Vergiftet oder arbeitslos? ist ein deutscher Fernsehfilm von Bernward Wember für das ZDF 1982. Der Regisseur bewies am Beispiel des Konfliktes Ökologie-Ökonomie die Anwendung seiner Theorie zur nachhaltigen Information und Aufklärung komplexer Zusammenhänge mit inszenatorischen Mitteln. Wembers Film ist parteiisch und provoziert die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen angestrebte Ausgewogenheit innerhalb einer einzelnen Sendung. Vielmehr hinterfragt der Medienwissenschaftler diesen Anspruch und weist auf die Verpflichtung der Programmanbieter zur Binnenpluralität insgesamt hin.

Handlung Am Beispiel des Einsatzes von Chemie in der Landwirtschaft wird der Zusammenhang zwischen Industrie und Umweltzerstörung thematisiert. In seinem Standpunktfilm versucht der Regisseur Bernward Wember, komplexe Zusammenhänge auf einen Nenner zu bringen: Die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln führe zum Kollaps des ökologischen Gleichgewichts. Verdeutlicht wird diese Aussage mit Hilfe besonderer Stilmittel und durch eine kontrovers geführte Diskussion zwischen Vater und Tochter, Bauer und Chemiemanager. Ein kritischer, Partei ergreifender (Fernseh-)Film, der auf unkonventionelle Weise das Verhältnis von Chemie-Industrie und Landwirtschaft mediendidaktisch aufbereitet und dabei Missstände und unkontrollierbare Eingriffe in den Naturkreislauf aufdeckt. Er wurde zum Politikum, als im Fernsehen lediglich eine stark gekürzte Fassung ausgestrahlt wurde. (Medienzentrum Hessen)

Hintergrund Der Filmtitel spricht das Dilemma an: es geht um den Interessenskonflikt von chemischer Industrie und ökologischer Landwirtschaft. Revolutionär ist die Machart des Films: Bernward Wember, Professor an der Hochschule der Künste in Berlin bis 2000, brachte in die Umsetzung des Themas konsequent seine Theorie zur Informationsvermittlung im audio-visuellen Medium ein. Maßgeblich dafür waren seine in den 1970er Jahren gewonnenen Erkenntnisse aus vorausgegangenen Analysen, u. a.: Objektiver Dokumentarfilm? (1972) und Wie informiert das Fernsehen? Ein Indizienbeweis (1975). Analog verzichtete Wember auf Bild-Text-Scheren oder kurzzeitig wirksame Effekte wie audio-visuelle Durchlauferhitzer. Um das komplexe, ursprünglich vom ZDF vorgeschlagene Thema: Ökologie-Ökonomie nachhaltig zu vermitteln, setzte Wember neben Realfilmszenen auf Grafiken, tricktechnische Mittel und vereinfachende Modellbauten. Zudem inszenierte er Spiel- und Dialogpassagen und ließ Gustl Bayrhammer die Rolle eines kritischen Umweltschützers einnehmen; stellvertretend für den Autor und mit deutlich benannter Position.

Filmkritiker warfen dem Film Langatmigkeit und Emotionen reduzierende Didaktik vor. Gleichwohl enthielt Wembers Film ein hohes Maß an Qualität zur Aufklärung: im Falle einer TV-Ausstrahlung bzw. der anschließend weiteren Verwertung der ursprünglichen Filmfassung drohte die chemische Industrie, konkret BASF, Bayer AG, Hoechst AG, sowohl dem ZDF als auch dem Regisseur mit rechtlichen Schritten.

Schließlich wurde Vergiftet oder arbeitslos? als 60 Min. Kurzfassung am 21. Juli 1982, zudem an einigen Stellen von einer begleitenden Diskussionsrunde unterbrochen, im ZDF ausgestrahlt. Nach mehrjähriger Verhandlung, belegt mit Verpflichtungen zu Streichungen im Kommentar, einem besonderen Vorwort, wurde er als 97 Min. Langfassung von Atlas-Film + AV, Duisburg verliehen.

Kritiken

Auszeichnungen Deutscher Kritikerpreis 1982, Kategorie Fernsehen

Veröffentlichungen (Auswahl) Vergiftet oder arbeitslos? Ein Sachbilderbuch zum Streit zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen, Der Fall: ZDF – Wember – Chemie. Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1983, ISBN 3-8218-1707-0. Vergiftet oder arbeitslos? Medienzentrum Hessen

Weblinks Surf-Inn, Bernward Wembers Analyse Der Spiegel 32-1982, Chemische Keule

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1982 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Fernsehfilm (ZDF) Kategorie:Dokumentarfilm Kategorie:Ökologie im Film Kategorie:Landwirtschaft im Film Kategorie:Wirtschaftskritischer Film