mini|Chieming von Osten Chieming [] ist eine Gemeinde, ein Pfarrdorf und eine Gemarkung im oberbayerischen Landkreis Traunstein. Chieming liegt am Ostufer des Chiemsees an der Chieminger Bucht und ist ein Ferien- und Erholungsort.

Namensgeber für den ChiemgauKarl Puchner, Romanisch-Germanische Mischnamen in Altbayern. (Aus dem Namensgut Mitteleuropas, FS f. E. Kranzmayer, Kärntner Museumsschriften 53) Klagenfurt 1972, 61–67; Karl Puchner ordnet den Namen der deutschen bzw. mhd. Wurzel  Ki / Kime „Sprößling“ zuHelmut Rosenfeld, Chiemsee und Chieming (BONF 18) 1981, 23–26; Helmut Rosenfeld ordnet den Namen der keltischen Kulturkreis, bzw. dem keltischen Vornamen „Chiemo“ „Sippe“ zu. ist der Legende nach ein Gaugraf „Chiemo“. Allerdings gibt es keine Belege, ob er jemals gelebt hat.

Geographie Lage Chieming liegt in der Planungsregion Südostoberbayern im Chiemgau am Ostufer des Chiemsees an der Chieminger Bucht. Im Süden des Ortes und in der Gemarkung Chieming liegt der Pfeffersee, auch Pfaffersee genannt. Die Gemarkung Chieming hat eine Fläche von etwa 1573 Hektar und liegt vollständig auf dem Gebiet der Gemeinde Chieming. Auf ihr lebten 2011 etwa 3152 Einwohner.

Gemeindegliederung

Es gibt 38 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Chieming, Hart, Ising und Oberhochstätt (Gemarkungsteil 0).

Klima

Geschichte Antike Die günstige Lage am See mit Ackerflächen, Wäldern und Auen unweit von Salzvorkommen lieferte Nahrungsgrundlagen, die eine erste Besiedlung der Region in der Steinzeit ermöglichte, die allerdings dünn blieb,Siehe bis zum Bau der römischen West-Ost-Verkehrsachse und Militärstraße Via Julia von Augsburg (Augusta Vindelicorum) nach Salzburg (Juvavum). Mit dieser Straße verdichtete sich die Besiedlung mit Gutshöfen (Villae rusticae) zur Versorgung der Legion. Die ältesten Gräber, die bisher gefunden wurden, stammen aus der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts, zur Zeit der bajuwarischen Landnahme.siehe hierzu Irmtraut Heitmeier: Ortsnameninterpretation und Siedlungsgeschichte. Ein methodischer Versuch am Beispiel des südöstlichen Chiemgaus. In ZBLG. 53, 1990, S. 551–658, hier S. 575.

Mittelalter Ein erster gesicherter urkundlicher Nachweis erfolgte 790 in der Notitia Arnonis. Die Namen Chiemgau und Chiemsee hängen mit dem Ortsnamen Chieming zusammen, der meist von dem althochdeutschen Personennamen „Chiemo“ (7./8. Jahrhundert) abgeleitet wird.Vgl. schon Gotthard Heinrich, Ueber die Ortsnamen in Oberbayern, 1849, S. 20

Die Schreibweise Kieming wurde 1568 von Philipp Apian in den Bairischen Landtafeln verwendet und findet sich auch noch im 19. Jahrhundert im Blatt No. 768 Frauenchiemsee und Umgebung aus dem Jahr 1847 der Bayerischen Uraufnahme sowie in der Literatur.Urpositionsblatt No. 768 der Landvermessung in Bayern.Bayerische Annalen, Jhrg. I, 1833, S. 224.

Seit spätestens 1211 war Chieming Pfarrsitz. Von 1632 bis 1803 war Chieming eine Baumburger Klosterpfarrei.mini|„Kieming“ auf Philipp Apians Bairischen Landtafeln von 1568 Entstehung des Königreichs Bayern Staatsrechtlich Das Kurfürstentum Bayern wurde Anfang 1806 zum Königreich erhoben. Der formelle Austritt Bayerns aus dem Verband des Heiligen Römischen Reiches unter Verzicht auf die Kurwürde erfolgte erst im Juli 1806 mit der Rheinbundakte. Im Zuge der staatlichen Neuordnung in Bayern wurde Chieming durch das Gemeindeedikt von 1818 eine politische Gemeinde mit den zugehörigen Ortschaften Aufham, Außerlohen, Eglsee, Kleeham, Laimgrub, Pfaffing, Manholding, Schützing, Stöttham und Weidach. Egerer und Neubauer kamen um 1850 dazu.

Kirchenrechtlich Die offene Hofmark Chieming war bis zur Säkularisierung in Bayern 1803 im Besitz des Klosters Baumburg, Chieming wurde vom Kloster auch seelsorgerisch betreut. 1805 wurde die weltliche Pfarrei Chieming errichtet.

Wirtschaftlich und Soziologisch Beginnend etwa 1870 wurde Chieming zu einem immer beliebteren Bade- und Erholungsort.

Zeit des Nationalsozialismus Auf Chieminger Gemeindegebiet sollte zwischen Schützing und Arlaching auf Hitlers ausdrücklichen Wunsch hin eine Elite-Universität, die Hohe Schule der NSDAP, entstehen. Die vom NS-Architekten Hermann Giesler entworfene Anlage sollte sich in Nord-Süd-Ausrichtung etwa 1,7 Kilometer entlang des Chiemseeufers erstrecken. Realisiert wurde der Monumentalbau kriegsbedingt nie.

Eingemeindungen Im Laufe der Gebietsreform in Bayern kamen die Gemeinden Hart und Ising (amtliche Umbenennung am 30. Oktober 1965, vorher Tabing) am 1. Januar 1972 hinzu. Am 1. Januar 1982 gab die Gemeinde Grabenstätt ein Gebiet mit mehr als 50 Einwohnern an die Gemeinde Chieming ab. Hierbei handelte es sich um Teile der ehemaligen Gemeinde Oberhochstätt mit deren Hauptort.

Ausgliederungen Am 1. Juli 1972 wurde ein Gebiet mit etwa 60 Einwohnern (Gemeindeteil Graben) an die Nachbargemeinde Seebruck abgetreten.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3793 auf 4936 um 1143 Einwohner beziehungsweise um 30,1 Prozent. +Jahr19611970198719911995200020052010201520202025Einwohner30453344368540854189430844754538482750264785

Politik mini|rechts|Chieming vom Pfeffersee aus gesehen Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) ist seit 1. Mai 2020 Erster Bürgermeister; dieser wurde am 29. März 2020 in der Stichwahl mit 54,43 % der Stimmen gewählt. Seine Vorgänger waren Benno Graf (Unabhängige Wähler): Mai 2002 – April 2020 Maximilian Brunner (CSU): bis April 2002

Gemeinderat Durch die Gemeinderatswahl vom 15. März 2020 ergab sich folgende Sitzverteilung: CSU: 6 Sitze (32,83 %) Bündnis 90/Die Grünen: 5 Sitze (31,94 %) Unabhängige Wähler (UW): 3 Sitze (20,65 %) Bürgerlich-Bäuerliche Wählergruppe (BBW): 2 Sitze (14,58 %)

Wappen

Sehenswürdigkeiten mini|Drei Römische Weihesteine in der Pfarrkirche Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist ein kreuzgewölbter Saalbau mit halbrunder Apsis. Sie wurde 1882/83 und 1891 nach Plänen des Münchner Architekten Johann Marggraff im neuromanischen Stil errichtet. Treibende Kraft beim Neubau war der Pfarrer Conrad Korntheur.Sepp Linner in Chiemgau-Blätter, Beilage zum Traunsteiner Tagblatt Nr. 12, 26. März 2011, S. 1–3 Beim Abbruch der alten Kirche kamen drei Römische Weihesteine zum Vorschein, die sich heute im Turmgeschoss befinden. Die stilgleiche Innenausstattung und Ausmalung wurde vom Architekten Joseph Elsner entworfen und aus seinen Münchner Werkstätten geliefert. Das Altargemälde schuf um 1885 Max Fürst aus Reichenhall. Das Gemälde der Heiligen Sebastian und Georg an der Langhaussüdwand stammt von einem ehemaligen Seitenaltar und ist 1663 von Ruprecht Schweindl aus Altenmarkt signiert. Der Bauernhof Beim Karl aus dem Jahr 1875 im Gemeindeteil Thauernhausen ist ein dreigeschossiger Einfirsthof mit großem Schüttboden für das Getreide im obersten Geschoss.

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Im Jahr 2020 gab es nach der amtlichen Statistik in der Land- und Forstwirtschaft 50, im produzierenden Gewerbe 672 und im Bereich Handel und Verkehr 427 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 484 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es 1845. Durchschnittlich 74 Einwohner waren arbeitslos. Im verarbeitenden Gewerbe gab es sechs, im Bauhauptgewerbe drei Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 2016 63 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 1752 ha, davon waren 744 ha Ackerfläche und 1008 ha Dauergrünfläche.

Verkehr Chieming ist über die Staatsstraße St 2096 und andere Verbindungsstraßen mit der dicht am Ort vorbeiführenden Staatsstraße St 2095 Rosenheim – Traunstein sowie in südlicher Richtung mit der A 8 München-Salzburg verbunden. Chieming hat einen Anleger der Chiemsee-Schifffahrt, der jedoch außerhalb der Saison nicht angesteuert wird.

Nächstgelegene Bahnhöfe sind Matzing an der Bahnstrecke Traunstein–Garching sowie Traunstein und Übersee an der Bahnstrecke Rosenheim–Salzburg.

Chieming hat Anschluss zu den Buslinien der RVO: 9520 Traunstein – Grabenstätt – Chieming – Seebruck – Prien am Chiemsee 9522 Traunstein – Nußdorf – Truchtlaching – Obing – Schnaitsee 9513 Chieming – Sondermoning – Traunreut N5 Nachtexpress: Traunstein – Chieming – Seebruck – Seeon – Obing.

Bildung Es gibt folgende Einrichtungen (Stand: 2021): drei Kindertageseinrichtungen: 232 genehmigte Betreuungsplätze, 177 betreute Kinder zwei Grund- und Mittelschulen: 17 Lehrkräfte, 202 Schülerinnen und Schüler Gymnasien: Landschulheim Schloss Ising mit verschiedenen Ausbildungsrichtungen: 34 Lehrkräfte, 405 Schülerinnen und Schüler

Persönlichkeiten Wolfgang Klausner (1906–1958), Politiker der BVP, NSDAP, CSU (MdB) Isabella Nadolny (1917–2004), Schriftstellerin Sten Nadolny (* 1942), Schriftsteller, wuchs in Chieming auf Adalbert H. Lhota (1946–2022), österreichisch-schweizerischer Manager Norbert Niemann (* 1961), Schriftsteller

Literatur Dehio-Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern. Darmstadt 1990, ISBN 3-422-03010-7. Irmtraut Heitmeier: Ortsnameninterpretation und Siedlungsgeschichte. Ein methodischer Versuch am Beispiel des südöstlichen Chiemgaus. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Band 53, 1990, S. 551–658. (periodika.digitale-sammlungen.de)

Weblinks

Gemeinde Chieming

Heimathaus Chieming

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Traunstein Kategorie:Ort im Chiemgau Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Bayern Kategorie:Ersterwähnung 790 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Gemarkung im Landkreis Traunstein