Region Bregenzerwald zentriert|Bregenzerwald (rot) Lage Staat: Österreich Bundesland: Vorarlberg Politischer Bezirk: Bregenz Lage: Details Einwohner: 31.386 (Stand 30.09.2024) Postleitzahl: 6767, 6861–6888, 6933–6952 Telefonvorwahl: 0551x, 05579, 05583 Kfz-Kennzeichen: B Adressen Website: www.bregenzerwald.at
Bregenzerwald ist die Bezeichnung für eine Region und Gebirgslandschaft im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Diese umfasst im Wesentlichen das Einzugsgebiet der Bregenzer Ach südöstlich von Bregenz in der Nähe des Bodensees, bis an den Hochtannbergpass.
Der Bregenzerwald ist vor allem für seine Architektur, die Landschaftspflege durch die Dreistufenlandwirtschaft (Tal – Vorsäß/Maiensäss – Alpen/Almen), die zugehörigen Sennereiprodukte sowie für den Wintersport bekannt.
Schreibweise und zum Begriff „Bregenzerwald“ ist die in Vorarlberg und meistens auch im übrigen Österreich gängige Schreibweise. In Deutschland wird zum Teil auch die Schreibweise „Bregenzer Wald“ verwendet. Dieter Seibert, der Autor der Alpenvereinsführer der Region, weist darauf hin, dass die Gegend heute kein reines Waldgebiet mehr ist, sondern eine Kulturlandschaft mit Almen/Alpen, man daher nicht mehr von einem Bregenzer „Wald“ sprechen kann, sondern einen Regionsbegriff vorliegen hat, die getrennte Schreibweise also veraltet wäre.
Der Name Bregenzerwaldgebirge wird dagegen im Zusammenhang mit der Einteilung der Alpen in Untergruppen verwendet. Beide Begriffe sind nicht deckungsgleich. Der Bregenzerwald umfasst auch Teile der Allgäuer Alpen und des Lechquellengebirges. Umgekehrt greift das Bregenzerwaldgebirge auch in die Landschaften des Rheintals, des Walgaus und des Großen Walsertals aus.
Lage und Landschaft mini|alt=Bregenzerwald, Vorarlberg|Hinterer BregenzerwaldDer Bregenzerwald grenzt im Westen an die im Rheintal befindliche Bodenseeregion, im Norden an Deutschland bzw. Bayern (Landkreise Lindau und Oberallgäu), im Nordosten an das Kleinwalsertal, im Osten am Tannberg an das Hochtannberggebiet und im Süden an das Große Walsertal. Im Nordwesten grenzt er an das Leiblachtal und im Südwesten an das Laternsertal, das über das Furkajoch erreichbar ist.
Gemeinden und Gliederung Als Hauptort des Bregenzerwalds wird aus historischen Gründen die Marktgemeinde Bezau angesehen, wenngleich die Marktgemeinde Egg sowie die Gemeinden Alberschwende und Andelsbuch einwohnermäßig größer sind.
Die Gemeinden Langen und Buch befinden sich zwar in der Region Bodensee-Vorarlberg, sind aber beispielsweise trotzdem Orte der Käsestraße Bregenzerwald.
mini|Vorderer Bregenzerwald oberhalb von Doren. Blick nach Süden in Richtung AlberschwendeZum Vorderen Bregenzerwald gehört geographisch und historisch auch die deutsche Gemeinde Balderschwang (Bayern). 1805 kam der Ort im Frieden von Pressburg mit ganz Vorarlberg von Vorderösterreich zum damaligen Königreich Bayern. Während 1814 Vorarlberg mit den Wäldergemeinden zu Österreich zurückkehrte, blieb Balderschwang bei der Grenzziehung aus ungeklärten Gründen bei Bayern. Heute gehört der Ort zum schwäbischen Landkreis Oberallgäu.
Die Gemeinden Egg, Andelsbuch und Schwarzenberg werden auch des Öfteren als Mittelbregenzerwald bezeichnet.
Der Gerichtsbezirk Bezau deckt sich nicht vollständig mit der Region Bregenzerwald: Alberschwende, Doren, Riefensberg und Sulzberg sind dem Gerichtsbezirk Bregenz unterstellt, dafür gehört das kleine Walsertal zum Bezauer Gericht. Warth gehört bereits zum Hochtannberggebiet, wird aber auch teilweise zum Bregenzerwald gerechnet.
+ Gemeinden im Bregenzerwald Alberschwende Doren Sulzberg Langenegg Krumbach Riefensberg Lingenau Hittisau Sibratsgfäll hochkant=1.1|rahmenlos Egg Andelsbuch Schwarzenberg Bezau Reuthe Bizau Mellau Schnepfau Au Damüls Schoppernau Schröcken Warth
Naturschutzgebiete Der Naturpark Nagelfluhkette ist der erste grenzüberschreitende Naturpark zwischen Deutschland und Österreich und damit ein internationales Pilotprojekt. Es ist ungefähr 48.000 ha groß, umfasst zehn bayerische und acht Vorarlberger Gemeinden und bildet den Übergang zwischen dem Allgäu und dem Bregenzerwald. Die Nagelfluh ist ein Konglomerat aus Rundgestein, das über 25 Millionen Jahre zusammengedrückt wurde.
Der Biosphärenpark Großes Walsertal liegt in der Nachbarschaft des Bregenzerwaldes und umfasst 19.231 ha. Das Biosphärenreservat ist seit November 2000 ein UNESCO-Biosphärenpark und damit das erste UNESCO-Reservat Vorarlbergs. Es setzt sich für eine nachhaltige Wirtschaft und Tourismus in der Region ein und bietet eine Plattform für Diskussionen über Nachhaltigkeit, Gesellschaft und Politik. Von etwa 180 Farmen im Reservat sind etwa 42 Prozent Bio-Farmen. mini|Blick in den Hinteren Bregenzerwald bei starker Südströmung und sehr viel Saharastaub Folgende Europaschutzgebiete liegen teilweise oder ganz Im Bregenzerwald:
Bregenzerachschlucht Witmoos (Langen bei Bregenz) Fohramoos (Schwarzenberg) Unterargenstein (Au) Unter Stellerhöhe (Egg) Unter der Winterstaude (Egg) Widdersteinmähder (Warth) Ifen (Egg, Mittelberg, Sibratsgfäll)
Folgende Naturschutzgebiete liegen teilweise oder ganz Im Bregenzerwald:
Rossbad (Krumbach) Hirschberg (Langen bei Bregenz) Farnacher Moos (Alberschwende, Bildstein) Kojen-Moos (Riefensberg) Hohe Kugel – Hoher Freschen – Mellental (Mellau und Rheintalgemeinden) Auer Ried (Au) Kanisfluh (Au, Mellau und Schnepfau) Pflanzenschutzgebiete: Hochifen und Gottesacker-Plateau (Bezau, Egg, Mittelberg) Körbersee (Schröcken)
Geschichte Um das Jahr 1000 wurde der damals noch ganz bewaldete Bregenzerwald von Bregenz aus über den Schneiderkopf und die Lorenaberge (Buch, Bildstein, Alberschwende) besiedelt und kultiviert. Die höchstgelegenen Gebiete hingegen wurden im Spätmittelalter von Walsern besiedelt, die aus dem Graubünden beziehungsweise ursprünglich aus dem Wallis stammten.
Während die nördlichen Teile des Bregenzerwaldes (die Gerichte Alberschwende, Lingenau und Sulzberg) zur Herrschaft Bregenz gehörten, waren die Gerichte Damüls und Innerbregenzerwald Teil der Herrschaft Feldkirch. Diese 1338 vollzogene Teilung ist die Grundlage für die heute noch gängige Unterscheidung von vorderem und hinterem Bregenzerwald.
1390 fielen mit dem Verkauf der Grafschaft Feldkirch der Innerbregenzerwald und Damüls an Österreich, die Gerichte Lingenau und Alberschwende folgten 1451. Der Tannberg mit den Bregenzerwäldergemeinden Schröcken und Warth wurde 1453 österreichisch, und 1523 erwarben die Habsburger schließlich auch noch das Gericht Sulzberg.
Bauernrepublik Nach 1380 bildete sich insbesondere im Innerbregenzerwald eine Selbstverwaltung der Bauernschaft des Waldes heraus (sogenannte Bauernrepublik) mit eigener freier Landgemeinde, eigener Verfassung (Landsbrauch) und Hoch- und Blutgerichtsbarkeit. Als Vorsteher wurde ein Landammann gewählt, meist aus den angesehensten Familien des Bregenzerwaldes. Auf der noch erhaltenen Landammännertafel finden sich viele der bekannten Namen, die ursprünglich aus dem Bregenzerwald stammen, z. B. Feurstein, Meusburger und Metzler, mit ihren Wappen abgebildet.
Der Landammann wurde in freier Wahl bestellt, sein Rathaus stand auf der Bezegg zwischen Bezau und Andelsbuch. Heute erinnert dort die Bezegg-Sul, eine steinerne Säule, an das frühere Rathaus.
Bestätigt wird die Existenz der Bauernrepublik in der Überlieferung zum Kapuzinerpater Stanislaus Saurbeck (1595–1647): Der Bregenzer Wald sei noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts „eine lange unerschlossene Wildnis“ gewesen, die „bereits in den Chroniken des 16. Jahrhunderts einen schlechten Ruf“ besessen habe:
mini|hochkant|Bezeggsul Missionierung Die Chronisten erklären die „(tiefe) Stufe des sittlich-religiösen Lebens“ der Bewohner, „obgleich sie von katholischen Eltern abstammten“, mit Gebräuchen und Sitten von „heidnischen Voreltern“, die sie wie einen „krassen Aberglauben beibehalten hatten. So roh, wild und sittenlos sie in ihrem Betragen waren, ebenso schamlos und ärgerlich sollen vorzüglich die Weibsbilder gekleidet gewesen sein.“P. Burghard Schönweiler:: Die Kapuziner im Bregenzer Walde in: Archiv für Geschichte und Landeskunde Vorarlbergs, 1. Jhg., 1905/5, S. 18. In: Pater Edilbert Geiger: Pater Stanislaus Saurbeck. Ein Kapuziner aus Wutöschingen. Kapuzinerkloster Gauenstein 140, A-Schruns/Vorarlberg (ohne Datum, um 1980), S. 7.
„Eine gründliche Erneuerung und sittliche Umgestaltung im ganzen Bregenzerwalde“ erfolgte erst auf Initiative von Pater Stanislaus: Die Kapuziner „eilten in ihrem unersättlichen Durste nach Seelen von Hütte zu Hütte, von Dorf zu Dorf, belehrten das Volk durch Gespräche, Christenlehren und Predigten, ruhten und rasteten nicht eher, bevor die Eisdecke einbrach und die rauhen und kalten Gemüter warm wurden.“Chronist des Kapuzinerklosters Bezau in: Klosterchronik von Bezau/Bregenzerwald: 1. Teil. In: Geiger, S. 8.
In der weiteren Folge der Missionierung kam es in der Talschaft „zur Gründung eines kleinen Kapuzinerklosters. Am 12. Juli 1655 legte der Abt von Mehrerau, Heinrich Amberg, den Grundstein zum Klosterbau in Bezau, am 22. Oktober 1656 wurde die Klosterkirche vom Fürstbischof Johann von Praßberg konsekrisiert.“Geschichte der tirolischen Kapuziner-Ordensprovinz (1593 - 1893), von Agapit Hohenegger und P. Peter Baptist Ziegler, 2. Band, Innsbruck 1915, S. 78. In: Geiger, S. 8.
Bereits 1658 wurde die letzte Untertänigkeit, die zum Kloster Mehrerau, aufgelöst – also 190 Jahre vor der Bauernbefreiung von 1848.
So war es den Bregenzerwäldern im Gegensatz zu den meisten Bauern der damaligen Zeit möglich, sich als Freie überall niederzulassen. Man findet vor allem im Schwäbischen zahlreiche Namen, die auf den Bregenzerwald zurückgehen.
Die bäuerliche Verfassung wurde während der Franzosenkriege abgeschafft und danach nicht mehr eingeführt. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es unzählige Alpen und Höfe, auf denen die Land- und Viehwirtschaft sowie die Herstellung von Käse betrieben wurden. Auch heute sind noch zahlreiche Alpen bewirtschaftet, doch wird dies zunehmend von weniger Bauern betrieben.
Bis etwa zum Jahr 1900 mussten viele Bregenzerwälder Kinder von Mai bis Oktober ins baden-württembergische Schwaben (Deutschland) gehen, um dort auf Bauernhöfen zu arbeiten. So gab es in der Sommerzeit für ihre Eltern ein Kind weniger zu füttern. Diese Kinder wurden unter dem Namen Schwabenkinder bekannt.
Ein Bregenzerwaldhaus ist auf der Rückseite der 100-Schilling-Banknote von 1970 zu sehen.
Käserei Die Käserei hat im Bregenzerwald eine lange Tradition. Die Kelten brachten erstmals Viehzucht und Alpwirtschaft in die Region. Ab 15 v. Chr. besetzten die Römer die Region. Sie praktizierten bereits professionelle Alpkäserei und gaben das Wissen der Käseherstellung im 5. Jahrhundert an die Alemannen weiter, die viel Wald für die Weidewirtschaft rodeten und Gemeindeweiden (Allmenden) anlegten. Im 9. Jahrhundert wurden im und um den Bregenzerwald während der Kirchenfeste regelmäßig Märkte abgehalten, auf denen mit Käse und Schmalz gehandelt wurde. Die Klöster beteiligten sich an der Käseherstellung.
Ungefähr ab 1594 wurde einmal jährlich der „Schwarzenberger Markt“ abgehalten, bei dem Vieh und Käse gehandelt wurden. Bis in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde im Bregenzerwald nur Sauerkäserei (die Milch wurde ganz entrahmt) betrieben, bei der man auch viel Butter erzeugen konnte. Die Buttererzeugung hatte große Bedeutung, da man Steuern an die Obrigkeit in Form von Butter abführen musste.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg, also ab circa 1648, kamen Sennen aus dem Appenzell in den Bregenzerwald, die den Einheimischen das Fettsennen (dabei wird die Milch nicht oder nur teilweise entrahmt) beibrachten. Zum Teil pachteten sie Alpen und errichteten auch selbst Sennereien. Die Verbreitung der Fettkäserei ist darauf zurückzuführen, dass die Menschen in den klimatisch weniger begünstigten Tälern haltbare Lebensmittelvorräte für Winter- und Notzeiten anlegen mussten.