künstlerischen Hochsinns.“Neue Monumental-Brunnen in Dresden. In: Deutsche Bauzeitung, 28. Jahrgang 1894, S. 500. (vergleiche Literatur) Neben einer Übernahme der Mehrkosten von rund 100.000 Mark finanzierte die Stiftung auch das durch Oberbürgermeister Paul Alfred Stübel festgelegte höhere Honorar für Diez, der statt 60.000 bis 80.000 Mark nun 132.000 Mark erhielt.
Am 1. September 1894 wurden beide Brunnen auf dem Dresdner Albertplatz in Anwesenheit von Oberbürgermeister Stübel und verschiedener Stadträte erstmals in Betrieb gesetzt und formlos eingeweiht. Auf eine Einweihungsfeier wurde dabei verzichtet, unter anderem weil sich Diez zu dem Zeitpunkt in Tirol aufhielt.Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 61. mini|Zweit-Teilguss der Stürmischen Wogen im Park von Schloss Eckberg Für die Weltausstellung Paris 1900 wurde ein Teilstück des Brunnens Stürmische Wogen im Jahr 1899 nachgegossen. Es erhielt auf der Ausstellung eine Goldmedaille.Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 258. Nach dem Ausstellungsende wurde der Zweitguss auf einem Privatgrundstück in Dresden unweit des Hygienemuseums gelagert, wo er während der Bombardierung Dresdens im Februar 1945 nur gering beschädigt wurde. Eine 1951 verfügte Einschmelzung konnte durch den Landeskonservator Hans Nadler verhindert werden, der die Gruppe als Kulturgut kennzeichnete. Der Zweitguss wurde im Juli 1952 auf dem Sockel des Mozart-Denkmals auf der Bürgerwiese aufgestellt und kam 1989 im Zuge der Rekonstruktion des Mozart-Brunnens in den Park von Schloss Eckberg.
Entwicklung nach 1945 mini|links|Ehrenmal von Otto Rost an der Stelle der Stürmischen Wogen 1947 Bei der Bombardierung Dresdens wurde der Brunnen Stille Wasser nicht beschädigt; der Brunnen Stürmische Wogen war trotz Schäden „in wesentlichen Teilen erhalten“.Engel, Hänsch: Stürmische Wogen und Stilles Wasser... (vergleiche Literatur), S. 9. Dennoch ließ man die Brunnenplastik Stürmische Wogen abbauen und ihre Einzelteile an verschiedenen Orten der Stadt einlagern. Im Zuge dessen kam es zu größeren Schäden an den einzelnen Teilen. An der Stelle der Stürmischen Wogen wurde am 25. November 1945 (Totensonntag) in der stehengebliebenen Brunnenschale das vom Bildhauer Otto Rost geschaffene sowjetische Ehrenmal eingeweiht.
Viele Jahre waren Künstler und Denkmalpfleger bestrebt, den Brunnen Stürmische Wogen wieder aufzustellen. Pläne sahen dabei unter anderem einen Aufbau im Garten des Japanischen Palais vor, wurden jedoch nicht umgesetzt. Im Jahr 1985 erteilte der Rat der Stadt der Kunstschmiedewerkstatt Karl und Peter Bergmann den Auftrag, einen Teil der vorhandenen Brunnenelemente provisorisch zusammenzusetzen. Dies geschah ab 1986. Da Bergmann jedoch keinen Restaurierungsauftrag erhalten hatte, blieb der unvollständig zusammengebaute Brunnen – die Teile der oberen Brunnenschale erhielt Bergmann erst 1993 – mehrere Jahre lang in Bergmanns Werkstatt in Mickten.Engel, Hänsch: Stürmische Wogen und Stilles Wasser... (vergleiche Literatur), S. 10. Verlorene Stücke wurden schließlich von 1988 bis 1989 von Bildhauer Wilhelm Landgraf nachmodelliert, jedoch ebenfalls eingelagert. mini|Gedenktafel am ehemaligen Standpunkt des sowjetischen Ehrenmals Erst nach der Wende wurde eine Wiederaufstellung des Brunnens Stürmische Wogen beschlossen. Bereits 1990 hatte eine Brauerei die Gelder für eine Restaurierung des Brunnens in Höhe von rund 550.000 DM gespendet. Die Restaurierungsarbeiten am Brunnen begannen schließlich im Mai 1993, wobei zunächst weitere Gussmodelle von fehlenden Teilen des Brunnens hergestellt werden mussten. Als Vorlage diente dabei der Zweitguss aus dem Jahr 1899 im Park von Schloss Eckberg.Engel, Hänsch: Stürmische Wogen und Stilles Wasser... (vergleiche Literatur), S. 12.
Die Versetzung des sowjetischen Ehrenmals erwies sich als kompliziert, da es sich dabei um sowjetisches Eigentum handelte. Erst 1993 wurde aus Moskau einer Versetzung des Denkmals zugestimmt: Am 22. März 1994 wurde das sowjetische Ehrenmal abgetragen und im Mai 1994 unweit des Militärhistorischen Museums in der Dresdner Albertstadt in einer kleinen Parkanlage wieder aufgebaut. An das Denkmal erinnert heute eine Erinnerungstafel unweit des Brunnens. Da das Ehrenmal nur auf die Brunnenbasis aufgesetzt worden war und daher der Sockel für die Plastik erhalten war, konnte bereits im Juli 1994 die Brunnenplastik Stürmische Wogen am Albertplatz montiert werden. Am 31. August 1994 ging der Brunnen schließlich wieder in Betrieb.
Becken und Wasseranlage des Brunnens Stille Wasser waren bereits von 1992 bis 1993 erneuert worden. Die Brunnenplastik wurde 2008 renoviert.
Aufgrund von Einsparmaßnahmen der Stadt Dresden sind die Brunnen im Jahr 2025 nicht in Betrieb.Pressemitteilung der Stadt Dresden
Beschreibung mini|Gesamtansicht Der Brunnenaufbau Stille Wasser steht an der Ostseite des Albertplatzes, Stürmische Wogen auf der Westseite, also in Richtung Neustädter Bahnhof. Beide Brunnen sind in ihrem Grundaufbau identisch:
Das runde Brunnenbecken aus Lausitzer Granit hat einen Durchmesser von 18 Metern. In ihm steht eine im Durchmesser 7,20 Meter große Steinschale, in der sich die Brunnenplastik auf erhöhtem Sockel erhebt. Über kurzem Schaft folgt mittig in rund fünf Metern Höhe eine weitere Brunnenschale, die einen Durchmesser von rund fünf Metern hat. Der Schaft ist mit figürlichem, überlebensgroßem Schmuck versehen, den Diez „in edelstem Wahlnaturalismus geschaffen“ hat. Auch die Unterseite der oberen Brunnenschale trägt reichen künstlerischen Schmuck.
Die Brunnen bestehen aus Bronze, die mit grüner Patina überzogen sind.
Die Brunnenplastik mini|Gruppe Perle und Nymphe am Brunnen Stille Wasser mini|Stechergruppe am Brunnen Stürmische Wogen Stille Wasser Stille Wasser zeigt elf überlebensgroße Figuren.Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 246. Die Figuren sind in vier Gruppen unterteilt (im Uhrzeigersinn):Bezeichnung nach Paul Schumann 1922, zitiert nach Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 249.
Loreley mit Leier Perle und Nymphe – eine Nymphe trägt als Perle des Meeres ein junges Mädchen aus dem Wasser empor, eine Nymphe mit Lilie sitzt dabei Meerweib und Nixe (Najadengruppe) – ein Meerweib scherzt mit einem Nixen Wasserrose und schlafender Knabe (Gruppe des Schlafes) – eine schlafende Nymphe wird von einem Mädchen (als Libelle) und einem Jungen (als Schmetterling) umgarnt, zu ihren Füßen ein schlafender Knabe
Ergänzt werden die Gruppen, die „ungezwungen miteinander in Beziehung“ stehenPaul Schumann 1894, zitiert nach Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 248., durch Putten sowie (langsame) Wassertiere, wie zum Beispiel Schildkröten, Frösche und kleine Fische.
Stürmische Wogen Auch der Brunnen Stürmische Wogen besteht aus verschiedenen Figurengruppen (im Uhrzeigersinn):Nach Schumann 1922; Knüppel ordnet die Gruppen an Schumann angelehnt falsch zu, so werden aus Seestern und Jüngling zwei Gruppen, während die Brandungsgruppe entfällt. – Ernst-Günter Knüppel: Robert Diez. Bildhauerkunst zwischen Romantik und Jugendstil. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-355-6, S. 253.
Sturmgruppe – Sturm mit Schlangenpeitsche rast auf seinem Ross über das Meer Tritonengruppe – Kampf von Tritonen gegen Seeungeheuer (Geheul der Brandung) Kampf zweier Fischmenschen um einen Seestern, der als junger Knabe von den Wogen emporgetragen wird Stechergruppe – ein Nixe attackiert mit einer spitzen Muschel einen Wels
Ergänzt werden die Gruppen durch kleine Details, darunter flüchtende Echsen.
Das Wasserspiel mini|Stille Wasser bei Nacht