Winkels ist ein Gemeindeteil der Großen Kreisstadt Bad Kissingen im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen in Bayern. Die Gemarkung Winkels hat eine Fläche von 3,183 km². Sie ist in 1500 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2121,90 m² haben.

Geographische Lage Das Kirchdorf Winkels liegt am Ostrand von Bad Kissingen zwischen dem südlich von Winkels gelegenen Osterberg und dem nördlich gelegenen Sinnberg und dem Götzenberg (ebenfalls nördlich gelegen).

Winkels liegt an der Bundesstraße 287, die nach dem Winkelser Ortsausgang durch die Nachbargemeinde Nüdlingen führt und in die Bundesstraße 19 Richtung Münnerstadt mündet.

Geschichte Anfänge Die erste Erwähnung von Winkels, das bis zu seiner Eingemeindung nach Bad Kissingen am 1. Juli 1972 eine eigenständige Gemeinde war, datiert auf das Jahr 1247, als Hermann Graf von Henneberg den Ort dem Kloster Frauenroth überschrieb. Der ausgehandelte Preis von 24 Silberstücken lässt vermuten, dass Winckels damals eine kleine Ansiedlung war. Im Jahr 1804 berichtete das Hof- und Gütterbuch der Gemeinde, dass der Ort von Bad Kissingen im Lauf des 13. Jahrhunderts wegversetzt wurde; möglicherweise spielte dabei auch die Befestigung Kissingens mit Stadtmauern eine Rolle, um Kissingen im Kriegsfall freie Sicht und freies Schussfeld zu verschaffen.

Im Dritten Reich erforschten Anton Englert und Schulrat A. W. Nikola den Ursprung des Ortsnamens und vermuteten, dass der Gründer ein Adeliger war: „Der Gründer von Winkels, wahrscheinlich ein Adeliger, hieß Winki“.Edi Hahn: Bad Kissingen: Stadtteil Winkels 1247–1972, 725 Jahre Dorfgeschichte von EDI HAHN Sie sahen sich in ihrer Annahme in den Namensherleitungen der damaligen Dörfer und jetzigen Bad Kissinger Stadtteile Arnshausen (von Arn), Garitz (von Gaganhart), und Reiterswiesen (von Ritan) bestätigt. Der Heimatforscher Edi Hahn konnte jedoch keine Belege für die Existenz eines Adeligen namens Winki finden; seiner Meinung nach stammt der Name eher davon, dass sich die Ansiedlung der ersten Winkelser Häuser in einem Winkel nahe Kissingen befand. Edi Hahn sieht seinen Standpunkt in der nahezu gleich gebliebenen Schreibweise des Ortsnamens über die Jahrhunderte bestätigt: Winckels (1247; erste urkundliche Erwähnung), Winkels (1272 und 1351), Zum Winckels (1576), Wingelas (1609), Winkel (1611), Winckless (1700), Winkles und Winckhless (1716) und Winckels (1837).

Mittelalter Im Jahr 1247 überträgt den ihm lehenspflichtigen Ort „Winckels“ dem Kloster Frauenroth für 24 Silberstücke. In der UrkundeUrkunde Nr. 3881 StA Wü ist geregelt, dass er den Ort bei Rückzahlung der 24 Gulden zurückerhält. Die Höhe des Betrages lässt darauf schließen, dass es sich bei „Winckels“ eher um eine kleine Ansiedlung handelte. Vieles spricht dafür, dass der Ort zu der Zeit näher an Kissingen lag als heute.

Im Jahre 1308 litt Kissingen bei einem Konflikt zwischen Bischof Andreas von Gundelfingen und Berthold von Henneberg unter Zerstörungen; Winkels wurde möglicherweise ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Es folgte eine Neuansiedlung des Ortes, bei der die Kriterien Wasser, Ackerland und geschützte Lage eine Rolle spielten.

Im Jahr 1350 fiel ein Drittel der Winkelser Bevölkerung der Pestepidemie zum Opfer; bei einer weiteren Pestepidemie 1568 starben 67 von etwa 120 Winkelser Einwohnern.

Herzog Swantibor III. aus Pommern, dessen Gattin Anna im Jahr 1374 von ihren Eltern das Amt Kissingen mit Winkels geerbt hatte, verkaufte es 1394 an das Hochstift Würzburg. Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn erklärte 1588 Winkels zum Filialdorf der Pfarrei Kissingen; dies hat bis heute Bestand.

Im Jahr 1446 entstand an der heutigen Kapellenstraße mit der MarienkapelleDenis A. Chevalley, Stefan Gerlach: "Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998Franz Warmuth: 100 Jahre Herz Jesu Pfarrei Bad Kissingen – Beitrag zur Geschichte der Pfarrei Bad Kissingen. Bad Kissingen 1984Gerhard Wulz: Der Kapellenfriedhof in Bad Kissingen. Ein Führer mit Kurzbiographien. 2. erweiterte und überarbeitete Ausgabe. Stadt Bad Kissingen, Bad Kissingen 2019, ISBN 978-3-934912-24-3. eine Kirche zwischen Winkels und Kissingen, die von den Einwohnern von Winkels bis zur Einweihung einer eigenen Winkelser Kirche am 25. April 1937 als Gotteshaus genutzt wurde.

Winkels zu Beginn der Neuzeit mini|200px|Bildstock Vor Holzweg Nr. 3

Aus dem Jahr 1661 datiert eine Marter am Winkelser Ortsrand, „wo der Kissinger Pfarrer [laut Heimatforscher Josef wabra bei Beerdigungen von Winkelser Einwohnern] den Trauerzug übernahm“Josef Wabra: Kleiner Kunstführer durch den Landkreis Bad Kissingen, 1972, S. 56 Einen eigenen Friedhof bekam Winkels erst im Jahre 1848.

Während um 1800 viele Dörfer der Umgebung von den einfallenden Franzosen unter General Jean-Baptiste Jourdan verwüstet und die Bauern gezwungen wurden, die Eindringlinge mit Nahrung zu versorgen, blieb Winkels, möglicherweise wegen seiner versteckten Lage, verschont.

Im Jahr 1802 verzeichnete Winkels 37 Häuser und 128 Einwohner und war nach dem Geographischen Statistisch-Topographischen Lexikon von Franken ein „würzburgisches Dörfchen im Amte Kissingen“.

Bayerisches Königreich Im Jahr 1833 wurde der Beschluss zum Bau einer Schule in Winkels gefasst; der Kostenvoranschlag lautete auf 1599,33 Gulden.

Um der Winkelser Gemeinde Belastungen durch Armenversorgung zu ersparen, sollten am 21. August 1845 erlassene Bestimmungen sicherstellen, dass jeder, der nach Winkels zog, sich selbst versorgen konne.

In das Jahr 1848 fällt die Anlage des Winkelser Friedhofes.S. 29/> Die dort befindliche Kreuzigungsgruppe ist jedoch nicht, wie bisher angenommen, um 1900 entstanden, sondern wurde nach den Erkenntnissen von Kreisheimatpfleger Werner Eberth bereits 1878 von Bildhauer Valentin Weidner gefertigt. Ein im Juli 2012 aufgetauchtes Inserat der Gemeinde Winkels weist die Urheberschaft Valentin Weidners aus, die von Eberth auf Grund des Stiles der Kreuzigungsgruppe bereits vermutet worden war, aber durch das Fehlen einer Signatur als unsicher galt.„Valentin-Weidner-Werk entdeckt“ – „Saale-Zeitung“-Artikel vom 22. Juli 2012

mini|200px|Die „Schlacht bei Kissingen“ auf einer zeitgenössischen Postkarte

Im Deutschen Krieg von 1866 marschierten im Rahmen der Schlacht bei Kissingen preußische Truppen durch Kissingen über den Kissinger Kapellenfriedhof in Richtung Winkels.Werner Eberth: Der Deutsche Krieg von 1866 im Landkreis Bad Kissingen. Theresienbrunnen-Verlag, Bad Kissingen 2016, In Winkels formierten sich die Truppen der Generäle von Feder, von Schuhmacher, Ludwig von der Tann-Rathsamhausen und Oskar von Zoller zur Abwehr des preußischen Angriffs.

Nach dem Krieg besuchte die bayerische Königin Marie Friederike von Preußen am 22. September 1866 die Lazarette und Kriegsschauplätze in Kissingen und zeigte sich als Nichte des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. sowie Cousine der Brüder und Könige Friedrich Wilhelm IV. und Wilhelm I. gleichermaßen betroffen vom Schicksal der preußischen Opfer.Elisabeth Keller: Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen, Band 1, Eigenverlag des Landkreises Bad Kissingen, 1978Werner Eberth: Michael Arnold – Ein Bildhauer des Spätklassizismus, Theresienbrunnen-Verlag Bad Kissingen, 2001 Im Winter 1866 reiste König Ludwig II. durch das kriegsgeschädigte Bayern; eine Medaille mit dem Porträt des Königs auf der Vorderseite und der Gravur Winkels auf der Rückseite erinnert daran, dass er auch Station in Winkels machte.

Viele Gräber der insgesamt etwa 100 Opfer auf beiden Seiten erinnern auf dem Sinnberg, dem Osterberg und der Winterleite an die Kämpfe, denen General von Zoller, Major Graf Ysenburg und der Kommandeur des Füselier-Bataillons, Major August Rohdewald, zum Opfer fielen; zu ihren Ehren wurden die Statue der trauernden Germania in der Kapellenstraße, Denkmäler an der Ysenburg-Promenade und im Kapellenfriedhof sowie – initiiert von Königin Marie Friederike – der Zoller-Gedenkstein in der Münnerstädter Straße errichtet.

mini|200px|Lourdes-Grotte

Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 starben auf dem Schlachtfeld mit Josef Beck und Josef Pflöschner zwei Männer aus Winkels. Von den Geldzahlungen, die Kaiser Wilhelm I. im Rahmen des Kaiserbriefes an Bayern leistete, profitierte Winkels nicht.

Im Oktober 1880 bildete sich in Winkels eine Freiwillige Feuerwehr. Ihren ersten Einsatz hatte sie am 5. Februar 1882, als das Stadthaus, die heutige Staatliche Berufsschule, in Brand geriet.

Am 21. Juli 1908 wurde der Turnverein Vater Jahn gegründet; seine Aktivitäten kamen 1936 durch die Nationalsozialisten für zehn Jahre zum Erliegen.

Im Jahr 1909 entstand an der Straße zwischen dem Winkelser Friedhof und der später (im Jahr 1937) errichteten St.-Bonifatius-Kirche eine vom Ehepaar Lorenz und Maria Zwirlein gestiftete Lourdes-Grotte. Am 19. März 1908 (Josefstag) hatte sich Lorenz Zwirlein das Bein gebrochen und gemeinsam mit seiner Ehefrau gelobt, im Falle seiner Genesung bis zur Frühlingsaussaat auf seinem Grundstück eine Lourdes-Grotte zu stiften. Später übernahmen Hermann und Reinhilde Zwirlein, die Kinder des Stifter-Ehepaares, die Pflege der Grotte.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik Laut der 1933 erstellten Ehren-Chronik der Gemeinde für den Ersten Weltkrieg starben auf dem Schlachtfeld 14 Männer aus Winkels; 28-mal wurde das EK II verliehen.

Laut einem Rundschreiben vom 24. November 1922 machte „die unaufhaltsam fortschreitende Teuerung es notwendig [...], für die Rentenempfänger der Invaliden- und Angestelltenversicherung außerordentliche Notstandsmaßnahmen zu treffen“. Da im Lauf der Jahre die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde nicht ausreichten, um den Anträgen um Wohlfahrtsunterstützung gerecht zu werden, baten im Jahr 1932 die Antragsteller den Geistlichen Rat Albert Susann aus Bad Kissingen um Hilfe; doch auch dessen Möglichkeiten waren begrenzt.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg mini|200px|Die St.–Bonifatius-Kirche mini|200px|Denkmal für die Opfer beider Weltkriege

In Auswirkung der Ermächtigungsgesetze wurde am 24. März 1933 der aus Bad Kissingen stammende und in Winkels wohnhafte jüdische Textilkaufmann Julius Neumann wegen marxistischer und kommunistischer Umtriebe inhaftiert. Trotz erwiesener Unschuld wurde er am 24. September 1940 erneut verhaftet, zu Kanalreinigung und Straßenkehren verurteilt; seine Spinnstoffwaren wurden beschlagnahmt. Am 24. April 1942 wurde Neumann mit anderen jüdischen Bürgern Bad Kissingens nach Würzburg und später im dritten Deportationszug der Würzburger Gestapo ins Ghetto Izbica bei Lublin deportiert. Am 30. Juni 1942 wurde beim Amtsgericht Bad Kissingen in den Bad Kissinger Einwohnermeldeakten sein Sterbedatum selben Datums vermerkt.

Im September 1934 errichtete das Bezirksamt Kissingen in Winkels eine Poststelle, die an das Fernsprechnetz angeschlossen wurde; zugleich sollte eine Landkraftpostverbindung eröffnet werden.

Ab 1. Januar 1936 durften keine arischen Frauen unter 45 Jahren bei jüdischen Arbeitgebern beschäftigt werden; durch dieses Verbot verloren auch viele junge Frauen aus Winkels ihre Arbeit. Die Kriegsvorbereitungen erreichten Winkels, als am 31. März 1939 die Winkelser Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1906 und 1907 gemustert wurden. Anfang 1940 begann der Erlass von Bestimmungen zu Regulierung des Konsums von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern in Winkels.

Am 12. Dezember 1937 wird nach Gründung eines Kirchenbauvereins im Jahr 1935 sowie nach zweijähriger Bauzeit die St.–Bonifatius–Kirche eingeweiht.