Bohnsdorf [] ist ein Ortsteil im Südwesten des Bezirks Treptow-Köpenick in Berlin. Er grenzt im Norden an Altglienicke, im Osten an Grünau und im Süden an die Gemeinde Schönefeld in Brandenburg.
Lage mini|hochkant=1.2|Dorfplatz Bohnsdorf
Das Gelände ist mit Ausnahme der im Norden gelegenen 59,6 m hohen Falkenberge relativ flach. Im Osten Bohnsdorfs fließt der Plumpengraben, wodurch das angrenzende Gebiet lange Zeit völlig versumpft war und erst nach umfangreicher Trockenlegung besiedelt werden konnte.
In der Bebauung dominieren die für eine Stadtrandsiedlung typischen Einfamilienhäuser und Reihenhaussiedlungen. Eine Besonderheit stellt der als Bauensemble denkmalgeschützte Anger (Dorfplatz 2–21) dar, einer der wenigen komplett erhaltenen in Berlin.Die anderen sind in Lichtenrade, Lübars und Marienfelde.
Bohnsdorf teilt sich in die LOR-Planungsräume Falkenberg und Alt-Bohnsdorf (mit Ortslage Falkenhorst).
Geschichte 12.–15. Jahrhundert mini|Blick auf den Dorfanger
Bohnsdorf wirkt durch den Dorfplatz wie die typisch deutsche Planform eines Straßenangerdorfs während des 12. und 13. Jahrhunderts der deutschen Ostsiedlung. Tatsächlich war Bohnsdorf aber zunächst ein Sackgassendorf oder Runddorf, wie das Schmettausche Kartenwerk von 1767–1787 sowie das Ur-Messtischblatt von 1831 ausweisen. Diese spezielle Ortsform sowie die ungewöhnlich niedrige Hufenzahl (ohne Pfarrhufen) deuten darauf hin, dass das Dorf ursprünglich eine slawische Siedlung war. In der ersten Phase der deutschen Besiedlung des Berliner Raums (vor etwa 1230) war es üblich, dass die deutschen Zuzügler in slawische Dörfer zogen und sie ggf. erweiterten, ohne ihre Grundstruktur zu ändern. Die Herrschaftsübernahme der Deutschen zeigte sich daran, dass im Landbuch Karls IV. (1373) ein Schulze erwähnt wird. Bohnsdorf ist ein slawisch-deutscher Mischname und bezeichnet ein Dorf, das von einem Mann namens Bon gegründet wurde. Es ist umstritten, ob es sich dabei um einen slawischen oder deutschen Personennamen (Bonifacius) handelt.
Urkundlich erstmals erwähnt wird Bonenstorp/Bonistorpp/Benistorp/Bonenstorf im Landbuch Karls IV., und zwar mit 25 Hufen, von denen Hans von Aken (Bürger aus Berlin) acht freie Hufen und die Bede hat. Er erhielt den Ort einschließlich der Freihufen vom Ritter Heinrich von Reichenbach aus Schulzendorf als Lehen. Die starke Stellung des Schulzen zeigt sich nicht nur in seinen zwei Freihufen, sondern auch darin, dass ihm ein Kossät und ein (allerdings wüst liegender) Krug zugeordnet sind. Der Kötter war verpflichtet, seinem Herren neben Frondiensten auch Rauchhühner als Wintervorrat abzuliefern. Die verbleibenden Hufen wurden von einer nicht bekannten Anzahl freier Bauern in Dreifelderwirtschaft bewirtschaftet. Sie mussten von Aken pro Hufe den Zehnt in Form von zehn Scheffel Roggen und Gerste sowie als Zins drei und als Bede einen Schilling abgeben.
Es ist davon auszugehen, dass die deutschen Zuzügler eine Dorfkirche wünschten. Über den Vorgängerbau ist nichts bekannt, auch nicht wann er entstand, denn im Landbuch werden 1375 noch keine Pfarrhufen erwähnt. Er stand vermutlich auf dem Platz des Runddorfs, neben dem Dorfteich.
Ein Tiefpunkt in der Geschichte Bohnsdorfs war die Zeit zwischen 1400 und 1420, als die Raubritter Johann und Conrad von Quitzow die Region unsicher machten und die Siedlungen rings um Berlin-Kölln plünderten. 1450 wurden erstmals zwei Pfarrhufen und eine Kirchenhufe für das „Gotzhusz“ (=das Gotteshaus) vermeldet; sie werden sich auf eine Kirche aus Fachwerk bezogen haben. Mittlerweile waren zwei Kötter im Dorf beschäftigt; ein Jahr später kam ein Hirte hinzu. Hans von Aken, der das Ober- und Untergericht innehatte, verlangte von seinen Untertanen weiterhin 20 Scheffel Waldhafer pro Jahr, damit diese ihr Vieh auf der Köpenicker Heide weiden lassen durften. Der Kriegsdienst verblieb jedoch bei Heinrich von Reichenbach. Judith Uhlig weist in ihrem Buch Treptow – Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke auf den Wohlstand des Hans von Aken hin. Für sie war von Aken „unter den mittleren bis großen Empfängern ländlicher Einnahmen einer der ganz wenigen selbst Wirtschaftenden“. Seinem wirtschaftlichen Geschick war es zu verdanken, dass er am Berliner Handel mitwirkte und das märkische Einzugsgebiet am Berliner Fernhandel mit lenkte. Uhlig verweist darauf, dass seine Einkünfte bis zu 20 Mark Silber im Jahr betrugen – bei einer durchschnittlichen Abgabe von 0,39 Mark Silber pro Hufe, die ein Bauer leisten musste. Von Aken beteiligte sich allerdings auch am Berliner Unwillen und wurde mit dem Entzug seines Lehens bestraft. Außerdem musste er 1000 Gulden Geldstrafe zahlen. Als neuer Besitzer trat 1449 der Köllner Bürger Bartholomeus Bergholz im Ort auf, wenn auch nur als Pfand, d. h. das Obereigentum blieb beim Landesherren. Bergholz erhielt ausweislich eines Schlossregisters aus dem Jahr 1450 in Bonstorff auch keine Freihufen. Dafür durfte er von 21 Hufen Natural- und Geldabgaben einfordern. Erwähnenswert ist allerdings, dass Bergholz erstmals das Kirchenpatronat erhielt und somit in dieser Zeit eine Dorfkirche vorhanden war. 1472 kam es in Ponstorff zu einem erneuten Besitzerwechsel. Ein weiterer Berliner Bürger, Jacob Freyberg wurde dieses Mal erneut mit Bohnsdorf belehnt. Er hielt jedoch nur das halbe Kirchenpatronat. Die andere Hälfte wurde 1474 an die Herren von Liepe zu Waltersdorf vergeben: Die neu errichtete Kirche blieb ohne eigene Pfarre und wurde lediglich Filialkirche von Waltersdorf. Diese Entscheidung sollte bis zur Einführung der Reformation Bestand haben. Bohnsdorf entwickelte sich nach dieser Zeit nur bescheiden, denn 1480 waren es nach wie vor 25 Hufen (davon zwei Pfarrhufen) sowie zwei Kötter und mittlerweile zwei wüste Hufen. Der Einfluss der Freybergs schwand weiter, als er 1536 vom Landesherren nur noch zwei Drittel der Rechte von Bohnsdorf zusprach. 1589 gab es im Ort weiterhin einen Schulzen mit vier Hufen, davon zwei Freihufen sowie einen Vierhufner, fünf Dreihufner, zwei Kötter sowie einen Heidereiter. 1599 erschien als Nachfolger der Gebrüder Freyberg ein von Troye, der jedoch nicht in Bohnsdorf wohnte, sondern in Schmöckwitz, mit dem er ebenfalls belehnt worden war. Auch er hielt nur der Rechte im Ort, hinzu kam ein Hof mit vier freigewilligten Hufen.
16.–17. Jahrhundert Am 18. Juli 1608 starb Joachim Friedrich von Brandenburg auf dem Wege nach Berlin. Seinen vermuteten Todesort am Ende der im 21. Jahrhundert als Bohnsdorfer Joachimstraße bezeichneten Weges zierte von 1845 bis um 1942 ein Denkmal des Kurfürsten. Die Struktur von 1589 war in einem Schloßkataster, einem Steuer- und Abgabenregister, von 1624 weiterhin stabil. Es gab keine Mühle im Ort, nicht mal eine Schmiede. Mussten Pferde beschlagen werden, kam ein Laufschmied hinzu. Von Troye kam jedoch nicht dazu, die freigewilligten Hufen mit Bauern zu belegen – der Dreißigjährige Krieg forderte seine Opfer. Brandenburg, das sich 1539 schon zu Lebzeiten Martin Luthers der Reformation angeschlossen hatte, wurde 1630 zum Verbündeten Schwedens im Dreißigjährigen Krieg. Durch die mehrmals plündernd durch die Mark ziehenden Heere verlor Bohnsdorf bis zum Ende des Krieges etwa dreiviertel seiner Bevölkerung. Auch die mittelalterliche Kirche wurde schwer beschädigt. Durch Bohnsdorf zogen in dieser Zeit zahlreiche Truppen. Es kam zu Belagerungen, Plündereien, Brandschatzungen, Zwangsrekrutierungen und zahlreichem weiteren Unheil. Aus dieser Zeit ist ein Bittbrief des Schulzen aus dem Jahr 1629 an den Kurfürsten überliefert. Die von Troyes verschwanden nach dem Krieg aus der Mark. Als neue Herrscher traten die von Schapelow und die von Hertefeld auf, die jedoch nach drei Jahren wieder das Land verließen.
Kurfürst Friedrich Wilhelm versuchte nach dem Ende der Kriegshandlungen, vorrangig die Domänen zu stabilisieren, zog Bohnsdorf 1651 ein und ordnete es als Amtsdorf dem Domänenamt Köpenick zu. Zwei wüst gefallene Bauernhöfe wurden wieder besetzt und Martin Kupperschmidt aus Kleinschönebeck als Schulze bestellt. Er brachte einen Knecht und einen Jungen auf seinen drei Hufen großen Hof. Ein weiterer Hof wurde von Gürg Pusemann aus Metzdorf besetzt, während Martin Deill aus Waltersdorf den wüsten Kötterhof erhielt. 1674 entstand auf zwei wüsten Höfen ein Vorwerk (im 21. Jahrhundert der Dorfplatz 4–7). Auf acht weiteren wüsten Hufen (vier freigewilligt, vier kontribuabel) entstanden im Jahr 1700 eine Schäferei und eine kleine Meierei mit 700 Schafen sowie einem kleinen Vorwerk. Damit gelang es, die vormals wüste Feldmark in rund 50 Jahren wieder komplett zu besetzen. Die Bauern und Kötter – mit Ausnahme des Schulzen – wurden verpflichtet, an drei Tagen Spann- und Handdienste zu leisten sowie den Getreidezehnt und Rauchhühner an das Amt abzugeben.
18. Jahrhundert mini|hochkant|Dorfkirche Bohnsdorf
Nach der Gründung des Königreichs Preußen durch Friedrich I. im Jahr 1701 profitierte Bohnsdorf durch das Aufblühen der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin. 1704 gab es einen Schulzen mit einem Bauernhof und drei Hufen Land, daneben vier Bauernhöfe mit je drei Hufen, zwei wüste Bauernhöfe mit acht Hufen Land, auf denen die Schäferei und Meierei eingerichtet war sowie zwei Kötterhöfe. 1711 war die Einwohnerzahl auf fünf Hufner, zwei Kötter, einen Hirten, einen Laufschmied, einen Schäfer, einen großen und einen kleinen Knecht sowie einen Jungen angewachsen. Sie bewirtschafteten 19 Hufen Land. Der erste namentlich bekannte Lehrer war Gottfried Grote, 1720. 1745 erschien neben fünf Bauern und zwei Köttern erstmals wieder ein Krug im Ort.
Im Jahr 1755 wurde beschlossen, unter der Leitung des Bauinspektors Johann Friedrich Lehmann eine neue Backsteinkirche auf dem Dorfplatz zu errichten, die dem immer größer werdenden Zulauf aus der Siedlung Grünau gerecht werden sollte. Das Gebäude der Dorfkirche Bohnsdorf steht im 21. Jahrhundert unter Denkmalschutz. 1756 gab es im Ort fünf Dreihufner einschließlich des Schulzen, zwei Kötter, sowie zwei Einlieger. Daneben gab es noch das Vorwerk mit 522 Morgen Acker, vier Morgen Garten und zwei Morgen Wiese sowie 1200 Schafen.
Pfälzer Siedler trafen 1763 in Bohnsdorf ein und gründeten östlich des Dorfplatzes die Siedlung Neu-Bohnsdorf. Sie erhielten rund 660 Morgen Land sowie die Schäfereigerechtigkeit aus dem Vorwerk. Friedrich II. ließ zahlreiche feuchte Niederungsgebiete durch Melioration urbar machen. In diesem Zusammenhang wurde das auf einer Hochebene der Dahme gelegene Vorwerk ebenfalls 1763 wieder abgerissen – offenbar brachte es zu wenig Erträge ein. 1772 gab es in Bohnsdorf sieben Bauern und Halbbauern, drei Kötter und einen Büdner.
19. Jahrhundert