mini|Rathaus Jablonec nad Nisou (, deutsch Gablonz an der Neiße, kurz auch Gablonz) ist eine tschechische Stadt mit Einwohnern () im Okres Jablonec nad Nisou im nordböhmischen Liberecký kraj. Ihr Name leitet sich aus dem tschechischen Wort jabloň (Apfelbaum) und der Lage an der Lužická Nisa (Lausitzer Neiße) her.

Geographische Lage mini|Panorama der Stadt und ihrer Umgebung vom Isergebirge aus gesehen Die Stadt liegt in Nordböhmen im Tal der Lužická Nisa (Lausitzer Neiße), in die im Stadtzentrum der Mšenský potok (Grünwalder Wasser) und am westlichen Stadtrand die Bílá Nisa (Weiße Neiße) einmünden. Das Katastralgebiet der Stadt beträgt 3139 Hektar.

Stadtgliederung Die Stadt Jablonec nad Nisou besteht aus den Ortsteilenuir.cz und Katastralbezirkenuir.cz Jablonec nad Nisou (Gablonz an der Neiße), Jablonecké Paseky (Bad Schlag), Kokonín (Kukan), Lukášov (Luxdorf), Mšeno nad Nisou (Grünwald an der Neiße), Proseč nad Nisou (Proschwitz an der Neiße), Rýnovice (Reinowitz) und Vrkoslavice (Seidenschwanz). Grundsiedlungseinheiten sind Dobrá Voda (Gutbrunn), Dolina, Dolina-jih, Dolní Kokonín (Unterkukan), Horní Kokonín (Oberkukan), Horní Proseč (Oberproschwitz), Jablonec nad Nisou-střed, Jablonecká přehrada, Jablonecké Paseky, K Černé Studnici (nach Schwarzbrunn), K Jindřichovu-jih, K Jindřichovu-sever, Lukášov, Máchův park, Mánesova-Podzimní, Mšeno nad Nisou-Podlesí, Mšeno nad Nisou-U Jelena, Mšeno nad Nisou-U kapličky, Mšeno nad Nisou-U Navety, Mšeno nad Nisou-U Perly, Na hutích, Na roli, Na Smetance, Na Střelnici, Na Východě, Nad poštou, Nad střelnicí, Novoveská, Pražská (Pragergasse), Proseč nad Nisou, Proseč nad Nisou-Domovina, Prosečský hřeben (Proschwitzkammhäuser), Rýnovice-Janovská, Rýnovice-Nová Osada, Rýnovice-průmyslový obvod, Rýnovice-Stará Osada, Sadová-Pasířská (Parkgasse-Guertlergasse), Srnčí důl, Střední Kokonín (Mittelkukan), Šumava, U Jabloneckých Pasek, U nemocnice, U Nisy (bei Neisse), U pily, U učiliště, V Břízkách, Větrný vrch, Vrkoslavice (Seidenschwanz), Vrkoslavice-Petřín (Nickelkoppenhäuser), Vysoká (Hochgasse), Za hrází, Zelené údolí und Žižkův vrch (Porschberg).uir.cz

Geschichte

Mittelalter Die erste schriftliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1356. Nach der Zerstörung durch Gegner des böhmischen Königs Georg von Podiebrad im August 1469 verschwand die Siedlung völlig.

16. bis 19. Jahrhundert Dauerhaft bewohnt war Gablonz erst wieder seit dem 16. Jahrhundert, als die erste Glashütte in Grünwald (Mšeno) entstand. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Gablonz am 2. Mai 1643 erneut niedergebrannt; nach Kriegsende wurden die protestantischen Einwohner zwangsweise ausgewiesen. 1808 wurde Gablonz zum Marktflecken und im Jahr 1866 durch ein Dekret des Königs Franz Josef I. zur Stadt erhoben. Im Jahr 1868 wurde Gablonz zum Sitz des Bezirkshauptmanns. Der neue politische Bezirk Gablonz bestand aus den Gerichtsbezirken Tannwald und Gablonz. Ab 1880 gab es die Deutsche Staatsfachschule für Kunstgewerbe in Gablonz.

20. Jahrhundert mini|Stadttheater im Jahr 1911 Am 28. Oktober 1918 wurde die Unabhängigkeit der Tschechoslowakei ausgerufen. Gablonz wurde am frühen Morgen des 11. Dezember von tschechischen Einheiten aus Mladá Boleslav besetzt. Die deutsche Volkswehr leistete keinen Widerstand. Bei der Volkszählung 1930 gaben 79,5 % der Gablonzer an, deutscher und 16,5 % tschechischer Nationalität zu sein.

Nach dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 wurde die Stadt wie das gesamte Sudetenland an das Deutsche Reich angegliedert. Bis 1945 war die Stadt Sitz des Landkreises Gablonz an der Neiße, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland. Die meisten Juden der Stadt waren bereits im Sommer 1938 geflohen, die Verbliebenen wurden verfolgt und ab 1941/42 deportiert und ermordet. Der Gablonzer Rabbiner Georg Vida floh nach Turnau, wobei es ihm gelang, die Gablonzer Tora zu retten. Die örtliche Synagoge wurde bei den Novemberpogromen 1938 niedergebrannt.

Viele tschechischsprachige Gablonzer flohen.

In Gablonz existierte von Januar bis Mai 1945 ein Außenlager des KZ Groß-Rosen, in dem Frauen-Häftlinge für die Flugzeugfabrik Mitteldeutsche Motorenwerke Zwangsarbeit leisten mussten. Bereits seit November 1944 befand sich hier auch ein Männerlager.Gablonz/Neiße (Böhmen). Jüdische-gemeinden.deRudolf M. Wlaschek: Juden in Böhmen. Oldenbourg, München 1990, S. 152.

Vertreibung der Deutschen

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die meisten deutschböhmischen Bewohner auf Grund der Beneš-Dekrete vertrieben. Nach 1945 gründeten die Heimatvertriebenen dann Gemeinden mit dem Namen Neugablonz sowohl in Kaufbeuren in Bayern als auch Neugablonz in Enns in Oberösterreich und die Gablonzersiedlung in Kremsmünster, Oberösterreich, um dort die berühmte Glasindustrie (Gablonzer Bijouterie) fortzuführen. Andere, wie die Glashersteller Willi Beranek, Ottokar Menzel und Rudolf Posselt aus Kukan, ließen sich in den Glaszentren Karlsruhe und Schwäbisch Gmünd nieder. Auch im Landkreis Gotha in Thüringen haben sich etwa 14.000 Exilanten, davon viele aus der Region Gablonz, niedergelassen. Besonders um die Städte Friedrichroda und Ohrdruf entstanden so neben dort genossenschaftlich organisierten Kleinbetrieben der Täschner und Schmuckgürtler Werkstätten der Knopfmacher, Glasgestalter und Bijouteriewarenhersteller.

Nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich viele Neubürger aus Mittelböhmen, der Slowakei, Repatrianten und Roma in Jablonec an. Jablonec ist die zweitgrößte Stadt der Region Liberec, die größte Stadt und Sitz des Bezirks Jablonec nad Nisou und ein Industriestandort. Sie bildet das Verwaltungs-, Kultur- und Sportzentrum des Isergebirges (Jizerské Hory).

Bevölkerung Bis 1945 war Gablonz überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

+ Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1802 1.976 in 411 HäusernCarl Joseph Czoernig: Topographisch-historisch-statistische Beschreibung von Reichenberg. Nebst einem Anhange, die Beschreibung von Gablonz enthaltend. Wien 1829, S. 207; books.google.de 1827 3.126 in 512 HäusernAdolf Benda: Geschichte der Stadt Gablonz und ihrer Umgebung. Gablonz an der Neisse 1877, S. 81; books.google.de 1830 3.209 in 523 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 196, Ziffer 1); books.google.deJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 2: Bunzlauer Kreis. Prag 1834, S. 331–332, Ziffer 22); books.google.it 1837 3.548 Adolf Benda: Geschichte der Stadt Gablonz und ihrer Umgebung. Gablonz an der Neisse 1877, S. 84; books.google.de 1846 3.826 1857 4.553 Adolf Benda: Geschichte der Stadt Gablonz und ihrer Umgebung. Gablonz an der Neisse 1877, S. 103; books.google.de 1859 5.297 in 561 Häusern, darunter 1.100 Fremde 1869 6.752 davon 3.874 Einheimische und 2.878 FremdeAdolf Benda: Geschichte der Stadt Gablonz und ihrer Umgebung. Gablonz an der Neisse 1877, S. 105; books.google.de 1900 21.091 deutsche Einwohner 1930 33.958 davon 5.602 Tschechen 1939 28.771 davon 3.503 Evangelische, 22.071 Katholiken, 1.801 sonstige Christen und 53 Juden

Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs

(Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres)

Jahr Einwohner 1947 23.156 1950 22.905 1960 28.154 1970 33.851 1980 43.045 Jahr Einwohner 1990 46.691 2000 45.428 2010 45.356 2020 45.317 2022 45.830

Politik

Bürgermeister 1881–1918 Adolph Heinrich Posselt 1918–1934 Karl Richard Fischer (DNSAP) 1934–1938 Gustav Petrovsky (SdP) 1938–1942/45 Oswald Wondrak (NSDAP, 1942 Einberufung zum Wehrdienst) 1942–1945 (Mai) Karl Lehmann (NSDAP, als Stellvertreter) 8. Mai 1945 – 21. Mai 1945 Karel Šimon (Demokrat) 21. Mai 1945 – 1950 Karel Šilhán (Kommunist) 1990–1994 Jiří Musil (Bürgerforum, später Sozialdemokraten) 1994–2006 Jiří Čeřovský (ODS) 2006–2010 Petr Tulpa (unabhängige Vereinigung Domov nad Nisou – „Heimat an der Neiße“) seit November 2010 Petr Beitl (ODS)Starostou Jablonce bude ještědský hoteliér Petr Beitl. Liberecký kraj, liberec.idnes.cz

Städtepartnerschaften Bautzen, Deutschland Zwickau, Deutschland Ronse, Belgien Marsciano, Italien Kaufbeuren, Deutschland

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant=0.7|Hussitenkirche mini|Annenkirche mini|Herz-Jesu-Kirche mini|Altes Rathaus mini|Neues Rathaus mini|Synagoge Im Stadtviertel Rýnovice gibt es ein Haus der tschechisch-deutschen Verständigung (Rieger-Haus). Eine Reihe bedeutender Bauten und Stadtviertel beweisen den früheren Reichtum der Stadt. Zu den interessantesten gehören Jugendstilbauten und private Villen an der jetzigen Podhorská ulice (Gebirgsstraße) und der 28. října (Josef-Pfeifer-Straße). Prächtige Bauten des Funktionalismus der 1930er Jahre sind die Villa Schmelowsky, die Villa Hásek (Architekt Heinrich Lauterbach), die Villa Kantor (Adolf-Loos-Schüler Architekt Heinrich Kulka), das Rathaus (Architekt Karl Winter) und die katholische Kirche am Gewerbeplatz (Architekt Josef Zasche).

Neues Rathaus, 1931–1933 im funktionalistischen Stil nach Entwurf des Reichenberger Architekten Karl Winter erbaut. Altes Rathaus, ein dreistöckiges Gebäude mit vierkantigem Turm, wurde 1867–1869 vom Reichenberger Baumeister Gustav Sachers erbaut. Glas- und Bijouterie Museum im Jugendstil, gehörte ursprünglich der Exportfirma „Zimmer & Schmidt“. Heute ist es Sitz des Museums für Glas und Bijouterie und Standort der Internationalen Triennale für Glas und Schmuck. Die Sammlungen enthalten Objekte zur Dokumentation der Geschichte der Glasmacherei, der Herstellung von Schmuck und Bijouterie und der Medaillenkunst und Münzenprägerei; alles in besonderer Hinsicht zur Entwicklung in Nordböhmen. Römisch-katholisch Annenkirche, einschiffiger rechteckiger Barockbau mit polygonalem Presbyterium, 1685–1687 erbaut Ehemaliges Pfarramt, Gebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts mit einer Neo-Renaissance-Fassade vom Ende des 19. Jahrhunderts. Bemerkenswert sind die Statue der hl. Maria vor der Kirche und ein etwa einen Meter hohes Versöhnungskreuz an der Kirchwand von 1666. Stadttheater (Městské divadlo), nach den Plänen der Wiener Theaterarchitekten Fellner und Helmer 1906–1907 grundrissgleich mit jenen in Gießen und Klagenfurt im Jugendstil erbaut Römisch-katholische Herz-Jesu-Kirche, ein dreischiffiger, rechteckiger Ziegelbau mit Querschiff und vierkantigem Turm, 1930–1931 nach Entwurf des in Gablonz geborenen Architekten Josef Zasche (1871–1957) errichtet Altkatholische Kreuzkirche, 1900–1902 im Jugendstil erbaut, der Entwurf stammt ebenfalls vom Architekten Josef Zasche. Evangelische Pfarrkirche, neugotischer einschiffiger Bau mit rechteckigem Turm an der Vorderfront, 1892 von Baumeister Arwed Thamerus erbaut Talsperre Mšeno, 1906–1909 im Gebiet der Gewässer der Lausitzer Neiße erbaut. Sie soll den regelmäßig wiederkehrenden Überschwemmungen vorbeugen. Die Talsperre liegt 513 m über dem Meeresspiegel und fasst drei Millionen Kubikmeter Wasser. Dieses technische Baudenkmal ist gleichzeitig ein attraktives Erholungsgebiet für die Stadt. Schützenhaus, war Sitz des örtlichen Schützenvereins, der im Jahr 1761 gegründet wurde. Das spätere Zentrum des Gablonzer Sport- und Kulturlebens wurde in den Jahren 1870–1871 erbaut. Petřín (Nickelkoppe), Ausflugsrestaurant mit einem zwanzig Meter hohen Aussichtsturm am Südrand der Stadt, 1906 erbaut Galerie Belvedere, ein spätbarockes, zweistöckiges Haus mit einem Mansarddach, gehört zu den ältesten Gebäuden der Stadt. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahr 1773. Nad Prosečí (Proschwitzer Kamm), beliebtes Ziel für Spaziergänge zwischen Jablonec und Liberec mit Baude und Aussichtsturm Schwarzbrunnwarte, Aussichtsturm aus Granit mit Baude, 1905 nach Entwürfen des Gablonzer Architekten Hemmrich auf dem Schwarzbrunnberg (Černá studnice) errichtet Neißequelle im Gelände der Ortschaft Nová Ves nad Nisou (Neudorf) in der Nähe der Hauptstraße nach Lučany nad Nisou (Wiesenthal).

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft