mini|alt=|Logo der Stadt Ostrava mini|Das neue Rathaus in Ostrava
Ostrava () (, ) ist die drittgrößte Stadt in Tschechien. Sie ist das Verwaltungszentrum der Mährisch-Schlesischen Region (Moravskoslezský kraj). Die Stadt liegt an der Nordostgrenze Tschechiens an der Oder, zehn Kilometer südwestlich der Grenze zu Polen und 50 Kilometer nordnordwestlich der Grenze zur Slowakei.
Ostrava gewann aufgrund seiner Lage im Herzen eines großen Kohlefeldes an Bedeutung und wurde zu einem Industriemotor in Österreich-Ungarn. Während des 20. Jahrhunderts war Ostrava als Kohlebergbau- und metallurgisches Zentrum als „Stahlherz“ der Tschechoslowakei bekannt. Seit 1998 gab es jedoch weitreichende Veränderungen, die Wirtschaft der Stadt wurde gründlich umstrukturiert, die letzte Kohle wurde 1994 abgebaut.
Mit der Universität von Ostrava und der Technischen Universität Ostrava ist die Stadt ein bedeutender Bildungsstandort. In Ostrava leben mehr als 283.000 Menschen,czso.cz die Agglomeration ist mit über 980.000 Einwohnern die zweitgrößte in Tschechien.mmr.cz
Geografie Geografische Lage Das heutige Stadtgebiet von Ostrava liegt zum größten Teil im äußersten Nordosten Mährens (einige Randgebiete jedoch in Schlesien) im Osten Tschechiens zwischen den Sudeten und Beskiden am Nordausgang der Mährischen Pforte, an der historischen Landesgrenze Mährens und Schlesiens, in der historisch-kulturellen Landschaft Lachei. Hier befindet sich, am Fuße der Schlesisch-Ostrauer Burg, die Mündung des Flusses Lučina in die Ostrawitza (Ostravice), die wiederum – wie auch die Oppa (Opava) und Porubka – in die Oder mündet.
Klima
Geschichte Ostrava entstand aus alten Siedlungen an der Mündung der Ostrawitza in die Oder. Hier führte eine Bernsteinstraße durch die Mährische Pforte. Seit dem 10. Jahrhundert ist das Ostrauer Becken als Siedlungsgebiet des slawischen Stammes der Golensizen (tschechisch Holasici) bekannt. Zuvor war es erst keltisch, dann germanisch besiedelt.
Oder und Ostravice bildeten hier jahrhundertelang die Grenze zwischen Mähren und Schlesien. An der Mündung der Ostravice in die Oder entstanden beiderseits des Nebenflusses zwei Dörfer mit Namen Ostrava bzw. Ostrawa. Polska Ostrawa (tschechisch Polská Ostrava, deutsch Polnisch Ostrau) wurde erstmals 1229 in der Kastellanei von Teschen erwähnt. Moravská Ostrava (Mährisch Ostrau), erstmals 1267 genannt, erhielt vor 1279 Stadtrecht. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand in Polská Ostrava eine Grenzburg der Piastenherzöge von Oppeln, am wahrscheinlichsten Sitz des im Grenzvertrag aus dem Jahr 1297 als Zeuge erwähnten Kastellans namens Herman im Herzogtum Teschen. Im Laufe des Mittelalters wanderten viele Deutsche in die Stadt ein (→ Hochmittelalterliche Ostsiedlung), während im Jahr 1380 das schlesische Dorf als wendisch unterschieden wurde.
Die Bedeutung beider Orte blieb bis ins 18. Jahrhundert gering. Wirtschaftliche Bedeutung und Bevölkerungswachstum änderten sich rapide mit dem intensiven Abbau der Steinkohleflöze ab 1763. Im Jahr 1794 lebten 1.578 Einwohner in Mährisch-Ostrau, 6.881 im Jahr 1869.
Die Witkowitzer Eisenwerke wurden 1829 vom Fürsterzbischof von Olmütz, Erzherzog Kardinal Rudolf von Österreich gegründet. Hier entstand das erste Puddelwerk der Habsburgermonarchie, hier stand auch der erste Kokshochofen des alten Österreich. Sein Nachfolger, Fürsterzbischof Ferdinand Maria Graf Chotek, verpachtete das Unternehmen 1833 an ein Konsortium, in dem das Haus Rothschild bereits eine wichtige Position einnahm, 1843 wurde das Bankhaus S.M. von Rothschild Alleineigentümer. Das wichtigste Produkt waren zunächst Eisenbahnschienen für die Nordbahn (Wien–Krakau). 1844 wurde der erste Dampfhammer Österreichs errichtet.Johann Slokar: Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förderung unter Kaiser Franz I. Wien 1914, S. 405 f. Ostrava wurde in der Folge zu einem überaus bedeutenden Zentrum der Stahlindustrie.
mini|links|Mährisch Ostrau 1728 mini|Die Schlesisch-Ostrauer Burg alt=|mini|Die Witkowitzer Eisenwerke sind heute ein Veranstaltungsort
Die durch den Zensus erfasste Bevölkerung stieg konstant: 13.448 (1880), 19.240 (1890), 30.116 (1900) und 36.754 (1910). Ein ähnlicher Anstieg ist für die Gesamtregion (d. h. einschließlich dem Umland) zu verzeichnen: von 18.711 (1843) bis auf 186.613 (1910). Diese Wachstumsrate der Bevölkerung war nur durch eine Zuwanderung zu erreichen, welche nicht nur aus Mähren, sondern insbesondere auch aus Galizien durch Polen erfolgte, was durch die gemeinsame staatliche Zugehörigkeit zu Österreich-Ungarn erleichtert wurde. Die massive Zuwanderung von ehemaliger Landbevölkerung in eine zunehmend industrialisierte Wirtschaftsregion brachte große soziale wie auch sozio-kulturelle Probleme mit sich.Hana Šústková: The Influence of Galicians on Life in Moravian Ostrava/Ostrau and its Surroundings during the Era of Industrialization. In: Prager Wirtschafts- und sozialhistorische Mitteilungen / Prague economic and social history papers, Band 8 (2007/08). Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Karlsuniversität, ISBN 978-80-7308-232-1, S. 185–193.
Einer der größeren Arbeitgeber um 1900 waren die Centralheizungswerke mit Hauptsitz in Hannover.
Bis 1918 gehörte Mährisch Ostrau zur Markgrafschaft Mähren und Polnisch Ostrau zum Herzogtum Schlesien (Österreichisch Schlesien), zuletzt beide als Kronländer. Ab 1918 waren beide Städte bis 1939 Teil der Tschechoslowakischen Republik. Seit 1919 hieß die östliche Stadt Slezská Ostrava (Schlesisch Ostrau). Zum 1. Januar 1924 wurden die Städte Mariánské Hory (Marienberg), Přívoz (Oderfurt) und Vítkovice (Witkowitz) mit weiteren drei Gemeinden (Hrabůvka (Klein Grabau), Nová Ves (Neudorf) und Zábřeh nad Odrou (Heinrichsdorf)) nach Moravská Ostrava eingemeindet.Geschichte Ostravas Webseite der Stadtverwaltung, aufgerufen am 6. Dezember 2012. Die Stadt hatte 1930 125.350 zumeist tschechische und polnische sowie knapp 18 Prozent deutsche Einwohner.Ergebnis der Volkszählung von 1930 in: Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 13, Leipzig 1932, S. 840.
Zwischen 1939 und 1945 gehörten Mährisch Ostrau und Schlesisch Ostrau als Teil des Protektorats Böhmen und Mähren zum Großdeutschen Reich. 1941 wurden Mährisch Ostrau und Schlesisch Ostrau offiziell vereinigt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Industriezentrum zum Ziel vieler alliierter Luftangriffe.
Ab 1945 wurde der deutsche Bevölkerungsanteil der Stadt größtenteils vertrieben und ausgewiesen. Bei einem Massaker im sogenannten Hanke-Lager in Ostrau wurden 231 Deutsche getötet.Ermittlungen in Ostrau eingestellt. Frankfurter Allgemeine Zeitung (dpa), 26. November 2010. Viele Neubürger aus Südmähren, der Slowakei, sogenannte Repatrianten und Roma siedelten sich in der Folgezeit an.
Nach dem Zusammenbruch des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe gerieten Schwerindustrie und chemische Industrie, welche mit erheblicher Umweltschädigung betrieben wurden, in eine Krise. Der Steinkohleabbau wurde am 30. Juni 1994 mit dem letzten geförderten Hunt in Přívoz eingestellt. In Vítkovice erloschen die Hochöfen am 27. September 1998.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 2021 Einwohner 38.598 56.128 84.492 144.550 186.084 198.438 219.528 215.791 254.297 297.171 322.073 327.371 316.744 296.224 282.450Zensus 2021, Český statistický úřad, abgerufen am 16. Juli 2025 (tschechisch)
Städtepartnerschaften Partnerstädte Ostravas sind:Website Ostrava – Partnerská města, abgerufen am 28. März 2017
Ostrava beendete am 23. März 2022 die bestehenden Partnerschaften mit der russischen Stadt Wolgograd (seit 1949) und der russisch besetzten ukrainischen Stadt Donezk (seit 2009) aufgrund der Position der beiden Stadtverwaltungen zum Russischen Krieg gegen die Ukraine.
Wirtschaft mini|Neue Hütte Ostrava mini|Museumsbergwerk Jindřich Der Raum zwischen Ostrava und Karviná ist ein großes Industriegebiet. Die Umwelt wurde infolge der Konzentration von Schwerindustrie – Kohlenförderung, Hüttenwerke, Schwermaschinenbau, Kokereien, Kraftwerke, Gaswerke, Chemieunternehmen – stark beeinflusst und in Mitleidenschaft gezogen. Außer Ostrava, dem Zentrum dieser Industrieregion, sind hier noch weitere Industriestädte – Karviná, Orlová, Bohumín – mit Stahl- und Drahtwerken und weitere Kleinstädte, deren Beschäftigungsmöglichkeiten von diesen Industriezentren abhängig sind. An diesen Kern der Region knüpfen die umliegenden Gebiete an: das Hultschiner Ländchen, die Gebiete um Frýdek-Místek (Friedek-Mistek), Nový Jičín (Neu Titschein) und Třinec (Trzynietz).
In den Kohlegruben in der Region waren in den 1980er-Jahren rund 150.000 Arbeiter beschäftigt.Christian Geinitz: Von der schwärzesten zur buntesten Stadt Europas. Das Kohlerevier in Ostrau erwacht zu neuem Leben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. Oktober 2017, S. 21. Nach der Privatisierung der Gruben drohte zum Ende des Jahres 2014 die Schließung. Im Mai 2016 meldete der zu New World Resources gehörende Steinkohleförderer OKD (Ostravsko-karvinské doly) Insolvenz an. Mit der Schließung der Grube Passov zum 31. März 2017 endete auch der Steinkohlebergbau im Ostrauer Teil des Bergbaureviers Ostrava-Karviná. Trotzdem wird an der Restrukturierung von OKD gearbeitet, um die Kohleförderung in der Region stellenweise zu erhalten (Stand August 2017).
Der Strukturwandel gelingt insgesamt besser als in anderen einstigen Zentren der europäischen Schwerindustrie. Nicht zuletzt dank der guten Qualifikation der Industriearbeiter gelang es, ausländische Industrieunternehmen anzusiedeln. Die Arbeitslosigkeit lag Ende Juni 2017 mit 4,5 % leicht über dem (niedrigen) Landesdurchschnitt.
Umwelt Ostrava galt als eine der schmutzigsten Städte der Europäischen Union. Der Ausstoß von Feinstaub stieg in den 1980er-Jahren auf 80.000 Tonnen pro Jahr. Hauptverursacher hierfür war und ist v. a. das Stahlwerk Nová huť,Ocelárna Mittal zamořuje okolí karcinogenními látkami (Mittal-Stahlwerk verschmutzt die Umgebung mit krebserregenden Stoffen), 1. September 2008, abgerufen am 9. November 2017 (tschechisch). welches sich direkt am Stadtrand befindet. Im Nachbarland Polen mussten die Grenzwerte für Feinstaub an die Normen der Europäischen Union angepasst werden; in Tschechien waren die Grenzwerte dreimal niedriger als in Polen.Martina Schneibergová: Weg mit dem Smog! Tschechien und Polen wollen Emissionen reduzieren. Radio CZ, 30. September 2011 Die Stadtverwaltung legte mehrere Programme zu Umweltschutz auf. So sollten alle Kohleöfen in Privatwohnungen bis 2010 ausgetauscht werden. Der Feinstaubausstoß verringerte sich auf 1.500 Tonnen im Jahr 2016, rund 2 % der äußerst hohen Menge der 1980er-Jahre.
Verkehr alt=|mini|Die Straßenbahn in Ostrava
Innerstädtischer öffentlicher Personennahverkehr Ostrava hat ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz: Es fahren Straßenbahnen, O-Busse und Stadtbusse. Seit den 1990er-Jahren tragen sie ein einheitliches Erscheinungsbild: Sie sind in den Farben blau, gelb und weiß lackiert.
Die Straßenbahn Ostrava fährt in einem 62,7 km langen Netz mit 15 Linien und zwei Nachtlinien. Das O-Bus-Netz ist 33,6 km lang. Die Gesamtlänge der von den Linienbussen befahrenen Strecken beträgt mehr als 350 km.
Im Jahr 2016 wurden in der Straßenbahn 44,4 Millionen Fahrgäste gezählt. Im O-Bus-Netz waren 7,0 Millionen Fährgäste unterwegs, die Busse beförderten 18,7 Millionen Personen.
Eisenbahn Ostrava-Přívoz ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof. Er befindet sich an der ehem. Kaiser Ferdinands-Nordbahn von Wien nach Katowice und Krakau.