mini|Wechseln der Windeln auf einer Ablage neben dem Waschbecken in Ermangelung eines Wickeltischs.

Die Säuglingspflege bezieht sich auf die gesunde Entwicklung vom Menschen in seinem ersten Lebensjahr.

Die moderne professionelle Säuglingspflege ermittelt Ressourcen und Pflegeprobleme des Säuglings bzw. der Familie und plant auf dieser Basis Ziele und Maßnahmen, um die gesunde Entwicklung des Säuglings und seine Familie zu unterstützen. Um die individuelle gesundheitliche Situation eines Säuglings ganzheitlich zu erfassen, lehnt sich die Pflege z. B. am Modell der Lebensaktivitäten nach Nancy Roper, Winifred Logan und Alison Tierney an. Besonderer Schwerpunkt ist dabei die sorgfältige Beobachtung und Pflege des Neugeborenen. Ist der Säugling nach der Geburt erstversorgt und entwickelt sich gut, so übernehmen die Eltern, überwiegend die Mütter, die Säuglingspflege selbst. Die Eltern werden durch Hebammen, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger und den Kinderarzt beraten und unterstützt.

Säuglingspflege in Deutschland Normalerweise verbringen Mutter und Kind heute die ersten drei Tage nach der Geburt in einer Klinik. Dort erfolgt in der Regel auch die erste Unterstützung beim Stillen. Aber auch danach oder ambulant stehen den Eltern Beratung und Unterstützung seitens Hebammen und Kinderarzt zu.

Oft ergeben sich im Laufe der Entwicklung des Säuglings im ersten Lebensjahr noch sehr viele Fragen, die nicht immer von vornherein geklärt werden können. Unterstützung und ein niedrigschwelliges Beratungsangebot finden Eltern in Säuglingspflegekursen, in fortlaufenden Eltern-Kind-Gruppen wie z. B. PEKiP, in Stillgruppen, Elterncafés, offenen Treffs, in Elternschulen, Hebammenpraxen, im Internet oder in zahlreichen Elternratgebern.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 102.

Unter dem Begriff Säuglingspflege werden in diesem Bereich viele verschiedene Themen zusammengefasst, wie z. B. das Halten und Tragen, Beruhigen und Hilfe beim Einschlafen, Ernährung, Stillen, Stillprobleme, Beikost, Babynahrung, Allergieprävention, Pflege der Haut, Babybad, Wickeln, Babymassage, Vorsorgeuntersuchungen, Untersuchungs-Heft, Impfkalender, Kinderkrankheiten, Verstopfung, Blähungen, Babyapotheke, Erstausstattung, Kleidung, Bett, Spielzeug, kindersichere Umgebung und Unfallschutz, Rückbildungsgymnastik, Säuglingsschwimmen etc.

Bei Störungen in der Neugeborenenperiode und bei Frühgeborenen ist der Pflegebedarf aufgrund der besonderen Umstände intensiver. Es werden medizinische und technische Fachkenntnisse erforderlich. Die Säuglingspflege findet unter Umständen auf der Intensivstation einer Klinik statt. In diesen speziellen Situationen übernehmen Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger die Pflege je nach Bedarf teilweise oder überwiegend. Jedoch stehen dabei heutzutage Mutterliebe und die Eltern-Kind-Beziehung weiterhin im Mittelpunkt, damit der Säugling gedeiht. Frühgeborene stellen in Deutschland mit einem Anteil von 8,8 % der Neugeborenen die größte Kinderpatientengruppe dar. arzt-aspekte.de, 2010

Geschichte mini|Krankenhaus für Säuglingspflege in Berlin, 1930

Die professionelle Säuglingspflege hat sich als eigenes Gebiet der Kinderpflege erst im 19. Jahrhundert entwickelt und zwar aufgrund der hohen Sterblichkeit von Säuglingen in den Kinderabteilungen der Krankenhäuser. Die ersten „Säuglingspflegerinnen“ wurden schließlich 1897 in Dresden vom Kinderarzt Arthur Schloßmann im ersten deutschen Säuglingsheim für kranke Kinder ausgebildet.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 6.

Nachdem sich die Wissenschaft zunächst auf Körperpflege, Hygiene und Ernährung konzentrierte, führten die wissenschaftlichen Arbeiten z. B. von Emmi Pikler und René A. Spitz zu der Erkenntnis, dass ein Kind daneben insbesondere Liebe und Zuwendung, Respekt, aber auch Grenzen und Erziehung zu einer gesunden Entwicklung braucht.

Pflege von Neugeborenen Ein reifes Neugeborenes wird zwischen der 38.–42. Schwangerschaftswoche geboren. Die Neugeborenenperiode, in der die Organe des Kindes nach der Trennung vom mütterlichen Organismus eigene Funktionen übernehmen müssen, dauert vom Zeitpunkt des Abnabelns bis zum 28. Lebenstag. In dieser Phase sind spezielle Pflegemaßnahmen notwendig, die sich von der allgemeinen Pflege eines älteren Säuglings unterscheiden.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 584.

Maßnahmen der Erstversorgung mini|Erstversorgung des Neugeborenen

Überwachung des ersten Atemzuges, der nach ca. 20 Sekunden durch äußere Reize wie z. B. Berührung, Licht, Kälte sowie Sauerstoffmangel ausgelöst wird Bei Bedarf Absaugen von Schleim, Blut oder grünem Fruchtwasser aus Mund, Nase, Rachenraum und evtl. auch MagenM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 585. Ermittlung des Allgemeinzustands des Neugeborenen Überprüfung und Bewertung der Reifezeichen (Kopfumfang, Gewicht, Länge, Ohrmuschel- und Nasenknorpel, Brustdrüsengewebe und Brustwarzenbildung, Finger- und Fußnägel, planetare Hautfältelung, Hautfarbe und Hautbeschaffenheit einschließlich des Vorhandenseins des Unterhautfettgewebes, Kopfhaar, Vernix caseosa, Lanugobehaarung, Genitalbereich)M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 584, 585. Die Vitalitätskontrolle erfolgt mithilfe des Apgar-Scores. Die Apgar-Werte werden nach 5 und nach 10 Minuten wiederholtM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 586. Ein reifes, vitales Kind wird nach ca. 1-1,5 Minuten nach Sistieren der Nabelschnurpulsation vorläufig abgenabelt. Zur vorläufigen Abnabelung wird ca. 7 cm vom kindlichen Körper entfernt eine sterile Klemme und ca. 4 cm entfernt eine zweite gesetzt. Mithilfe einer sterilen stumpfen Schere wird dann die Nabelschnur zwischen beiden Klemmen durchgeschnitten, indem die Öffnung der Schere stets vom Kind weggehalten wird, um eine Verletzung zu vermeiden.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 586, 587. Es wird möglichst schnell der Erstkontakt zur Mutter hergestellt. Beim Hautkontakt mit dem Neugeborenen nimmt das Kind erstmals den Geruch der Mutter wahr und erkennt sie an ihrer Stimme, die es schon im Mutterleib gehört hat, wieder. Bei der Geburt anwesenden Vätern wird Gelegenheit zur ersten Kontaktaufnahme zum Kind gegebenM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 587.. Insbesondere der Hautkontakt dient dem Aufbau von Vertrauen und Geborgenheit, dem sogenannten Bonding. Dem abgetrockneten Neugeborenen wird am Handgelenk ein Namensbändchen mit Geburtsdatum sicher befestigt. Bei bestehendem Stillwunsch sollte das Neugeborene sofort an jede Brust angelegt werden, da unmittelbar nach der Geburt der Saugreiz für ca. 20-50 Minuten am stärksten ausgeprägt vorhanden ist. Nach einer vorsichtigen Reinigung unter der Wärmelampe, wird die Nabelschnur anschließend unter aseptischen Kautelen endgültig versorgt, indem eine sterile Nabelklemme ca. 2-3 cm vom Nabelring, d. h. vom Hautansatz entfernt gesetzt wird. Die restliche Nabelschnur wird beim vitalen Kind mit einer sterilen stumpfen Schere abgeschnitten, mit 70-prozentigen Alkohol desinfiziert und mit einer sterilen Kompresse geschützt.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 587. Ermittlung und Dokumentation der Körpermesswerte (Gewicht, Länge, Kopfumfang, Temperatur) des NeugeborenenM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 588. Vom Geburtshelfer wird das Kind sorgfältig untersucht, um Verletzungen oder Fehlbildungen zu erfassen und den Gesundheitszustand festzustellen.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 588.

Pflegeprobleme beim Neugeborenen Veränderte Lebensbedingungen durch Geburtsstress und Verlust des schützenden Uterus Gefahr von Organstörungen durch Umstellung und Anpassung an selbständige Funktion Gefahr der Nabelabheilungsstörung und Hautschädigung durch Infektion u. a. Gefahr einer erschwerten Eltern-Kind-Beziehung durch soziale ProblemeM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 594.

Aufgaben der Neugeborenenpflege sorgfältige Beobachtung von Atmung, Puls, Körpertemperatur, Hautfarbe und Hautbeschaffenheit, Trinkverhalten, Ausscheidungen und Stuhlkonsistenz und das Verhalten des Neugeborenen, Auffälligkeiten werden umgehend an den Arzt weiter geleitet die ausführliche und verständliche Information der Eltern zur gezielten, aufmerksamen Beobachtung ihres Kindes assistiert dem Arzt bei Vorsorgeuntersuchungen durchführen von evtl. der kapillären Blutentnahme für das Neugeborenenscreening durchführen von therapeutischen Maßnahmen (z. B. Fototherapie) nach Anordnung des Arztes Beratung bezüglich des Stillens oder der künstlichen Ernährung des Kindes erklären von hygienischen Regeln, um Infektionen zu vermeiden Information der Eltern zur Gesundheitsförderung Hilfestellung für die Eltern bei auftretenden Problemen bei Bedarf werden Eltern bezüglich allgemeiner pflegerischer Maßnahmen, wie z. B. wickeln, Körperpflege, Versorgung des Nabels, bezüglich der Verhütung von Unfällen, Schlafumgebung, Lagerung, Handling, Vorsorgeuntersuchungen, Körpersprache des Säuglings etc. beraten und angeleitet DokumentationM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 590–591.

Aufgaben bei Störungen in der Neugeborenenperiode Pflege bei Neugeborenengelbsucht. Die Erhöhung des Bilirubins ist innerhalb bestimmter Grenzwerte physiologisch und tritt bei reifen gesunden Neugeborenen zwischen dem 2.–6. Lebenstag auf.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 643. Bei einer Hyperbilirubinämie, die mit Fototherapie behandelt wird, kann es zu Trinkschwäche und mangelnder Nahrungszufuhr, erhöhtem Flüssigkeitsverlust durch verstärkte Perspiratio insensibilis und häufige wässrige Stühle, Netzhautschädigungen, Körpertemperaturschwankungen, Apnoe- und Bradykardieneigung bei untergewichtigen Neugeborenen, trockener rissiger Haut, Erytheme und Exantheme, gesteigerter Unruhe und einer erschwerten Eltern-Kind-Kontakt durch räumliche Trennung kommen.M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 644. Pflege eines Neugeborenen mit Infektionen, z. B. aufgrund von vorzeitigem Blasensprung, Amnioninfektionssyndrom, einer bestehenden mütterlichen Infektion oder FrühgeburtlichkeitM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 647. Pflege eines Neugeborenen mit Stoffwechselstörungen (Hypoglykämie oder Hypokalzämie)M. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 649. Pflege eines Neugeborenen mit PlexuspareseM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 651. Pflege eines Neugeborenen bei drogenabhängiger MutterM. Hoehl, P. Kullick: Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. 3. Auflage. 2008, S. 652.

Lebensaktivitäten des Säuglings und Maßnahmen der allgemeinen Säuglingspflege Der gesunde Säugling ist nach der Geburt fast vollständig abhängig in seinen Lebensaktivitäten (vgl. Pflegemodell nach Nancy Roper) und er bleibt es auch. Entsprechend seiner Fähigkeiten entwickelt er sich fort, indem er z. B. nach den ersten 6 Monaten eine andere Nahrung als Milch zu sich nehmen kann, jedoch wird er dann immer noch gefüttert. Der Säugling und seine gesunde Entwicklung sind abhängig von den ihn umgebenden Personen, deren Respekt und Fürsorge sowie ihrem Fachwissen bezüglich der Säuglingspflege.

Kommunikation und Handling Ein Säugling ist sehr empfindlich und es gibt beim Umgang mit ihm gewisse Regeln zu beachten.