Zeeland (, seeländisch Zeêland) ist eine Provinz in den südwestlichen Niederlanden. Die Provinz besteht aus einer Reihe von Inseln, Halbinseln und einem Stück Festland an der Grenze zu Belgien, genannt Zeeuws Vlaanderen („Seeländisch Flandern“). Am hatte die Provinz Einwohner.

Geographie mini|links|Satellitenbild von Zeeland Die Inseln und Halbinseln von Zeeland sind: Zuid-Beveland (Halbinsel, zusammen mit Walcheren) Walcheren (Halbinsel, grenzt an Zuid-Beveland) Noord-Beveland (Insel) Tholen (Halbinsel) Schouwen-Duiveland (Insel) Sint Philipsland (Halbinsel)

Der restliche Teil, der weder Insel noch Halbinsel ist und dessen einziger Landzugang bis 2003 über Belgien bestand, heißt Zeeuws Vlaanderen. Seit Mitte 2003 besteht mit dem Westerscheldetunnel ein weiterer Landzugang, der diesmal Zeeuws Vlaanderen direkt mit den übrigen Niederlanden verbindet. Der Tunnel führt von Terneuzen bis auf das Gebiet der Gemeinde Borsele.

Die Hauptstadt ist Middelburg. Vlissingen ist ein wichtiger Seehafen, ebenso Terneuzen. Andere Städte sind Hulst, Goes und Zierikzee.

Geschichte Vorgeschichte Einziger Beleg, dass bereits Neandertaler im Gebiet der heutigen Niederlande lebten, ist das Fragment einer Schädelkalotte, genannt Krijn, die im Jahr 2001 vor Zeeland aus der Nordsee geborgen wurde.

Erste Siedlungsspuren auf Zeeland weisen in die keltische und römische Antike. Im Jahr 52 v. Chr. unterwarf Julius Caesar die Menapier, die auf dem Gebiet des heutigen Zeeland gesiedelt haben dürften. Die Gallia Belgica lag auf der Handelsroute von der Germania Inferior (vor allem: Köln) zur Britannia und war schon aus diesem Grund von einem gewissen Interesse. Ob die erste Niederlassung, von der aus die weitere Besiedelung Zeelands ausging, das Zeeuwsche Kastell Aardenburg war, ist allerdings unklar.

Der Nehalennia-Tempel, den man bei Colijnsplaat ausmacht, dürfte auf einen Kult hinweisen, der keltischen Ursprunges war und in der vorgefundenen Form des 2. oder 3. Jahrhunderts bereits eine Adaption darstellte. Nehalennia selbst war eine regionale Gottheit, die vor allem in frugalen und maritimen Zusammenhängen erschien und kein römisches Pendant hatte. Aus Dank für geglückte See-Handelsreisen dürften auch die gefundenen Nehalennia-Steine, von denen einige im Museum Gravensteen in Zierikzee und im Rijksmuseum van Oudheden in Leiden zu sehen sind, aufgestellt worden sein.

Mit dem 4. Jahrhundert ging nicht nur das Imperium Romanum, sondern auch Zeeland im wörtlichen Sinne zunehmend unter. Das Versinken des zur Nordsee offenen Landes dürfte sich bis zur Mitte des 6. Jahrhunderts hingezogen haben. Mit dem Ende des 6. Jahrhunderts wird schon wieder eine kleinere Handelsniederlassung auf Walcheren vermutet. Es spricht einiges dafür, dass es sich bei den neuen Siedlern nun um Friesen gehandelt hat.

Fränkische Zeit Zwischen 688 und 695 wurden die niederländischen Küstengebiete von Pippin II. erobert, womit die fränkische Zeit begann. In diese Zeit fiel auch die Christianisierung Zeelands. 690 ging bei Zoutelande der irische Mönch Willibrord (658–739) an Land. Der heute noch an vielen Orten gewürdigte Mönch war berüchtigt für sein hartes Vorgehen gegen die sogenannten Heiden: Teile eines von Willibrord selbst zerschlagenen heidnischen Heiligtums sollen noch heute im Sockel des Altares der Kirche zu Westkapelle enthalten sein. 695 wurde Willibrord Bischof von Utrecht. Der früh heiliggesprochene und von Alkuin in der Vita Sancta Willibrordi um 786 und von Theofried um 1104 beschriebene Kleriker verstarb 739 in dem von ihm in Echternach (Luxemburg) gegründeten Kloster.

Nachdem Karl der Große (768–814) und Ludwig der Fromme (814–840) an den großen Flüssen, vor allem am Rhein, vermehrt Einfälle der Normannen verzeichnen mussten, kam es mit dem beginnenden 9. Jahrhundert zunehmend zu Einfällen in Zeeland. Über den Eindruck, den die nach sagenhaften Meeresungeheuern und Drachen geschnitzten Bugpartien der Wikingerboote auf die einfache Bevölkerung machten, sind für Zeeland und auch andernorts eindrucksvolle Meldungen überliefert.

mini|Die Grafschaft Zeeland im 15. Jahrhundert miniatur|Historische Karte von Zeeland aus dem Jahr 1580 841 belehnte der amtsfrische Lothar I. sogar den Wikinger Heriold mit Walcheren – vielleicht in der Hoffnung, auf diese Weise weiteren Angriffen mit der Verlagerung zu einem innernormannischen Problem ausweichen zu können. Die Belehnung, die darauf hinweist, dass sich zu jener Zeit bereits Normannen auf Zeeland angesiedelt hatten, scheint aber in keiner Hinsicht den gewünschten Erfolg erbracht zu haben. Auf der einen Seite dürfte die Herrschaft der Normannen innerhalb der einheimischen Bevölkerung keine Akzeptanz gefunden haben, auf der anderen Seite ließen sich wohl auch die Einfälle anderer Normannen auf diese Weise nicht verhindern – denn von zirka 880 bis 890 entstanden über Zeeland verteilt gegen derartige Überfälle überall Fluchtburgen: Oostburg (Zeeuws-Vlaanderen), Oost-Souburg bei Vlissingen, Middelburg, Domburg und Burgh bei Burgh-Haamstede sind aus derartigen Befestigungen hervorgegangen. Middelburg zeigt bis heute in seinem Grundriss die ringförmige Wehranlage. In Oost-Souburg lässt sich die rekonstruierte Burg besichtigen. Diese Ringwall-Burgen wurden vorerst nur als Rückzugsmöglichkeit bei Angriffen genutzt, nicht aber bewohnt. Die Überfälle auf Zeeland endeten aber erst etwa hundert Jahre später, um 1000.

Mittelalter, Frühe Neuzeit

Seit dem Mittelalter ist der Kampf gegen das Wasser ein elementarer Bestandteil der Geschichte von Zeeland. Gewinn und Verlust von Land wechselten einander ab. Fast die komplette Provinz (außer den Dünen) liegt unter dem Meeresspiegel. Die Landschaft ist ein Flickenteppich aus Poldern und Deichen. Die vielen kleinen Inseln sind langsam zu den größeren (Halb-)Inseln, die heute Bestand haben, zusammengewachsen.

Im 16. und 17. Jahrhundert hatte Zeeland eine bedeutende wirtschaftliche Stellung innerhalb der Niederlande inne. Einige Städte wie Middelburg, Veere oder Zierikzee waren bedeutsame Handelsstädte. In diesen Städten sind immer noch viele Häuser, Kirchen oder andere Zeugen der seeländischen Blütezeit zu finden. Die Niederländische Ostindien-Kompanie, die einen Sitz in Middelburg hatte, wurde 1798 liquidiert. Zeeland war auf Grund seiner geographischen Lage für Kaperei ein sehr geeigneter Standort. Kaperei und Handel wurden oft von denselben Reedern betrieben.Zeeuws Archief (Zeeländisches Archiv), Ausstellung Kapers en kaapvaart Katalog bei archieven.nl Middelburg hatte darum, neben Amsterdam, Rotterdam, Hoorn und Groningen, auch eine Kammer der West-Indischen Compagnie (WIC), die u. a. die Kaperei koordinierte. Im 18. Jahrhundert sank die wirtschaftliche und politische Bedeutung Zeelands immer mehr. Zum einen versandeten viele kleinere Flüsse, was die Schifffahrt stark behinderte. Zum anderen hatten die Französische Revolution und Napoleons Feldzüge Anfang des 19. Jahrhunderts auch Auswirkungen auf Zeeland. Besonders die Kontinentalsperre gegen England wirkte sich verheerend aus.

Moderne miniatur|Überflutete Flächen in den Provinzen Zeeland und Südholland 1953

Mit der Ausbreitung des Eisenbahnnetzes in den Niederlanden wurden Zuid-Beveland und Walcheren im 19. Jahrhundert mittels Dämmen mit dem Festland der Provinz Noord-Brabant verbunden. Seit 1870 sind Middelburg, Vlissingen und Goes an die Eisenbahnlinie nach Bergen op Zoom und Roosendaal angebunden.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhob Belgien Ansprüche auf Seeländisch Flandern, da die Niederlande während des Krieges neutral geblieben waren, Belgien dagegen große Zerstörungen zu beklagen hatte. Diese Annexionspläne wurden jedoch auf Druck der britischen Regierung fallengelassen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde auch Zeeland von deutschen Truppen besetzt und mit Befestigungsanlagen des Atlantikwalls überzogen. Alliierte Truppen befreiten den größten Teil der Provinz im Oktober und November 1944 während der Schlacht an der Scheldemündung.

In der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 1953 wurde Zeeland von der Hollandsturmflut getroffen. 1835 Menschen starben bei der größten Naturkatastrophe der Nachkriegszeit in den Niederlanden. Um solch eine Katastrophe in der Zukunft zu verhindern, wurden ab 1960 die Deltawerke gebaut. Ein Nebeneffekt der Abriegelung der Nordsee von den kleinen Seitenarmen und Flussmündungen war, dass die Verbindungen der Provinz mit dem Rest der Niederlande wesentlich verbessert wurden. 1997 wurde das große Projekt mit der Eröffnung des Maeslant-Sturmflutwehrs, das allerdings nicht zur Provinz Zeeland gehört, fertiggestellt.

Die wirtschaftliche und soziale Struktur der Inseln Zeelands wurde durch die festen Verbindungen mit dem Land stark verändert. Die ehemals abgelegenen Gebiete sind von der Randstad aus nun binnen einer Stunde zu erreichen. Der Tourismus ist stark angestiegen.

Politik

Das Provinzialparlament () hat seinen Sitz im Provinciehuis in der Provinzhauptstadt Middelburg. Entsprechend der Bevölkerungszahl in der Provinz besteht das Parlament aus 39 Sitzen.

Die letzte Provinzialwahl fand am 15. März 2023 statt. Dabei traten 15 Parteien an, wovon 13 auch Sitze in den Staten errangen.

An der Spitze der Provinz steht der Kommissar des Königs. Das ist seit September 2024 der Christdemokrat Hugo de Jonge. Das College van Gedeputeerde Staten, also die Regierung, setzt sich seit der Wahl 2023 aus einer Koalition aus BBB, SGP, CDA und VVD zusammen.

Der Provinzrat wird seit dem Jahr 2007 folgendermaßen turnusmäßig alle vier Jahre gebildet: Partei Sitzehttps://www.verkiezingsuitslagen.nl/verkiezingen?s=Provinciale+Staten&v=&t= 2007 2011 2015 2019 2023 BBB – – – – 9 GL-PvdA – – – – 6 SGP 5 4 6 5 5 CDA 10 6 6 7 5 VVD 6 7 6 4 4 PVV – 5 4 2 2 Sonst. 2 2 2 2 2 ChristenUnie 3 2 2 2 1 D66 2 2 3 1 1 PvdD – – – 1 1 JA21 – – – – 1 SP 5 3 4 2 1 FvD – – – 5 1 50PLUS – – 1 2 – PvdA 6 7 4 4 – GroenLinks 2 1 1 2 – Gesamt 39 39 39 39 39Quellenhttps://www.kennisbanksportenbewegen.nl/?file=850&m=1422882824&action=file.downloadhttps://blikopnieuws.nl/147084/geen-pvda-maar-christenunie-in-nieuwe-coalitie.htmlhttps://digitalehofstad.wordpress.com/2011/05/06/eindstand-coalitievorming-provinciale-staten-2011/https://nos.nl/artikel/232518-verliezers-zijn-winnaars-in-de-provinciehttps://de-kopgroep.nl/sites/default/files/uploads/Coalitieakkoord_2015_Zeeland.pdfhttps://www.cda.nl/zeeland/nieuws/coalitieakkoord-officieel-gepresenteerd/ Anmerkung: Die fettgedruckten Zahlen stellen die Koalitionen dar, die nach den Wahlen gebildet wurden.

Gemeinden Die Provinz umfasst seit 2003 noch 13 Gemeinden:

mini|hochkant=1.4|Karte Zeeland und Gemeinden (alphabetisch nummeriert) Gemeinde Nr. Einwohnerzahl(Stand: )Bevolkingsontwikkeling; regio per maand Centraal Bureau voor de Statistiek, abgerufen am 3. April 2018 (niederländisch) Fläche(in km²)Bodemgebruik; uitgebreide gebruiksvorm, per gemeente Centraal Bureau voor de Statistiek, abgerufen am 3. April 2018 (niederländisch) Größte OrteDrie grootste kernen obv gegevens gemeente Borsele 1 194,52 Heinkenszand, ’s-Gravenpolder, ’s-Heerenhoek Goes 2 101,92 Goes, Kloetinge, Wolphaartsdijk Hulst 3 251,82 Hulst, Kloosterzande, Sint Jansteen Kapelle 4 49,63 Kapelle, Wemeldinge, Biezelinge Middelburg 5 53,04 Middelburg, Arnemuiden, Nieuw- en Sint Joosland Noord-Beveland 6 121,51 Kamperland, Kortgene, Colijnsplaat Reimerswaal 7 242,42 Yerseke, Krabbendijke, Kruiningen Schouwen-Duiveland 8 488,21 Zierikzee, Burgh-Haamstede, Bruinisse Sluis 9 307,16 Oostburg, Breskens, Aardenburg Terneuzen 10 317,76 Terneuzen, Axel, Sas van Gent Tholen 11 254,00 Tholen, Sint Maartensdijk, Sint-Annaland Veere 12 206,62 Koudekerke, Westkapelle, Oostkapelle Vlissingen 13 344,84 Vlissingen, Oost-Souburg, Ritthem (einzige Orte der Gemeinde) (Nr. = Nummer auf der Karte)

Sehenswürdigkeiten miniatur|Rathaus in Middelburg

Eine Vielzahl der Sehenswürdigkeiten der Provinz konzentriert sich auf die größeren Städte.