mini|Die Metropolregion Tokio ist die zweitgrößte Metropolregion der Welt. mini|Satellitenbild, das die New York Metropolitan Area – die Metropolregion rund um New York City – bei Nacht zeigt. Eine Metropolregion (in der Schweiz auch Metropolraum oder Metropolitanraum) ist der mit einer Metropole verbundene Umlandraum. Metropolregionen werden als „Motoren“ der sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes betrachtet.

In Deutschland wurden Europäische Metropolregionen (EMR) erstmals 1995 durch die Ministerkonferenz für Raumordnung definiert. Der Begriff ist nicht mit dem Begriff Europaregion (Euregio) zu verwechseln, mit dem Regionen bezeichnet werden, die auf dem Gebiet von mindestens zwei Staaten liegen. Eine Euregio wird nur selten Metropolregion genannt.

Im Gegensatz zu einer Agglomeration, die aus einer Kernstadt und ihrem suburbanen, eher dicht bebauten Vorortbereich (auch Ballungsraum oder Speckgürtel genannt) besteht, ist der Begriff der Metropolregion weiter gefasst und schließt auch große ländliche Gebiete mit ein, die mit den Oberzentren der Region durch wirtschaftliche Verflechtungen oder Pendlerströme in enger Verbindung stehen. Durch die Kooperation in Metropolregionen soll so auch die Planung von Städtebau- und Verkehrsprojekten verbessert werden.

Großstädte, die für ihr Umland ähnliche Funktionen wie die Metropolen übernehmen, jedoch mit ca. 100.000 bis 300.000 Einwohnern kleiner sind als Metropolen, werden als Regiopolen bezeichnet. Analog wird ihr Verflechtungsbereich Regiopolregion genannt.

Begriffsgeschichte Als Vorläufer der Metropolregion entstand in den 1930er Jahren in den Vereinigten Staaten der Begriff „metropolitan area“. Er diente der statistischen Analyse von Agglomerationen, unabhängig von bestehenden Verwaltungsgrenzen. 1949 wurden auf der Grundlage von Pendlerbeziehungen zwischen Metropolen und ihren suburbanen Räumen Metropolitan Statistical Areas abgegrenzt. Dieses Konzept wurde von Olaf Boustedt als „Boustedt-Stadtregionen-Modell“ auch auf deutsche Stadtregionen übertragen. Als Metropolregionen wurden im Laufe der weiteren Entwicklung unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Globalisierung durch neue, wirtschaftsgeographische Methoden zur Erfassung von Global Cities schließlich Bereiche in einem global „abgestuften Siedlungssystem“ verstanden, die sich „durch ihre Größe, ihre engere Integration in das globale Städtesystem und ihre herausragende Funktion im nationalen wie auch internationalen Kontext“ abheben.Brigitte Adam, Jürgen Göddecke-Stellmann: Metropolregionen – Konzepte, Definitionen und Herausforderungen. In: Informationen zur Raumentwicklung. 9/2002, S. 513 ff. (PDF) Der deutsche Raumordnungsbericht 2005 begriff sie als „hochverdichtete Agglomerationsräume mit mehr als einer Million Einwohnern, die sich gemessen an ökonomischen Kriterien wie Wertschöpfung, Wirtschaftskraft und Einkommen besonders dynamisch entwickeln und international besonders herausgehoben und eingebunden sind.“Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrsg.): Raumordnungsbericht 2005. Bonn 2005, S. 177 ff.

Funktionen einer Metropolregion Die Funktionalitäten einer Metropolregion lassen sich anhand von vier relativ einfach zu bestimmenden Kriterien einschätzen:H. H. Blotevogel: Deutsche Metropolregionen in der Vernetzung. In: IzR – Informationen zur Raumentwicklung. 6/7.2002, S. 345–352.K. Volgmann: Metropole. Bedeutung des Metropolenbegriffs und Messung von Metropolität im deutschen Städtesystem. (= Metropolis und Region, 10). Detmold 2013.

Entscheidungs- und Kontrollfunktion In einer Metropolregion besteht eine hohe Konzentration von politischen und ökonomischen Einrichtungen. Die größten Unternehmen eines Landes bzw. der Welt haben dort ihre Hauptsitze oder wichtige Zweigstellen. Das können beispielsweise Regierungssitze, Firmensitze, internationale Organisationen oder Nichtregierungsorganisationen sein.

Innovations- und Wettbewerbsfunktion Eine Metropolregion ist der Motor gesellschaftlicher, kultureller und technologischer Entwicklung. Dies zeichnet sich auch durch eine hohe Anzahl an Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen aus. Auch kulturelle Großveranstaltungen können ausgerichtet werden, da die nötige Infrastruktur, wie z. B. Theater oder Stadien vorhanden sind.

Gateway-Funktion Eine Metropolregion ist eine „Drehscheibe“. Austausch von Wissen und Informationen ist ohne große Probleme möglich, da eine sehr gute Erreichbarkeit gegeben ist. Indikatoren dafür sind internationale Flughäfen, Verkehrsknotenpunkte, Standpunkt von Internet-Servern, Messen etc.

Symbolfunktion Sie bündeln „ein hohes Maß an historischer, politischer, kultureller sowie städtebaulicher Bedeutung und ein entsprechendes internationales Ansehen“.

Metropolregionen in der Welt Die größten Metropolregionen der Welt sind das Perlflussdelta um Chinas Sonderwirtschaftszonen Shēnzhèn und Zhūhǎi inklusive der Millionenstädte Guǎngzhōu, Fóshān, Dōngguǎn und der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau mit rund 74 Millionen Menschen (Stand 2022) bzw. die nach administrativen Grenzen weiter gefasste Guangdong–Hong Kong–Macao Greater Bay Area (2022: 86,6 Millionen Einwohner) und die Metropolregion Tokio mit 37,8 Millionen Menschen (Stand 2023).

Die größten Metropolregionen Europas Die als METREX 1996 auf Initiative des schottischen Regionalrats Strathclyde (Strathclyde Regional Council) gegründete Zusammenarbeitsebene der EU-Metropolregionen definiert eine Metropolregion als Agglomeration von mehr als 500.000 Einwohnern und geht für die EU von 120 Metropolregionen aus, in denen 60 % der Einwohner der Mitgliedstaaten leben und arbeiten. Diese Definition des Begriffes bedeutete jedoch auch, dass bspw. in Bezug auf Deutschland weite Teile des Landes Metropolregionen wären. In England wurden mit den Metropolitan Counties Gebietskörperschaften gegründet, die der gewachsenen urbanen Struktur angepasst sein sollen. Damit wurde an einigen Ballungsräumen die herkömmliche Aufteilung der Grafschaften abgelöst. Auch in Frankreich stimmen einige Metropolregionen mit den tatsächlichen Regionen als Gebietskörperschaft überein. Der Status der Metropolregion in Deutschland als Metagebilde, das körperschaftsübergreifend zur Kooperation anregen soll, ist in Europa seltener anzutreffen. Es gibt allerdings auch Beispiele für länderübergreifende Regionen. Auf dem amerikanischen Kontinent gibt es fast doppelt so viel Metropolregionen mit über fünf Millionen Einwohnern wie in Europa, allein 13 davon in den USA; allerdings sind diese flächenmäßig oft sehr weit gefasst und teils außerhalb der Zentralstädte dünn besiedelt.

Folgende Tabelle listet die größten Metropolregionen Europas mit mehr als 2,5 Mio. Einwohnern. Sie basiert, EU-Staaten betreffend, auf Daten von Eurostat und dessen engerer Definition von Metropolregionen als Ballungsräume aus dem Jahr 2016. So wird etwa das Ruhrgebiet als Metropolregion betrachtet, nicht die größere Auslegungsvariante als Metropolregion Rhein-Ruhr. Zum Vergleich werden die größten Städtekonglomerate wie Rhein-Ruhr oder Randstad ebenfalls angeführt. Diese Angaben sind jedoch Schätzungen und daher in Klammern angegeben.

Rang Name der Metropolregion Größte Städte Verwaltungseinheit Land Mio. Einwohner (Schätzung)1 Moskau Moskau Moskau, Oblast Moskau 19,1 (2024)2 Istanbul Istanbul Istanbul 15,9 (2024)3 London London London, East of England, South East England 14,9 (2024) (–) (Rhein-Ruhr) Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Bonn Nordrhein-Westfalen (ca. 13) (2022)4 Paris Paris, Boulogne-Billancourt, Saint-Denis, Montreuil Île-de-France 12,39(–) (Randstad) Amsterdam, Rotterdam, Den Haag Zuid-Holland, Noord-Holland, Utrecht, Flevoland (ca. 8,2) (2017)5 Madrid Madrid Comunidad de Madrid 6,876 Sankt PetersburgSankt Petersburg Sankt Petersburg, Oblast Leningrad 6,50 (2024) (–) (Rhein-Main) Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mainz, Darmstadt, Offenbach am Main, Hanau, Aschaffenburg Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz (5,91) (2022)7 Barcelona Barcelona, Llobregat, Terrassa Provinz Barcelona 5,808Berlin engere Auslegung als Metropolregion Berlin Berlin, Brandenburg 5,489 Hamburg engere Auslegung als Metropolregion Hamburg Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein 5,43 (31. Dez. 2021) . Amtliche Bevölkerungszahlen.10RuhrgebietDortmund, Essen, Duisburg, Bochum Nordrhein-Westfalen 5,1511 Mailand Mailand, Monza Lombardei 4,3312 Rom Rom Latium 4,2313 Athen Athen Attiki 3,6314 Kiew Kiew Oblast Kiew 3,48 (2024)15 Amsterdam Amsterdam, Zaanstad, Haarlem, Hilversum, Lelystad Provinz Nordholland 3,4016 Brüssel Brüssel, Leuven bedeutend größer als die Region Brüssel-Hauptstadt 3,4017 Warschau Warschau Woiwodschaft Masowien 3,2718 Marseille Marseille, Aix-en-Provence Provence-Alpes-Côte d’Azur 3,1819 Manchester Manchester, Greater Manchester North West England 3,15 (2024)20 Budapest Budapest Mittelungarn 3,0021 München engere Auslegung als Metropolregion München Bayern 2,9822 Neapel Neapel Kampanien 2,9823 Wien Wien Wien, Niederösterreich 2,9724 Lissabon Lissabon Região de Lisboa 2,9025 Stuttgart engere Auslegung als Metropolregion Stuttgart Baden-Württemberg 2,8226 Prag Prag Hlavní město Praha, Středočeský kraj 2,8027 Frankfurt am Main Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Hanau Hessen 2,7828 Valencia Valencia Provinz Valencia 2,6629 Lille Lille, Dunkerque, Valenciennes Hauts-de-France 2,6130 Katowice Katowice, Sosnowiec, Gliwice, Bytom Woiwodschaft Schlesien 2,54

In Deutschland Abgrenzung durch die Ministerkonferenz für Raumordnung mini|hochkant=1.5|Metropolregionen in Deutschland

In Deutschland hat die Ministerkonferenz für Raumordnung (MKRO) mit ihrem Beschluss zum Raumordnungspolitischen Handlungsrahmen 1995 erstmals die Bedeutung der Metropolregionen in Deutschland („europäische Metropolregionen“) herausgestellt: „Als Motoren der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung sollen sie die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit Deutschlands und Europas erhalten und dazu beitragen den europäischen Integrationsprozess zu beschleunigen“.

Die MKRO definierte für Deutschland im Jahr 1995 zunächst sechs europäische Metropolregionen (EMR), 1997 kam eine weitere dazu und 2005 nochmals vier weitere, so dass es aktuell elf EMR in Deutschland sind. Diese wurden nicht nach raumstrukturellen Realitäten, sondern normativ festgelegt und abgegrenzt, wobei vor allem die Großzügigkeit der Abgrenzung erhebliche methodische Unterschiede aufweist. Die Einwohnerzahlen sind deshalb nur sehr bedingt vergleichbar. Manche EMR, etwa Hannover-Braunschweig-Göttingen, enthalten sehr große ländliche Gebiete und weit auseinander liegende Kernstädte, während andere deutlich knapper zugeschnitten wurden. Viele der Regionen haben grenzüberschreitende Verflechtungen bzw. werden dahingehend entwickelt, wie die künftige Metropolregion Stettin., rbgp.pl (PDF; 1,7 MB)

Seit der Ausweisung der „kleineren“ EMR 2005 war jede deutsche Stadt mit über 400.000 Einwohnern Kernstadt einer „Metropolregion“ (Dresden ist mittlerweile wieder aus der Metropolregion Mitteldeutschland ausgetreten). Der Begriff hat sich dadurch erheblich von seiner ursprünglichen Bedeutung (vgl. Artikel Metropole) entfernt.

Neben den stark global ausgerichteten Metropolregionen bestehen in Deutschland 41 Ballungsräume um kleinere Kernstädte. Unter diesen nehmen die in einer Studie der Universität Kassel von 2008 identifizierten 25 Regiopolen eine Sonderstellung als Entwicklungsmotoren für ihre Regionen ein.

Die Bundesregierung setzt im Verflechtungsbereich der Metropolregionen auf das Modell der dezentralen Konzentration.Klaus Brake, Rainer Danielzyk, Martin Karsten: Dezentrale Konzentration ein Leitbild mit besonderen Herausforderungen für interkommunale Kooperation

Liste der Metropolregionen in Deutschland