Der Islam ist in Deutschland die Religion mit den nach dem Christentum meisten Gläubigen. Eine zahlenmäßig bedeutende Anwesenheit von Muslimen in Deutschland begann während des Ersten Weltkriegs und hat sich seit 1950 vor allem durch Einwanderung aus Vorderasien, dem Balkan und Nordafrika verstärkt. Der sunnitische Zweig bildet die Mehrheit, doch liegt der nichtsunnitische Anteil (Aleviten, Bektaschi und Schiiten) in Deutschland über dem Weltdurchschnitt.

Nach 2026 veröffentlichten Hochrechnungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge lebten 2025 zwischen 6,6 und 7,0 Millionen Muslime in Deutschland. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung in Deutschland betrug damit zwischen 8,0 und 8,5 % 2019 hatte die hochgerechnete Zahl zwischen 5,3 und 5,6 Millionen Muslimen in Deutschland und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung 6,4 und 6,7 % gelegen, 2015 bei 4,4 und 4,7 Millionen Muslimen in Deutschland bei einem geschätzten Anteil von 5,4 bis 5,7 % der Gesamtbevölkerung. Türkeistämmige Muslime bildeten 2025 mit 39,4 % aller Muslime in Deutschland die größte Gruppe, gefolgt von 29, 4 % mit einem Migrationshintergrund aus einem arabischesprachen Land im Nahen Osten oder Nordafrika (MENA-Region). Etwa ein Fünftel stammt selbst oder sind Nachfahren von Einwanderern aus Südosteuropa. mini|hochkant|Die Şehitlik-Moschee befindet sich auf dem 1866 errichteten Türkischen Friedhof Berlin

Geschichte mini|Die Holzmoschee im Halbmondlager in Wünsdorf (Provisorisch); Postkarte von 1916

17. und 18. Jahrhundert Im Laufe der frühen Neuzeit ergaben sich erste Berührungspunkte innerhalb Deutschlands mit dem Islam; so ließ der Theologe Abraham Hinckelmann im Jahr 1694 in Hamburg den Koran auf Arabisch drucken. Diese Koranausgabe war nach der aus Venedig von ca. 1537/38 die zweite gedruckte Ausgabe dieses Buches (in der islamischen Welt war der Buchdruck mit arabischen Lettern bis ins 19. Jahrhundert verboten).Ralf Elger (Hrsg.): Kleines Islam-Lexikon: Geschichte, Alltag, Kultur, C. H. Beck, München 2008 (5. Auflage 2008), S. 73.Hartmut Bobzin: Der Koran – Eine Einführung. Verlag C.H. Beck, S. 105, 107. Dem deutschen Journalisten Muhammad Salim Abdullah zufolge sei im Jahr 1739 in Potsdam die erste islamische Gemeindegründung auf deutschem Boden erfolgt.Friedrich Mielke: Potsdamer Baukunst. Berlin 1998, ISBN 3-549-05668-0, S. 34 Dem widerspricht der katholische Theologe Thomas Lemmen: Aus einer zeitgenössischen Quelle gehe hervor, jene Muslime hätten sich nur vorübergehend dort aufgehalten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnten hunderte muslimisch-tatarische Familien innerhalb der preußischen Grenzen. In den 1790er-Jahren dienten bereits um die 2000 Tataren als Lanzenreiter unter dem Preußenkönig.Zu Muslimen in der preußischen Armee siehe: Theilig, Stephan: Türken, Mohren und Tataren. Muslimische (Lebens-)Welten in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert. Berlin: Frank&Timme, 2013. Im Jahr 1798 verstarb der osmanische Gesandte Ali Aziz Efendi, daraufhin stellte der preußische König Friedrich Wilhelm III. zu seiner Bestattung ein Gelände zur Verfügung. Es folgte noch ein Tausch des Geländes. Dieses neue Gelände bildete den Grundstein des 1866 errichteten und bis heute benutzten Türkischen Friedhofs am Columbiadamm in Berlin-Neukölln.

Mehrere Bauwerke in Deutschland wurden im Stil einer Moschee erbaut, hatten aber nie die Funktion einer Gebetsstätte, darunter das 1792/93 errichtete Bauwerk im Schlossgarten von Schwetzingen, das 1841 bis 1843 errichtete Dampfmaschinenhaus für Sanssouci in Potsdam sowie die Tabakmoschee (Yenidze) in Dresden. Alle drei Bauwerke haben eine Kuppel und Minarette.mini|Februar 1931: Innenansicht in Deutschlands älteste erhaltene Moschee Wilmersdorfer Moschee oder Ahmadiyya-Moschee in Berlin

1. Weltkrieg, Zwischenkriegszeit, Zeit des Nationalsozialismus Auf Betreiben der Nachrichtenstelle für den Orient wurde seit Beginn des Ersten Weltkrieges das Halbmondlager in Wünsdorf bei Zossen in der Nähe von Berlin errichtet, in dem bis zu 30.000 meist muslimische Kriegsgefangene interniert waren. Am 13. Juli 1915 wurde an dieser Stelle eine Moschee für die dortigen muslimischen Kriegsgefangenen eingeweiht. Sie ist die erste Moschee auf deutschem Boden, die auch als Gebetsstätte von Muslimen genutzt wurde. Die Holzmoschee, vom Deutschen Kaiserreich finanziert und in Auftrag gegeben,Des Kaisers Dschihadisten, Spiegel Online vom 28. September 2010, abgerufen am 1. Oktober 2015 wurde innerhalb von fünf Wochen hauptsächlich zu Propagandazwecken erbaut. Nach Kriegsende wurde sie bedeutungslos und baufällig. Die Holzmoschee wurde 1924 geschlossen und 1925/26 abgerissen. Allein die „Moscheestraße“ und einige Soldatengräber auf dem Türkischen Friedhof erinnern noch an sie., Rundfunk Berlin-Brandenburg vom 13. Juli 2015, abgerufen am 1. Oktober 2015

1922 erreichte der von der Ahmadiyya-Bewegung aus dem heutigen Indien entsendete Sadr ud-Din als einer der ersten islamischen Missionare in Deutschland Berlin und gründete mit Konvertiten aus 41 Nationen den ersten Moscheeverein nach dem Vorbild der Woking Muslim Mission in England. 1924 errichtete die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft in der Brienner Straße in Berlin-Wilmersdorf erstmals eine steinerne Moschee, die am 23. März 1928 eröffnet wurde. Die Wilmersdorfer Moschee, früher auch Berliner Moschee genannt, war erstmals für die Bürger Berlins offen und ist heute die älteste erhaltene Moschee Deutschlands. Viele bekannte deutsche Persönlichkeiten besuchten dortige Veranstaltungen, darunter Albert Einstein, Martin Buber, Martin Niemöller, Thomas Mann und Hermann Hesse. Der Imam Sadr ud-Din verfasste 1939 in Zusammenarbeit mit Konvertiten die erste von Muslimen herausgegebene deutsche Koranübersetzung. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Moschee für Propagandaauftritte mit Mohammed Amin al-Husseini, auch bekannt als „Großmufti von Jerusalem“, genutzt.

Seit den 1950er Jahren: Ahmadiyya-Mission, Muslimbrüder, Gastarbeiter und Flüchtlinge In den 1950er-Jahren begann eine Neuentwicklung. Die Missionare der Ahmadiyya errichteten wieder Ahmadiyya-Gemeinden, und erstmals wurden Moscheen in Hamburg und Frankfurt erbaut. Zahlenmäßig waren es nur sehr kleine Moscheengemeinden, doch da zeitgleich Kaufleute aus anderen muslimisch geprägten Ländern die Bundesrepublik Deutschland erreichten und ebenfalls Moscheengemeinden gründeten, wuchs die Religionsgemeinschaft. Muslime der islamisch-schiitischen Glaubensgemeinschaft der Zwölfer-Schiiten erbauten 1960 als fünftälteste Moschee Deutschlands die Imam-Ali-Moschee in Hamburg, die heute unter Denkmalschutz steht.

Auch kamen ab 1950 vereinzelt erste Islamisten nach Deutschland, dies waren Anhänger der Muslimbrüder, die als arabische Studenten in Deutschland weilten und erste institutionelle Strukturen aufbauten.

Ab 1961 wanderten zahlreiche ausländische muslimische Arbeitskräfte nach Deutschland ein, infolge von Abkommen der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1961 und 1973 zur Anwerbung von Gastarbeitern aus muslimischen Staaten wie der Türkei, Jugoslawien, Tunesien und Marokko. Der Aufenthalt in Deutschland war dabei ursprünglich als zeitlich begrenzt vorgesehen. Bis Ende der 1960er-Jahre beabsichtigten die Gastarbeiter zunächst die Rückkehr in ihre Heimat, entschlossen sich dann aber überwiegend zu einem dauerhaften Aufenthalt und beantragten Familienzusammenführungen in der Bundesrepublik.

Waren Islamisten in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts in Deutschland noch eine gesellschaftliche Randerscheinung bzw. kaum wahrnehmbar gewesen, änderte sich dies mit den Migrationsbewegungen in den Siebzigerjahren. Vor allem durch die Ankunft von muslimischen Gastarbeitern, von denen manche islamistische Strukturen aus ihrem Heimatland mitbrachten. Viele kamen aus der Türkei und gehörten der Bewegung von Millî Görüş an. Auch wurde das 1973 errichtete Islamische Zentrum in München zu einer wichtigen Keimzelle für Muslimbrüder. Durch die Ankunft von muslimischen Syrern (die wegen der Niederschlagung des Aufstands der Muslimbrüder in Syrien in den 70er- und Anfang der 80er Jahre flohen) sowie durch die Ankunft von palästinensischen Muslimbrüdern, die zur Hamas gehörten und infolge der Kriege in Nahost flohen, vergrößerte sich die Anzahl der Islamisten in Deutschland ebenfalls.

In den 1980er- und 1990er-Jahren kamen vielfach Muslime aus anderen Staaten nach Westdeutschland. Dies waren zunehmend Flüchtlinge bzw. Asylbewerber, beispielsweise Iraner, die im Zuge der Islamischen Revolution 1979 in die Bundesrepublik flüchteten, oder afghanische Flüchtlinge vor dem Sowjetisch-Afghanischen Krieg bzw. vor der Herrschaft der Taliban. Auch weitere Ahmadiyya-Anhänger erreichten wegen Verfolgung in Pakistan Deutschland, und u. a. bei Libanesen, Bosniern und Kosovo-Albanern führte Krieg im Heimatland zur Migration.

Da eine Rückkehr bei vielen Muslimen immer mehr in den Hintergrund trat, entstand allmählich eine religiöse Infrastruktur. In den 1970ern wurden die ersten Moscheevereine gegründet und ab den 1990ern repräsentative Moscheen errichtet.Aydin Şen: Islam in Deutschland. S. 13 u.14.

Gab es vorher in Deutschland nur kleinere Netzwerke von muslimischen Predigern, die eine antiwestliche Stimmung verbreiteten, begann ab dem Jahr 2001 der Salafismus und der Dschihadismus in Deutschland Fuß zu fassen; es wuchs die Zahl der radikalen Prediger und die Anzahl salafistischer Moscheen in Deutschland. Dies war unter anderem bedingt durch den Krieg in Afghanistan ab 2001 und den Krieg im Irak ab 2003. Durch das Internet und neue Übersetzungen arabischer Texte ins Deutsche und Türkische wurden mehr Muslime und potenzielle Konvertiten in Deutschland für eine islamistische Ideologie gewonnen.

Im Jahr 2006 fand in Berlin die erste Deutsche Islamkonferenz statt, die einberufen wurde, um einen Dialog zwischen dem deutschen Staat und den Muslimen in der Bundesrepublik herzustellen.

2013 erhielt die Organisation Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft (AMJ) in Hessen als erster islamischer Verein den Körperschaftsstatus in Deutschland und ist dadurch den beiden größten und mitgliederstärksten Kirchen (Römisch-katholische Kirche in Deutschland sowie Evangelische Kirche in Deutschland) rechtlich gleichgestellt.

Der anhaltende Bürgerkrieg in Syrien löste die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 aus, die sich auch auf Deutschland auswirkte. 2019 zählten syrische Muslime zur zweitgrößten Herkunftsgruppe (13,3 %) der Muslime in Deutschland.

Verteilung und Herkunft der Muslime in Deutschland Anzahl und räumliche Verteilung der in Deutschland lebenden Muslime Anzahl der Muslime in Deutschland Bevölkerungs-anteil in % Stand (Jahr) 3.800.000–4.300.000 4,6–5,2 2008 4.400.000–4.700.000 5,4–5,7 2015des BAMF vom 14. Dezember 2016, abgerufen am 15. Dezember 2016. 5.300.000–5.600.000 6,4–6,7 20206.600.000–7.000.000 8,0–8,5 2025

Da viele islamische Gemeinden keine Mitgliedslisten führen oder Mitgliedsbeiträge erheben, existieren keine genauen Zahlen. Die Mehrheit der Muslime ist nicht als Mitglied eines muslimischen Vereins registriert und besucht auch nicht regelmäßig eine Moschee, sodass eine genaue Zählung schwer ist. Im Jahre 2005 hatten laut Statistischem Bundesamt 9,2 % der Neugeborenen in Deutschland muslimische Eltern und bei zusätzlich 0,9 % war die Mutter muslimisch erfasst. Der Vater war hingegen bei der freiwilligen Angabe vermerkt mit „ohne Religionszugehörigkeit“ oder mit „andere Religionszugehörigkeit“ (z. B. römisch-katholisch, evangelisch etc.).Islam im demographischen Aufwind. In: Focus, 31. März 2007, abgerufen am 18. Mai 2016.