Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Marokko wurde am 21. Mai 1963 unterzeichnet (Kabinett Adenauer V) und führte, trotz gegenteiliger vertraglicher Ausgestaltung (Befristung der Aufenthaltsdauer auf maximal zwei Jahre, sogenanntes Rotationsprinzip), zum Beginn einer marokkanischen Einwanderung in die Bundesrepublik Deutschland. Die angeworbenen Arbeiter wurden in Deutschland als Gastarbeiter bezeichnet. Bis zum Anwerbestopp 1973 kamen 22.400 marokkanische Gastarbeiter nach Deutschland.

Ähnliche Anwerbeabkommen schloss die Bundesrepublik Deutschland auch mit anderen Staaten: Türkei, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Portugal, Spanien und Tunesien.

Der Abschluss des Abkommens war innerhalb der deutschen Regierung stark umstritten. Für seinen Abschluss sprach die Erwartung, den Arbeitskräftebedarf im Bergbau und vor allem im Steinkohlenbergbau zu decken und zugleich einen bereits bestehenden Zustrom von Menschen, die illegal aus Marokko einreisten und sich im Bergbau um Arbeit bewarben, zu regulieren.Hisashi Yano: Arbeitsmigration im Steinkohlenbergbau in der Frühphase der Bundesrepublik, Keio economic studies, Band 36, Nummer 2 (1999), S. 11–32. Kapitel „IV. Türken und Marokkaner ab 1961“, S. 21–26.

Inhalt Die Anwerbeabkommen mit dem Königreich Marokko sowie mit Tunesien und der Türkei enthielten von Anfang an im Gegensatz zu den Anwerbeabkommen mit europäischen Ländern einige Besonderheiten:Davy, Ulrike (Hg.): "Die Integration von Einwanderern, rechtliche Regelungen im europäischen Vergleich", S. 340ff eine Anwerbung war ausschließlich für Unverheiratete vorgesehen, ein Familiennachzug bzw. die Familienzusammenführung wurde im Abkommen explizit ausgeschlossen, eine Gesundheitsprüfung und eine Eignungsuntersuchung für die anzunehmende Arbeit, eine Obergrenze für den Aufenthalt von 2 Jahren wurde festgeschrieben, eine Verlängerung ausgeschlossen

Weblinks Ministerium für Integration, Familie, Kinder, Jugend und Frauen Rheinland-Pfalz: 50 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland-Marokko Der Dokumentarfilm "Die Farben des Bleibens" lässt Frauen zu Wort kommen, die im Zuge des Abkommens nach Deutschland kamen: Rezension der zfm, Zeitschrift für Medienwissenschaft, vom Mai 2024 im Rahmen eines Rückblicks auf das Filmfestival feminist elsewheres 2023

Einzelnachweise

Marokko Kategorie:Historischer völkerrechtlicher Vertrag (Marokko) Kategorie:Deutsch-marokkanische Beziehungen Kategorie:Politik 1963