mini|alternativtext=Peer Steinbrück (Oberkörper) im dunkler Anzugjacke, blauweiss längsgesteiftem Hemd, roter Krawatte vor Studiowand|Peer Steinbrück (2024) rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift von Peer Steinbrück Peer Steinbrück (* 10. Januar 1947 in Hamburg) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD). Von 1990 bis 1992 war er Staatssekretär im schleswig-holsteinischen Umweltministerium, dann ab 1992 im dortigen Wirtschaftsministerium, dessen Minister er von 1993 bis 1998 war. 1998 übernahm er das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium und wechselte 2000 ins Finanzministerium. In den Jahren 2002 bis 2005 war Steinbrück Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, von 2005 bis 2009 Bundesminister der Finanzen und stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Von 2009 bis 2016 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Bei der Bundestagswahl 2013 unterlag er als SPD-Kanzlerkandidat der Amtsinhaberin Angela Merkel.

Leben Herkunft, Schule, Wehrdienst und Studium Peer Steinbrück kam als erster von zwei Söhnen des Architekten Ernst Steinbrück (1914–1998) und dessen Frau Ilse, geb. Schaper (1919–2011),Christoph Rybarczyk: Peer Steinbrück trauert um seine Mutter Ilse. In: Hamburger Abendblatt, 27. September 2011. in Hamburg zur Welt und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen in einem Mietshaus im östlichen Teil von Hamburg-Uhlenhorst auf.Daniel Friedrich Sturm: Früh übt sich. In: Der Freitag, 5. Juli 2012 (Leseprobe aus der Biographie). Er besuchte nach der Grundschule zunächst die altsprachliche Gelehrtenschule des Johanneums, verließ diese aber nach der 8. Klasse wegen unzureichender Leistungen und machte 1968 nach zweimaliger Wiederholung von Jahrgangsstufen an der Staatlichen Handelsschule Am Lämmermarkt in Hamburg-St. Georg das Fachabitur in der Fachrichtung Wirtschaft. In den Jahren 1968 bis 1970 absolvierte Steinbrück als Soldat auf Zeit und Reserveoffizieranwärter eine zweijährige Ausbildung zum Reserveoffizier des Heeres der Bundeswehr. Während seiner Dienstzeit war er unter anderem im Panzerbataillon 314 in Oldenburg-Bümmerstede eingesetzt und trat 1969 der SPD bei. Zum Dienstzeitende wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt.Daniel Friedrich Sturm: Steinbrücks katastrophale Jahre in der Mittelstufe. In: welt.de, 29. September 2012, abgerufen am selben TagSteile Karriere als Parkplatzwächter. In: Die Welt, 29. September 2012 Ab dem Sommersemester 1970 studierte Steinbrück Volkswirtschaftslehre mit Nebenfach Soziologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Das Studium schloss er 1974 als Diplom-Volkswirt ab.

Tätigkeit in der Ministerialbürokratie und als Fraktionsmitarbeiter Nach dem Studium arbeitete er ab 1974 zunächst im Rahmen eines 15-monatigen WerkvertragesDaniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück, Biografie. dtv 24924, München 2012, S. 39. ISBN 978-3-42324-924-9 für das Bundesministerium für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau. Da Nachbarn 1972 die Polizei in Steinbrücks Kieler Studenten-Wohngemeinschaft geschickt hatten, galt Steinbrück zeitweise den Behörden als Sicherheitsrisiko.Susanne Höll: „Schlicht und einfach Selbstverliebtheit“ In: Süddeutsche Zeitung, 9. Januar 2010 (Interview). Obwohl der Polizeibesuch grundlos war, verhinderten daraus resultierende Einträge beim Verfassungsschutz und ein Verfahren der Staatsanwaltschaft Kiel auf Grundlage des Radikalenerlasses Steinbrücks Einstellung beim Bonner Bauministerium im März 1976.Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück, Biografie. München 2012, S. 40ff. 1975 war Steinbrück nach Bonn zu seiner zukünftigen Frau Gertrud gezogen, die dort als Doktorandin arbeitete.Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück, Biografie. München 2012, S. 1. Erst nachdem sich der Fraktionsvorsitzende der SPD im Kieler Landtag, das Mitglied der dortigen Parlamentarischen Kommission zur Kontrolle des Verfassungsschutzes, Klaus Matthiesen und weitere SPD-Politiker, darunter Norbert Gansel und Reimut Jochimsen, eingeschaltet hatten, stellte die Staatsanwaltschaft Kiel das Verfahren ein. Sie bescheinigte Steinbrück, nur Zeuge in einem eingestellten Verfahren wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung gewesen zu sein. Nach sechs Monaten Arbeitslosigkeit wurde Steinbrück im Herbst 1976 Mitarbeiter im Bonner Bundesministerium für Forschung und Technologie unter dem damaligen Leiter der Planungsgruppe und späteren Abteilungsleiter Ekkehard Wienholtz (SPD) sowie Staatssekretär Volker Hauff (SPD).Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück, Biografie. München 2012, S. 41. 1977 wurde er persönlicher Referent der Minister Hans Matthöfer und Volker Hauff im Bundesministerium für Forschung und Technologie. Für Matthöfer schrieb Steinbrück Reden.Daniel Friedrich Sturm: Peer Steinbrück, Biografie. München 2012, S. 43. Von Juni 1978 bis zum Februar 1981 war Steinbrück als wissenschaftlicher Mitarbeiter des höheren Dienstes (offiziell Hilfsreferent) im Kanzleramt von Helmut Schmidt tätig.Bühne frei für Schmidt und Steinbrück. In: Frankfurter Rundschau vom 24. Oktober 2011, abgerufen am 24. Oktober 2011. Er hatte dort eine Stelle im Spiegelreferat zum Bundesministerium für Forschung und Technologie inne. Abgeordnetenbiografie auf bundestag.de 1981 arbeitete Steinbrück in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin, wo er in der Abteilung Wirtschaft tätig war. 1981/82 war er wieder persönlicher Referent, diesmal zuständig für Bundesforschungsminister Andreas von Bülow.

Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition unter Bundeskanzler Helmut Schmidt im Herbst 1982 wurde Peer Steinbrück beruflich freigestellt, bis er im Frühjahr 1983 als Referent der SPD-Bundestagsfraktion tätig wurde. 1985 wechselte er ins Ministerium für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. 1986 wurde er Büroleiter des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau; diese Tätigkeit übte er bis 1990 aus.

Politische Laufbahn Landesregierung Schleswig-Holstein Im Jahr 1990 wechselte Steinbrück als Staatssekretär in die Landesregierung Schleswig-Holsteins unter Ministerpräsident Björn Engholm, zunächst in das Ministerium für Natur, Umwelt und Landesentwicklung (bis 1992), dann in das Ministerium für Wirtschaft, Technik und Verkehr (bis 1993). Am 19. Mai 1993 wurde Steinbrück zum Minister für Wirtschaft, Technik und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein ernannt (Kabinett Simonis I und Kabinett Simonis II).

Landesregierung Nordrhein-Westfalen Am 28. Oktober 1998 wechselte Steinbrück nach Nordrhein-Westfalen, wo er zunächst das Ministerium für Wirtschaft und Mittelstand, Technologie und Verkehr (Kabinett Clement I) und ab dem 22. Februar 2000 das Finanzministerium (Kabinett Clement I und Kabinett Clement II) leitete. Nach Medienberichten soll Steinbrück Ende der 1990er Jahre interessiert gewesen sein, Präsident eines Sparkassen- und Giroverbandes zu werden, was jedoch an Widerständen in der SPD scheiterte.Wie Peer Steinbrück fast einmal in die Wirtschaft wechselte. In: Spiegel Online, 5. Januar 2013, abgerufen am 5. Januar 2013

Am 6. November 2002 wurde Steinbrück zum Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen (Kabinett Steinbrück) gewählt. Er trat damit die Nachfolge von Wolfgang Clement an, der das Amt aufgegeben hatte, um Bundesminister für Arbeit und Wirtschaft zu werden. Nachdem die SPD mit ihrem Spitzenkandidaten Steinbrück bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2005 mit 37,1 % ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in NRW seit 1954 erreichte und auch die Grünen Stimmen verloren, büßte die ihn stützende rot-grüne Koalition ihre Mehrheit im Landtag ein. Die neue Mehrheit im Landtag wählte infolgedessen Jürgen Rüttgers (CDU) am 22. Juni 2005 zum neuen Ministerpräsidenten.

Während seiner Zeit als Finanzminister und später als Ministerpräsident in NRW beschloss der Landtag in den Jahren 2001 und 2002 mit den Stimmen der Fraktionen von SPD und Grünen Haushalte, die verfassungswidrig waren.VerfGH NRW, Urt. v. 02.09.2003 – VerfGH 6/02, OVGE 49, 278 Um einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können, hatte Steinbrück Rücklagen verwendet, die zuvor mit Krediten finanziert worden waren. Diese kreditfinanzierte Bildung von Rücklagen habe gegen das Gebot der Wirtschaftlichkeit und der Kreditbegrenzungsregelung der Landesverfassung verstoßen, so der Verfassungsgerichtshof für das Land NRW.„NRW-Haushalte waren verfassungswidrig“. In: Süddeutsche Zeitung, 2. September 2003

Bundesfinanzminister Am 22. November 2005 wurde Steinbrück als Bundesminister der Finanzen in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen.

Steinbrück setzte sich im Koalitionsvertrag für die Deregulierung der Finanzmärkte ein. Er kündigte an, die Politik von Hans Eichel fortzusetzen, unter anderem sollten Private Equity und Real-Estate-Investment-Trusts gefördert werden.Die verdrängten Sünden der Heuschrecken-Bändiger. In: Der Spiegel, 4. März 2009 Der Handel mit „Verbriefungen“, die später als „Schrott-Papiere“ bekannt wurden, sollte „aus Sicht des Bundesfinanzministeriums“ unbedingt erleichtert werden, ließ sein Staatssekretär Jörg Asmussen verkünden, und dem folgte die BMF-geleitete Gesetzgebung. Im Jahr 2007 übernahm sein Finanzministerium für das Steuergesetz einen von der Banken- und Beraterlobby verfassten Gesetzestext "eins zu eins, ohne dass ein Komma geändert wurde". Dadurch konnten Cum-Ex-Geschäfte in das Ausland verlagert werden und erreichten dann 2010 ihren Höhepunkt, wodurch Milliarden Euro an Steuergeldern in privaten Taschen verschwunden sind.