Die romanische Frauenkirche ist der erste durch bauliche Überreste nachgewiesene Vorgängerbau der Frauenkirche in Dresden.

Vorgeschichte Bereits 1728 stellte Christian August Freyberg, Rektor der Dresdner Annenschule, fest, „daß im Grunde gar keine Nachricht von der Fundation der Kirche anzutreffen gewesen“Christian August Freyberg: Historie der Frauen-Kirche in Neu-Dresden. Bodenehrn, Dresden 1728, S. 1. sei – bis heute fehlen zur Gründung der zeitigsten Frauenkirche schriftliche oder bildliche Überlieferungen.

Im Jahr 968 war das Bistum Meißen gegründet worden, das dem Erzbistum Magdeburg unterstand. Von Meißen aus begannen die geistlichen Helfer des Meißner Bischofs, die im heute sächsischen Raum lebenden Sorben zu missionieren. Zu diesem Zweck entwickelte sich bis zum Jahr 1000 eine Kirchenorganisation mit zahlreichen Missionskirchen, die zwar als Königskirchen galten, jedoch zumeist auf Initiative der Bischöfe, aber auch der Markgrafen gegründet wurden.Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter. Band 1: Von den Anfängen kirchlicher Verkündigung bis zum Ende des Investiturstreits. Böhlau, Köln 1962, S. 147. Als wahrscheinlich gilt, dass die Frauenkirche im damaligen Gau Nisan von einem Meißner Bischof gegründet wurde,Manfred Kobuch: Die Anfänge der Dresdner Frauenkirche. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2002. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2002, S. 47. der auch das Patronat über das Gotteshaus besaß. Die Frauenkirche lag zu dem Zeitpunkt erhöht nahe einer Flussüberquerung auf dem linken Elbufer und damit an der Altstraße, die Dohna mit Meißen verband. Eine slawische Siedlung, die später Dresden genannt wurde, kann zu dieser Zeit nur für eine rechtselbische Siedlung angenommen werden,Die aktuelle Forschung bezieht diesen Ansatz auf die sorbische Bezeichnung der Siedlungsbewohner „Drežďany“, in dem das altsorbische Wort „drezga“ (Wald, Dickicht) enthalten ist. Die Waldbewohner lassen sich direkt auf die Bewohner einer rechtselbischen Seite beziehen, die von der Dresdner Heide bewachsen war, nicht jedoch auf den unbewaldeten linkselbischen Teil. Vgl. Manfred Kobuch: Die Anfänge der Dresdner Frauenkirche. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2002. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2002, S. 49. während das linkselbische Ufer um die Frauenkirche weitgehend unbesiedelt war. In die Frauenkirche eingepfarrt waren zu Beginn rund 30 rechts- und linkselbisch gelegene sorbische Dörfer, die bis zu zehn Kilometer von der Kirche entfernt lagen.Heinrich Magirius: Die Dresdner Frauenkirche von George Bähr. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2005, S. 12. Mit der sorbischen Dorfsiedlung Poppitz, die heute südwestlich der Annenkirche läge, besaß die Frauenkirche zudem ein Dos, das ihr zur materiellen Ausstattung bei der Gründung übereignet worden war.

Gründung und mögliche erste Frauenkirchbauten Historiker gehen davon aus, dass die erste Frauenkirche zunächst als „Missionsstation ohne festen Sprengel“Walter Schlesinger: Kirchengeschichte Sachsens im Mittelalter. Band 1: Von den Anfängen kirchlicher Verkündigung bis zum Ende des Investiturstreits. Böhlau, Köln 1962, S. 198. bestand und abseits eines Burgwardmittelpunkts lag. Angrenzend waren westlich der Burgward Briesnitz mit einer eigenen Kirche und der Weißeritzburgward, der sich südlich des Burgwards Briesnitz befand.

Als Erbauungszeit der ersten Frauenkirchen als sorabische Missionsstation kommt das Ende des 10. Jahrhunderts beziehungsweise das 11. Jahrhundert in Frage. Bei der Neugestaltung der Kirchendecke um 1580 wurde eine alte Jahreszahl (vermutlich 1020) zur „Fundation“ gefunden und das Alter mit „in die 560. Jahr“Anton Weck: Der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuffenen Residentz und Haupt-Vestung Dresden Beschreib- und Vorstellung. Joh. Hoffmann, Nürnberg 1680, S. 245.: „Die Zeit der fundation haben zwar die Vorfahren nicht aufgezeichnet; und dergleichen Bericht auf itzige Nachwelt gebracht/ damit man das eigentliche Alter abnehmen könte/ doch hat man für ohngefehr etliche 90. Jahre/ als die Kirche an der Decke dazumahl gemahlet worden/ aus einer Jahr=Zahl alter Leute Bericht nach/ abgenommen, daß schon selbige Zeit in die 560. Jahr alt gewesen.“ angegeben. Eine Gründung der Kirche (um) 1020 sahen daher Chronisten des 17. und 18. Jahrhunderts als möglich an.Anton Weck: Der Chur-Fürstlichen Sächsischen weitberuffenen Residentz und Haupt-Vestung Dresden Beschreib- und Vorstellung. Joh. Hoffmann, Nürnberg 1680, S. 13.: „Also is es gewiß/ daß Dresden bereits eine ziemliche Zeit vorm 1000ten Jahre nach Christi Geburt etlichermaßen bekannt gewesen/ inmassen Dresserus in seiner Städte=Chronicki und andere Authores, sonderlich aber auch aus dem Pirnischen Münche/ Johann Lindnern/ an= und ausgeführet, daß Dresden zu Zeiten Kaysers Heinrich des Voglers/ und Kayser Ottens/ ein Flecken gewesen/ alda es eine Taberne oder Schenckstädt/ und eine befestigte Uberfarth an der Elbe gehabt/ jedoch ist/ was ietzo erwehnet/ anderer Gestalt nicht als vom Alten Dresden zu verstehen/ denn Neu Dresden ist allererst hernach umbs Jahr 1020. als AltDresden vorher gar öffters/ und auch dazumahl vom Wasser/ aus dem ElbStrohme/ Schaden gelitten.“Johann Gottfried Michaelis: Dreßdnische Inscriptiones und Epitaphia. Schwencke, Alt-Dresden 1714, [S. 19/678].: „Nur ist hier schwer zu determiniren/ wenn diese kirche zu Sanct Marien oder unser Lieben Frauen den ersten Anfang genommen/ oder wer der Fundator derselben/ gewesen. Zu wüntschen wäre/ daß eine völlige Nachricht hievon nicht zugleich mit dem Abschiede derer Papisten durch die gesegnete Reformation Lutheri uns wäre entzogen worden: So könnte man einen wohlgesinnten Leser mit bessern Gründen von der Fundation und Fundatore unterrichten. Muthmaßlich aber ist/ daß sie um das eintausend und 20ste Jahr bereits mag gestanden haben. Denn damals die Leute wegen grossen Wasser-Schaden, welchen sie in Alt-Dreßden von der Elbe offt erlitten/ dißeits der Elbe zu bauen angefangen, weil das Land allhier höher lag/ als in Alt-Dreßden. Wenn man nun dem Ausspruch alter Leute trauen darff/ welche ehmals gelebet/ als die itzige Decke der Kirche neu gemahlet und damals eine Jahreszahl gefunden worden; so müste obangeführte Jahreszahl seine Richtigkeit haben.“ Nach einer slawischen Überlieferung wurde die sicher noch hölzerne Frauenkirche durch Přibislav (wahrscheinlich der Hofkaplan des böhmischen Herzogs Oldřich) am 8. September, dem Festtag Mariä Geburt, geweiht.

Der Archäologe Reinhard Spehr legte das Erbauungsjahr der Frauenkirche auf die Zeit „um 1060“;Reinhard Spehr: Grabungen in der Frauenkirche von Nisan/Dresden. In: Judith Oexle (Hrsg.): Frühe Kirchen in Sachsen. Ergebnisse archäologischer und baugeschichtlicher Untersuchungen. Konrad Theiss, Stuttgart 1994, S. 211. seine im Jahr 1987 durchgeführte Grabungen auf dem ehemaligen Frauenkirchhof legten Gräberreste vermutlich aus dem 11. oder frühen 12. Jahrhundert frei, die auf eine zugehörige ältere Kirche schließen lassen. Spätere Ausgrabungen ergaben Funde, welche auch in das ausgehende 10. Jahrhundert datiert wurden.Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden e. V. (Hrsg.; Autoren: Dr. Claus Fischer, Dr. Hans-Joachim Jäger, Dr. Manfred Kobusch): Die Dresdner Frauenkirche. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dresden 2007, ISBN 978-3-00-021620-6, S. 12: „Um 1000 […] Von einem Friedhof mit christlichen Bestattungen seit dem ausgehenden 10. Jahrhundert umgeben, wird die Kirche der Gottesmutter Maria (ecclesia Beate Virginis) geweiht.“

Da es von dieser Kirche keine baulichen Überreste gibt und der Steinbau zu dieser Zeit noch weitgehend unbekannt war, wird es sich bei der ersten Frauenkirche um einen Sakralbau aus Holz gehandelt haben.Manfred Kobuch: Die Anfänge der Dresdner Frauenkirche. In: Die Dresdner Frauenkirche. Jahrbuch 2002. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 2002, S. 52.

Der romanische Steinbau mini|Bekanntmachung Nr. 7 von König Konrad III. mit der ersten urkundlichen Erwähnung Naundorfs