250px Die Immanuelkirche (, Plene: ) ist eine protestantische Kirche im Viertel der American Colony (auch Templer- oder Deutsche Kolonie genannt) in Jaffa, einem Ortsteil von Tel Aviv-Jaffa in Israel. Die Kirche wurde 1904 erbaut. Das Kirchengebäude steht in der Straße Rechov Beer-Hofmann 15 ().

Evangelische Christen gibt es in Jaffa schon seit dem Jahr 1858.Abdel-Raouf Sinno (): Deutsche Interessen in Syrien und Palästina, 1841–1898: Aktivitäten religiöser Institutionen, wirtschaftliche und politische Einflüsse (=Studien zum modernen islamischen Orient; Band 3), Berlin: Baalbek, 1982, Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. ISBN 3-922876-32-3. Die Kirchengemeinde gründete sich im Jahre 1890 und trat im Jahre 1906 der Evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen Preußens bei.

Heute dient das neogotische Bauwerk einer lutherischen Gemeinde der Norwegischen Israelmission (;Den Norske Israelsmisjon in der norwegischsprachigen Wikipedia ).

Geschichte der Kirchengemeinde Von 1889 bis 1898 Seit 1858 war Peter Martin Metzler, ein Mitarbeiter der Basler Pilgermission St. Chrischona, in Jaffa tätig. Er verkaufte der in Haifa bereits ansässigen Tempelgesellschaft Immobilien in und bei Jaffa. Die neue Templer-Kolonie bestand seit 1870.Ejal Jakob Eisler (), Der deutsche Beitrag zum Aufstieg Jaffas 1850–1914: Zur Geschichte Palästinas im 19. Jahrhundert (= Abhandlungen des Deutschen Palästina-Vereins. Band 22). Harrassowitz, Wiesbaden 1997, ISBN 3-447-03928-0.

Im Jahr 1889 konstituierten ehemalige Templer, ständig in Jaffa lebende protestantische Auslandsdeutsche und Auslandsschweizer sowie in- und ausländische Proselyten, die Metzler einst gewonnen hatte, die evangelische Gemeinde Jaffa. Johann Georg Kappus sen. (1826–1905) wurde ihr erster Vorsitzender, assistiert und später abgelöst durch seinen Sohn Johann Georg Kappus jun. (1855–1928).

Der 1875 zum Protestantismus konvertierte Plato von Ustinow bot der neu gegründeten Gemeinde für ihre Gottesdienste die Halle seines Hôtel du Parc in der Templerkolonie (American Colony) an, wo sie dann auch zwischen 1889 und 1897 gehalten wurden. In der Regel leitete der Gemeindevorsitzende Johann Georg Kappus sen. die Gottesdienste, es sei denn, ein Pastor aus Jerusalem oder Haifa war zugegen und leitete sie. Ab Anfang 1890 gewährte der Jerusalemsverein der evangelischen Gemeinde Jaffa Zuschüsse.Ejal Jakob Eisler (): «Kirchler» im Heiligen Land: Die evangelischen Gemeinden in den württembergischen Siedlungen Palästinas (1886–1914). In: Dem Erlöser der Welt zur Ehre: Festschrift zum hundertjährigen Jubiläum der Einweihung der evangelischen Erlöserkirche in Jerusalem. Karl-Heinz Ronecker (Hrsg.) im Auftr. von 'Jerusalem-Stiftung' und 'Jerusalemsverein'. Evangelische Verlags-Anstalt, Leipzig 1998, ISBN 3-374-01706-1, S. 81–100, hier Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Mit den Subventionen konnte am 1. Oktober 1890 im Hause von Kappus sen. die evangelische Schule ihre Pforten öffnen. Dieses Datum galt als die eigentliche Gründung der Gemeinde.

Während die Evangelische Jerusalem-Stiftung die Rolle der Schulträgers übernahm, war es der Jerusalemsverein, der ab Anfang 1891 für Schule und Lehrergehälter aufkam.Frank Foerster, Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7. Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Im Allgemeinen trug die Reichsregierung seit 1880 zu etwa einem Viertel die jährlichen Budgets der deutschsprachigen Schulen im Heiligen Land.Alex Carmel (): Die Siedlungen der württembergischen Templer in Palästina (1868–1918). 11973 [; deutsch] (= Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Reihe B: Forschungen. Band 77). Kohlhammer, Stuttgart 32000, ISBN 3-17-016788-X. Seitenzahl wie hinter der Fußnotenzahl angegeben. Die neue evangelische Schule qualifizierte sich ab 1892 als Subventionsempfänger und bezog seither Zuschüsse in Höhe des Viertelsalärs eines Lehrers und ab 1913 eines zweiten.

Im September 1894 gründete Friedrich Braun in Stuttgart ein Lokalkomitee des Jerusalemsvereins, das besonders die Gemeinde Jaffa unterstützte. Dieses Stuttgarter Lokalkomitee des Jerusalemsvereins und die lutherische Evangelische Landeskirche in Württemberg bewilligten der Gemeinde Jaffa das Gehalt für einen evangelischen Pastor. Als Finanziers wollten sie einen württembergischen Pastor und entschieden sich für den Vikar Albert Eugen Schlaich aus Korntal, der am 10. März 1897 in Jaffa eintraf. Nachdem Schlaich sein Amt angetreten hatte, mietete die Gemeinde für ihre Gottesdienste die Kapelle der London Society for Promoting Christianity Amongst the Jews in Jaffa. Schlaich führte in der Gemeinde Jaffa die Agende der unierten altpreußischen Kirche ein, erweitert um liturgische Besonderheiten der lutherischen württembergischen Kirche. Im Jahr 1900 besuchten ca. 30–40 Kirchgänger regelmäßig die evangelischen Sonntagsgottesdienste in der Kapelle der Judenmission.Pfarrerbuch Württemberg: Schlaich, Albert Eugen

Von 1898 bis 1904 (Kirchenbau) Am 18. Juli 1898 übertrug der in Stuttgart lebende Missionar Metzler ein Grundstück in Jaffa in der damaligen Wilhelmstraße (heute Rechov Beer-Hofmann 15) der evangelischen Gemeinde, um darauf einen kombinierten Komplex aus Kirche, Gemeindehaus und Pastorat zu errichten. Ustinow zahlte Metzler zum Ausgleich 10.000 Franken, was zwei Drittel des geschätzten Grundstückspreises ausmachte. Ernst August Voigt, Architekt aus Haifa, legte im August 1898 seine Pläne für den Baukomplex vor.

Die Grundsteinlegung fand am 2. November 1898 statt. Daran nahmen Würdenträger aus Kultus und Kirche teil, die nach der Einweihung der Jerusalemer Erlöserkirche auf der Rückreise waren.Sämtliche Kirchenvertreter hatte Wilhelm II. am 30. Oktober 1898 zu einer Audienz in Bethlehem empfangen. Siehe Frank Foerster: Mission im Heiligen Land: Der Jerusalems-Verein zu Berlin 1852–1945 (= Missionswissenschaftliche Forschungen. Neue Serie, Band 25). Gütersloher Verlags-Haus Mohn, Gütersloh 1991, ISBN 3-579-00245-7, S. 108. Der Stuttgarter Hofprediger Braun hielt die Rede und spendete selbst 10.000 Mark (ℳ) für den Bau. Der Grundstein birgt eine Kassette mit der Stiftungsurkunde und Samen von Getreide und Gemüse, als Symbol der Fruchtbarkeit der Ebene Scharon.

Die anvisierten Baukosten von 30.000 ℳ erwiesen sich als viel zu niedrig, so dass der Jerusalemsverein einige Monate später sein Kofinanzierungszusage für das unseriös erscheinende Projekt zurückzog. Im Jahre 1899 erklärte Voigt, dass das Grundstück zu klein für den geplanten Baukomplex sei. Die Gemeinde kaufte daraufhin – nach Abstimmung mit Braun – von seinen gespendeten 10.000 ℳ das Heilpernsche Haus im heutigen Rechov Beer-Hofmann 9 zur Nutzung als Schule und Gemeindehaus, und die heutige Gemeinde nutzt es noch immer als solches.

Nach der Grundsteinlegung ruhten die Arbeiten. Der Jerusalemsverein zog sich als Sponsor wegen mangelnder Seriosität der Kostenplanung zunächst zurück. Er bot sich dann aber wieder als Baupartner an und beauftragte Ende 1901 den Architekten Paul Ferdinand Groth (1859–1955) mit einem Entwurf. Groth war Schüler Friedrich Adlers und hatte von 1893 bis 1898 nach Adlers Plänen die Erlöserkirche in Jerusalem erbaut.

hochkant|mini|Immanuelkirche: Ansicht von Westen, 2010 Der königlich württembergische Hofprediger Braun begann eine Spendenaktion. Die Eheleute Braun allein spendeten 25.000 ℳ. Die osmanischen Behörden erkannten im Jahre 1902 das Kirchengrundstück als religiöses Eigentum an, das von der Grundsteuer befreit war.

Auf Anforderung des Jerusalemsvereins lieferte Groth Anfang 1903 den Entwurf für einen günstigeren Bau. Mit der Bauaufsicht betraute der Verein den Architekten Benjamin Sandel, der auch die Bauarbeiten an der katholischen Dormitio-Basilika in Jerusalem leitete. Als eigentlichen Bauunternehmer verpflichtete der Verein den Templer Johannes Wennagel (1846–1927) aus Sarona. Am 11. Mai 1903 begannen die Ausschachtungen. Sie kamen jedoch nur langsam voran, weil Groths Baupläne erst im Februar 1904 komplett vorlagen. Groth verzichtete auf jedes Honorar.

mini|Immanuelkirche von Nor­den: Ansicht der Sandsteinfas­sa­de und des mit Marseiller Zie­geln gedeckten Dachs, 2009 Die Mauern der Kirche bestehen aus zweierlei Arten Naturstein, einem gelblich-grauen Sandstein aus der Umgebung von Jaffa und dem Meliki-Kalkstein aus den Bergen nahe Bir Nabalas (). Das Dach ist mit Dachziegeln aus Marseille gedeckt.

hochkant|mini|Blick durchs Hauptschiff zum westlichen Joch, 2009 Der in etwa geostete Kirchenraum schließt nach oben mit einem Kreuzgewölbe ab. Auf der Nordempore befindet sich die Orgel. Der Kirchturm, der auch das Treppenhaus birgt, bildet die westliche Begrenzung des nördlichen Kirchenschiffs und die Nordwand des westlichsten Joches des Langhauses.

Die Ausstattung stammte zumeist aus Deutschland. König Wilhelm II. von Württemberg und Königin Charlotte spendeten die Kirchturmuhr. In seiner Funktion als summus episcopus der Evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen Preußens stiftete König Wilhelm II. von Preußen (auch deutscher Kaiser) mit seiner Gattin Auguste Victoria die wichtigsten Glocke mit der Inschrift: „Gestiftet von S[einer ]M[ajestät] d[em ]K[aiser ]u[nd ]K[önig] Wilhelm II u. I[hrer ]M[ajestät] d[er ]K[aiserin ]u[nd ]K[önigin] Auguste Victoria 1904 / Zweifle nicht! .“

Der Evangelische Kirchenbauverein mit seiner Schirmherrin Auguste Victoria stiftete die kleinen Glocken. Auguste Victoria schenkte zudem die Altarbibel mit ihrer handschriftlichen Widmung des Verses aus dem Evangelium nach Matthäus : „Ja kommet ihr zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will Euch erquicken.“ Fräulein Neef aus Stuttgart finanzierte Altar und Kanzel, während Ustinow der Gemeinde ein großes Kruzifix aus Olivenholz verehrte. Die Gemeindemitglieder sammelten 4.050 Franken für eine Orgel der Fa. E. F. Walcker & Cie. in Ludwigsburg. Die farbigen Kirchenfenster waren ein Produkt der Fa. Müller in Quedlinburg. mini|Gedenktafel (1906) im Kirchraum: „Jhrem treuen Freunde, dem Stifter dieser Kirche, Dr. Fr. von Braun, Stadtdekan zu Stuttgart, der in Jerusalem am 31. Mai 1904 starb, bevor er diese Kir­che geweiht, haben zum ehren­den Andenken diese Tafel ge­setzt die deutschen evan­ge­li­schen Gemeinden des Orients.“ Die Einweihung der Immanuelkirche war für Pfingsten 1904 (22. Mai) geplant, wozu Hofprediger Braun als größter Einzelspender im Auftrag des Jerusalemsvereins aus Stuttgart anreiste. Gleich nach seiner Ankunft erkrankte er an Ruhr und starb am 31. Mai 1904 in Jerusalem. Er wurde auf dem Zionsfriedhof bestattet. Nach dem Tod Brauns wurde die Einweihung der Immanuelkirche auf Montag, den 6. Juni, verschoben und insgesamt nüchtern gehalten. Zugegen waren unter anderem Konsul Büge sowie Repräsentanten der evangelischen Nachbargemeinden und Templer. Am 6. Juni 1905 feierte Theodor Schneller für Braun einen Gedenkgottesdienst in der Immanuelkirche.

Von 1904 bis 1914 Im Jahr 1905 beschuldigte Schlaich den deutschen Vizekonsul in Jaffa, Eugen Büge (1859–1936), öffentlich des Fehlverhaltens. Das Auswärtige Amt versetzte Büge nach Aleppo. Doch das Auswärtige Amt forderte zugleich auch Schlaichs Versetzung, da es der Ansicht war, Schlaich habe den deutschen Ruf beschädigt. Auf Druck des altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrats (EOK) versetzte der Jerusalemsverein Schlaich von Jaffa nach Deutschland.