mini|Johann Adolf Wolff genannt Metternich zur Gracht, 1654 mini|Das von Löwen flankierte Wappen der Familie Wolff Metternich über dem in das Jahr 1669 datierten Westportal der Kirche St. Alban in Liblar Johann Adolf Wolff genannt Metternich zur Gracht (* 24. Juni 1592 in Köln; † 6. November 1669 ebenda) war ein einflussreicher Hofbeamter im 17. Jahrhundert. Geschichte Aufstieg oder Niedergang der Familien des Niederadels war in der Zeit des Heiligen Römischen Reiches eng mit der Gunst der jeweils regierenden Landesherren verbunden. Diese waren für Johann Adolf Herzog Wolfgang Wilhelm von Jülich-Berg, der Kölner Kurfürst Ferdinand von Bayern und die bayrischen Kurfürsten Maximilian und Ferdinand Maria. Johann Adolf gelang durch seine Tätigkeit an den Fürstenhöfen die Voraussetzungen für den späteren Aufstieg seiner Familie zu schaffen. Dies gelang ihm, anders als Feldherren wie Wallenstein und Aldringen oder Politikern wie Liechtenstein und Eggenberg, in seiner Eigenschaft als Diplomat, der sich bei seinem Kurfürsten, Erzbischof Ferdinand von Köln, ebenso unentbehrlich machte wie bei dessen Bruder, Kurfürst Maximilian I. von Bayern.

Leben Jugend und Studium mini|Familienwappen auf einem Pluviale seines Sohnes Johann Wilhelm, im Speyerer Domschatz (um 1690) Johann Adolf wurde 1592 als einziges Kind des Hermann Wolff genannt Metternich und der Maria von Hochsteden in dem in der Marzellenstraße Kölns gelegenen Stadthaus der Wolff-Metternich geboren.Karl Stommel: Johann Adolf Wolff genannt Metternich zur Gracht. Köln 1986

Als sechsjähriger kam er in das Haus seines Patenonkels, des Domdechanten Adolph Wolff von Metternich zur Gracht, in Speyer. Dieser übernahm nach dem Tode der Eltern Johann Adolfs (1603 der Vater und 1605 die Mutter) die Vormundschaft des Jungen. Johann Adolf besuchte bis 1609 die Speyerer Domschule, in der er, wie auch im Hause seines Patenonkels, eine solide katholische Erziehung genoss; der Onkel war einer der Hauptträger der nachtridentinischen Erneuerung im Bistum Speyer.Ludwig Stamer, „Kirchengeschichte der Pfalz“, Band III/1, Seiten 132–133; Ausschnitt aus der Quelle Ein weiterer Onkel, Pater Wilhelm Wolff von Metternich zur Gracht (1563–1636), leitete als Rektor das Jesuitenkolleg Speyer. Nach einem anschließenden Studium der Rhetorik und Philosophie im französischen Bourges trat der junge Edelmann eine Bildungsreise an, die ihn zu längeren Aufenthalten in die Länder England und die Niederlande führte.

Verwaltung des Erbes Nach seiner Vorstellung am Bonner Hof durch den Speyerer Domdechanten im Jahre 1614 begann für Johann Adolf die Zeit des Wartens auf den angestrebten Beruf in Hofdienst. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Junker bei der Verwaltung des väterlichen Besitzes zu einem sachkundigen Landwirt, der über die Bewirtschaftung seiner Güter genau Buch führen ließ. Die Durchsicht des Familienarchivs verschaffte ihm einen Überblick über Immobilien und Finanzen.

Gründung einer Familie mini|St. Aposteln um 1665 Die von Johann Adolf angestrebte Heirat mit Maria Catharina von Hall, der Erbin von Burg Strauweiler bei Odenthal fand das Einverständnis beider Familien. 1615 wurde vor dem öffentlichen Kirchgang auf dem am Kölner Neumarkt gelegenen Gymnicher Hof der Ehevertrag unterschrieben und gesiegelt.Archiv Gracht Urkunde 617 Dort fand auch nach der kirchlichen Trauung in der Kölner Stiftskirche St. Aposteln die Hochzeitsfeier statt.

Hofbeamter in verschiedenen Kabinetten Geheimer Rat im Kabinett des Herzogs Wolfgang Wilhelm Auf Johann Adolfs Bewerbungen für den Hofdienst, die er 1622 an die Höfe in Bonn und Düsseldorf richtete, erhielt er aus Düsseldorf einen positiven Bescheid. Der zum Geheimen Rat ernannte 31-jährige Johann AdolfArchiv Gracht Urkunde 684 war von 1624 bis 1627 als bergischer Kriegskommissar in Düsseldorfer Kabinett des jülich-bergischen Herzogs Wolfgang Wilhelm tätig. Er wurde zum Vertrauten des häufig abwesenden Herzogs, als es ihm gelang, zwischen der Ritterschaft und dem Landesherrn zu vermitteln, indem er die Ritterschaft dazu bewegen konnte, die vom Landesherrn geforderten Steuern zu bewilligen.

Obwohl Johann Adolf die Gunst des Fürsten in hohem Maß hatte, war er dennoch bestrebt, den Hof in Düsseldorf im Einvernehmen mit Wolfgang Wilhelm verlassen zu können, um für das bedeutendere Kurköln tätig zu werden. Dieser Wechsel, mit dem eine weitere Karriere begann, vollzog sich, nachdem ihn der Herzog im Oktober 1627 freigegeben hatte. Für seine weitere Verbundenheit mit den Herzogtümern als „Rat von Hause aus“ überwies ihm der Hof jährlich 300 Reichstaler.

Geheimer Rat im Kabinett des Kölner Kurfürsten Ferdinand Vom 1. Januar 1628Archiv Gracht Urkunde 685 bis Dezember 1644 war Johann Adolf als Geheimrat Rat im kurkölnischen Hofdienst in Bonn tätig. Die Bonner Hofhaltung wurde wegen des befürchteten Vordringens der Schwedens zwischen 1631 und 1636 mehrmals von Bonn nach Köln und wieder nach Bonn verlegt, einem Wechsel, dem sich die Familie Wolff Metternich immer loyal anschloss.

Gesandter des Kurfürsten Johann Adolfs Verhandlungsgeschick bewog den Kurfürsten, diesem diplomatische Aufgaben zu übertragen. Über mehrere Jahre reiste Johann Adolf als Gesandter zu Tagungen der katholischen Fürsten, zum Kurfürstentag der katholischen Kurfürsten sowie im Gefolge Ferdinand 1636 zum Reichstag nach Regensburg, auf dem die Wahl Ferdinands III. zum römischen König stattfand. Johann Adolfs Position fand dort eine weitere Aufwertung, als er bei den Krönungsfeierlichkeiten statt des Erbmarschalls von Reiferscheid das Schwert in der Scheide vorantrug. Der Reichstag war auch eine Zusammenkunft, um über die Kriegsereignisse am Niederrhein zu debattieren. Vor dem Kurfürstentag in Bingen 1628 schickte Kurfürst Ferdinand Johann Adolf zu Tilly, dem Feldherrn der katholischen Liga, um ihm die Pläne Kurkölns mitzuteilen, Kaiser Ferdinand vor Wallenstein zu warnen. Johann Adolf gehörte zu der Gesandtschaft, die der Kurfürst Anfang 1632 zu Verhandlungen mit dem französischen Diplomaten Baron Hercule de Charnacé nach Koblenz schickte, durch dessen Vermittlung die Gesandtschaft in der von den Schweden besetzen Kartause eine Audienz beim schwedischen Kanzler Oxenstierna erhielt. Metternich gelang es, Oxenstierna von der Neutralität Kurkölns zu überzeugen und den schwedischen Feldmarschall Graf Gustaf Horn zu bewegen, rheinaufwärts zu ziehen. 1642 weilte er im Auftrag des Kurfürsten zu Verhandlungen am Hof Kaiser Ferdinands in Wien. In persönlichen Audienzen erreichte er die Zustimmung des Kaisers zur Wahl des Koadjutors Maximilian Heinrich von Bayern für Kurfürst Ferdinand, und ein Entgegenkommen des Kaisers auf die Bitte des Kurfürsten Ferdinand, Truppen gegen die französisch-hessischen Heere an den Niederrhein in die Schlacht auf der Kempener Heide zu schicken. Durch Johann Adolfs Vermittlung erhielt der kaiserlich-bayrische Marschall Jan van Werth, der sich nach seiner Gefangenschaft in Wien aufhielt, vom Kaiser 90000 Gulden zur Aufstellung einer neuen Armee, die am Niederrhein eingesetzt werden sollte.

Ernennung zum Hofmarschall mini|Exlibris des Johann Adolf Freiherrn Wolff-Metternich, zu Gracht, Raed, Forst usw., Römischer Kaiserlicher Majestät Rat, Kur- kölnischer und Kurbayerischer Geheimer Rat, Kämmerer, Kurkölnischer Hofmarschall, und Amtmann zu Lechenich, der Kurfürst- lichen Durchlaucht in Bayern Oberster Hof- meister und Pfleger zu Schärding. Kurfürst Ferdinand, der in Johann Adolf einen ihm treu ergebenen, vertrauenswürdigen Hofbeamten gefunden hatte, bestallte diesen 1637 zum kurkölnischen Hofmarschall und damit zum Vertreter des häufig abwesenden Obersthofmeister Franz Wilhelm von Wartenberg. Die Dotierung war entsprechend hoch, Johann Adolf erhielt 2344 Reichstaler und, wenn er bei Hof anwesend war, Verpflegung für sich und fünf Bedienstete sowie Futter für acht Pferde.Archiv Gracht Urkunde 686 Seine Vorstellung als Hofmarschall war bereits 1636 auf dem Reichstag zu Regensburg erfolgt.

Amtmann des Amtes Lechenich Außer dem Dienst am Hofe des Kurfürsten hatte Johann Adolf auch die Stelle des Amtmanns des kurkölnischen Amtes Lechenich inne, die ihm nach dem Tode des Amtmanns Otto von dem Bongard zu Bergerhausen 1638 zufiel. Dies Amt hatte schon Johann Adolfs Vater verwaltet, es konnte aber nach seinem Tod nicht an seinen minderjährigen Sohn gegeben werden. Nach dem Tod des Amtmannes erfüllte sich Johann Adolfs Wunsch, das nach seiner Meinung traditionell der Familie Wolff Metternich zustehende Amt zu besetzen. In seiner Abwesenheit nahm ein von ihm eingesetzter Amtsverwalter die Aufgaben wahr.Archiv Gracht Urkunde 887

Die „Amtmannsstelle“ der Unterherrschaft des Kölner Stiftes St. Mariengraden in Bliesheim, die sein Vater Hermann und sein Großvater Hieronymus innegehabt hatten, war Johann Adolf schon im Jahre 1629 übertragen worden.

Geheimer Rat in Diensten des Bayerischen Hofes Erzieher der Prinzen Trotz der starken Verbundenheit mit Köln und seinem Umland und der Chance, Nachfolger Wartenbergs und erster Minister in Kurköln zu werden, strebte Johann Adolf den Dienst am bayerischen Hof in München an. Die Verhandlungen verzögerten sich wegen der Bedenken Johann Adolfs Kurfürst Ferdinand zu enttäuschen. Er unterschrieb den Vertrag erst, als er das Einverständnis des Kurfürsten erhalten hatte. Ferdinand zahlte ihm sogar in der Münchener Zeit das Kölner Ratsgehalt von 800 Reichstalern weiter in der Erwartung, dass Johann Adolf die kurkölnischen Interessen am Münchener Hof vertrat. Dort übernahm er 1645 als Geheimer Rat im Dienste des bayrischen Kurfürsten Maximilian die Aufgabe als Erzieher der Prinzen wie sie sein Patenonkel Adolf Wolff Metternich gehabt hatte. Er begann seine Tätigkeit 1646 in Wasserburg, wohin die kurfürstliche Familie und in deren Gefolge auch die Familie Metternich wegen der Bedrohung Münchens durch französische und schwedische Truppen geflohen war. Nach den Vorgaben des Kurfürsten erteilte ein Präzeptor den Unterricht, der von Johann Adolf überwacht wurde. Nach der Rückkehr in die Münchener Residenz bemühte sich Johann Adolf um die Erziehung beider Prinzen, Ferdinand Maria und Maximilian Philipp, doch vornehmlich um die des Kurprinzen Ferdinand Maria. Dieser schloss seine schulische Ausbildung im März 1651 mit einem „Examen“ ab. Anschließend wurde er ins höfische Leben und in die Protokollabläufe eingeführt, um auf seine zukünftigen Aufgaben vorbereitet zu sein.

Oberstkämmerer Am Ende des Jahres 1654 übernahm Johann Adolf das ihm angetragene Amt des Oberstkämmerers. Die anspruchsvollen Aufgaben und der strapaziöse Dienst, die Verantwortung für die Sicherheit des Kurfürsten, für die Garderobe, für das Personal, für das Inventar sowie die ständige Anwesenheit am Hofe bei allen Anlässen waren für den mittlerweile 62-jährigen Johann Adolf und seiner angegriffene Gesundheit eine Überforderung. Durch die Vermittlung des Obersthofmeisters, Graf Maximilian Kurtz von Senftenau, entließ Kurfürst Ferdinand Maria im Jahr 1656 Johann Adolf aus seinen Diensten und gewährte ihm statt des bisherigen Gehalts von 4.000 Gulden die Zahlung einer Pension von jährlich 3.000 Gulden.

Erhebung in den Freiherrenstand Der wichtigste persönliche Aufstieg Johann Adolfs war die Erhebung in den Reichsfreiherrenstand durch Kaiser Ferdinand II. am 27. Januar 1637. Er erhielt das Freiherrndiplom für sich und seine Erben.Archiv Gracht Akten Nr. 510 und Nr. 556

Lebensstil Johann Adolf liebte ein prunkvolles Auftreten. Er legte großen Wert auf teure, aufwendig gearbeitete Kleidung, um so seinen Aufstieg zu demonstrieren und sein gesellschaftliches Ansehen zu steigern. Privat reiste er mit vier Pferden, die seinen Status erkennen ließen.