mini|300px|Königsberger Senioren-Convent (1894–1935)
Der Königsberger Senioren-Convent war der Zusammenschluss der Corps an der Albertus-Universität Königsberg. Die Zusammensetzung des Senioren-Convents wechselte und blieb erst ab 1894 unverändert. Die Corpslandsmannschaften verließen in den 1820er Jahren die Allgemeine Burschenschaft.Im Kösener SC-Kalender von 1920 sind für alle deutschen Universitäten nur zwei Corpslandsmannschaften aufgeführt: Littuania und Masovia. Sie nahmen eine Corpsverfassung an und wurden „Landsmannschaften mit Corps“. Die Masuren nannten sich ab 1855 nur noch „Corps“. Die Silberlitthauer und die Balten taten es ihnen ab dem Wintersemester 1861/62 nach. Der Königsberger SC blieb auch im Kaiserreich und im Freistaat Preußen bis 1935 die maßgebliche Vertretung der Königsberger Studentenschaft.
Zusammensetzung der Senioren-Convente 1835–1840: Littuania, Masovia, Baltia I, Borussia, Normannia I und Scotia. Ausscheiden Borussia am 26. Februar 1839. Am 15. Januar 1840 Sprengung des SC durch Streit zwischen Masovia und Littuania. 1841–1847: Littuania, Masovia, Normannia I und Scotia. Im Februar 1846 SC-Spaltung in Masovia/Scotia und Normannia I. Ausscheiden Littuania. Im Wintersemester 1846/47 Wiedervereinigung mit Masovia, Normannia und Scotia. Nach der Auflösung von Normannia und Scotia im WS 1847/48 besteht der SC nicht mehr. 1848–1850: Masovia und Silber-Litthuania 1851–1853: Masovia, Silber-Litthuania und Baltia II. Auflösung durch Streit zwischen Masuren und Litthauern. 1855–1868: Masovia, Silber-Litthuania und Baltia II. WS 1861/62 Spaltung des SC in Litthuania/Baltia und Masovia. 1865 Wiedervereinigung des SC. Auflösung im SS 1868. Masovia 1868/69 vom oKC dimittiert. 1873: Masovia, Baltia II und Normannia II 1876: Baltia II, Normannia II und Hansea 1880: Baltia II, Normannia II, Hansea und Masovia 1882: Normannia II vorübergehend allein im SC 1889: Masovia, Baltia II und Hansea 1894: Masovia, Baltia II, Hansea und Littuania
Geschichte
An der Albertus-Universität waren die Collegia nationalia bis 1744 erloschen. Zu ihnen hatten die Korporationen des 19. Jahrhunderts keine Beziehung.Paul Rhode: Das akademische Verbindungswesen an der Albertina, Vorwort Vielmehr war die Königsberger Studentenschaft nach den Befreiungskriegen noch beseelt von Deutschlands Einheit und Freiheit, zu der sie in der Ostpreußischen Landwehr wesentlich beigetragen hatte. Die 300 (nur männlichen) Studenten der Albertina bildeten eine Allgemeine Burschenschaft (AB). Sie empfanden sich als eine Gruppe besonderer Art, zumal das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten jede „dauernde Gesellschaft“ obrigkeitlicher Genehmigung unterwarf und die Studentenorden und die (alten) Landsmannschaften verbot. Vereine innerhalb der AB bildeten sich deshalb als wissenschaftliche Zirkel (Akademische Muße, Euphemia) oder landsmannschaftliche Kränzchen. In ihrer regionalen und geistigen Offenheit waren die Kränzchen Vorläufer der Corps.
Burschenschaft In dieses beschauliche Dasein fuhren das Wartburgfest und die politischen Forderungen der Jenaer Urburschenschaft wie ein Blitz. Auch in Königsberg entstand eine Gruppe der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft (ADB). Sie nahm die Farben Schwarz-Rot-Gold an, lebte jedoch wie die Landsmannschaften alsbald im Untergrund; denn nach der Bücherverbrennung auf der Wartburg hatte die Krone Preußen durch den Kultusminister Karl vom Stein zum Altenstein am 7. Dezember 1817 alle studentischen Verbindungen verboten. Jetzt zeigte die AB die Farben Schwarz-Rot-Weiß.S. Schindelmeiser: Der Königsberger Senioren-Convent bis zum Jahre 1848. Deutsche Corpszeitung 1978 (Heft 1). Am Wartburgfest von 1817 hatte aus Königsberg noch niemand teilgenommen; aber schon im März 1818 reisten die Stifter und Senioren der Königsberger Burschenschaft, Johann Friedrich Dieffenbach und Ludwig Lucas, zum Burschentag nach Jena. Auch auf dem zweiten Burschentag im Oktober 1818 war Königsberg durch Abgesandte vertreten.
1817 hatten zwei ältere Burschen (Lubecius und Sawatzki) die silberne Albertusnadel gestiftet, die bald als Erkennungs- und Ehrenzeichen aller Königsberger Studenten galt. Gemeinsame Bälle und Konzerte, Fackelzüge, Akademische Leichenbegängnisse, Vivats und Comitate kennzeichneten ebenfalls das Gemeinschaftsgefühl. Besondere Bedeutung hatten die Feste auf dem Galtgarben zur Erinnerung an die Schlacht bei Belle-Alliance.
1819 fanden die studentischen Einheitsbestrebungen ein schnelles Ende. Die Ermordung August von Kotzebues durch Karl Ludwig Sand brachte Verfolgungen der Burschenschaft und die Karlsbader Beschlüsse. Alle Universitäten wurden ihrer Akademischen Freiheit beraubt. In Königsberg hatten Theodor von Baumann und Christian Friedrich Reusch den Senat und die Studentenschaft zu überwachen und über alle politisch verfänglichen Angelegenheiten nach Berlin zu berichten. Die „gefährliche Burschenschaft“ wurde sofort aufgelöst, alle sonstigen Verbindungen – von denen natürlich nichts bekannt ist – verboten. Die Senioren und die Farben der deutschen Einheit schwarz-rot-gold verschwanden. In jedem Semester mussten alle Neuimmatrikulierten einen Revers unterschreiben, niemals einer unerlaubten Verbindung beizutreten.
Erste Verbindungen mini|Wappen der (zweiten) Königsberger Burschenschaft, aus der sich Mitte 1833 die Corpslandsmannschaft Baltia abspaltete
Königsberg i. Pr. lag weit außerhalb des Deutschen Bundes und ließ ein ganz eigenständiges Verbindungsleben entstehen. Nach einem amtlichen Bericht waren die ersten „Parteien“ innerhalb der AB eine Littuania (I) und eine Pomesania, benannt nach dem altpreußischen Pomesanien. Beide tauchten 1820 auf, hatten eine Constitution und fanden sich als der „gebildetere Teil der Studierenden zusammen behufs des geselligen Verkehrs in einem engeren Ausschuss der AB“. Littuania hob sich 1821 als Landsmannschaft auf und bestand als Kränzchen (Littuania II) bis 1825 weiter. Pomesanias erste Senioren waren v. Hanstein, v. Vietinghoff, Siegfried, Bock, Laudien und Benetsch. Pomesania wurde am 18. Juni 1822 während des Galtgarbenfestes von der Polizei gestellt und deshalb 1823 aufgelöst. Ihre Mitglieder trugen unter dem Rock die Farben Rot-Blau-Weiß.
Allgemeinheit In Königsberg blieb die sog. Allgemeinheit mit dem Allgemeinen Burschenbrauch bestehen. Die allgemeinen Burschenversammlungen wurden im Collegium Albertinum ungehindert abgehalten.E. Loch: Geschichte des Corps Masovia 1830–1930. Um die neuen Verbindungen auf politische Umtriebe zu überprüfen, nahm der Senat eine Anzeige wegen einiger Ruhestörungen zum Anlass, die Senioren der Landsmannschaften und die Vertreter der „Allgemeinen“ vorzuladen. Am 20. November 1829 wurde durch den Universitätsrichter eine Niederschrift aufgenommen: „Es ist nicht nur durch die auffallende Bekleidung mehrerer Studierender mit gleichfarbigen und gleich abgezeichneten Mützen, als himmelblau mit weiß und rot und gold usw. der begründete Verdacht entstanden, daß diese Kopfbedeckung als äußeres Abzeichen verschiedener Verbindungen getragen werde, sondern auch durch verschiedene Gerüchte dem Unterschriebenen bekannt geworden, daß hier folgende Verbindungen stattfinden.“
Nach der Niederschrift wurden festgestellt 1. die Burschenschaft mit Mützen „von schwarz-weiß-roter“ Farbe, 2. die Borussia mit Mützen „von schwarz und weiß“, 3. die Masuren mit Mützen „von rot-weiß und blau“, 4. die Pappenheimer und Litauer mit Mützen von „weiß, schwarz und blau“, 5. die Teutonen mit Mützen „von himmelblau, rot und gold“.
In diesem Protokoll fehlt Scotia.
Landsmannschaftlicher Senioren-Convent Als diese landsmannschaftlichen Studentenvereinigungen sich nicht mehr der Gewalt der AB unterwerfen wollten, bildeten sie als gemeinschaftlichen Ausschuss einen Senioren-Convent (S.C.). Dieser machte es sich zur Aufgabe, „über den allgemeinen Geist auf der Albertina zu wachen und auf Erhaltung der Burschenehre nach innen und außen zu wirken.“ Er sah es auch als sein Vorrecht an, die allgemeinen Studentenversammlungen einzuberufen, wenn etwas unter Beteiligung aller unternommen werden sollte.S. Schindelmeiser (2010)
Lithuania 60px|links
Am 19. Dezember 1828 von Gustav von Saltzwedel gestiftet, nahm Littuania IV am 6. Dezember 1836 die Corpsverfassung an. Littuania zerbrach 1848 in eine größere Landsmannschaft und ein kleineres Corps. Die Silber-Litthauer waren den Balten eng verbunden. Das „silberne“ Corps suspendierte 1866.
Borussia 60px|links|Zirkel CL Borussia Kbg mini|Borussia
Von der „Elite der Masuren“ mit 40 Mitgliedern am 24. Mai 1829 gestiftet, erklärte die Landsmannschaft Borussia ihren Austritt aus der AB.O. Fünfstück, S. 12 Sie hatte die Farben schwarz-weiß mit silberner Perkussion und schwarzer Studentenmütze. Der Wahlspruch war Virtus bonorum corona! Diese Entwicklung wurde von den „Allgemeinen“ beargwöhnt. Die ärgsten Widersacher, die Pappenheimer, hatten zwar nicht mehr die Vorherrschaft; dafür traten aber die Preußen auf den Plan, die ihnen in nichts nachgaben. Als erste Königsberger Verbindung nahm Borussia 1833 die Corpsverfassung an. 1839 im SC isoliert, „verschwand sie von der Bildfläche“.
Scotia 40px|links|Zirkel CL Scotia Kbg
Schüler des Altstädtischen Gymnasiums gründeten das Kränzchen innerhalb der „Allgemeinen“ am 7. August 1829. Am 24. Mai 1833 trat Scotia aus der Burschenschaft aus und wurde Landsmannschaft. Der Wahlspruch war Virtuti semper coronam! Die Farben waren schwarz-blau mit silberner Perkussion und schwarzer Mütze. Nach dem Austritt der Schotten löste sich die AB auf. Aus den Resten, denen an einem Verbindungsleben gelegen war, bildeten sich später die Landsmannschaften Baltia und Normannia. Als geschlossener Kreis nahm Scotia ohne innere Kämpfe die Corpsverfassung an, und zwar noch 1833.H. Lippold Am 17. November 1847 löste sich der Bund auf. Nach den (unsicheren) Kösener Korpslisten von 1910 hatte Scotia nur 19 Mitglieder, davon zwei gemeinsame mit Masovia.Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006 Nicht aufgeführt sind u. a. die in den Blättern der Erinnerung (Schmiedeberg) porträtierten Mitglieder. Schotten waren Hermann Bobrik, Hermann Hirsch, Friedrich David Michaelis, Otto Saro und Alexander Schmidt.
Teutonia Der am 1. November 1829 gestiftete Bund bezeichnete sich selbst als Landsmannschaft und galt als „wilde Gesellschaft“. Er soll nur vier Monate bestanden haben.M. Pauly: Chronik der Landsmannschaft Littuania während ihres 60jährigen Bestehens, 1829–1889. Königsberg i. Pr. 1889, S. 41 f. Die Farben waren blau-rot-gold (oder blau-gold-rot).
Masovia 50px|links
Masovia verließ am 19. Februar 1831 die AB und feierte den Tag noch lange als „Constitutionsfest“. Am 25. August 1835 führten die Masuren von der Herzog-Albrechts-Schule (Rastenburg) die Corpsverfassung ein; die anderen vom Kgl. Gymnasium Lyck lehnten sie ab. Diese Spaltung in „grobe“ (Lycker) und „feine“ (Rastenburger) Masuren wurde erst überwunden, als die Beteiligten die Universität verlassen hatten und der Bund am 14. März 1838 wieder zusammenfand. Masovia war in Masuren fest verwurzelt und kam unbeschadet durch den Progress. Von 1876 bis 1880 war sie nicht im SC.
Baltia I mini|Baltia 60px|links