mini|Franz Loogenin einer Aufnahme aus dem Jahr 1984 Franz Loogen (* 13. April 1919 in Baesweiler bei Aachen; † 3. September 2010 in Düsseldorf) war ein deutscher Kardiologe. Er ist ein Pionier der Herzkatheterisierung und gilt als Gründungsvater der Kardiologie als eigenständiges Fachgebiet der Inneren Medizin in Deutschland.ESC News: , 2. Juli 2009.Berndt Lüderitz: 80 Jahre DGK – ein denkwürdiges Jubiläum. Cardio News 2007; 10(9): 26-27. Er hatte den ersten kardiologischen Lehrstuhl außerhalb der Kinderheilkunde in der Bundesrepublik inne und begründete die sog. „Düsseldorfer Kardiologenschule“, aus der viele Lehrstuhlinhaber, Chefärzte und niedergelassene Kardiologen hervorgegangen sind.Michael Piper, u. a.: , Pressemitteilung Universitätsklinikum Düsseldorf, 5. September 2010. Außerdem betreute er als Mannschaftsarzt die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954.
Werdegang Franz Loogen wurde als Sohn des Verwaltungsbeamten Melchior Loogen und dessen Ehefrau Maria in Baesweiler bei Aachen geboren. Nach dem Abitur (1937) am Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium studierte Loogen Humanmedizin in Köln, wo er 1939 das Physikum ablegte. Für das 1. Klinische Semester wechselte er an die Humboldt-Universität nach Berlin, da die Universität Köln zu Kriegsbeginn geschlossen worden war.Jochen Aumiller: Loogens Steilpaß für die deutsche Kardiologie. Cardio News 1999; 2(4): 14-15. Das 2. Klinische Semester konnte er wieder in Köln absolvieren. Anschließend wurde Loogen zum Wehrdienst bei den Gebirgsjägern nach Füssen eingezogen. Nach Fronteinsätzen im Sanitätsdienst in Frankreich und Russland (1940–42) kam er in die Studentenkompanie. Eine Beurlaubung zur Beendigung des Medizinstudiums in München rettete ihm das Leben, da seine Einheit kurz nach seiner Rückkehr aus Russland bei Leningrad vernichtet wurde.Eva Kmoth, L. Seipel: As time goes by. Z Kardiol 2004; 93: 240-241.Günter Breithardt, L. Seipel: Zum Tode von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Franz Loogen (13.04.1919–03.09.2010). Der Kardiologe 2010; 4: 500-501. An der Universität München hat Loogen ab dem Sommersemester 1942 sein Studium fortgesetzt und am 13. Juli 1944 das Staatsexamen in Medizin abgelegt, sowie bei dem Chirurgen Karl Vossschulte mit der Arbeit „Über den sog. ärztlichen Kunstfehler“ zum Dr. med. promoviert. Danach musste er zurück in den Wehrdienst und war 3 Monate als Lazarettarzt in Rosenheim tätig.
Im September 1944 geriet Loogen während eines Heimaturlaubs zunächst in amerikanische, dann in englische Kriegsgefangenschaft, aus der er erst im Januar 1948 entlassen wurde. In englischer Gefangenschaft spielte er in einer englischen Fußballmannschaft und war im Kriegsgefangenenlager in Horbling (Grafschaft Lincolnshire) als Lagerarzt tätig. Dabei lernte er einen englischen Arzt deutscher Herkunft kennen, der ihm bereits 1946 (unerlaubterweise) Penicillin besorgte, womit Loogen an Endokarditis erkrankte Mitgefangene erfolgreich behandeln konnte.
Loogen war seit 1943 verheiratet mit Hedwig, geb. Tillis († 2009). Aus der Ehe ging eine Tochter hervor.
Berufsleben Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft arbeitete Loogen ab 1948 zunächst als unbezahlter Volontärassistent bei Erich Boden an der 1. Medizinischen Klinik der Medizinischen Akademie Düsseldorf, dem Vorläufer der 1965 gegründeten Universität Düsseldorf. Dort begegnete er Otto Bayer, mit dem er 1948/49 erste Herzkatheter-Untersuchungen durchführte, und wurde Mitglied der von Bayer geleiteten kardiologischen Arbeitsgruppe an der 1. Medizinischen Klinik. Im Laufe des Jahres 1949 wurde er Stationsarzt und Wissenschaftlicher Assistent. Erstes wissenschaftliches Arbeitsgebiet war die Endokarditis.Friedrich-Ernst Schmengler, F. Loogen: Über die Endocarditis lenta als „reaktive Retikulose“ mit besonderem Hinweis auf Veränderungen der Leber. Dtsch med Wochenschr 1952; 77: 259-64.Erich Boden, F. Loogen: Rückschau und Stand der Endocarditis-lenta-Behandlung. Dtsch med Wochenschr 1952; 77: 1044-9.
1952: Loogen richtet in der Medizinischen Klinik eine kardiologische Ambulanz ein. Die Patientenzahlen steigen ständig. 1954: Veröffentlichung der ersten deutschen Monographie über Herzkatheterisierung,Otto Bayer, F. Loogen, H.H. Wolter: Der Herzkatheterismus bei angeborenen und erworbenen Herzfehlern. Thieme-Verlag, Stuttgart 1954 gewidmet dem späteren Nobelpreisträger Werner Forßmann, die zur „Bibel“ jedes invasiv tätigen Kardiologen wurde. 1955: Franz Grosse-Brockhoff, Direktor der 1. Medizinischen Klinik, beauftragt Loogen offiziell mit der Leitung der kardiologischen Arbeitsgruppe. 1957: Habilitation unter Grosse-Brockhoff mit der Arbeit „Der pulmonale Hochdruck bei angeborenen Herzfehlern mit hohem Stromvolumen (Ductus arteriosus apertus, Ventrikelseptumdefekt, Vorhofseptumdefekt)“.F. Loogen: Der pulmonale Hochdruck bei angeborenen Herzfehlern mit hohem Stromvolumen (Ductus arteriosus apertus, Ventrikelseptumdefekt, Vorhofseptumdefekt). Arch f Kreislaufforschung 1958; 28: 1-55, doi:10.1007/BF02119228. 1959: Oberarzt an der 1. Medizinischen Klinik. 1960: Beitritt zur damaligen „Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung“ (DGK), heute: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung. 1963: Ernennung zum apl. Professor. 1965: Ernennung zum außerordentlichen Professor. Loogen übernimmt den neu geschaffenen außerordentlichen – und in der Bundesrepublik ersten – Lehrstuhl für „Innere Medizin, insbesondere Kardiologie“ in Düsseldorf. Im selben Jahr entsteht aus der bisherigen Medizinischen Akademie Düsseldorf die Universität Düsseldorf. 1966: Leitung der Abteilung für Kardiologie an der 1. Medizinischen Klinik. 1967: das Extraordinariat wird in ein Ordinariat umgewandelt und Loogen zum ordentlichen Professor ernannt. 1968 bis 1985: Vorsitzender des Sonderforschungsbereiches „Kardiologie“ (SFB 30) der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Düsseldorf.Universität Düsseldorf: , 24. Januar 2005 1969 bis 1993: Herausgeberschaft der Zeitschrift für Kreislaufforschung. 1969 bis 1972: Herausgeberschaft – zusammen mit Konrad Spang, Stuttgart – des Archiv für Kreislaufforschung. 1969: die ehemalige Tuberkulosestation wird zur neuen Abteilung für Kardiologie der 1. Medizinischen Klinik der Universität Düsseldorf umgebaut. 1971: Ruf (primo et unico loco) auf den Lehrstuhl für Kardiologie der Universität Heidelberg. Bei den Bleibeverhandlungen in Düsseldorf erreicht Loogen eine Erhöhung der kardiologischen Bettenzahl auf 90. 1972: 1. Medizinische Klinik der Universität Düsseldorf wird unterteilt und Loogen zum Leiter der neuen Klinik B ernannt. Im selben Jahr erhält er den Facharzttitel Innere Medizin mit Teilgebietsbezeichnung Kardiologie. 1972: Wahl in den Vorstand der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. 1975: Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung und zum Tagungspräsidenten der DGK-Jahrestagung in Bad Nauheim.DGK: Vorsitzende, Präsidenten, Tagungspräsidenten und Geschäftsführer 1976: Ernennung zum Ärztlichen Direktor der Medizinischen Einrichtungen der Universität Düsseldorf. 1980 bis 1984: Präsident der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC)ESC: und Präsident des ESC-Kongresses 1984 in Düsseldorf. 1986: Emeritierung 1988 bis 1997: Ärztliche Tätigkeit im Herzkatheterbereich am Essener St. Vincenzhospital.
Akademisches Wirken und Verdienste Loogen wird als Nestor der Klinischen Kardiologie in Deutschland angesehen.Jennifer Taylor: Special Feature: Pioneer: Wolfgang Kübler, MD, FRCP, FACC, FESC, Circulation, 20. Juni 2010, f145-f149Günter Breithardt, L. Seipel: Laudatio anlässlich des 90. Geburtstages von Prof. Dr. med. Dr. h. c. Franz Loogen. Clin Res Cardiol 2009; 98: 341-3 Nachdem – offenbar durch die Endokarditis-Fälle im Kriegsgefangenenlager – einmal sein Interesse an Herzerkrankungen geweckt war und er schon zu Beginn seiner Assistenzarzttätigkeit in der Gruppe von Otto Bayer an der invasiven kardiologischen Diagnostik mit dem Herzkatheter teilnehmen konnte, widmete er sich ganz der Kardiologie.H[einrich] Kreuzer: Laudatio. Z Kardiol 1979; 68: 289
Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit waren zunächst die erworbenen Herzklappenfehler und sämtliche angeborenen Herzfehler. Später kamen die Koronare Herzkrankheit, Kardiomyopathien sowie die Elektrotherapie (Schrittmacher) hinzu.
Loogen hat frühzeitig erkannt, dass die Fortschritte und die Zunahme des Wissens es nicht länger erlaubten, die Herzmedizin in der allgemeinen Inneren Medizin nebenher zu betreiben. Er hat sich deshalb beharrlich für die Verselbständigung der Kardiologie als eigenständiges Fachgebiet in Deutschland eingesetzt, trotz des Widerstands der Internisten, die ihm vorwarfen, durch diese Spezialisierung die Einheit der Inneren Medizin zu zerstören. Loogen selbst beschrieb dies als einen „Abnabelungsprozess mit vielen Spannungen und Frustrationen“. Darüber kam es schließlich sogar zum Bruch mit seinem damaligen Klinikchef Grosse-Brockhoff. Loogen, der die Kardiologie dennoch immer im Rahmen der Inneren Medizin gesehen hat, erlebte eine späte „versöhnende“ Anerkennung, als ihm 1998 die Ehrenmitgliedschaft der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin verliehen wurde.
Loogen hat die erste unabhängige Abteilung für Kardiologie aufgebaut und schon früh mit den (Düsseldorfer) Herzchirurgen, insbesondere Ernst Derra und Wolfgang Bircks, zusammengearbeitet. Erst nachdem er 1967 den ersten kardiologischen Lehrstuhl mit klinischer Abteilung erhalten hatte, wurde „Kardiologie“ in Deutschland zu einem feststehenden Begriff und kardiologisch tätige Ärzte als „Kardiologen“ bezeichnet.Jennifer Taylor: Special Feature: History of the German Cardiac Society, Circulation, 4. Januar 2011, f1-f6
Darüber hinaus hat Loogen die deutsche Kardiologie auch auf Fachkongressen im Ausland erfolgreich vertreten, um die Ächtung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg zu überwinden, ihr wieder fachliche Anerkennung zu verschaffen und sie in die internationale kardiologische Gemeinschaft einzugliedern. Bereits 1972 wurde er als erster Deutscher in den Vorstand der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) gewählt. 1980 trat Loogen beim Europäischen Kongress für Kardiologie sein Amt als ESC-Präsident (1980–84) an. 16 Jahre später folgte ihm sein Schüler Günter Breithardt in diesem Amt nach.Hans Blömer: When Cardiology became a separate matter, Eur J Med Res 2006; 11: 415-7
Während seiner Zeit als Präsident der ESC vertrat Loogen auch im Vorstand der International Society and Federation of Cardiology (ISFC), der späteren World Heart Federation, die Interessen der europäischen Länder. Mit weltpolitischem Fingerspitzengefühl gewann er – lange vor dem Mauerfall – in Verhandlungen mit Vertretern der damaligen Ostblockländer und insbesondere der sowjetischen Gesellschaft für Kardiologie deren Zustimmung zu (West-)Berlin als Ort für den von der ISFC ausgerichteten XII. Weltkongress für Kardiologie im Jahr 1994. Da ihm daran lag, auch Kardiologen aus Ostblockländern die Teilnahme zu ermöglichen, war vereinbart worden, dass die Ostblock-Kardiologen – mangels Devisen – in Ostberlin übernachten und zum Kongress täglich über die Grenze kommen konnten.Günter Breithardt, L. Seipel: Nachruf: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Franz Loogen ist tot. Cardio News 2010; 13(9):18Günter Breithardt: Laudatio zum 85. Geburtstag; anläßlich eines Symposiums am 5. Juni 2004 in Benrath. Durch die weltpolitischen Änderungen 1989 bedingt, wurde der XII. Weltkongress 1994 dann gemeinsam mit dem jährlichen Kongress der ESC, bei Wegfall des Eisernen Vorhangs, durchgeführt.