Arthur Grimm (* 11. Februar 1883 in Mudau; † 23. Februar 1948 ebenda) war ein deutscher Maler, der vor allem durch seine Stillleben, Blumen- und Landschaftsbilder bekannt ist. Er war ein herausragender Vertreter der figürlichen Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wird der Hollerbacher Malerkolonie zugerechnet. Manchmal wird er auch als Odenwald-Maler bezeichnet. Zu seiner Zeit war er mit der bedeutendste Maler in Baden-Baden. In seinen Bildern zeigte er die Natur wie sie ist, ohne Pathos und falschen Effekt, wobei diese dem Betrachter in ihren satten, dunklen Farbharmonien oft etwas Düsteres und Freudloses anmuten. Darüber hinaus entstanden neben Bildern, Aquarellen und Zeichnungen eine Reihe von Bildnissen und Selbstbildnissen. mini|Grabstätte von Arthur Grimm auf dem Friedhof von Mudau
Leben mini|hochkant|links|Arthur Grimm – Selbstbildnis mit Palette im Freien (1911)
Eltern Arthur Johann Adrian Grimm wurde als zweites Kind des Mudauer Hauptlehrers August Grimm (1855–1899) und seiner Ehefrau Petronella geb. Schnorr (1853–1911) in Mudau im badischen Odenwald geboren. Sein Vater stammte aus Aglasterhausen und war in Mudau Organist in der katholischen Kirche, Dirigent des Gesangvereins und Bezirksrat – er starb am 1. Weihnachtsfeiertag 1899 früh, an einem Herzschlag. Seine Mutter, geboren in Hardheim, fertigte als Putzmacherin kunstvolle Stickereien an und war die Tochter des künstlerisch begabten Mudauer Lehrers und Rektors Adrian Schnorr – sie starb 12 Jahre nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1911. Grimms Elternhaus war das damalige Schulhaus bei der Kirche St. Pankratius. Er und seine drei Brüder Walther, Fritz und August und seine Schwester Paula wurden streng erzogen. Mit fünf Jahren fing er – unterstützt von seinem Vater – an zu zeichnen.
Kindheit und Schulzeit Grimm besuchte ab 1889 die Volksschule in Mudau, war Messdiener und wurde im Klavier- und Violinspiel unterrichtet. Mit 14 Jahren spielte er samstagabends die Orgel in der Kirche. In freien Stunden malte er mit Roterübenbrühe, schwarzem Kaffee und restlichen Ostereierfarben Bilder. Als 1897/98 Franz Wallischek in Mudau weilte und die Kirche ausmalte, beobachte ihn Grimm. Fortan war es sein größter Wunsch, Maler zu werden. Seine Eltern hatten hierfür jedoch kein Verständnis und waren dagegen, so wurde er von seinem Vater bis zur Vollendung seines 16. Lebensjahres für den Lehrerberuf vorbereitet.
Lehrerseminar Wider seinen Willen besuchte er – als Prüfungsbester nach bestandener Aufnahmeprüfung – ab Ostern 1899 das „Großherzoglich Badische Lehrerseminar II“ in Karlsruhe in der Rüppurer Straße. In den folgenden drei Jahren hatte Grimm immer ein Gefühl von Heimweh und Ehrgeiz, in das sich Hoffnung mischte auf Ferien und die Heimat, wo er wieder zeichnen und malen konnte. Sonntags ging Grimm meistens in die Karlsruher Gemäldegalerie und zeichnete.
Staatsdienst und Kunstgewerbeschule mini|Arthur Grimm – Jäger mit Pfeife (1905)
Als 19-Jähriger hegte er noch immer den Gedanken, sich bald vollkommen der Kunst widmen zu können. Durch den Tod des Vaters war seine Mutter verarmt und riet ihm ab, zudem waren drei Geschwister noch unversorgt. Ab April 1902 erhielt er seine erste Anstellung als Unterlehrer in Heitersheim (Monatsverdienst 66,66 Mark) und unterrichtete die Schüler des 1. Schuljahres auf unkonventionelle Weise, indem er ihnen zunächst nicht das Lesen und Schreiben beibrachte, sondern ihnen zuerst die Welt anhand kleiner Geschichten vom Paradis, von Kain und Abel und von der Arche Noah zu erklären versuchte. Nach vier Monaten wurde Grimm vom Kreisschulrat gerügt. Daraufhin ließ er sich von 1902 bis 1905 beurlauben, um ab Oktober 1902 die Kunstgewerbeschule Karlsruhe zu besuchen, wo er ein Schüler des damaligen Kunstakademiestudenten Hermann Burte wurde. Sein Malstil festigte sich: Alles Ornamente versuchte er fortan eckiger und einfacher zu machen. Mit Musikstunden, einem Staatsstipendium und einem geringen Zuschuss der Mutter hielt er sich über Wasser. Er verkaufte sein erstes Bild. 1905 machte Grimm das Zeichenlehrerexamen und fand als Lehrer für Deutsch, Geographie, Zeichnen, Gesang und Turnen eine gehobene Anstellung an der Großherzoglichen-Badischen Realschule in Waldshut (Monatsverdienst 100 Mark). Zeit zum Malen hatte er wenig, die Ferien nutzt er dazu um im südlichen Schwarzwald Landschaften zu malen. In Waldshut lernte er den Hegausänger Richard Stocker sowie 1905 den promovierten Medizinalrat Hermann Bär kennen. Als Grimm dessen Sohn Otto vortrefflich porträtierte, nutze Grimm die Chance und bat den äußerst sozial eingestellten Bezirksarzt und Kunstfreund um ein Darlehen über 3000 Mark, was Grimm zinslos und auf unbestimmte Zeit gewährt wurde. Bald machte er seine erste Reise nach München und fand in den Galerien und Sammlungen Anregungen für sein späteres Kunststudium. Ein Studienaufenthalt mit den Münchner Malern Otto Weil, Paul Dahlen und Adolf Quensen an Ostern 1906 in die Nähe von Dietmannsried im Allgäu folgte. Im Herbst 1906 wurde er an die Städtische Gewerbeschule Karlsruhe versetzt, war Gasthörer an der Kunstakademie Karlsruhe und trat an Ostern 1907 freiwillig und endgültig aus dem Staatsdienst aus.
Kunstakademie und seine frühen Jahre als Maler mini|hochkant|links|Meisterschüler bei Wilhelm Trübner (Selbstbildnis mit Hut – 1902) mini|hochkant|Arthur Grimm – Bildnis des Malers Jules Pascin (1908)
Das Darlehen des Waldshuter Kunstförderers ermöglichte ihm ein Studium (1907–1911) an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Sein erster Lehrer war Professor Ludwig Schmidt-Reutte. Bald machte er mit dem Maler und Professor Wilhelm Trübner und seinen Arbeiten Bekanntschaft. Ab Herbst 1907 wurde er zusammen mit seinen Studienfreunden Wilhelm Guntermann sowie Hermann Goebel und Hans Sutter in seine Meisterklasse aufgenommen und wurde sein sogenannter Meisterschüler. Um das Jahr 1907 schloss er sich zu regelmäßigen Sommeraufenthalten der Gruppe um seinen väterlichen Freund Franz Wallischeck in Hollerbach an, ging ausgiebig zur Jagd und malte Jagdbilder und Landschaften. Er ging im Frühjahr 1908 für drei Monate – ohne französisch zu sprechen – nach Paris, wo er dem deutschen Kreis um Friedrich Ahlers-Hestermann, Curt Bondy, Lyonel Feininger, Rudolf Großmann, Hans Purrmann, Wilhelm Uhde, Eugen von Kahler, Konrad von Kardorff und Rudolf Levy im Café du Dôme angehörte, hier befand er sich inmitten einer erregenden Atmosphäre des malerischen Aufbruchs und machte Bekanntschaft mit dem Fauvismus. Über den damals schon berühmten Maler Jules Pascin, den er porträtierte, lernte er den damals noch kaum bekannten Pablo Picasso kennen. Seine Malweise wurde aufgelöster, zerfahrener und etwas oberflächlicher. Wieder zurück verbrachte er den Sommer zunächst mit Guntermann in Erbach im Odenwald, danach allein in Lengfeld. Es entstanden eine Reihe von Freilichtaktstudien. Im Jahr 1909 erhielt Grimm für ein Jahr das Ehrengehalt der vereinigten Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, was die Zweifler in seiner Verwandtschaft etwas besänftigte. Schon 1910 gewann Grimm unter 60 Teilnehmern die erste Auszeichnung: den mit 2000 Mark dotierten „Preis der Rheinlande“ für das Landschaftsbild „Säckingen am Oberrhein“. Bald führte er ein wechselseitiges Leben als Student in Karlsruhe einerseits und als ein Teil der Malerkolonie in Hollerbach andererseits. Grimm und seine Mitstreiter mieteten sich ein Bauernhäuschen, pflanzten selbst, kochten, gingen zur Jagd, trieben Sport, musizierten und lebten günstig und ein ganz anderes Leben als ihre bäuerlichen Nachbarn. Mit seinem Malerfreund Rudolph Burckhardt aus Basel machte er im Sommer 1910 eine kurze Studienreise durch die Schweiz und hielt sich mehrere Wochen in Basel auf. Zu jener Zeit lernte er den Schriftsteller Wilhelm Schäfer kennen und hatte erste Erfolge und Beteiligungen an Ausstellungen des deutschen Künstlerbundes und der Badener Sezession. In Karlsruhe kam er in Berührung mit dem Maler Hans Thoma. Im Sommer 1911 malte Grimm in Miltenberg und Mudau, ehe er sich im vorgerückten Alter von 28 Jahren zur Musterung begeben musste. Ab Oktober 1911 leistete er als Einjährig-Freiwilliger den Militärdienst im Feldartillerie-Regiment Nr. 50 in Karlsruhe ab. In dieser Zeit malte er nur zwei Bilder. Mit drei seiner Schülerinnen verweilte er im Frühling und im Sommer 1913 zu Studien in Hollerbach, wo er auch seine spätere Frau Stephanie Luise Brenner (1886–1977) näher kennen und lieben lernte. Nach der Heirat am 25. Oktober 1913 wohnten beide kurz in Baden-Baden, danach für sieben Monate bis zum Juni 1914 in einer kleinen Wohnung am Quai de la Tournelle in Paris und hiernach für kurze Zeit in Hollerbach. Vom August 1914 bis 1918 nahm Grimm als Unteroffizier am Ersten Weltkrieg teil. Zog er anfänglich – wie so viele andere mit ihm – noch begeistert in den Krieg, entwickelte er bald mehr und mehr Abscheu dagegen. Zunächst war er an der Westfront stationiert, nach einer krankhaften Herzerweiterung bekam er bis April 1915 Erholungsurlaub und diente danach im militärischen Dienst hinter der Front in verschiedenen Regimentern. Ab Mai 1915 war er als Wache im Zivilgefangenenlager in Lens, danach im Kasernendienst des Trainbataillons in Bruchsal, später als Polizeioffizier in den Lazaretten in Pforzheim und Baden-Baden. Im Sommer 1915 malte er den Grafen Ferdinand von Zeppelin in Friedrichshafen. Die Zeit bis zum Ende des Krieges verbrachte er in der Spionageabteilung bei der Postüberwachungsstelle in Karlsruhe.
Heirat und Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens mini|Arthur Grimm – Ruhige Flussszene (Brücke in Sennfeld; 1921)