Košice ([] , , , , neu) ist eine Stadt am Fluss Hornád im Osten der Slowakei nahe der Grenze zu Ungarn. Mit ihren Einwohnern (Stand: ) ist sie nach Bratislava die zweitgrößte Stadt des Landes.
Košice ist zentraler Ort der Ostslowakei und Sitz eines Landschaftsverbands (Košický kraj). Die Stadt gliedert sich in vier Verwaltungsbezirke (okresy). Die Stadt ist griechisch-katholischer und evangelisch-reformierter Bischofssitz. Seit 1995 befindet sich hier auch der Sitz des römisch-katholischen Erzbistums. Košice ist überdies Universitätsstadt, Sitz des Verfassungsgerichtes, kulturelles Zentrum mit mehreren Museen, Galerien und Theater und ein Zentrum der Volksgruppe der Roma der Slowakei.
Das Wahrzeichen der Stadt ist der gotische Dom der Heiligen Elisabeth. Die Stadt war gemeinsam mit Marseille Kulturhauptstadt Europas 2013.
Geographie mini|ohne|hochkant=1.4|Košice und Umgebung auf einem Satellitenfoto Lage Košice liegt im Kaschauer Becken (Košická kotlina) am Fluss Hornád, bei den östlichen Ausläufern des Slowakischen Erzgebirges, bei den Gebirgszügen Čierna hora (im Nordwesten) und Volovské vrchy (im Südwesten); an der östlichen Stadtgrenze fließt die Torysa, der Kessel wird im Osten von der Bergformation Slanské vrchy begrenzt. Weitere bedeutende Fließgewässer sind der Čermeľský potok und der Myslavský potok als rechtsufrige Zuflüsse von Hornád sowie die Ida im Stadtteil Šaca. Die Stadt ist durch eine Reihe von Gemeinden mit der drittgrößten Stadt Prešov (36 km nördlich) verbunden und liegt etwa 260 km nordöstlich der ungarischen Hauptstadt Budapest, 400 km östlich der slowakischen Hauptstadt Bratislava sowie etwa 675 km von der tschechischen und ehemals tschechoslowakischen Hauptstadt Prag. Die Grenzen zu Ungarn, zur Ukraine und zu Polen sind jeweils 20, 80 und 90 km entfernt. Die Stadtfläche erstreckt sich über 237,05 km²; die höchste Stelle befindet sich im Nordwesten auf dem Hügel Vysoký vrch (wörtlich „Hoher Hügel“, ), der niedrigste Punkt liegt im Südosten auf Deutlich näher dem Stadtzentrum ist der Berg Hradová mit Das Stadtzentrum liegt auf
Košice grenzt an folgende Gemeinden: Kostoľany nad Hornádom und Družstevná pri Hornáde im Norden, Budimír und Beniakovce im Nordosten, Hrašovík, Košické Oľšany, Sady nad Torysou und Košická Polianka im Osten, Vyšná Hutka, Nižná Hutka, Nižná Myšľa und Kokšov-Bakša im Südosten, Valaliky, Haniska und Sokoľany im Süden, Bočiar, Seňa, Veľká Ida, Šemša und Malá Ida im Südwesten, Baška und Nižný Klátov im Westen sowie Vyšný Klátov, Košická Belá, Veľká Lodina und Sokoľ im Nordwesten.
mini|750px|links|Panorama vom Südosten aus; Altstadt mit Elisabeth-Dom rechts
Klima Košice liegt in der gemäßigten Zone und im Bereich des Kontinentalklimas mit vier ausgeprägten Jahreszeiten. Die Sommer sind in der Regel warm und trocken, die Winter kalt und feucht.
Geschichte Entstehung mini|Wappenurkunde von 1369 Eine Besiedlung der späteren mittelalterlichen Stadt konnte noch nicht nachgewiesen werden, die Gegend ist jedoch ein alter Siedlungsraum (Jungsteinzeit, Bronzezeit). Die bedeutendsten Spuren befinden sich südlich des Stadtzentrums, vor allem im Stadtteil Barca, mit jungstein- und bronzezeitlichen Funden. Auch der Hügel Hradová war in der Jungbronzezeit besiedelt. Im 7. Jahrhundert siedelten Awaren, slawische Funde datieren ab dem 8. Jahrhundert. Fundplätze aus dieser Zeit sind unter anderen Barca und Šebastovce in den Stadtgrenzen sowie Valaliky-Všechsvätých und Seňa außerhalb des Stadtgebiets. Im 9. Jahrhundert war die Stadt Bestandteil des Neutraer Fürstentums und danach des Mährerreichs.
Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurde die Stadt in das Königreich Ungarn eingegliedert. Den Siedlungskern des heutigen Košice bildete eine slawische Siedlung in der heutigen Kováčska-Straße. In der Umgebung entstanden ebenfalls mehrere Siedlungen, wie zum Beispiel rund um das im 12. Jahrhundert gegründete Benediktinerkloster im heutigen Stadtteil Krásna. Parallel zur alten slawischen Siedlung, deren genauer Entstehungszeitpunkt unbekannt ist, gründeten deutsche Kolonisten am Anfang des 13. Jahrhunderts in der Nachbarschaft eine Handelssiedlung. Noch im 13. Jahrhundert verschmolzen die beiden Siedlungen, und die so entstandene slawisch-deutsche Siedlung erhielt um 1248 als eine der ersten Städte im Königreich ihre ersten Stadtrechte. Kurz zuvor, aus dem Jahre 1230 stammt die erste schriftliche Erwähnung der Stadt (als villa Cassa).Monika Vrzgula: Siedma časť seriálu o slovenských mestách. In: inzine.sk, 21. Mai 2003, abgerufen am 7. Juni 2019 (slowakisch; Artikel über die Geschichte der Košice).
Kaschau im Königreich Ungarn mini|Cassovia – Superioris Hungariae Civitas PrimaKaschau – die erste Stadt Oberungarns, Abbildung im Civitates Orbis Terrarum (1617) In den nachfolgenden Jahrhunderten war Kaschau eine der bedeutendsten und größten Städte des Königreichs Ungarn. Durch seine Lage an einem Handelsweg nach Polen und verschiedene Privilegien blühte der Handel, und die Bedeutung wuchs. Die ersten Zunftregeln sind aus dem Jahr 1307 überliefert. Im frühen 14. Jahrhundert war die Stadt in mehreren Streiten mit dem Geschlecht Aba verwickelt, die nach der Krönung von Karl I. im Kontext des Kampfes gegen die Kleinkönigtümer zu verstehen sind. Nach dem königlichen Sieg gegen die Aba in der Schlacht von Rozhanovce im Jahr 1312, in deren Kaschauer Bürger zur Hilfe des Königs eingriffen, wurden als Belohnung der Stadt mehrere Rechte entlehnt. 1347 wurde Kaschau die zweite königliche freie Stadt im Königreich Ungarn nach der Hauptstadt Buda. 1369 erhielt die Stadt von König Ludwig dem Großen ihr Stadtwappen verliehen. Dabei handelte es sich um die erste landesfürstliche Verleihung eines Wappens an eine juristische Person in Europa. Bis dahin gab es dieses Privileg nur für natürliche Personen.Dietrich Blandow, Michael J. Dyrenfurth (Hrsg.): Technology education in school and industry. emerging didactics for human resource development. Verlag Springer, Berlin 1994, ISBN 3-540-58250-9, S. 6. Zu den Privilegien der Stadt gehörten unter anderem das Stapelrecht, verschiedene Befreiungen von Mautgebühren sowie fünf Jahrmärkte (bis zum Ende des Mittelalters). Besonders stark prägte der Handel die mittelalterliche Stadt und es bestanden intensive Beziehungen vor allem mit der polnischen Stadt Krakau. Im 14. und 15. Jahrhundert erreichte die Entfaltung der Stadt ihren Höhepunkt. Im 15. Jahrhundert spielte die Stadt eine wichtige Rolle in der Pentapolitana – einem Städtebund aus fünf Städten in der heutigen Ostslowakei – Košice, Prešov, Bardejov, Sabinov und Levoča. Mitte des 15. Jahrhunderts geriet sie unter die Herrschaft von Johann Giskra (Jan Jiskra). Sie blieb jedoch auch im 16. und 17. Jahrhundert eines der wichtigsten und größten Zentren.
mini|Kaschau um das Jahr 1900
Im 16. Jahrhundert wurde die Stadt von den Kriegen zwischen Ferdinand I. und Johann Zápolya in Mitleidenschaft gezogen. 1563 bis 1686 war die Stadt Sitz des „Kapitanats Oberungarn“ und 1567 bis 1848 Sitz der Zipser Kammer, einer Zweigstelle der obersten Finanzbehörde in Wien für Oberungarn. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Stadt in Kämpfe zwischen den katholischen Habsburgern und den protestantisch gesinnten ungarischen Stände gezogen. Symptomatisch für diese Epoche sind der Streit um das Elisabeth-Dom und Übernahme des damals protestantisches Gotteshauses durch die Katholiken im Jahr 1604 sowie die Hinrichtung der drei katholischen Märtyrer von Kaschau im Jahr 1619. Kaschau wechselte mehrmals seine Zugehörigkeit, vom habsburgisch kontrollierten „Königlichen Ungarn“ zum Fürstentum Siebenbürgen, genauer zum Partium (nämlich in den Jahren 1604–1606, 1619–1629 und 1644–1648) und war Residenz von Franz II. Rákóczi (ungarisch Rákóczi Ferenc, slowakisch František Rákoci). Hier flammten auch die antihabsburgischen Aufstände am heftigsten auf. 1670 ließen die Habsburger eine Festung errichten. In den 1670er Jahren wurde Kaschau einige Male von Kuruzen belagert. 1682 wurde die Stadt von Imre Thököly erobert und zum Bestandteil des kurzlebigen Oberungarischen Fürstentums, das bis 1685 Bestand hatte. Die Festung wurde im Jahr 1713 zerstört. Im 17. Jahrhundert war Kaschau de facto Hauptstadt Oberungarns, was damals die Bezeichnung für die heutige Ostslowakei und Teile des heutigen Nordostungarns – und damit für die nördliche Hälfte des damaligen Ungarns – war. 1657 wurde hier im Zuge der Gegenreformation von Jesuiten die Kaschauer Universität (Universitas Cassoviensis) mit theologischen, philosophischen und philologischen Fakultäten gegründet und 1660 durch eine Goldene Bulle von Leopold I. bestätigt und mit Universitäten auf dem Gebiet des HRR gleichgestellt. Mit den später folgenden königlichen und Rechtsakademien bestand die Lehranstalt bis 1921.
mini|Stadtkarte von 1911 Am Anfang des 18. Jahrhunderts, als die Osmanen zurückgeschlagen und die Standesaufstände durch den Friede von Sathmar (1711) beendet wurden, schwand die Bedeutung der Stadt, da neue Handelswege an der Stadt vorbeiführten. Die reiche mittelalterliche Stadt entwickelte sich in der Folge zu einer landwirtschaftlich geprägten Provinzstadt.. In: kosice.sk, 25. September 2006, abgerufen am 7. Juni 2019 (slowakisch; Geschichte der Stadt Košice auf der offiziellen Seite – 18. Jahrhundert). Die Stadtmauern wurden größtenteils im 18. Jahrhundert abgerissen. 1802 wurde ein Bistum gegründet. Die ersten Fabriken wurden in den 1840er Jahren errichtet. Das Umland der Stadt war Schauplatz mehreren Schlachten im Zuge der Revolutionen von 1848/49. Die ungarische Armee eroberte die Stadt am 15. Februar 1849, sie wurde jedoch von russischen Interventionstruppen am 24. Juni 1849 zurückgeschlagen. Die erste Bahnlinie wurde 1860 von Miskolc aus gebaut, in den 1870er Jahren folgten die Linien nach Tschop, Prešov und Žilina. Insbesondere nach dem Ausgleich von 1867 unterstützte man das kulturelle Leben, wie zum Beispiel 1872 mit der Gründung des Oberungarischen Museums (heute Ostslowakisches Museum) oder 1899 mit der Eröffnung des Nationaltheaters. 1891 wurde das erste Teilstück der (anfangs Pferde-)Straßenbahn eröffnet, womit Kaschau als die erste Stadt in der heutigen Slowakei ein ÖPNV-Netz erhielt. Bis zum Ende des Königreichs Ungarn war die Stadt Sitz des Komitats Abaúj-Torna (bis 1882 des Komitats Abaúj) und stand ab 1876 zusätzlich im Rang eines Stadtkreises und war somit rechtlich vom Komitat getrennt.
Weltkriege Die Stadt wurde von den Kriegsereignissen des Ersten Weltkriegs nicht direkt betroffen, einzig im Winter 1914/15 ereignete sich nordöstlich der Stadt auf dem Karpatenhauptkamm die Winterschlacht in den Karpaten. Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns wurde in Kaschau am 11. Dezember 1918 die durch Ungarn unterstützte Ostslowakische Republik ausgerufen, bevor die Stadt am 29. Dezember 1918 durch die Tschechoslowakischen Legionen eingenommen wurde. Im Sommer 1919 war Kaschau kurze Zeit Sitz der Slowakischen Räterepublik, eines ungarischen Marionettenstaats.. In: kosice.sk, 25. September 2006, abgerufen am 1. November 2021 (slowakisch; Geschichte der Stadt Košice auf der offiziellen Seite – 20. Jahrhundert). Die tschechoslowakische Herrschaft wurde durch den Vertrag von Trianon bestätigt. In der Tschechoslowakei wurde die Stadt zum Zentrum der Ostslowakei und ab 1923 neben Bratislava die einzige weitere slowakische Stadt mit einem Magistrat (sozusagen eine Statutarstadt). 1935 wurden bei Ausgrabungsarbeiten im ehemaligen Gebäude der Zipser Kammer 2920 Goldmünzen, drei Medaillen und eine Goldkette gefunden, der Fund erhielt den Namen Goldschatz von Košice. Nach dem Ersten Wiener Schiedsspruch gehörte Kaschau von 1938 bis 1945 wiederum zu Ungarn.