Die Urft ist ein 46,4 km langer, rechter Nebenfluss der Rur im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen. In der Gemeinde Kall gibt es die Ortschaft Urft, die die Urft durchfließt.

Namensherkunft Der Name der Urft hat sich aus „Urd-apa“ entwickelt. Die Herkunft des Wortes „Urd“ ist bisher unbekannt, könnte aber mit dem althochdeutschen Wort wurt „Schicksal“ im Sinne von „Wendung“ in Zusammenhang stehen. Die Urft hatte 1075 den Namen „Urdefa“, 1419 „Orfft“ und 1503 „Oyrfft“. Der Ort Urft leitet seinen Namen von dem Fluss ab.

Geographie Verlauf Die Urft entspringt in der Nordeifel im Naturpark Hohes Venn-Eifel auf einer Höhe von etwa . Ihre Quelle liegt im Dahlemer Wald, 3,8 km westlich des Dahlemer Ortsteils Schmidtheim und 2,3 km (jeweils Luftlinie) nordwestlich des Flugplatzes Dahlemer Binz. Die verschiedenen Quellbäche der Quellmulde sammeln sich erstmals im Urftweiher, der 1,5 km westlich von Schmidtheim auf einer Höhe von . liegt.

mini|links|Urftweiher Als Flussgewässer ist die Urft nach dem Urftweiher erstmals sichtbar.Informationstafel der Touristinformation Oberes Kylltal: Urft und Urftweiher. Eifeler Quellpfad, aufgestellt am Urftweiher, Mai 2022.

Anfangs fließt die Urft durch Schmidtheim; ab dort wird sie von der Eifelstrecke begleitet. Danach mündet der Dänenbach ein. Nach Blankenheim-Wald, wo sie den Wisselbach aufnimmt, wird sie von der Bundesstraße 258 überquert. Danach fließen ihr unter anderem der Treisbach, der Laufbach und der Haubach zu. Am Steinrütsch, der auf der Gemarkung von Nettersheim liegt und wo sich Überreste eines Burgus und eines Kleinkastells befinden, mündet der Wellenbach in die Urft und in Nettersheim der Genfbach. Anschließend verläuft der Fluss – parallel zur bei der ehemaligen Gronrechtsmühle am Grünen Pütz beginnenden römischen Eifelwasserleitung – durch Urft, wo der Gillesbach einmündet, und unterhalb des Dorfs der Kuttenbach. Hiernach läuft die Urft durch Sötenich und Kall, wo sowohl die Eifelstrecke als auch die Eifelwasserleitung sie verlassen und sie den Kallbach aufnimmt, um fortan entlang der Oleftalbahn nach und durch Anstois zu verlaufen. Danach passiert sie Gemünd, wo die Olef einmündet und im Dorf die Bundesstraßen 265 und 266 die Urft überqueren. Dort verlässt sie die Oleftalbahn, um dann durch Malsbenden zu fließen.

Anschließend fließt die Urft in den Urftstausee ein, der sein Wasser im Regelfall im nördlich des Stausees liegenden Höhenzug Kermeter durch den Kermeterstollen und durch die Turbinen des Kraftwerks Heimbach mit dortigem Abfluss in das Ausgleichsbecken der Stauanlage Heimbach und somit in die Rur leitet. Durch diesen künstlichen Stollenabfluss wurde die Urftmündung in die Nähe des südlich des Heimbacher Ortsteils Hasenfeld gelegenen Rur-km 111,1 verlagert. Vor dem Bau der Urftstaumauer mündete der Fluss auf natürliche Weise oberhalb des Simmerather Ortsteils Rurberg etwa beim Rur-km 123,5 in die Rur. Seit der 2. Ausbaustufe des Rursees 1959 überstaut das Wasser vom dortigen Obersee des Rurstausees den alten (mündungsnahen) Unterlauf der Urft an die Luftseite der Urftstaumauer um 12 m. Dorthin fließt das Stauseewasser bei Hochwassersituationen über das Überfallwehr der Urftstaumauer.

Einzugsgebiet Das in der Nordeifel liegende Einzugsgebiet der Urft ist 372,564 km² groß und entwässert über Rur, Maas und Hollands Diep in die Nordsee.

Es grenzt im Norden an das der kleinen Rurzuflüsse Eschbach, Hohenbach und Büdenbach im Nordosten an das des Steinbachs, Herbstbachs und Heimbachs, die alle ebenfalls kleinere Rurzuflüsse sind im Osten an das des Rheinzuflusses Erft im Südosten an das der Ahr, ebenfalls ein Zufluss des Rheins im Süden an das der Kyll, die ein Zufluss der Mosel ist im Südwesten an das des Amelzuflusses Warche und des Rurzuflusses Perlenbach im Westen an das des Rurzuflusses Erkensruhr und im Nordwesten an das des Elfesbachs, ebenfalls ein Zufluss der Rur.

Die höchste Erhebung ist das Bärbelkreuz () im Süden des Einzugsgebiets.

Hydrologischer Hauptstrang Die Olef ist der mit Abstand größte Nebenfluss der Urft.

+ Hydrologischer Hauptstrang Name Längein km EZGin km² MQin m³/s UrftBis zum Zusammenfluss mit der Olef 34,7 145,018 1,68 Olef 28,1 196,076 3,37

Anmerkungen zur Tabelle

Der Vergleich zwischen Urft und Olef beim Zusammenfluss in Gemund zeigt, dass die Olef mit ihrem größeren mittleren Abfluss (MQ) bis dorthin zum hydrologischen Hauptstrang des Flusssystems Urft gehört, während der längere Urft-Oberlauf ein Nebenstrang davon ist.

Zuflüsse

Zuflüsse von der Quelle bis zur Mündung

In die Tabelle aufgenommen wurden nur die Zuflüsse, bei denen die Gewässerkennzahl (GKZ) oder der Namen bekannt ist

Zuflüsse der UrftEinschließlich der Zuflüsse in den Alten UrftverlaufDie Daten zum MQ nach ELWAS und die Daten zum EZG teilweise nach ELWAS. GKZ Name Länge(km) EZG(km²) MQ(m³/s) Richtung Mündung(bei km) Mündung(bei Ort) Bemerkung 2822112 N.N. 1,7 1,139 0,02 links 43,8 2822114 N.N. 2,5 1,767 0,03 links 43,6 2822116 N.N. 1,9 1,202 0,02 rechts 43,7 HermessiefenEigenmessung der Länge auf ELWAS 0,4 links 42,7 Schmidtheim Nonnenbach 0,7 links 41,4 Schmidtheim 282212 Dänenbach 5,7 4,784 0,06 links 40,1 Schmidtheim 2822132 Zehnbach 1,3 2,598 0,03 rechts 39,5 282214 Wisselbach 3,5 2,314 0,03 links 38,3 Blankenheim-Wald 2822152 Schäferbach 1,7 1,713 0,02 rechts 37,8 Blankenheim-Wald 2822154 Scheidsiefen 0,9 0,823 0,01 rechts 37,1 2822156 Treisbach 2,8 1,783 0,02 links 36,2 282216 Haubach 3,4 7,057 0,07 rechts 35,2 2822172 Laufbach 2,2 1,619 0,02 links 34,9 2822174 Lützertseifen 1,5 0,555 0,01 rechts 34,5 Greuer Siefen 0,5 links 34,3 2822176 Gelensiefen 1,4 0,858 0,01 links 33,3 2822178 Wellenbach 2,5 2,371 0,02 rechts 31,7 282218 Schleifbach 3,9 3,961 0,04 links 30,8 Nettersheim 28222 Genfbach 9,6 20,102 0,19 rechts 29,4 Nettersheim 28224 Gillesbach 6,6 15,644 0,19 links 23,2 Urft 282252 Kuttenbach 5,3 4,488 0,06 links 22,3 Urft 28226 Kallbach 7,2 15,007 0,19 links 18,4 Kall 282272 (Bach An den Fuchslöchern) 1,7 0,960 0,01 rechts 16,8 Kall 2822732 Fahrenbach 2,8 2,039 0,02 links 16,7 Kall 28227392 Dränkensief 1,6 1,195 0,01 links 16,2 Kall-Anstois 282274 (Bach an der Mastermühle) 1,4 1,785 0,02 rechts 16,2 Anstois-Mastermühle 282276 (Bach Im Rödchen) 1,4 0,665 0,01 links 15,2 Mittelbach 0,4 rechts 13,5 Gemünd 282278 MühlenbachAbzweigung der Urft 1,3 links 13,1 2822792 Seelbach 0,9 0,940 0,01 rechts 13,1 Gemünd Sprengelbach 0,4 rechts 12,5 Gemünd 28228 Olef 28,1 196,073 3,37 links 11,7 Gemünd 2822918 Braubach 3,5 2,573 0,03 links 11,3 Gemünd 2822914 Großer Scheuerbach 1,1 1,382 0,01 rechts 11,1 Gemünd 2822912 Lompig 1,1 0,589 0,01 rechts 10,5 Gemünd 2822992 HorrenbachEigenmessung des EZG's auf ELWAS 1,8 1,1 links 9,4 Gemünd 28229936 Laßbach 2,3 2,175 0,03 links 8,2 2822994 Großer Böttenbach 3,0 2,440 0,02 rechts 7,1 mündet in den Urftstausee-Ostteil 28229952 Morsbach 2,3 2,062 0,03 links 6,3 mündet in den Urftstausee-Ostteil 2822996 Lorbach 3,0 2,816 0,03 rechts 4,9 mündet in den Urftstausee-Mittelteil 28229972 Amselbach 2,1 1,346 0,01 rechts 4,8 mündet in den Urftstausee-Mittelteil 28229974 Hohenbach 1,6 1,708 0,02 rechts 2,8 mündet in den Urftstausee-Mittelteil 2822998 (Bach vom Walberhof) 2,5 2,722 0,03 links 2,3 mündet in den Stausee-Mittelteil 28229992 Haftenbach 0,6 0,599 0,01 links 0,9 mündet in den Urftstausee-Westteil 2821922 Walbigbach 2,2 1,376 0,02 links mündet in die Alte Urft (GKZ: 282192) 2821924 Friedenbach 1,1 0,763 0,01 rechts mündet in die Alte Urft

Urftstausee

Durch die 58,5 m hohe und 226 m lange Urfttalsperre (Staumauer) wird die Urft zum 2,16 km² großen Urftstausee (Urftsee) aufgestaut.

Neben der Wasserstandsregulierung der etwas unterhalb an der Urfttalsperre gestauten Rur dienen Urfttalsperre und Urftstausee dem Hochwasserschutz, der Niedrigwasseraufhöhung und hauptsächlich der Stromerzeugung, der Abfluss der gestauten Urft über den Kermeterstollen zum Kraftwerk Heimbach in die Rur ist die Regel.

Literatur Hans Peter Schiffer: Das Urfttal in der Eifel. Landschaft, Natur, Geschichte. 2. Auflage. LandpresseRegio, Weilerswist 2006. Weblinks

Hänge an Urft und Gillesbach, Urftaue von Urft bis Schmidtheim Fliegenfischen in der Urft

Einzelnachweise Höhenlage des Obersees bei Stauziel Hans Peter Schiffer: Das Urfttal in der Eifel. Landschaft, Natur, Geschichte. 2006. S. 6. zur Urftmündung siehe auch: Die GKZs von Braubach, Großer Scheuerbach und Lompig (so die Ordnung flussabwärts) verletzen das Nummerierungssystem.

Kategorie:Fluss in der Eifel Kategorie:Gewässer im Kreis Euskirchen