mini|hochkant|Begründer Josef Manner mini|hochkant|Manner-Werk in Wien-Hernals (17.), Wilhelminenstraße 6 (2007)
Die Josef Manner & Comp. Aktiengesellschaft (kurz: Manner AG) ist eine traditionsreiche Wiener Süßwarenfabrik. Das bekannteste Produkt des Unternehmens ist die „Manner-Schnitte“ (Waffel-Schnitten mit Haselnusscreme-Füllung).
Organisation Aktiengesellschaft Die Josef Manner & Comp. Aktiengesellschaft (Manner AG) ist an der Wiener Börse zum amtlichen Handel zugelassen, womit die Gesellschaft als börsennotiertes bzw. kapitalmarktorientiertes Unternehmen gilt. Hauptaktionäre sind die Privatstiftung Manner (49,41 %) und die Andres Holding Gesellschaft m.b.H. (Hans-Peter und Martina Andres; 24,00 %).Josef Manner & Comp. Aktiengesellschaft (FN 40643w). In: firmenabc.at, abgerufen am 2. März 2026. Ein großer Teil der Aktien befindet sich direkt oder indirekt im Familienbesitz. Von Familienmitgliedern, die Kleinstanteile halten und am Unternehmen kein Interesse mehr haben, werden deren Aktien von den Mehrheitseigentümern laufend aufgekauft, sodass kein Außenstehender maßgeblicher Miteigentümer werden kann.Dina Elmani: Interview mit Carl Manner und Otto W. Riedl: Süße Verstrickungen mit Zukunft. In: Format, 29. Oktober 2008: Carl Manner:
Leitung Bis zu seinem Tode 2017 führte Carl Manner in dritter Generation das Unternehmen, er war ab 1970 im Vorstand des Unternehmens und zuletzt Aufsichtsratspräsident.
Im Jahr 2021 wurde Andreas Kutil Vorstandschef, gab jedoch bereits Mitte 2023 sein Ausscheiden mit März 2024 bekannt. Vorübergehend übernahmen Anfang 2024 die beiden Vorstandsmitglieder Sabine Brandl und Scipio Oudkerk als Doppelspitze die bisherigen Aufgaben von Kutil. Mit 1. September 2025 wurde der gebürtige Wiener Dieter Messner vom Manner-Aufsichtsrat zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen und ist erst der zweite CEO in der Firmengeschichte, der nicht aus der Gründerfamilie stammt. Messner verantwortet die Unternehmensbereiche Strategie und Business Development, Personal- und Organisationsentwicklung, Prozessmanagement und Digitalisierung sowie Public Relations und ESG. Er hat Managementerfahrung in verschiedenen Branchen, so war er Berater bei McKinsey, Vorstand von Obi und General Manager von Esprit, zuletzt führte er die Fitnessstudiokette Fitinn.
Geschichte Gründungsjahre mini|hochkant|Inserat „Chocolade, Josef Manner“ in der Zeitschrift Wiener Mode (1890) mini|hochkant|Erinnerungstafel an Josef Manners Geschäft im Zwettlhof, Stephansplatz 6 (2025)
Der gelernte Kaufmann Josef Manner betrieb ein kleines Geschäft im sogenannten Zwettlhof am Stephansplatz 6 in Wien, in dem er Schokoladen und Feigenkaffee anbot. Da er mit der Schokoladequalität seiner Zulieferer nicht zufrieden war, erwarb Manner die Konzession und am 1. März 1890 gemeinsam mit seinem Militärkameraden Georg Gschwandtner (der bis 1892 Teilhaber blieb) den Betrieb eines kleinen Schokoladenerzeugers in der heutigen Strobachgasse 7 in Wien-Margareten, erzeugt wurden Schokoladetafeln und Figurenschokolade, später auch von Zuckerwaren und Nougatmassen. Damit war die „Chocoladenfabrik Josef Manner“ gegründet. Bereits ein halbes Jahr später war der Produktionsstandort in Margareten zu klein geworden, Manner übersiedelte mit seinem Betrieb in das Haus seiner Eltern in der Kulmgasse 17 in Wien-Hernals. 1897 hatte das Unternehmen bereits 100 Mitarbeiter. Nach und nach dehnte sich Manner als ständig wachsende Fabrik rund um den Standort Kulmgasse aus., abgerufen am 2. März 2026.
1898 gilt als das Erfindungsjahr der berühmten Mannerschnitten: Erstmals in diesem Jahr in einer Preisliste als „Manners Neapolitaner-Schnitten“ aufscheinend, kam das Produkt ursprünglich als „Neapolitaner Schnitten No. 239“ in den Verkauf. In Erinnerung an seinen ersten Standort am Stephansplatz machte Josef Manner den Stephansdom zum Markenzeichen seiner Produkte (siehe unten, Schutzmarke Stephansdom).
Josef Manner & Comp. Am 14. Juni 1897 gründete Josef Manner mit seinem Buchhalter Alfred Teller die Offene Gesellschaft Josef Manner & Comp., eingetragen am 15. Juni im Handelsregister am Handelsgericht Wien. Am 28. August 1900 wurde Teller als offener Gesellschafter gelöscht und an seiner Stelle sein Schwager Johann Riedl eingetragen.Vollansicht Einzelstück 2.3.3.B75.46.13. Handelsregister Ges 46/13 von 1897 (Direktlink zum Digitalisat der Doppelseite). In: WAIS – Wiener Archivinformationssystem, abgerufen am 2. März 2026. Mit der Übernahme des halben Anteils des Unternehmens durch Johann Riedl als Companion von Josef Manner wurde der Grundstein einer bis heute bestehenden Zusammenarbeit zwischen den Familien gelegt. Bis zum Jahre 1913 stieg Josef Manner zum führenden Süßwarenproduzenten Österreich-Ungarns auf, zwischen 1904 und 1913 wurden zwei Fabriksgebäude errichtet, darunter das bis heute noch in Gebrauch stehende Werk in der Wilhelminenstraße in Wien-Hernals.
Josef Manner & Comp. Aktiengesellschaft Mit Erlass vom 9. Oktober 1913 des Ministeriums des Inneren konnte das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Mit den in der konstituierenden Generalversammlung beschlossenen Statuten war die bis heute bestehende am 23. Oktober 1913 mit einem Grundkapital in Höhe von sechs Millionen Kronen gegründet, eingetragen am Handelsgericht Wien am 28. November. Als Gründungsvorstandsmitglieder scheinen im Handelsregister unter anderen auf (Datum = Funktion gelöscht): Julius Landesberger, Generalrat der Anglo-Österreichischen Bank (23. Februar 1923); die Industriellen Josef Manner, Johann Riedl (19. November 1929), Johann Georg Riedl, Wilhelm Riedl (8. August 1916) und Karl Manner (17. Juni 1930).Vollansicht Einzelstück 2.3.3.B77.5.149. Handelsregister B 5/149, 28. November 1913 bis 3. Juli 1939, umgeschrieben auf HRB 3619 (Direktlink zum Digitalisat Doppelseite 1 und Doppelseite 2). In: WAIS – Wiener Archivinformationssystem, abgerufen am 2. März 2026. Seit 1919 werden die Aktien an der Wiener Börse notiert.
Das Unternehmen wurde sozial fortschrittlich geführt – bereits 1911 gab es einen Betriebsarzt und eine Werksküche. Für die Arbeiter wurden Wohnhäuser errichtet und alle Mitarbeiter erhielten, maximal vier Wochen, einen bezahlten Urlaub. Für die Pensionisten existierten Unterstützungseinrichtungen. 1913 zur Umwandlung in die AG waren rund 1000 Mitarbeiter (laut Manner jedoch schon 3000) beschäftigt, 1914 waren es bereits 3.000.
Zwischenkriegszeit Von den Folgen des Ersten Weltkriegs erholte sich das Unternehmen nur langsam, dennoch konnte sich Manner unter seinem Unternehmensgründer Josef Manner zum größten Süßwarenhersteller Österreichs hocharbeiten. Ab März 1922 befand sich die Aktienmehrheit des Unternehmens im Besitz der Anglo-Österreichischen Bank (siehe oberhalb, AÖB-Generalrat Landesberger als Manner-Vorstandsmitglied bis 1923).Fritz Weber: Vor dem großen Krach: Österreichs Banken in der Zwischenkriegszeit am Beispiel der Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe. Böhlau, Wien 2016, S. 296. Nach der Währungsumstellung wurde in der Generalversammlung am 25. Juni 1926 die Umwandlung des Aktienkapitals von sechs Millionen Kronen in sechs Millionen Schilling beschlossen, eingetragen im Handelsregister am 28. September.
Durch die Einschränkungen der Wirtschaftskrise sank in den 1920er Jahren der Mitarbeiterstand von 1500 auf 800 im Jahr 1937. Das Unternehmen musste infolge der Krise mit Generalversammlungsbeschluss vom 29. April 1935 das Aktienkapital von 6 auf 4,5 Millionen Schilling herabsetzen (eingetragen im Handelsregister am 12. Juli); im selben Jahr zog sich der Unternehmensgründer Josef Manner aus dem operativen Geschäft zurück.
Zweiter Weltkrieg Manner profitierte während der Zeit des Nationalsozialismus von Wehrmachtsaufträgen, der „Arisierung“ jüdischen Eigentums und der Ausbeutung von Zwangsarbeitern.Artikel im profil, Nr. 41, 2010, S. 38. Im Zweiten Weltkrieg konnte trotz aller Einschnitte sogar ein Wachstum verzeichnet werden, das Geschäftsjahr 1939 war „im allgemeinen befriedigend“. Im Geschäftsjahr 1941 wurde ein Ertrag von 3,3 Millionen Reichsmark erwirtschaftet, eine Dividende von sechs Prozent konnte ausgeschüttet werden. Laut Aussage von Carl Manner wurde das Unternehmen als „Armee-Lieferant“ zwangsverpflichtet und stellte für die Truppen der Deutschen Wehrmacht Schokolade und Kekse her, für die Piloten der Luftwaffe wurde die als „Fliegerschokolade“ bekannte Scho-Ka-Kola erzeugt. Zu dieser Zeit war Manner ein kriegswichtiger Betrieb und erhielt bis 1945 Kakaobohnen zugeteilt. Ebenso stand das Unternehmen unter der Führung eines nationalsozialistischen Betriebsleiters, der Sohn des Unternehmensgründers war lediglich als technischer Leiter im Unternehmen tätig. Durch Bombardements entstand nur verhältnismäßig geringer Schaden am Werksgebäude.
Nachkriegszeit Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die noch in der Fabrik gelagerten Zucker- und Kakaovorräte von der russischen Besatzungsmacht requiriert, woraufhin das Unternehmen zwei Jahre lang mit Rohstoffmangel zu kämpfen hatte. Im Jahre 1947 verstarb der Unternehmensgründer Josef Manner im Alter von 81 Jahren, im September 1953 trat sein Enkel Carl Manner in das Unternehmen ein und erhielt 1959 die Prokura. Erst in den 1950er und 1960er Jahren konnte der Mitarbeiterstand der Vorkriegszeit wieder erreicht werden. 1960 konnte mit der Einführung der Verpackung in Alu-beschichteten Folien mit dem typischen roten Aufreißfaden die aromasichere Versiegelung der mittlerweile berühmten Schnitten eingeführt werden. Dadurch stiegen die Verkäufe wieder an und 1964 konnte erstmals seit 1914 wieder ein Rekordumsatz vermeldet werden. 1966 wurde im oberösterreichischen Perg ein Zweigbetrieb gegründet. Perg war bereits seit Josef Manners Ausbildung zum Kaufmann bei seinem Stiefonkel, dem Perger Kaufmann Karl Reichmann, familiärer Anknüpfungspunkt, auch dadurch, dass Josefs Brüder Rudolf und Karl Ludwig dort ansässig und unternehmerisch tätig wurden.
1970 wurden im Fusionswege der Mitbewerber Napoli und Casali übernommen, wodurch sich das Sortiment wesentlich erweiterte und die Eignerfamilie von Napoli-Casali in das Unternehmen Manner eintrat.
Ab den 1990er Jahren Eine Zusammenarbeit mit Nestlé in Ungarn nach dem Fall des Eisernen Vorhanges scheiterte in den 1990er Jahren.
Im Jahre 2005 sorgte die Ankündigung des österreichischen Bundesdenkmalamts für Aufsehen, das Manner-Gebäude an der Wilhelminenstraße 6 in Wien-Hernals unter Denkmalschutz stellen zu wollen. Die Unternehmensführung entgegnete, dass die Verlegung der Produktionsstätte aus wirtschaftlichen Gründen die Folge wäre, was bei einem Großteil der Wiener Bevölkerung Empörung auslösen werde.
Manner betreibt seit Juni 2004 einen Flagshipstore am Stephansplatz 7 im Erzbischöflichen Palais an der Ecke Rotenturmstraße. Einen Flagshipstore am Flughafen Wien-Schwechat gibt es seit Juni 2006, wie es ebenso einer am Wiener Hauptbahnhof. Mit dem Ziel, den Umsatz in Auslandsmärkten zu steigern, eröffnete Manner eigene Vertriebs-Tochterunternehmen in Slowenien, Tschechien und Deutschland. Im Jahr 2010 errichtete Manner einen Shop mit Café am Residenzplatz in Salzburg. Am 10. Mai 2018 wurde ein Manner-Shop in Graz am Hauptplatz eröffnet, am 19. Juli 2019 auch im Einkaufszentrum Murpark.Martina Maros-Goller: Manner-Shop Eröffnung: Die süßeste Adresse am Hauptplatz (+Fotos). In: Meinbezirk.at, 16. Mai 2018, abgerufen am 2. März 2026.Presseinformation Manner, Juli 2019.