rechts|180px Das Münchner Stadtmuseum ist ein kultur- und zeitgeschichtliches Museum der bayerischen Landeshauptstadt München. Es wurde am 29. Juli 1888 vom damaligen Stadtarchivar Ernst von Destouches begründet.
Es versteht sich als das materielle Gedächtnis der Stadt München. Seine vielfältigen Sammlungen bezeugen das historische sowie gegenwärtige Selbstverständnis der Stadt München. In den Sonder- und Dauerausstellungen werden hauptsächlich Objekte aus den eigenen Sammlungen gezeigt.
Das Museum befindet sich am St.-Jakobs-Platz in der Münchner Altstadt und ist in einem stetig gewachsenen Gebäudekomplex untergebracht.
Seit Anfang 2024 ist das Stadtmuseum für sieben Jahre zur Generalsanierung geschlossen.
Geschichte Wie bei vielen historisch ausgelegten Museen liegt der Ursprung des Münchner Stadtmuseums in der Reaktionsära nach der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848/49. Das Bürgertum vergewisserte sich seiner Herkunft und Geschichte, indem es seine eigene materielle Kultur sammelte und ausstellte. In Nürnberg war 1852 das Germanische Nationalmuseum gegründet worden, das Bayerische Nationalmuseum folgte 1855, und anlässlich des 750. Stadtjubiläums 1858 kam der Wunsch nach einem eigenen Museum der Stadt München auf.Soweit nicht anders angegeben, beruht dieses Kapitel auf: Münchner Stadtmuseum: Geschichte, abgerufen am 20. August 2026.
Es dauerte bis 1888, als Stadtarchivar Ernst von Destouches die Leitung des Historischen Stadtmuseums der Stadt München übertragen bekam. Ausschlaggebend war der Ankauf der historischen Bildersammlung des Kunsthändlers Joseph Maillinger durch die Stadt 1879, die einen Anstoß für das neue Museum bildete. Dazu erwarb Destouches kontinuierlich historische Objekte durch Ankauf und Schenkungen aus der Stadtgesellschaft. Im ehemaligen Münchner Zeughaus am St.-Jakobs-Platz, der Waffenkammer und -werkstätte der Münchner Bürgerwehr, das auch als Getreidespeicher verwendet worden war, fanden das Museum und die Maillingersammlung Räume im ersten Stock. Der Bestand der Sammlung in dieser Phase wurde beschrieben als „Sammelsurium verschiedener Objekte mit mehr oder weniger Bezug zur Stadtgeschichte“.
mini|Schematischer Plan der Baukörper 1888 bis 1978 und der geplante Kubus ab 2031 Nach dem Tod Destouches und dem Ersten Weltkrieg wird der Verwaltungsangestellte Konrad Schießl als treibende Kraft des Museums angesehen, obwohl er erst 1935 tatsächlich die Leitung des Hauses übernahm. Er orientierte es am Leitbild des Heimatmuseums. Gesammelt wurde nun Alltagskultur aus der Epoche vor den neuen Zumutungen aus „Industrialisierung, Modernisierung und Urbanisierung der Städte“ und nicht zuletzt der Umbrüche von Krieg und Revolution 1918. Der Heimatbegriff war konservativ und regional. Die Identifikation mit der eigenen Herkunft stand im Vordergrund. Das historische Zeughaus war durch Ausstellungsräume, Verwaltung und Magazin völlig ausgenutzt. Die aufstrebende Stadt finanzierte zwischen 1927 und 1931 gleich zwei Erweiterungsbauten: Den repräsentativen Querbau von Architekt und Stadtbaurat Hans Grässel und den im Osten an diesen anschließende, kleinere Leitensdorfertrakt, nach Architekt Hermann Leitenstorfer, der den Anschluss an das Marstallgebäude am Jakobsplatz herstellte und so einen ersten Innenhof abschloss. Im Krieg wurden die Sammlungen ausgelagert, so dass die weitgehende Zerstörung der Gebäude 1944 kaum Schäden an den Beständen verursachte.
Der Wiederaufbau dauerte bis 1954, Leiter war jetzt Max Heiß, ein gelernter Kunstmaler, der zeitnah mit der Wiedereröffnung 1955 seine Promotion in Kunstgeschichte abschloss. Er gab auch den Gsaengerblock in Auftrag, der von 1959 bis 1964 im Norden der bisherigen Bauten durch Architekt Gustav Gsaenger errichtet wurde. Der moderne, nüchterne Zweckbau erweiterte die Ausstellungs- und Verwaltungsfläche auf mehr das Doppelte, das Stadtmuseum belegte jetzt den kompletten Straßenblock. Die dafür genutzten Grundstücke hatten vor dem Krieg dem Kaufhaus Uhlfelder gedient, dessen jüdische Eigentümer enteignet und vertrieben worden waren. Er hatte nach einer bis 1953 hart erkämpften Restitution 1954 an die Stadt verkauft. Von 1976 bis 1977 wurde der im Krieg völlig zerstörte und abgetragene Marstall am St.-Jakobs-Platz in der alten Kubatur, aber mit moderner Aufteilung neu errichtet, 1977/78 auch ein kleiner Abschlussbau zur Nieserstraße mit einem historisierenden, achteckigen Treppentürmchen und der Zufahrt zur Tiefgarage.
Gebäude mini|Münchner Stadtmuseum (2022) Das Museum befindet sich auf einem geräumigen Areal im ehemaligen Zeughaus der Stadt München, im Marstall und in drei weiteren anliegenden Bauabschnitten. Das Zeughaus der Stadt entstand 1500, erbaut von Lukas Rottaler, und ist ein Bau der späten Gotik. Der ebenfalls spätmittelalterliche Marstall wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut. Im 20. Jahrhundert wurde das Münchner Stadtmuseum um drei weitere Bauabschnitte erweitert: den Grässeltrakt (erbaut 1926–28 von Hans Grässel), den Leitenstorfertrakt (erbaut 1930–31 von Hermann Leitenstorfer), den Gsaengertrakt (erbaut 1959–64 von Gustav Gsaenger) und den Hofmanntrakt (erbaut 1977–78 vom Architekturbüro Martin Hofmann, Tilman Erdle und Peter Wagner).
Generalsanierung Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass die Museumsbauten sanierungsbedürftig sind. 1999 wurde erstmals eine „dringend notwendige“ Generalsanierung des Münchner Stadtmuseums festgestellt. Im Juli 2019 beschloss der Münchner Stadtrat die Generalsanierung der Gebäude. Neben der Sanierung erhält das Museum einen neuen Eingang und einen Erweiterungsbau im Innenhof. Veranschlagt wurden für die Sanierung 183 Millionen Euro, plus 20 Millionen Euro für die Neugestaltung der Ausstellungsbereiche. 2015 wurde das Architekturbüro Auer Weber beauftragt, die inhaltlichen Vorstellungen für das Münchner Stadtmuseum in eine Sanierungs- und Bauplanung zu übersetzen. Für die Zwischenzeit wurden als Ausweichquartier für Büros und Restaurierungsateliers Räumlichkeiten auf dem Stammareal der Arri Group in der Türkenstraße für zehn Jahre angemietet. Nach der Kommunalwahl 2020 verschob der Münchner Stadtrat die zwischenzeitlich auf 140 Millionen Euro veranschlagte Sanierung auf mindestens bis 2026, was seitens des Museums bedauert und kritisiert wurde. Zwischenzeitlich beschloss der Stadtrat, die Sanierung 2024 mit einem Kostenaufwand von 203 Millionen Euro zu starten, verbunden mit einer ab 8. Januar 2024 beginnenden, über mehrere Jahre sich hinziehenden Schließung des Museums. Unter dem Motto „Hin und weg“ startete das Museum im November 2023 mit einem umfangreichen Programm eine große Abschiedstour durch sämtliche Bereiche des Münchner Stadtmuseums. Zum Abschied besuchten 55.000 Menschen das Museum am St.-Jakobs-Platz, allein am letzten Wochenende 11.000.
Neukonzeption und Zwischennutzung Während der Sanierung, dem Umbau und der Neukonzeption reduziert das Museum seine Aktivitäten. Als wesentliches Element der Öffnung des Museums zur Stadt hin sehen Museumsleiterin Frauke von der Haar, Kulturreferent Anton Biebl und der verantwortliche Architekt Moritz Auer die Verlegung des Haupteingangs des Museums vom Süden am Jakobsplatz zur Nordseite an den Rindermarkt, von wo die Besucher über einen künftig großen vollflächig überdachten Innenhof in das Museum gelangen. Über einen Gebäudekubus im Innenhof sind die Ausstellungsflächen im Obergeschoss angebunden.
2024 fand der Ausbau und Umzug statt, wobei die 30 000 Museums-Quadratmeter in dem Gebäudeareal zwischen St.-Jakobs-Platz, Oberanger und Rosental geräumt wurden, mitsamt den etwa drei Millionen Kultur- und Kunstgütern, die verpackt, transportiert und in Depots zwischengelagert wurden. Nach dem Umbau stehen ca. 4.500 Quadratmeter für Dauerausstellungen zur Verfügung. Die Ausstellungsflächen umfassen ab 2031 insgesamt 7.000 Quadratmeter. Über Details der Neukonzeption und die Aktivitäten des Museums in der Zwischenzeit hat das Museum eine eigene Informationsseite eingerichtet, wo auch darauf hingewiesen wird, dass das Kino des Filmmuseums und das Stadtcafé bis Juni 2027 wie gewohnt in Betrieb bleiben.
Zwischenzeitlich nutzen Personal und Werkstätten das ehemalige Arri-Gelände in der Münchner Innenstadt und präsentieren dort von 2025 bis 2027 ein sammlungsübergreifendes Projekt. Bis zur Wiedereröffnung gibt es kleinere Ausstellungen an verschiedenen Orten in München. Eine Ausstellung der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung zum Jugendstil in München fand von Oktober 2024 bis März 2025 in Kooperation mit dem Stadtmuseum statt. mini|Interimsausstellung im Zeughaus mini|Geschichte am Bauzaun Bis 18. April 2027 findet im historischen Zeughaus des Münchner Stadtmuseums eine Interimsausstellung statt. Zudem nutzt das Museum die Zeit der Schließung, um wie in einem Labor neue Formen auszuprobieren, die Öffentlichkeit zu erreichen. Im Juni 2026 wurden Räume im Münchner Viehhof bespielt, um mit der Nachbarschaft Geschichte und Kultur des Schlachthofviertels zu erforschen.Münchner Stadtmuseum: Mittendrin. Ein Viertel erzählt seine Geschichte(n), abgerufen am 2. Juni 2026tz: Münchner Stadtmuseum bezieht Viehhof in der Ludwigsvorstadt und lädt Anwohner zur Mitarbeit ein, 1. Juni 2026 (abgerufen am 2. Juni 2026)
Den 100 Meter langen Bauzaun um den Sanierungskomplex entlang des Sebastiansplatzes und der Nieserstraße bespielt das Museum seit Juni 2026 bis zur geplanten Wiedereröffnung 2031 als eine Art Open-Air-Ausstellung mit Einblicken in die Geschichte des Museums und der Stadt. Großformatige historische Archivbilder dokumentieren die Entwicklung des Museums von seiner Gründung im Jahr 1888 bis in die Gegenwart. Die anstehenden architektonischen Meilensteine sind auf Schautafeln präsentiert und zeigen, wie das Museum nach Norden geöffnet wird und wie die vollflächige Glasüberdachung des nördlichen Innenhofs künftig als offene Museumslobby zum Besuch einlädt.
Dauerausstellungen
„Typisch München!“ mini|Das Zeughaus auf einer Zeichnung nach dem Sandtnerschen Stadtmodell Eingebettet in den kulturgeschichtlichen Kontext wird in einem Rundgang über drei Etagen alles dargestellt, was typisch für die Stadt und ihre Bewohner ist. Vom angeblichen Schlüsselbein Herzog Heinrichs des Löwen bis zur Allianz Arena beleuchtet die Ausstellung die Kulturgeschichte Münchens von ihrer Gründungslegende bis zur Gegenwart. Ein Anziehungspunkt sind die um 1480 entstandenen Moriskentänzer von Erasmus Grasser (1450–1518), die für den Ballsaal des Alten Rathauses geschaffen worden waren. Die Moriskentänzer gelten als Standardbeispiele der bürgerlichen Kunst der Spätgotik. Bedeutend ist auch eine Kopie des Stadtmodell Münchens von Jakob Sandtner aus dem Jahre 1570. Auch das Grabrelief der Indianerkinder Juri und Miranha befindet sich seit 1892 im Besitz des Museums und wurde in die Ausstellung integriert.
Auf insgesamt 2400 m2 zeigt die Ausstellung rund 400 Objekte, beginnend mit dem alten München über Stationen wie Königreich oder Schwabinger Bohème bis hin zu den Olympischen Sommerspielen 1972 und zur Gegenwart. Zu sehen sind die bedeutendsten Werke, die das Münchner Stadtmuseum seit seiner Gründung 1888 gesammelt hat. Die Ausstellung stellt drei Fragen: Was ist typisch München, seit wann und vor allem warum?
Die Ausstellung zeigt ausschließlich Werke aus den eigenen Beständen und gibt einen umfassenden Einblick in die Sammlungsbereiche des Münchner Stadtmuseums: Angewandte Kunst, Filmmuseum, Fotografie, Grafik / Gemälde, Mode / Textilien / Kostümbibliothek, Musik, Puppentheater / Schaustellerei, Reklamekunst, Stadtkultur. Im Hinblick auf eine Auswahl wurden die Bestände für die Ausstellung wissenschaftlich neu bearbeitet, restauratorisch betreut und in den jeweiligen stadthistorischen Kontext gestellt.