mini|Der Apostel Paulus predigt in Athen, Skizze nach Raffael mini|Der Missionar Eric Jansson taufend in Brasilien, 1910
Der Begriff Mission leitet sich von lateinisch missio (Sendung) ab und bezeichnet im Christentum die Verbreitung des Evangeliums. Das Wort Evangelium entstammt der griechischen Sprache und bedeutet „gute Nachricht“ oder „frohe Botschaft“. Um diese zu übermitteln, können ggf. auch Missionare („Sendboten“) eingesetzt werden.
Grundsätzlich ist Mission als allgemeiner christlicher Auftrag zu verstehen, zu der jeder getaufte Christ berufen ist. Er richtet sich aber oft auf bestimmte Gebiete oder Zielgruppen und verfolgt das Ziel, Menschen gezielt mit dem christlichen Glauben in Berührung zu bringen. Dazu werden Missionare oft nach Eignung ausgesucht, geschult und trainiert. Eine Bekehrung von Menschen zum christlichen Gott bedeutet nach christlicher, auf dem Wort der Bibel beruhender Auffassung zugleich Rettung und Angebot für ein gelingendes, sinnerfülltes Leben, die Zurückweisung nach katholischer Kirchenlehre zugleich Verdammnis und Tod (siehe Hölle).
Die Ausbildung, Entsendung und finanzielle Unterstützung von speziellen christlichen Missionaren geschieht durch eine kirchliche Institution, ein überkonfessionelles Missionswerk, eine einzelne christliche Gemeinde oder den persönlichen Förderkreis der Missionare. Im 21. Jahrhundert ist global sowohl eine Intensivierung als auch eine Pluralisierung von Formen christlich-missionarischer Interaktionen zu beobachten.Henning Wrogemann: Missionstheologien der Gegenwart. Globale Entwicklungen, kontextuelle Profile und ökumenische Herausforderungen. Lehrbuch Interkulturelle Theologie / Missionswissenschaft, Band 2, Gütersloh, ISBN 978-3-579-08142-7.
Verwandte Begriffe für christliche Mission sind Evangelisierung und Evangelisation.
Biblische Grundlagen Vor seiner Kreuzigung hat sich der Jude Jesus laut Bibel gegen eine Missionierung von Nicht-Juden ausgesprochen:
Die christliche Missionstätigkeit gründet sich auf Passagen der christlichen Bibel, insbesondere auf den Missionsbefehl des Auferstandenen – Jesus Christus – an seine Jünger. Als Beleg wird das Matthäusevangelium herangezogen, das mit dem sogenannten Missionsbefehl endet:
Solch ein Missionsauftrag findet sich in sämtlichen Evangelien sowie in der Apostelgeschichte (; ; ; ).
Die historisch häufige Verbindung von Mission und Gewalt stützt sich auf . Im Gleichnis Jesu vom großen Abendmahl lässt der Hausherr vor einer Hochzeit Leute von der Straße „nötigen hereinzukommen“ (in der Übersetzung der Vulgata: „compelle intrare“), um das Haus zu füllen. Diese beiden Wörter wurden zur „Standardformel“, um „den Zwangscharakter vor allem der neuzeitlich-europäischen Mission“ auszudrücken und mit der Lehre des gerechten Krieges zu verbinden.Franz Gmainer-Pranzl: Ent-Eignung. „Mission“ als Paradigma fundamentaltheologischer Verantwortung. In: Franz Gruber, Christoph Niemand, Ferdinand Reisinger (Hrsg.): Geistes-Gegenwart. Vom Lesen, Denken und Sagen des Glaubens. Festschrift für Peter Hofer, Franz Hubmann und Hanjo Sauer (= Linzer Philosophisch-Theologische Beiträge. Bd. 17). Peter Lang, Frankfurt am Main 2009, S. 179–200, hier S. 180.
Die Grundlage für den Auftrag zur christlichen Mission beschränkt sich jedoch nicht auf die neutestamentlichen Schriften. Bereits im Alten Testament findet die christliche Theologie Aussagen, die den universalen Anspruch der Offenbarung Gottes betonen – dass Gottes Botschaft und Liebe nicht nur dem Volk Israel, sondern der gesamten Menschheit gilt. So wird die Anrede Gottes an Abraham, welche die ganze Menschheit erwähnt, im Christentum im Kontext des Missionsbefehls gelesen: .
Geschichte
mini|hochkant|Englischer Wandermissionar in der Mongolei 1904 mini|hochkant|David Brainerd, Missionar bei den Delawaren mini|Missionar auf Nauru, 1916–17 mini|Grönlandmissionar Aron von Kangeq, 19. Jh.
In der christlichen Mission gibt es zahlreiche Phasen, in denen bestimmte Kirchen oder Gruppen in bestimmten Gebieten besonders aktiv waren. Hier Hinweise auf Darstellungen an anderer Stelle: Unter Missionsgeschichte entsteht ein Überblick. Die keltisch-irische Mission und die angelsächsische Mission im Europa des 6. bis 8. Jahrhunderts wird im Moment durch diese Personen dargestellt: Patrick von Irland, (Kolumban der Jüngere, Gallus, Kilian, Willibrord, Bonifatius, Gregor der Große), Germanenmission – Sachsenmission. Mission der assyrischen Kirche des Ostens. Byzantinische Mission in Osteuropa – im 8. bis 11. Jahrhundert (Kyrill von Saloniki und Method von Saloniki, Photios I., Olga von Kiew). Die Anfänge der katholischen Mission unter Jesuitische Mission und Pariser Mission. Anschauliche Beispiele für die Verflechtung von Missionierung und Kolonialismus sind die Mission in Indien und das Wirken französischer katholischer Missionare in Ländern des französischen Kolonialreichs (es war im 19. Jahrhundert das zweitgrößte der Welt). Neuere evangelische und pietistische Missionsbewegungen, ausgehend von Wegbereitern wie Bartholomäus Ziegenbalg (1682–1719) von der Dänisch-Hallesche Mission, Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700–1760) und der von ihm gegründeten Herrnhuter Brüdergemeine und weiteren Personen.
Beispiel: Nordamerika
Die Mission, die nicht selten im Wettbewerb verschiedener Konfessionen stattfand, spielte in der Geschichte der Indianer Nordamerikas eine wichtige – wenngleich zwiespältige – Rolle. Den Missionaren wird dabei vor allem Paternalismus (Bevormundung, Ergreifung geistiger „Herrschaft“) und Ethnozid (Unterwanderung und Auslöschung der spirituellen Grundlage traditioneller Kulturen) vorgeworfen. Teils von Einzelpersonen nach persönlichen Voraussetzungen vorgenommen, erfolgte die Missionierung und kulturelle Assimilation der Urbevölkerung auch in organisierter Zusammenarbeit von Staat und Kirche, z. B. in Kanada mithilfe des ausschließlich für Kinder der First Nations, der Inuit und der Métis vorgesehenen, staatlich organisierten Bekenntnisschulsystems (sog. Residential Schools). Die Aufarbeitung von gewalttätigen Entgleisungen in diesem Zusammenhang erfolgt bis in die heutige Zeit.
Der christliche Missionsbefehl wurde von den Kolonialmächten gern als Rechtfertigung für ihre Landnahme angeführt. So gaben die Anwerber der ersten englischen Kolonie Jamestown vor, dass hier auf freiwilliger Basis „Land gegen rechten Glauben“ ausgetauscht würde. Tatsächlich blieb die berühmte Häuptlingstochter Pocahontas lange Zeit die einzige Christin ihres Volkes. Bei den Puritanern Neuenglands gelang die Christianisierung erst, als die Ureinwohner bereits erheblich dezimiert und demoralisiert waren und die Übernahme des Glaubens der einzige Weg war, um unter den neuen Machthabern zu überleben. Ähnlich verlief die Mission in Neufrankreich, da die Einheimischen nur wenig Interesse am Christengott fanden, solange ihre überlieferten soziokulturellen Strukturen noch intakt waren. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein existierte bei vielen noch nicht unterworfenen Stämmen eine Konfrontation zwischen Medizinmännern und Missionaren. Die Menschen versuchten dabei einzuschätzen, welche spirituelle Macht größer war; welcher Glaube dem Einzelnen größeres Heil bringen konnte. Grundsätzlich war der Gedanke einer Universalreligion den Indianern fremd, so dass schon handfeste Gründe für den Bekehrungswillen vorliegen mussten. Der aufkommende Alkoholismus unter vielen Indianern, die in regelmäßigem Kontakt mit Weißen standen, führte zu sozialen Problemen, deren Lösung oftmals eher den Christen zugetraut wurde. Ebenso gingen einige Indianer davon aus, dass die Macht des weißen Gottes an der Technologie der Eroberer zu erkennen sei. Häufig wurden sie allerdings enttäuscht, wenn ein Pastor keinen Beweis dafür liefern konnte. Der Erfolg der Mission hing demnach sehr vom Geschick und dem kulturellen Einfühlungsvermögen des jeweiligen Missionars ab. Förderlich war prinzipiell die Bereitschaft, sich in die indigene Gemeinschaft zu integrieren.
Anders als die französischen Jesuiten, die bereit waren, auch zu nomadisierenden Stämmen zu gehen, hielten spanische Missionare ihre Arbeit nur bei sesshaften Gemeinschaften für erfolgversprechend, so dass ihre Bemühungen sich lange Zeit nur auf die Pueblo-Kulturen richtete. Dort fand sich jedoch eine theokratische Gesellschaftsstruktur mit entsprechend starkem Einfluss religiöser Traditionen und deren mächtigen Repräsentanten, den Patowa-Priestern. Dies führte schnell zu gewalttätigen Auseinandersetzungen unter Zuhilfenahme des Militärs, deren Folge jedoch die Vertreibung der Spanier und eine Festigung der Stammesreligion war. Selbst spätere Missionsbemühungen führten lediglich zu einer synkretistischen Vermischung der Religionen, in der noch heute je nach Region christliche oder traditionelle Bestandteile dominant sind. Es gibt noch weitere Beispiele für eine Rückkehr bereits missionierter Gruppen zu ihrer traditionellen Religion, die jedoch dabei fast immer christlich beeinflusst wurde.
Überall dort, wo die Mission sich nicht deutlich von den weltlichen, zumeist „anti-indianischen“ Zielen der Euroamerikaner distanzierte, war ihr wenig Erfolg beschieden. Dies galt für die russisch-orthodoxen Missionare in Alaska bei den Nordwestküstenkulturen und ebenso für die protestantischen Kirchen in den USA. Die Katholiken hatten hier bessere Chancen. Ein weiteres Hindernis konnte im sozialen Status der Bekehrten liegen: Wandten sich etwa Außenseiter oder Leute von niedrigem Rang mit der Hoffnung auf ihre Besserstellung dem Christentum zu – was nicht selten geschah –, distanzierten sich die Anderen von den Missionaren. Vielfach bediente sich die Mission indigener Prediger und Katecheten als Missionshelfer. Diese Praxis hatte sehr häufig zur Folge, dass die christliche Botschaft zum Teil stark verfälscht bzw. an die Gedankenwelt der heidnischen Menschen angepasst wurde (ein bekanntes Beispiel ist der Lakota Black Elk). Auf der anderen Seite kann man damit gegen den Vorwurf des Ethnozids argumentieren.
Die christliche Mission bei den Ureinwohnern Nordamerikas hat seit dem 16. Jahrhundert diverse religiöse Formen hervorgebracht, die von einer kompletten Christianisierung mit der Integrierung einiger traditioneller Bräuche (Beispiele: Mi’kmaq, Iñupiat) über mehr oder weniger christlich beeinflusste ethnische Religionen (Beispiele: Dogrib, Apachen) oder „Doppel-Religiosität“ (auch Kompartmentalisierung, Beispiele: Pueblo-Kulturen, Oklahoma-Creek, James Bay Cree) bis hin zu „indianische Formen des Christentums“ (→ Indian Shaker Church, Native American Church, Langhaus-Religion) reichen.
Beispiel: Lateinamerika mini|hochkant|Stand der christlichen Mission um 1890 mini|hochkant|António Vieira versuchte im 17. Jahrhundert, einige Stämme vor der Sklaverei zu bewahren