mini|Leo Brouwer, 2015 Leo Brouwer, eigentlich Juan Leovigildo Brouwer MesquidaRichard M. Juang, Noelle Anne Morrissette: Africa and the Americas. Culture, Politics, and History. Band 2, ABC-CLIO, 2008, ISBN 978-1-85109-441-7, S. 206. (* 1. März 1939 in Havanna), ist ein kubanischer Dirigent, Gitarrist, Perkussionist, Komponist, Arrangeur und Musikpädagoge.William Luis: Culture and customs of Cuba. Greenwood Pub Group, 2001, ISBN 0-313-30433-5, S. 143. Er ist einer der wichtigsten südamerikanischen Gitarrenkomponisten der Gegenwart. Zu seinen Werken gehören Kammermusik, Sinfonien und Instrumentalkonzerte. Außerdem komponierte er Filmmusiken zu ausgezeichneten Filmen wie Bittersüße Schokolade (1992) und Dem Himmel so nah (1995). Seine Tonschöpfungen reflektieren mitunter traditionelle afrikanische Musik. Er arbeitete mit den Gitarristen John Williams und Julian Bream zusammen. Breite Anerkennung fand er darüber hinaus bei Tōru Takemitsu und Hans Werner Henze.Victor Coelho: The Cambridge companion to the guitar. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-80192-3, S. 197. Zahlreiche internationale Auszeichnungen wurden ihm zuteil, so wurde er 2001 Ehrenmitglied der UNESCO und erhielt 2010 den renommierten iberoamerikanischen Tomás-Luis-de-Victoria-Preis.

Biographie Jugend, Anfänge Er begann im Alter von 13 Jahren mit dem Gitarrenspiel, inspiriert durch das Hören von Flamenco-Musik und gefördert von seinem Vater Juan Brouwer, der neben seinem Beruf als Arzt auch selbst als Amateur Gitarre spielte, und seiner Tante Caridad Mezquida. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er bei seiner Großmutter auf, durch die er mit seinem berühmten Großonkel Ernesto Lecuona in Kontakt kam. Sein erster Lehrer (von 1953 bis 1954) auf der Gitarre war Isaac Nicola, der wiederum bei Emilio Pujol gelernt hatte. Später besuchte er das Konservatorium Carlos Alfredo Peyrellade in Havanna.

Erste Kompositionen Leo Brouwer erlernte so das traditionelle Repertoire eines klassischen Gitarristen und hatte mit 17 Jahren seinen ersten öffentlichen Auftritt. Zu diesem Zeitpunkt trat bereits sein Interesse am Komponieren zutage, welches er sich zunächst autodidaktisch aneignete. Zu seinen ersten Arbeiten gehören Music und Suite aus dem Jahr 1954. Die Kompositionen Preludio (1956) und Fuga no. 1 (1959) waren stilistisch von Béla Bartók und Igor Strawinski beeinflusst.

Seine weitere Ausbildung erfolgte durch Stipendien in den USA, wo er bei Stefan Wolpe, Carl Bamberger (PDF; 462 kB) und Vincent Persichetti an der Juilliard School of Music und bei Isadore Freed, Joseph Iadone und Edward Diemente an der Hartt School der University of Hartford (von 1959 bis 1960) Komposition studierte. Brouwer setzte sich auch mit experimentellen Strömungen auseinander. Dies zeigt sich zum Beispiel in der Elogio de la danza (Huldigung an den Tanz), welche im Gegensatz zu seinen früheren Kompositionen einen stark dissonanten Charakter aufweist. Auch von der Verwendung kubanischer Rhythmen hat Brouwer in diesem Stück weitgehend Abstand genommen. Das Stück besteht aus zwei Sätzen: einem Lento und einem stark rhythmisch prägnanten Ostinato. Heute ist es weltweit eines der beliebtesten Stücke für Gitarre und Tänzer.

Weitere Phasen In der nächsten Phase entstanden Kompositionen wie Canticum und das Concierto para guitarra no. 1 (für Gitarre und Orchester), in denen seine Beschäftigung mit serieller Musik, Zwölftonmusik sowie modaler Musik deutlich wird. Er wurde durch moderne Komponisten wie Luigi Nono und Iannis Xenakis beeinflusst.

1970 spielte Brouwer bei der Uraufführung von Henzes Rezital für vier Musiker El Cimarrón im Rahmen der Berliner Festspiele die Gitarre. Gemeinsam mit Morton Feldman war er 1972 Stipendiat des DAAD in Berlin.

Die Musik aus der dritten Phase seines Schaffens macht einen minimalistischen Eindruck, was Brouwer selbst als Entwicklung eines modularen Systems beschreibt. Hierzu zählen Kompositionen wie El Decamerón negro (1981, Sharon Isbin gewidmet) oder Hika „In memoriam Tōru Takemitsu“ (1996).

Für den Gitarrenwettbewerb in Esztergom in Ungarn schrieb Brouwer das Stück Blue Skies and Smile, das er mit dem Bálint Bakfark Gitarrenorchester, welches aus 200 Gitarristen bestand, aufführte.

Andere Aktivitäten miniatur|Leo Brouwer (Havanna 1998) Daneben hat er technische Übungen für die Gitarre geschrieben (die zum gitarristischen Aufführungsrepertoire gehörenden insgesamt 20 Estudios sencillosHannes Fricke: Mythos Gitarre: Geschichte, Interpreten, Sternstunden. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020279-1, S. 203 f.), war als Arrangeur tätig und komponierte diverse Filmmusiken. Neben seinen Kompositionen für Gitarre schrieb er Kammermusik, Chorwerke, ein modernes Ballett, Stücke für Bläserensemble wie auch Orchesterwerke.

Darüber hinaus ist Leo Brouwer von 1960 bis 1961 als stellvertretender Musikdirektor am Radio Habana Cuba,Don Michael Randel: The Harvard biographical dictionary of music. Harvard University Press, Cambridge 1996, ISBN 0-674-37299-9, S. 111. Professor für Komposition (von 1961 bis 1967 am Nationalkonservatorium in Havanna),David M. Cummings, Melrose Press: International who’s who in music and musicians' directory. Routledge, London 2000, ISBN 0-948875-53-4, S. 84. musikalischer Berater für das kubanische Fernsehen und Radio tätig gewesen, war Jury-Mitglied bei verschiedenen musikalischen Wettbewerben, hat mehrere internationale Preise erhalten, war Dozent der Akademie der Künste in Berlin und wurde 1987 Ehrenmitglied der UNESCO; im gleichen Jahr wie Isaac Stern und Alain Daniélou. Diese Ehre wurde bereits Yehudi Menuhin, Ravi Shankar, Herbert von Karajan und Joan Sutherland zuteil.

Er war Gründungsmitglied des Instituto Cubano del Arte e Industria Cinematográficos, dessen Musikdirektor er seit 1969 ist.Richard M. Juang, Noelle Anne Morrissette: Africa and the Americas. Culture, Politics, and History. Band 2, ABC-CLIO, 2008, ISBN 978-1-85109-441-7, S. 207. Er gehörte hier, gemeinsam mit Silvio Rodríguez, Pablo Milanés, Sergio Vitier, der Gruppe für Tonexperimente an.Claudia Lightfoot: Havana. A Cultural and Literary Companion. Signal Books, Oxford 2002, ISBN 1-902669-33-9, S. 208. Es setzte Standards in der lateinamerikanischen Film- und Popmusik. Brouwer selbst komponierte 60 Stücke, darunter La última cena (Das letzte Abendmahl, 1976) unter der Regie von Tomás Gutiérrez Alea sowie Like Water for Chocolate (Bittersüße Schokolade, 1993) und A Walk in the Clouds (Dem Himmel so nah, 1995) des Regisseurs Alfonso Arau.

Brouwer dirigierte Orchester auf der ganzen Welt. So gastierte er bei den Berliner Philharmonikern, dem Royal Scottish National Orchestra, dem BBC Chamber Orchestra, dem National-Sinfonieorchester Mexikos, dem RAI-Sinfonieorchester, dem Orchestre Philharmonique de Liège, dem Ostbottnischen Kammerorchester Finnland und dem Staatlichen Symphonieorchester Istanbul.Leo Brouwer bei AfroClassical.com Er stand zehn Jahre dem Nationalen Sinfonieorchester Kubas vor und gründete und leitete von 1992 bis 2001 das Orquesta de Córdoba in Spanien.Carlos Prieto, Elena C. Murray: The adventures of a cello. University of Texas Press, 2006, ISBN 0-292-71322-3, S. 274.

Er arrangierte die Originalkompositionen von Scott Joplins Elite Syncopations und The Entertainer sowie John Lennons und Paul McCartneys Fool on the Hill.Leo Brouwer bei The Music Web

Auszeichnungen 1962 Korrespondierendes Mitglied der Real Academia de Bellas Artes de San Fernando in Madrid, Spanien 1982 Alejo Carpentier Medaille, Kuba 1984 Orden Félix Varela, Kuba 1989 Ehrenmitglied des Instituto Italo-Latinoamericano in Rom, Italien 1997 La Chitarra con amore in Mailand, Italien 1998 Manuel-de-Falla-Preis, Spanien und Kuba 1999 Felix-Varela-Orden erster Klasse, Kuba 1999 Nationalpreis für Musik, Kuba 2001 Ehrendoktor des Instituto Superior de Arte, Kuba 2001 Ehrenmitglied der UNESCO 2002 Großer Preis Cubadisco, Kuba 2003 Preisträger des Midem Classical Awards in Cannes, Frankreich 2005 Preis Cubadisco, Kuba 2007 Ehrendoktor der Universidad de Chile, Chile 2007 Orden Pablo Neruda in Santiago, Chile 2008 Premio Goffredo Petrassi de Composición in Zagarolo, Italien 2009 Nationaler Kinopreis, Kuba 2010 Tomás-Luis-de-Victoria-Preis, Spanien 2019 Auswärtiges Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters

Werke für Gitarre Gitarre solo 1955 Suite no. 1 Antigua 1955 Suite no. 2 1956 Preludio 1957 Danza característica para el „Quítate de la Acera“ 1959 Fuga No. 1 1959 Tres apuntes 1964 Danza del Altiplano 1964 Elogio de la danza 1968 Canticum 1968 Un día de noviembre 1971 La espiral eterna 1972 Estudios sencillos (nos. 1–5 und 6–10) 1973 Parábola 1974 Tarantos 1975 Cadences 1981 El Decamerón negro 1981 Preludios epigramáticos nos. 1–6 1983 Estudios sencillos (nos. 11–20) 1984 Variations on a Theme of Django Reinhardt 1987 Paisaje cubano con campanas 1990 Sonata (komponiert für Julian Bream)Hannes Fricke: Mythos Gitarre: Geschichte, Interpreten, Sternstunden. Reclam, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-15-020279-1, S. 203. • Fandangos y boleros • Sarabanda de Scriabin • Toccata de Pasquini 1993 Rito de los Orishás 1996 Hika: „In memoriam Tōru Takemitsu“ 1996 Hoja de album 1996 Paisaje cubano con tristeza 1999 An Idea (Passacaglia por Eli) 2000 Viaje a la semilla 2001 Nuevos estudios sencillos nos. 1–10 2004 Omaggio a Prokofiev 2004 La ciudad ce las columnas 2008 Paisaje cubano con fiesta Canción triste Cantilena de los bosques, dedicata a Roberto Fabbri Dos aires populares cubanos • Guajira criolla • Zapateado Exaedros 1 Paisaje cubano con lluvia Paisaje cubano con rumba Piezas sin títulos nos. 1–3 Variantes Variations on a Piazzolla Tango Dos temas populares cubanos • Drume negrita, cancion de cuna (Berceuse), nach einem Thema von Eliseo Grenet • Ojos brujos, nach einem Thema von Gonzalo Roig

Gitarrengruppen Gitarrenduo 1957–1958 Micropiezas. Hommage à Darius Milhaud 1958 Micropiezas no. 5 1964 Música incidental campesina (Musik für Theaterstück El fantasma) Per suonare a due Tríptico

Gitarrenquartett Canciones remotas Toccata para cuatro o más guitarras Toccata Paisaje cubano con rumba

Gitarrenorchester 1979 Acerca del cielo, el aire y la sonrisa

Gitarre und Streichquartett Quintett für Gitarre und Streichquartett

Gitarre und Orchester 1958 Tres danzas concertantes 1983 Retrats catalans 1985 From Yesterday to Penny Lane 1995 Concierto Omaggio a Paganini (Konzert für Gitarre und Violine) 2001 Concierto itálico (Konzert für Gitarrenquartett und Streichorchester)

Konzerte für Gitarre / conciertos para guitarra 1972 Concierto p.g. no. 1 1981 Concierto p.g. no. 2 de Lieja 1986 Concierto p.g. no. 3 Elegiaco 1987 Concierto p.g. no. 4 de Toronto 1991 Concierto p.g. no. 5 de Helsinki 1997 Concierto p.g. no. 6 de Volos 1998 Concierto p.g. no. 7 „La Habana“ 1999 Concierto p.g. no. 8 „Concierto Cantata de Perugia“ 2002 Concierto p.g. no. 9 „de Benicassim“ 2003 Concierto p.g. no. 10 „Book of Signs“ (Konzert für zwei Gitarren) 2007 Concierto p.g. no. 11 „de Requiem (In memoriam Tōru Takemitsu)“

Andere Werke

Solobesetzungen 1960 Sonata para cello solo (Cello) 1962 Variantes para un percusionista (Percussion)

Ensemble / Kammermusik Streichquartett Ballad for Flute and Strings 1961 Cuarteto de cuerdas no. 1, a la memoria de Béla Bartók Cuarteto de cuerdas no. 2 Cuarteto de cuerdas no. 3 Demeter Prelude

Andere 1970 Sonata pian e forte (Klavier und Aufnahmeband) 1970 Per suonare a tre (für Flöte, Viola und Gitarre) 1983 Manuscrito antiguo encontrado en una botella (Klaviertrio) Canción de Gesta (Kammerorchester) Sonate pour cor et piano (Horn und Klavier) Pictures of Another Exhibition (Streicher und Klavier) La región más transparente (Flöte und Klavier) Basso continuo I (2 Klarinetten) La vida misma (Klavier, Violine, Cello und Percussion) 2009 Mitología de las Aguas (Sonate Nr. 1 für Querflöte und Gitarre) - Sef Albertz gewidmet