mini|Familiengrab auf dem Evangelischen Kirchhof Alt-Schöneberg in Berlin Eitel-Friedrich Karl Balthasar von Rabenau (* 13. Januar 1884 in Schweidnitz; † 5. Oktober 1959 in Berlin) war ein deutscher evangelischer Theologe und langjähriger Pastor der altpreußischen unierten Kirche und der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Seine Wirkungsstätten waren dabei unter anderem die Immanuelkirche in Jaffa (1912 bis 1917) und die Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg (1925 bis 1954). Während des nationalsozialistischen Kirchenkampfes war er ein führender Vertreter der oppositionellen Bekennenden Kirche.
Kindheit und Ausbildung Rabenau kam als zweites von vier Kindern des Juristen und königlich preußischen Staatsanwalts Paul Friedrich von Rabenau (1853–1890) und seiner Frau Clara Louise (geb. Heinemann; 1858–1937) zur Welt. Zu seinen Geschwistern waren die Marineoffiziere Hellmuth von Rabenau und Paul Reinhart von Rabenau (1888–1937).Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Teil A Uradel, Justus Perthes, Gotha 1942, S. 435 f. Die von Rabenaus stammten aus Sachsen, die mütterlichen Vorfahren waren Handwerker und Kaufleute in Schlesien. Seine Kinderjahre verbrachte Rabenau in Schweidnitz, Görlitz, Oppeln und Dresden. Einige Zeit nach dem Tod des Vaters zog die Mutter mit den Kindern nach Naumburg an der Saale. Rabenau besuchte die Mochmannsche Lehr- und Erziehungsanstalt, später das Vitzthumsche Gymnasium in Dresden und zuletzt das Domgymnasium Naumburg, wo er 1902 das Abitur ablegte.
Im Jahre 1899 wurde Rabenau durch den Ersten Domprediger und Superintendenten Wilhelm Albrecht Zschimmer (1845–1907) konfirmiert. Bevor Zschimmer im April 1889 das Amt am Naumburger Dom angetreten hatte, hatte er als Auslandspastor verschiedenen evangelischen Gemeinden gedient, unter anderem der smyrniotischen zwischen 1875 und 1878, worüber er auch veröffentlichte.Wilhelm Zschimmer: Selbsterlebtes aus der Diaspora des Orients. Strauch, Leipzig 1903, (Festschriften für Gustav-Adolf-Vereine, Band 10) und Wilhelm Zschimmer: Wie ich zu einer schwarzen Adoptivtochter kam. Erzählung aus meiner Tätigkeit als Pfarrer der deutsch-französischen evangelischen Gemeinde zu Smyrna. Strauch, Leipzig 1909. Zschimmers Laufbahn beeinflusste Rabenaus eigene spätere Berufswahl. Vor allem der Pietist Curt von Knobelsdorff beeindruckte Rabenau, was ihn bewog Pastor zu werden. Ab 1902 studierte Rabenau dann Evangelische Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin unter anderem bei Theodor Haering und Adolf Schlatter (Tübingen), Karl Heim (Halle), Julius Kaftan und Adolf von Harnack (Berlin).
Durch die Freundschaft mit Heim blieb ein pietistischer Einfluss für Rabenau bestimmend. Er schloss sich der Deutschen Christlichen Studentenvereinigung (DCSV) an, der er auch nach Ende des Studiums verbunden blieb. Mit der späteren Glaubensbewegung Deutsche Christen hatte die DCSV zwar den Namen gemeinsam, wurde aber 1938 verboten.
Die pietistischen Einflüsse bereiteten Rabenau starke innere Konflikte in der Begegnung mit der historisch-kritischen Methode bei seinen Berliner Lehrern Harnack, Hermann Gunkel und Kaftan. Nach dem ersten theologischen Examen 1906 ging Rabenau als Candidatus an die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel bei Bielefeld, wo er sich in die Krankenhausseelsorge einarbeitete. Nach einjährigem Wehrdienst in Sonderburg auf Alsen in den Jahren 1907/1908 wurde er Vikar in Cottbus. Nachdem Rabenau die Zweite theologische Prüfung abgelegt hatte, ordinierte ihn der für die Neumark und Niederlausitz zuständige Generalsuperintendent Hans Keßler (1856–1939) am 13. März 1910 in der Berliner St. Matthäikirche.Keßler war, wie auch sein 1911 verstorbener Vorgänger Theodor Braun in Personalunion Erster Pastor an der Berliner St. Matthäikirche.
Berufsleben mini|Immanuelkirche in Jaffa Nach der Ordination trat Rabenau eine Stelle als Hilfsprediger in Finsterwalde an. Dort kümmerte sich Rabenau besonders um die Alkoholikerfürsorge (Blaues Kreuz), auf die er durch die Beschäftigung mit Knobelsdorff aufmerksam geworden war. 1912 heiratete er Elisabeth Riese, bevor beide ins osmanische Palästina gingen. Er trat die Nachfolge von Wilhelm Georg Albert Zeller als Pastor an der Immanuelkirche in Jaffa an, wobei die Stelle im Wesentlichen aus Spenden des Stuttgarter Lokalkomitees des Jerusalemsvereins um Hofprediger Friedrich Braun finanziert wurde.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 118; Ejal Jakob Eisler (איל יעקב איזלר): Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914. Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins, Band 22), ISBN 3-447-03928-0, S. 139.
Die evangelische Gemeinde Jaffa hatte sich 1889 konstituiert und ihre Mitglieder waren vor allem ehemalige Templer, ständig in Jaffa lebende protestantische Deutsche und Schweizer sowie in- und ausländische Proselyten, die der St.-Chrischona-Missionar Peter Martin Metzler ab 1858 bekehrt hatte.Ejal Jakob Eisler (איל יעקב איזלר): Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914. Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert. Harrassowitz, Wiesbaden 1997, (Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins, Band 22), ISBN 3-447-03928-0, S. 114. Gemeindevorsitzender war Johann Georg Kappus sen. (1826–1905), dem sein Sohn Johann Georg Kappus jun. (1855–1928) in diesem Amt folgte. Im Jahre 1906 war die Gemeinde als vollgültiges Mitglied in die Evangelische Landeskirche der älteren Provinzen Preußens (so der Name bis 1922) aufgenommen worden.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges schloss sich Rabenau im September 1914 den vielen jungen Männern seiner Gemeinde an, die den Dienst beim Deutschen Heer antraten, und meldete sich als Feldgeistlicher. Dies tat er entgegen dem Willen von Jerusalemsverein und Gemeinde, so dass der altpreußische Evangelische Oberkirchenrat (EOK) Rabenau zurückbeorderte und er ab Oktober wieder an der Immanuelkirche amtierte.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 125 f. Seine Familie war kurz vor dem britischen Einmarsch nach Deutschland geflohen.
Am 17. November 1917 eroberten britische Streitkräfte Jaffa und Rabenau wurde, wie die meisten Männer der Immanuelkirchgemeinde deutscher oder anderer Feindstaatsangehörigkeit, als feindlicher Ausländer in Wilhelma interniert.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 134; 136. 1918 wurden die Internierten in ein Lager südlich von Gaza gebracht, während die übrigen Gemeindemitglieder in Jaffa strenger Polizeiaufsicht unterstellt wurden. Im August 1918 wurden die Internierten von Gaza nach Sidi Bishr und Helwan in der Nähe Alexandrias verlegt.Roland Löffler: Die Gemeinden des Jerusalemsvereins in Palästina im Kontext des kirchlichen und politischen Zeitgeschehens in der Mandatszeit. In: Almut Nothnagle (Hrsg.): Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem! Festschrift zum 150jährigen Jubiläum von Talitha Kumi und des Jerusalemsvereins. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 2001, ISBN 3-374-01863-7, S. 185–212, hier S. 193; Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 137.
In ihrem dreijährigen ägyptischen Exil baute Rabenau eine enge Gemeinschaft der Internierten auf.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 139. Mit dem Friedensvertrag von Versailles, der am 10. Januar 1920 in Kraft trat, wurden die ägyptischen Lager aufgelöst und Rabenau wurde Koordinator der Lagerauflösung. Rabenau ging dann nach Deutschland, um seine Familie wiederzusehen, und im Juli 1920 verweigerte die Mandatsverwaltung ihnen die Rückkehr nach Jaffa.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 143 f.
Zunächst begann Rabenau als Lehrer an der höheren Schule und Seelsorger und Verwalter dreier Behindertenhäuser sowie des Krankenhauses in Bethel. Friedrich von Bodelschwingh der Ältere beeindruckte ihn nachhaltig, was er in zwei kleineren Schriften über den Leiter der Betheler Anstalten 1932 zum Ausdruck brachte. 1922 promovierte Rabenau an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster zum Dr. phil. mit seiner Dissertation über Geschichte und Wirken der Templer.Eitel-Friedrich von Rabenau: Die Tempelgesellschaft. o. V., Münster in Westfalen 1922, (Hochschulschrift Münster, Phil. Diss., 1923), zugl.: Münster in Westfalen, Westfälische Wilhelms-Univ., 1923. DNB-Link. Zudem legte Rabenau Examina als Studienreferendar und Studienassessor ab.
mini|Apostel-Paulus-Kirche (Berlin-Schöneberg) mini|Gedenktafel in Berlin-Schöneberg Die Evangelische Kirche der altpreußischen Union (EKapU, APU), wie sich seit 1922 die ehemalige Staatskirche nach der Trennung von Staat und Religion durch die Weimarer Verfassung von 1919 nun nannte, stellte Rabenau am 6. Mai 1923 als zweiten Pastor für die Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg ein, wo er bis 1954 amtierte.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 159. Rabenau engagierte sich aber auch weiter für das evangelische Werk im Heiligen Land und bewarb sich um einen Sitz im Vorstand des Jerusalemsvereins, in den er 1924 auch gewählt wurde.Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 147. In seiner Gemeinde pflegte er intensive persönliche Beziehungen zu den einzelnen Mitgliedern, unterstützt durch einen Gemeindehelferkreis.
In der Weltwirtschaftskrise nach 1929 baute Rabenau einen Erwerbslosen-Männerkreis auf, dem verschiedene andere Jugend-Gemeindekreise (Schülerbibelkreis, CVJM, Pfadfinder) folgten. Er lernte den von Pastor Georg Schulz geleiteten, lutherisch geprägten Pastorenverein Sydower Bruderschaft kennen und übernahm die Leitung eines Berliner Ortsringes. Neben seinem Seelsorgeamt kümmerte sich Rabenau von 1929 bis 1935 um die Öffentlichkeitsarbeit des Jerusalemsvereins.