Astro Boy (jap. , übersetzt etwa „Eisenarm Atom“) ist ein Manga des japanischen Zeichners Osamu Tezuka aus den Jahren 1952 bis 1968. Das Werk umfasst über 2000 Seiten und wurde mehrfach als Anime und Videospiel umgesetzt. Die erste Verfilmung des Mangas war die erste halbstündige Anime-Fernsehserie und die erste mit fortgesetzter Handlung.
Inhalt Tobio, der Sohn von Doktor Tenma, kommt im Jahr 2003 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Da der Professor über den Tod seines einzigen Sohnes nicht hinwegkommt, erschafft er mit Hilfe modernster Technik den Androiden Astro Boy (im Original Tetsuwan Atomu genanntDer Name ist schwer übersetzbar und bedeutet wörtlich „der Atom mit den Eisenhänden“. Im japanischen Original wird auch der englische Untertitel Mighty Atom verwendet. Alexander Wißnet: Roboter in Japan. Ursachen und Hintergründe eines Phänomens. München 2007, S. 43f.), der Tobio ähnlich sieht. Als er jedoch feststellt, dass Astro Boy nicht älter werden kann, verstößt er ihn.
Der Wissenschaftler Professor Ochanomizu rettet Astro Boy aus einem Roboterzirkus, schenkt ihm Superheldenfähigkeiten und erschafft für ihn eine Roboterfamilie. Astro Boy muss immer wieder schwierige Aufgaben lösen. Dabei tritt er Krieg und Unrecht entgegen und kämpft für Frieden.
Entstehung Die von Tezuka zunächst angedachte Gagstrip-Reihe Ambassador Atom hatte im Magazin Shōnen keinen Erfolg. Auf den Rat seines Redakteurs entwarf er die Serie als langangelegte Abenteuergeschichte neu, in der der Schwerpunkt statt auf den Witzen auf der Erzählung lag. Der dabei entstandene Tetsuwan Atomu wurde bald ein großer Erfolg.Paul Gravett: Manga - Sechzig Jahre Japanische Comics, S. 55. Egmont Manga und Anime, 2004. Der Stil des Mangas ist, wie andere frühe Werke Tezukas, noch stark vom Stil der Disney-Filme beeinflusst.Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hrsg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 32. Henschel Verlag, 2008.
Die Leser des Shōnen-Magazins konnten sich aktiv an Abstimmungen über die Serie beteiligen, was dazu führte, dass das Aussehen von Astro Boy im Laufe der Manga-Serie mehrfach überarbeitet wurde.
Veröffentlichung Astro Boy erschien in Japan von April 1952 bis 1968 in Fortsetzungskapiteln im Manga-Magazin Shōnen des Verlags Kōbunsha. Später erschien der Manga in insgesamt 23 Sammelbänden.
Das Werk erschien auf Französisch bei Glénat, später Kana und Panini, auf Englisch bei Dark Horse Comics, Spanisch bei Glénat España und Portugiesisch bei Planet Manga. Es wurde außerdem unter anderem ins Schwedische, Niederländische und Dänische übersetzt.
Auf Deutsch veröffentlichte Carlsen Comics ab 2000 insgesamt 21 Sammelbände.
Adaptionen Anime-Fernsehserie 1963 Das von Osamu Tezuka gegründete Anime-Studio Mushi Production produzierte zum Manga eine gleichnamige in schwarz-weiß gehaltene Anime-Serie mit 193 Folgen. Regie führte Osamu Tezuka und die Musik komponierte Tatsuo Takai. Der Vorspanntitel Tetsuwan Atom stammt von Kamitakada Shōnen Gasshōdan. Bei der Produktion als Cel-Animation wurde eine Reihe von Methoden eingesetzt, die eine möglichst kostengünstige und schnelle Fertigstellung ermöglichten. Bis dahin waren animierte Fernsehserien wegen des Kosten- und Arbeitsaufwands für unmöglich gehalten worden. Die Methoden der Limited Animation wurden in der folgenden Zeit prägend für Anime im Allgemeinen: weniger Bilder pro Sekunde, Konzentration auf (bewegungslose) Schlüsselmomente, Animation durch Bewegung der Bildebenen gegeneinander oder Schleifen von Bewegungsabläufen, Wiederverwendung von Bildern, Aufteilung von Bildern und Figuren in animierte und nicht animierte Teile sowie schnelle Schnitte. Schließlich wurden für jede der Folgen, die etwa 2.500 Cels benötigte, nur jeweils 1.000 Cels neu produziert. Um den Eindruck billiger Animation entgegenzuwirken, wurden neben passenden Schnitten und Erzähltechniken auch Musik und Toneffekte eingesetzt. Die Produktionskosten konnten so auf 1,5 Millionen Yen pro Folge gedrückt werden.Jonathan Clements: Anime – A History. Palgrave Macmillan 2013. S. 116–130. ISBN 978-1-84457-390-5.
Um seinen großen Bedarf an Zeichnerarbeit zu decken, vergab Mushi Production Aufträge an weitere Studios, die einzelne Folgen, Szenen oder nur Zwischenphasenbilder zuliefern sollten. Diese waren ihrerseits wiederum schnell von der Arbeit überfordert, sodass sie die Arbeit an andere weitergaben. Letztlich arbeitete ein Großteil der japanischen Animationsbranche an Astro Boy mit, viele davon in Teilzeit oder neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit an anderen Projekten. Infolge der Lizenzverkäufe in die USA und der dortigen Ansprüche wurden spätere Folgen gleich bei der Produktion daran angepasst, wurden internationaler und der japanische Ursprung der Serie trat immer mehr in den Hintergrund. Für 1964 wurde eine einzelne Folge in Farbe produziert, auf Druck der japanischen und amerikanischen Geldgeber und als Test für das Studio.
Die Serie wurde über den Rechtehändler Mannen-sha verkauft, der Sendezeit bei Fuji TV eingekauft hatte. Doch da dieser sich am Preis von Realverfilmungen und in den USA eingekauften Trickserien (die ihre Produktionskosten schon eingespielt hatten) orientierte. Schließlich willigte Tezuka ein, die Serie für 550.000 Yen pro Folge zu verkaufen und damit den Preis für Realserien knapp zu unterbieten, jedoch weit unter den eigenen Kosten zu liegen. Dazu kam ein Sponsoring der Serie durch den Schokoladenhersteller Meiji Seika. Etwa 30 % der Produktionskosten wurden schließlich durch Rechteverkauf ins Ausland eingespielt.Clements, 2013, S. 180. Die Serie wurde schließlich vom 1. Januar 1963 bis zum 31. Dezember 1963 durch den Sender Fuji TV in Japan ausgestrahlt. Die Pilotfolge wurde bereits im Zuge einer Sondervorführung zusammen mit zwei Kurzfilmen von Mushi Production gezeigt, am 5. und 6. November 1962 in der Yamaha Hall in Ginza. Ursprünglich war die Vorführung der ersten beiden Folgen geplant, was jedoch wegen der unerwartet aufwändigen Produktion nicht gelang. Am 25. Januar 1964 wurde die Farbfolge gezeigt. Die Serie war die erste Anime-Fernsehserie mit fortgesetzter Handlung und 25-minütigen Folgen. Der Anime erschien auch auf Video.
Astro Boy wurde an den Rechtehändler NBC Enterprises in den USA verkauft, ein Tochterunternehmen der NBC-Sendergruppe. Dieser vertrieb die Rechte an Regionalsender, von denen als erstes ein New Yorker die Serie 1964 mit großem Erfolg ausstrahlte. Die Serie wurde im Auftrag von NBC inhaltlich nachbearbeitet, die Kernaussagen blieben jedoch die gleichen. So durfte keine Grausamkeit an Tieren oder Nacktheit gezeigt werden. Auch fortlaufende Geschichten waren unerwünscht.Trish Ledoux und Doug Ranney: The Complete Anime Guide S. 10. Tiger Mountain Press, Issaquah (Washington), 1995 Auch wenn NBC eigentlich nur eine Jahresstaffel kaufen wollte, war Mushi Production so sehr auf deren Lizenzzahlungen angewiesen, dass sie Druck aufbauten und drohten, an einen Konkurrenten zu verkaufen, sodass schließlich noch eine zweite Staffel gekauft wurde. 1974 wurde die Serie auch in Mexiko gesendet. Ab Dezember 1980 wurde die Serie mit großem Erfolg als erste ausländische Animationsserie in der Volksrepublik China ausgestrahlt.
Rolle japanischer Sprecher (Seiyū) Atom/Astro Boy Mari ShimizuKazue Tagami (Folge 97–106) Uran Yoko Mizukaki (erste Sprecher)Reiko Mutō (zweite Sprecher)Kazuko Yoshikawa (dritte Sprecher) Dr. Ochanomizu Hisashi Katsuta Higeoyaji Maasaki Yajima (erste Sprecher)Ayao Wada (zweite Sprecher) Doktor Tenma Hisashi Yokomori Cobalt Kiyoshi Komiyama Ham Egg Takashi Ebata Inspektor Nakamura Shinpei Sakamoto Inspektor Tawashi Shingo Kanemoto (erste Sprecher)Kōichi Chiba (zweite Sprecher)
Anime-Fernsehserie 1980 1980 folgte ein erstes Remake der Serie in Farbe mit 52 Folgen. Die ersten 6 Folgen wurden 2000 mit deutscher Synchronisation auf 3 Videokassetten veröffentlicht (hierbei handelt es sich jedoch um 6 Folgen aus der Serie, hierzu zählen die 1. Folge, aber auch die letzte Folge. Es ist also nicht chronologisch).http://www.zeichentrickserien.de/astroboy.htm Episodenliste und Übersicht der Videoveröffentlichungen der Astroboy-Serie von 1980 Rolle japanischer Sprecher (Seiyū) deutsche Sprecher Atom/Astro Boy Mari Shimizu Rubina Nath Uran Masako Sugaya Dr. Ochanomizu Hisashi Katsuta Gerhard Paul Higeoyaji Kazuo Kumakura Bodo Wolf Doktor Tenma Tamio Ōki Acetylene Lamp Chikao Otsuka Ham Egg Ichiro Hikawa Skunk Kusai Seizō Katō Wilfried Herbst Atlas Michiru Hōjō (Folge 1–2)Katsuji Mori Ozan Ünal Inspektor Tawashi Ichirō Nagai Thomas Hailer Ribian/Vivian Keiko Yokozawa Marie Bierstedt Shibugaki Kazuya Tatekabe Hannes Maurer Ken'ichi Kumiko Takizawa Konrad Blsherz Midori Saeko Shimazu Marie-Luise Schramm
Anime-Fernsehserie 2003 2003 wurde eine weitere Serie mit 50 Folgen produziert. Beide Serien waren international erfolgreicher als die erste Verfilmung.
Beide wurden von Tezuka Productions animiert.
Rolle japanischer Sprecher (Seiyū) Atom/Astro Boy Makoto Tsumura Uran Miki Maruyama Dr. Ochanomizu Hisashi Katsuta Inspektor Tawashi Banjo Ginga Nagamiya Tenma Shin-ya Owada Shibugaki Susumu Chiba Delta Akimitsu Takase Skunk Kusai Kazuki Yao Acetylene Lamp Koji Ishii Ham Egg Yuichi Nagashima Pluto Akio Ōtsuka Uranium Miki Maruyama Ken'ichi Yūko Satō Duke Red Taro Ishida
2017 wurde die Anime-Fernsehserie Atom: The Beginning als Prequel veröffentlicht, die auf dem gleichnamigen Manga basiert und die Ereignisse bis zu der Entwicklung von Astro Boy erzählt.
Videospiele Im Februar 1988 veröffentlichte Konami für die Konsole Famicom erstmals ein Videospiel zum Manga. Im Februar 1994 folgte ein Spiel der Firma Banpresto für Super Famicom. Im Dezember 2003 wurde von Sega das Kampfspiel Astro Boy: Omega Factor veröffentlicht. Im April 2004 erschien in Japan für die PlayStation 2 ein weiteres Spiel bei Sega.
Kinofilm Am 10. Oktober 2009 kam ein von Imagi Animation Studios produzierter Computeranimationsfilm (Astro Boy – Der Film) in die Kinos. Die Handlung unterscheidet sich in einigen Details von der Manga-Vorlage; so stirbt etwa Tobio nicht bei einem Autounfall, sondern wird versehentlich getötet, als ein neben ihm stehender Roboter eine Waffe abfeuert. Außerdem landet Astro Boy nicht in einem Roboter-Zirkus, sondern in einer Robotergladiatoren-Arena.
Merchandising Bereits zur Zeit der ersten Fernsehserie erschien in Japan eine Reihe von Merchandising-Produkten zu Astro Boy. Darunter Schokolade, Aufkleber, Figuren, Tassen und Schulranzen.Deutsches Filminstitut - DIF / Deutsches Filmmuseum & Museum für angewandte Kunst (Hrsg.): ga-netchû! Das Manga Anime Syndrom S. 81. Henschel Verlag, 2008.
Comic-Adaptionen 1965 erschien bei Gold Key ein Astro-Boy-Comic, der von amerikanischen Zeichnern nach dem Vorbild des Mangas neu gezeichnet wurde und in Farbe erschien. In Südamerika erschienen weitere solche Adaptionen nationaler Künstler, nachdem die Anime-Serie dort erfolgreich im Fernsehen lief.Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics S. 154 ff. Kodansha America, 1983.
Rezeption und Bedeutung
In Japan Astro Boy wird als Klassiker des Mangas und berühmtestes und bedeutendstes Science-Fiction-Werk Tezukas angesehen.Frederik L. Schodt, Osamu Tezuka (Vorwort): Manga! Manga! The World of Japanese Comics S. 63 ff. Kodansha America, 1983.