80px 80px mini|160px|Exklaven und Enklaven von Stadt und Land Bremen und Stadt Bremerhaven Das allgemeine Bremer Schulwesen entwickelte sich seit dem Mittelalter von den Kirchschulen und den Lateinschulen zu einem dreigliederigen Schulsystem am Ende des 19. Jahrhunderts und schließlich zu einem zweigliedrigen Schulsystem mit Grundschule, sowie Oberschule und Gymnasium seit 2010.

Geschichte Vor 1800 Mittelalter Im Mittelalter waren für die Bildung die Klosterschulen zuständig. In Bremen bestand wahrscheinlich nur eine Domschule für die Ausbildung der künftigen Priester. Darüber hinaus wurde in den Kirchspielen von den Pfarrern Unterricht erteilt. Die Dominikaner hielten im 15. Jahrhundert im St. Katharinen-Kloster lateinische Vorlesungen.

Allgemeine Schulen Als Folge der Reformation wurden die Klöster in Bremen aufgelöst. Die evangelische Kirchenordnung sah 1534 Gemeindeschulen in den Kirchspielen vor, die den Pfarrern unterstellt waren. In Bremen gab es die vier Pfarrsprengel (Kirchspiele) Liebfrauen, Stephani, Ansgarii und Martini. Der Unterricht wurde von Zucht- und Lehrmeistern erteilt und beschränkte sich auf Lesen, Schreiben, gelegentlich Rechnen und Singen sowie auf Religion. Die Oberschichten hielten sich zuweilen Hauslehrer.

Die Remberti-Schule wurde 1596 im Kirchspiel von St. Remberti gegründet und bestand bis 1970. Ihr letztes Gebäude wurde 1852 am Fedelhören errichtet.

Lateinschulen mini|Das frühere Katharinenkloster war Sitz der Lateinschule an der Sögestraße, nach Aufstockung von 1855 der Bürgerschule, ab 1868 bezeichnet als Realschule in der Altstadt ab 1937 als Mittelschule; Gebäude 1944 zerstört Reformierte Lateinschule

1528 erfolgte die Gründung der reformierten Freien Lateinschule – frey Schole, Schola Bremensis oder auch Gelehrtenschule genannt. Sie befand sich im ehemaligen Katharinenklosters. Alte Sprachen wie Lateinisch, Griechisch und Hebräisch standen im Vordergrund.

1562 öffnete sich diese Schule auch für die Sprösslinge der „gemeinen Bürgersleute“.

1584 gliederte sich die Schule in eine publica classis und eine Oberstufenklasse. Ein akademischer Oberbau entstand als Mischform aus höherer Schule und Hochschule.

Paedagogeum und Gymnasium illustre

1610 erfolgte die Umgliederung zu einem Paedagogeum – eine sechsklassigen Basisschule – und dem Gymnasium illustre als akademischer Zweig. mini|Das ehemalige lutherische Athenäum (lateinische Domschule), dann Gelehrtenschule bis 1858

Lutherische Lateinschule 1642 wurde das lutherische die Lateinische Domschule am Bremer Dom vom Erzbischof und dem Domkapitel gegründet als Konkurrenzschule zum reformierten Paedagogeum. Die Schule befand sich im Kapitelhaus an der Domsheide. Rektor und Subrektor mussten zusätzlich auch im Domgottesdienst wirken. Erster Rektor war der Hamburger Magister Hülsemann. Musikunterricht erteilte der Kantor. 1648 wurde das Herzogtum Bremen und so auch die Schule schwedisch, blieb deshalb lutherisch und unterstand dem Kirchenkonsistorium. Sechs Lehrer – nun vom Kirchdienst befreit – unterrichteten um die 80 Schüler. 1681 wurde in der Schule als das Athenaeum als Abteilung für Studenten, auch als Konkurrenzanstalt zum reformierten Paedagogeum, angegliedert. Das Athenaeum war die akademische, weiterführende Oberstufe der Lateinschule. Die Studierenden erhielten Vorlesungen vom Rektor, Konrektor und Subrektor. Die Bibliothek war bedeutsam, die Schülerzahl gering. 1718 wurde das Herzogtum Bremen und die Schule hannoveranisch. 89 Schüler besuchten die Schule zu diesem Zeitpunkt. Das Athenaeum war die akademische, weiterführende Oberstufe der Lateinschule.

Nach dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 ging die Einrichtung an die Freie Hansestadt Bremen. Das Athenaeum wurde zu einem Lyceum und 170 Schüler besuchten die Einrichtung. 1817 ging das Athenaeum in der Hauptschule auf.

19. Jahrhundert

Das Bildungswesen war um 1800 in Bremen nur sehr gering ausgebaut. In Bremen hatte die erste Bürgerschule nur kurze Zeit Bestand. Das höhere Schulwesen wurde 1817 reformiert. Privatschulen prägten das allgemeine („niedere“) Schulsystem und die ersten Veränderungen bei den Kirchspiel-, Vor-, Elementar- und den Landschulen sowie bei den Klippschulen.

Das Bildungswesen für Mädchen sollte bis 1916 eine Angelegenheit von Privatschulen bleiben.

Die Entwicklungen im Einzelnen:

Schulaufsicht – Scholarch Bis in das 19. Jahrhundert bestand das Schulwesen aus kirchlichen und privaten Schulen und unterstand weitgehend der Aufsicht der Kirchen. Nur über das höhere Schulwesen, dem Gymnasium und später auch die Hauptschule, bestand eine staatliche Schulaufsicht durch das Scholarchat mit zwei Scholarchen (Schuloberhaupt), davon ein Bürgermeister und ein Ratsherr, bzw. Senator. Am Anfang des 19. Jahrhunderts weitete sich das Scholarchat aus, bestehend aus einem Bürgermeister und acht Senatoren. Seit 1852 gab es neben dem Scholarchat eine Schuldeputation mit einem zuständigen Senator, zehn Bürgerschaftsmitgliedern und drei Lehrern. Weiterhin gab es einen Schulrat aus Vertretern der städtischen Kirchspiele. Seit 1885 wurde das Scholarchat zur Senatskommission für das Schulwesen, die in der Schuldeputation mitwirkte.

Erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkte sich der staatliche Einfluss mit der Einführung der Schulpflicht (1844), ersten Bürgerschule (1855) und der ersten Volksschule (1862). Für die „niederen“ Schulen nahm die Schulaufsicht eine staatliche Inspektion bestehend aus einem Bürgermeister und acht Senatoren war; für jeden Schuldistrikt war ein Senator als Schulpfleger zuständig.

Kirchspiel- und Elementarschulen 1824 gab es in Bremen acht Kirchspielschulen im städtischen Bereich. Weiterhin gab es zahlreiche private Elementarschulen – eine Form der Volksschulen –, die nach eine Verordnung von 1822/23 als „niedere Schulen“ galten. 1843 bestanden in Wohnhäusern 39 solcher Schulen in Bremen, davon in der Altstadt 17, in der Neustadt 9 und in der Vorstadt 13. Einen Taler musste monatlich für jeden Schüler gezahlt werden. 1823 wurde die Schulpflege in fünf Distrikte eingeteilt: westliche und östliche Altstadt, Neustadt, Rembertivorstadt und Michaelisvorstadt.

Sonder- oder Hilfsschulen wurden seit 1827 für Schwachbegabte, Gehörlose und Schwerhörige eingerichtet.

Bürgerschule Die Pastoren Johann Ludwig Ewald und Johann Caspar Häfeli schrieben 1798 das Werk Vorstellung an Bremens patriotische und edelgesinnte Bürger die Errichtung einer Bürgerschule betreffend. Dadurch entwickelten sich am Anfang des 19. Jahrhunderts eine neue private Schule für Knaben als Zwischenstufe von den Kirchspielschulen und den Gelehrtenschulen. Kenntnisse für das praktische (reale) Leben wurden vermittelt für kaufmännische und gewerbliche Berufe. Unterrichtet wurde in zwei Klassen in einem angemieteten Lokal in den Fächern Grammatik und Orthographie, Religion, Geschichte Geographie, Naturkunde, Philosophie, Geometrie, Zeichnen und Gesang. Die Schule bestand nur drei Jahre.

Der Reformpädagoge Jakob Blendermann wirkte in seinen ersten Jahren an der Bürgerschule.

Hauptschule mini|Der Eschenhof am Domshof; ehemalige Kurie des Domdechanten, seit 1817 Hauptschulemini|Das alte Schulgebäude an der Dechanatstraße, erbaut 1875 (1875).

1802 bildete sich die Handelsschule als Bildungsgrundlage für die Kaufmannsberufe.

Nach der Bremer Franzosenzeit musste das höhere Schulwesen für Knaben neu gestaltet werden. Die Oberstufe des Gymnasiums soll am Ende des 18. Jahrhunderts erloschen sein. Senator Johann Smidt war seit 1816 dabei die treibende Kraft und eine Deputation entwickelte die Strukturänderungen. 1817 wurden dabei Paedagogeum und Lyceum zusammengefasst und neu gegliedert als Allgemeine Gelehrten-, Handlungs- und Vorschule.

1817 entstand die neue, dreigliederige Hauptschule bestehend aus der Vorschule für Knaben vom 8. bis zum 14. Lebensjahr befand sich im Eschenhof (ein Gebäude der Domdechanei an der Domsheide). Sie wurde 1886 aus dem Verbund ausgegliedert und eine Realschule, Handelsschule als Folgeschule mit Unterricht in Sprachen, Literatur und Realien, die sich im Eschenhof befand; Daraus wurde später die Oberrealschule, Gelehrtenschule, welche die Voraussetzung für das Universitätsstudium schuf und 1857 als Gymnasium und dann als Altes Gymnasium bezeichnet wurde und sich bis 1857 im Kapitelhaus am Bremer Dom, dann auch im Eschenhof befand.

Für den Übergang zum Gymnasium, zur Handelsschule oder den Realschulen gab es sowohl um 1813 (Privatschule Blendermann) wie um 1840 private, vorbereitende Schulen.

1872/73 erhielt die Hauptschule nach Plänen von Alexander Schröder einen spätklassizistischen Neubau an der Dechanatstraße.

1886 wurde aus dem Verbund der Hauptschule die Vorschule ausgegliedert und teilweise den beiden anderen Schulen (Handelsschule und Gymnasium) angegliedert. Die Vorbereitung für die Oberstufe wurde den privaten Schulen überlassen.

Die Handelsschule wandelte sich 1893 zur Oberrealschule.

Freischulen, Volksschulen 1844 erfolgte die Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Bremen.

Freischulen: Von 1848 bis 1850 richtete Bremen acht schulgeldfreie Freischulen ein, die Vorstufe der Volksschulen. Es wurden Jungen und Mädchen unterrichtet in getrennten Schulen. Viele weitere Freischulen entstanden. Fünf Kirchspiele unterhielten nach einem Vertrag von 1855 jeweils eine Schule und 1866 alle nunmehr acht Kirchspiele im Stadtbereich.

Volksschule: 1848 bestanden 25 private Landschulen, für die der Staat Zuschüsse gewährte. Die bremischen Landgemeinden unterhielten Kirchspielschule mit Nebenschulen. Nach den jeweiligen Eingemeindungen der bremischen Landgemeinden wurden daraus städtische Volksschulen. Die erst staatliche Volksschule entstand 1862 am Neustadtswall; weitere kamen hinzu. Die Winkelschulen, in Norddeutschland Klippschulen genannt, als behördlich nicht anerkannte, privat organisierte Schulen, verschwanden.

Das Volksschulwesen wurde im Zuge der Stadterweiterung bis zum Ersten Weltkrieg ausgebaut. Einige vorhandene Schulen wurden ausgebaut und zwischen 1892 und 1914 entstanden 25 neue Schulen, davon zwei Hilfsschulen für lernbehinderte Kinder.

Weitere private und kirchliche Schulen wurden verstaatlicht, unter anderem die Ansgarischule (1895), die Liebfrauenschule (1901) und die St. Paulischule (1909).

Lehe, Geestemünde, Wulsdorf Die späteren Stadtteile Lehe, Geestemünde und Wulsdorf gehörten bis 1945 zur preußischen Provinz Hannover. Im 19. Jahrhundert wurden die Kinder noch in den Küsterschulen unterrichtet. Das älteste erhaltene Schulgebäude in diesen Gemeinden sind die Alt-Leher Schule von 1801/1861/1866 und die Altwulsdorfer Schule von 1866. Mit dem Schulaufsichtsgesetz von 1872 durch das der preußische Kultusministerium wurde im Kulturkampf die kirchliche Schulinspektion im Königreich Preußen aufgehoben und alle Schulen der staatlichen Aufsicht unterstellt. Mit dem Schulunterhaltungsgesetz in Preußen von 1908 übernahmen die politischen Gemeinden diese Art von Schulen von der Kirche.

Bürger- oder Realschule 1854/55 entstand eine neue, staatliche höhere Bürgerschule, ähnlich der von 1798, mit Schulleiter Heinrich Graefe. Die Schule hatte 270 Knaben in sieben Klassen, die im Katharinenkloster untergebracht waren. 1868 wurde sie entsprechen dem preußischen Schulsystem eine Realschule (Realschule 2. Ordnung), bezeichnet als Realschule in der Altstadt. Direktor blieb Graefe, ihm folgte 1868 der Botaniker Franz Buchenau.

1898/99 wurde auch die bis dahin private Realschule von Christoffer Wessel Debbe, in die staatliche Realschule der Altstadt eingegliedert. Ab 1937 wurden die Realschulen in Bremen allgemein als Mittelschulen bezeichnet. mini|Kippenberg-Gymnasium: Vietor-Haus von August Abbehusen (1913)

Berufliche Bildungseinrichtungen