Der Tisch-Tennis Club "Blau-Gold" Berlin e.V. ist ein Traditionsverein aus Berlin-Wedding, der sich ausschließlich dem Tischtennissport widmet. Seine Damenmannschaft gehörte in den 1950er-Jahren zu den besten Teams in Deutschland. Sie wurden sechsmal deutscher Vizemeister, fünfmal norddeutscher Meister und elfmal Berliner Meister. Außerdem holten sie dreimal den Berliner Verbandspokal.
Heute dagegen spielen die Herrenmannschaften des Vereins in den oberen Klassen Berlins und die erste Mannschaft spielte sogar vier Jahre lang in der Verbandsoberliga Ost (2017/18, 2019/20, 2020/21 und 2021/22). In der Saison 2024/25 sind eine Damenmannschaft, sieben Herrenmannschaften, vier Seniorenmannschaften und vier Jugendmannschaften gemeldet.
Der Verein wurde für seine Jugendarbeit mehrfach gewürdigt. 2009 nahm die Mädchenmannschaft an der deutschen Meisterschaft in Neuenstein (Baden-Württemberg) teil.Bayern tischtennis online 2009/26 S. 13
Geschichte Der Verein hat nichts zu tun mit dem schon seit 1921 unter dem Namen TC Blau-Gold 1921 agierenden Verein, der in den 1930er-Jahren große Turniere organisierte.Axel Korsch und Friedrich-Karl Brauns: 75 Jahre Berliner Tischtennisverband e.V. - Chronik 1927 - 2002, 2002, hrsg. vom Berliner Tischtennisverband e.V., Berlin, S. 12
Der TTC Blau-Gold Berlin wurde am 1. April 1949 in West-Berlin vom Ehepaar Erwin Beyer (1905–1964) und Fridel Beyer (1909–1977), Heinz Herbst (1918–1994)70. Geburtstag von Heinz Herbst, in: Der Nord-Berliner vom 5. Mai 1988Rainer Stelle: Durch Tischtennis jung geblieben [zum 75. Geburtstag von Heinz Herbst], in: 20 BEIDE, Amtliches Organ des Berliner Tisch-Tennis Verbandes, Nr. 4/1993, S. 4, Ernst Buchholz (1921–2000) und Fräulein Pohl gegründet.BTTV-JUB75 Seite 52 Er entstand aus den großen Teilen der kommunalen Sportgruppe Prenzlauer Berg (der wiederum viele Spieler der alten Berliner Vorkriegsvereine TTC Tivoli Heiligensee und TSV Wittenau angehörten), die nicht gewillt waren, sich dem Deutschen Sportausschuss, dem damaligen Dachverband der Sowjetischen Besatzungszone, unterzuordnen. Blau-Gold bestand anfangs aus 35 Mitgliedern, vorwiegend aus dem Wedding, aus Mitte, Prenzlauer Berg und Pankow. 1950 wechselten noch etliche Mitglieder der SG Nordring zu Blau-Gold.Rainer Stelle: Der Werdegang des Tisch-Tennis Club "Blau-Gold" Berlin, in: 20 BEIDE, Amtliches Organ des Berliner Tisch-Tennis Verbandes, Nr. 12/1981, S. 10–14
Die erste Spielstätte des neu gegründeten Vereins war die Sporthalle in der Plantagenstraße 16-17, schon 1950 zog man in die Sporthalle Müllerstraße 158 (Ecke Triftstraße) und 1964 in die neu erbaute Sporthalle Schöningstraße 6.
Damen Gleich in der ersten Saison wurde die 1. Damenmannschaft Gesamtberliner Mannschaftsmeister. Im folgenden Jahrzehnt spielte sie im deutschen Tischtennissport eine gute Rolle, gewann jedoch nie gegen die Konkurrenz von Eintracht Frankfurt und TTC Rot-Weiß Hamburg den Titel des deutschen Meisters. Zwölfmal erreichte sie die Endrunde, sechsmal wurde sie Zweiter.
Saison Spielort Rangfolge Aufstellung der 1. Damenmannschaft 1949/50 Wuppertal 1. TSV Union Wuppertal2. Blau-Gold Uschi von Puttkamer, Erika Richter, Friedel Hundertmark, Gerda Gaul (1929–1994), Fridel Beyer, Gerda Gülzer 1950/51 Eisenach 1. MTV München von 18792. Eintracht Frankfurt3. Blau-GoldIn [DTTB-JUB75] steht auf Seite 148 fälschlicherweise Gold-Weiß Berlin Uschi von Puttkamer, Erika Richter, Anita Haacke, Gerda Gülzer, Fridel Beyer, Friedel Hundertmark, Gerda Gaul 1951/52 Leipzig 1. Eintracht Frankfurt2. Blau-Gold Uschi von Puttkamer, Anita Haacke, Erika Richter, Fridel Beyer, Christel Buske, Gerda Gaul, Friedel Hundertmark 1952/53 Wuppertal 1. Eintracht Frankfurt2. Blau-Gold Uschi von Puttkamer, Anita Haacke, Barbara Kendelbacher, Fridel Beyer, Christel Buske, Erika Richter, Friedel Hundertmark - Ausführlicher Bericht über die Mannschaftsmeisterschaft in Zeitschrift DTS, 1953/9 Ausgabe West-Süd 1953/54 Eisenach 1. TTC Rot-Weiß Hamburg2. Eintracht Frankfurt3. Blau-Gold Uschi von Puttkamer, Anita Haacke, Barbara Kendelbacher, Christel Buske, Roswitha Ciesielski, Erika Richter, Fridel BeyerZeitschrift DTS, 1954/11 S. 1–2 1954/55 Weinheim 1. TTC Rot-Weiß Hamburg2. Eintracht Frankfurt3. Blau-Gold Erika Richter, Fridel Beyer, Uschi Geuenich, Anita Haacke, Gerda Gaul, Roswitha Ciesielski, Christel BuskeZeitschrift DTS, 1955/10 S. 1–2 1955/56 Hamburg 1. Eintracht Frankfurt2. Blau-Gold Christel Buske, Edeltraud Felgendreher, Anita Haacke, Lisa Meier, Roswitha Ciesielski, Friedel HundertmarkTischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2006/10 S. 9 1956/57 Radolfzell 1. Eintracht Frankfurt2. Blau-Gold Anita Haacke, Lisa Meier, Uschi Geuenich, Ursula Koch, Ursula Mehrforth, Edeltraud FelgendreherTischtennis Magazin, Offizielles Organ des Tischtennis-Verbandes Niedersachsen 2007/3 S. 16 1957/58 Neuwied 1. Eintracht Frankfurt2. DTC Kaiserberg3. Blau-Gold Anita Haacke, Lisa Meier, Uschi Geuenich, Ursula Koch, Edeltraud Felgendreher, Ursula MehrforthZeitschrift DTS, 1958/10 S. 1–2 1958/59 Bietigheim 1. Eintracht Frankfurt2. DTC Kaiserberg3. MTV München 18794. Blau-Gold Anita Haacke, Lisa Meier, Uschi Geuenich, Ursula Koch, Gisela Koch, Edeltraud Felgendreher, Ursula MehrforthZeitschrift DTS, 1959/11 S. 3–4 1959/60 Kiel 1. TK Hannover2. Blau-Gold Anita Haacke, Lisa Meier, Ursula Koch, Brigitte Wolf, Uschi Geuenich, Edeltraud Felgendreher, Ursula MehrforthZeitschrift DTS, 1960/10 S. 1–3 1965/66 Kiel 1. DSC Kaiserberg2. Kieler TTK Grün-Weiß3. Blau-Gold Anita Haacke, Edith Steinke, Oda Baucke, Jutta KrügerZeitschrift DTS, 1966/11 Ausgabe Süd-West S. 3 (siehe auch Tischtennissaison 1965/66#Damen Abschlusstabellen)
In den Jahren, als es nicht zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften reichte, sind als Neuzugänge noch Brigitte Stritzel, Irmgard Witek, Gisela Bartels und Gabriele Eisermann hervorzuheben. 1966/67 verpasste Blau-Gold mit Platz drei in der Oberliga die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. 1967 verließ Jutta Trapp den Verein. In den folgenden Jahren belegte Blau-Gold die Oberligaplätze 7 und 8, um in der Saison 1969/70 als Tabellenletzter abzusteigen. Als Gründungsmitglied der Oberliga Nord und elfjähriger Zugehörigkeit konnte man aber zurückblickend Stolz auf die Bilanz sein. Mit ihrer Spitzenspielerin Anita Brauns sowie Lisa Meier, Gabriele Konieczka, Bärbel Sandmann, Hannelore Soyez, Beatrice Beran, Doris Kindlmann, Hannelore Martin, Monika Korte, Ines Reißaus, Carola Geisler, Sabine Ernst, Heike Falk-Müller (1963–2019) und Marina Gvoic konnte sich die Mannschaft die nächsten 31 Jahre stets in der höchsten Berliner Spielklasse halten – bis auf die Jahre 1980 bis 1983, als sie in der Stadtliga spieltenFra: Tischtennis - Weddinger Damen verloren, in: Lokal Anzeiger Wedding vom 16. März 1994. In der Saison 1987/88 schafften sie in der Aufstellung Anita Brauns, Carola Geisler, Sabine Ernst, Gabriele Konieczka, Hannelore Soyez sogar den Aufstieg in die neu gegründete Oberliga Berlin/Hamburg/Schleswig-Holstein, in der sie sich aber nur ein Jahr halten konnten. Ab der Saison 2001/02 spielte die 1. Damen in der Bezirksliga – und zwar bis zur Saison 2015/16. Danach waren nicht mehr genügend Damen zusammenzutrommeln, um eine Mannschaft aufzustellen. Eine lange Tradition ging damit vorerst zu Ende. Erst zur Saison 2024/25 konnte wieder eine starke Damenmannschaft gemeldet werden, die in der Bezirksliga starten darf.
Bei Deutschen Einzelmeisterschaften errang Uschi von Puttkamer 1950 den Titel im Doppel mit Erika Richter, die im selben Jahre Vizemeisterin im Einzel wurde. 1952 holte sich Uschi von Puttkamer die Vizemeisterschaft im Einzel und im Doppel mit Anita Haacke; im selben Jahr wurde Erika Richter dritte im Mixed an der Seite von Götz Meschede (BTTC Grün-Weiß Berlin). 1959 gewann Anita Haacke an der Seite von Anton Breumair (Polizei SV Augsburg) den 3. Platz im Mixed. 1960 erreichte Anita Haacke erneut den 2. Platz im Doppel – diesmal an der Seite von Edith Lersow (BTTC Grün-Weiß Berlin). 1965 schaffte Jutta Krüger gemeinsam mit Doppelpartnerin Edith Lersow (BTTC Grün-Weiß Berlin) den Sprung aufs oberste Podest. Im selben Jahr errangen Anita Haacke und Edith Steinke den 3. Platz im Doppel. Jeweils den 3. Platz im Einzel erkämpfte sich Jutta Krüger 1966 und 1967Zeitschrift DTS, 1967/3 S. 3: Deutsche Meisterschaften. Jutta begeisterte die Berliner..
Bei Norddeutschen Einzelmeisterschaften holte Anita Haacke zweimal den Doppeltitel: 1961 mit Edith Lersow (BTTC Grün-Weiß Berlin) und 1963 mit Edith Steinke. 1963 errang Edith Steinke an der Seite von Ernst Gomalla (MTV Salzgitter) den Mixedtitel. Oda Baucke setzte sich 1964 – ebenfalls mit Edith Lersow (BTTC Grün-Weiß Berlin) an die Spitze und 1965 errang Jutta Krüger – wieder an der Seite von Edith Lersow (BTTC Grün-Weiß Berlin) – den Doppeltitel.
Bei Berliner Einzelmeisterschaften errang Uschi von Puttkamer 1949–53 fünfmal die Meisterschaft im Einzel und im Doppel in Folge, 1951 und 1953 auch im Mixed. Anita Haacke gewann zehnmal den Doppeltitel im Zeitraum 1951 bis 1967 – mit sechs verschiedenen Partnerinnen; gleichzeitig wurde sie achtmal Vizemeisterin im Einzel. Im Mixed mit Wolfgang Lux (TeBe) durfte sie 1968 aufs oberste Treppchen klettern. Edith Steinke holte dreimal (1962, 1963, 1965) mit Manfred Konieczka (TeBe) den Mixedtitel. 1966 gewann Jutta Krüger ihren ersten Einzeltitel und auch im Doppel mit Oda Baucke. Ranglistensiege gab es 1956 und 1958 für Anita Haacke, 1964 zweimal für Oda Baucke und 1966 für Jutta Krüger.Axel Korsch: 1927-1977 Festschrift BTTV 50. Eine Chronik des Berliner Tisch-Tennis Verbandes. Berlin 1977, S. 53–58 Bei den Berliner Juniorenmeisterschaften siegte Jutta Krüger 1966 und 1967 im Einzel und im Doppel (1966 mit Marianne Kerwat vom TSC Berlin-Neukölln und 1967 mit Hannelore Rückert), 1966 auch im Mixed mit Eue (BFC Meteor 06).
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