mini|Zwei Taucher üben das Entschärfen einer Ankertaumine mini|Explosion einer Seemine Seeminen sind Sprengladungen, die im Wasser gegen Schiffe und U-Boote eingesetzt werden. Der Oberbegriff für das im Minenkrieg verwendete Material ist „Sperrwaffen“.
Geschichte mini|Merkblatt aus dem Ersten Weltkrieg zu treibenden Minen, Illustrierte Zeitung, 1916 Die Erfindung der Seemine diente dem Ziel, gegnerische Kriegsschiffe durch Feuer oder Sprengung zu zerstören. Eine derartige Waffe ist vor allem für solche Kriegsparteien interessant, die einer gegnerischen Marine keine im Überwasserkampf ebenbürtige Flotte entgegensetzen können. Im Sinne der mahanschen Seemachttheorie ist die Seemine ein typisches Mittel des „sea denial“. Mit ihr kann man einem Gegner zwar die Nutzung von Seegebieten verwehren, jedoch keine eigene Überlegenheit begründen.
Vorläufer der Seeminen waren die Brander, in Brand gesetzte Schiffe, die man in eine gegnerische Flotte hineintreiben ließ, um die hölzernen Kriegsschiffe anzuzünden. Die erste Sprengladung, die unter Wasser ans Ziel gebracht wurde, konstruierte David Bushnell 1776 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Sie war mit einem Zeitzünder versehen und wurde an gegnerischen Schiffen mit einem Haken befestigt.mini|links|Seemine und Zünder, etwa 1880, damals noch als Kontakt-Torpedo bezeichnetAus derartigen Unterwasserladungen entwickelten sich im 19. Jahrhundert zwei Arten von Seekriegswaffen: die stationäre Seemine und der bewegliche Torpedo.
Der Amerikaner Samuel Colt entwickelte 1842 eine funktionierende elektrisch ferngezündete Mine, allerdings wurde das Projekt gestoppt. Der bekannte Erfinder und Industrielle Werner von Siemens konstruierte gemeinsam mit dem Chemiker August Friedrich Karl Himly 1848 während des Schleswig-Holsteinischen Krieges Seeminen für die Verteidigung des Hafens Kiel, die von Land aus elektrisch gezündet werden konnten. Auch im Amerikanischen Bürgerkrieg kamen Unterwasserladungen zum Einsatz, die wie bei Bushnell unter Wasser an ihr Ziel gebracht und dort gezündet wurden.
Trotz dieser Entwicklungen spielte die Mine in den Seekriegen des 19. Jahrhunderts nur eine untergeordnete Rolle. Erst in den Weltkriegen wurden große Mengen von Minen eingesetzt, die erheblichen Einfluss auf die Bewegungen der Seestreitkräfte hatten und starke Kräfte banden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren 1.900 Minenräumschiffe aller Nationen damit beschäftigt, die Minenfelder zu räumen, Anfang 1946 waren alleine 519 britische Minenräumboote weltweit im Einsatz. Trotz publizierter minenfreier Seewege wurden im späten 1945 sowie im Frühjahr 1946 noch 130 kommerzielle Schiffe oder Fischerboote Opfer der noch nicht geräumten Minen.David Hobbs: The British Carrier Strike Fleet After 1945, Verlag:Pen & Sword Books, 2015, ISBN 978-1-84832-412-1 Auch in den Folgejahren blieben weiterhin viele Schiffe betroffen, erst nach 1950 reduzierte sich die Anzahl auf unter zwanzig jährlich.Verluste und Beschädigungen auf Seeminen nach Ende des 2. Weltkrieges in Europa im Bestand der Württembergischen Landesbibliothek
Auch während des Kalten Krieges spielten die Pläne für den Mineneinsatz eine wichtige Rolle. Eingesetzt wurden Seeminen in dieser Zeit vor allem im Vietnamkrieg, dem Ersten Golfkrieg sowie bei der Verminung nicaraguanischer Häfen im Contra-Krieg. Nach dem Ende des Kalten Krieges hat der Mineneinsatz in den Planungen der Seestreitkräfte an Bedeutung verloren.
mini|Minenschaden an der USS Samuel B. Roberts (FFG-58) Seeminen sind für viele Marinen leicht verfügbar, in sehr unterschiedlichen Ausführungen erhältlich, preiswert, von einfacher Technologie und dabei selbst für einen technologisch weit überlegenen Angreifer eine ernste Bedrohung. Sie sind im Verhältnis Kosten-Nutzen sehr effektive Waffen. Die Fregatte Samuel B. Roberts wurde 1988 beispielsweise von einer durch den Iran ausgebrachten Kontaktmine Typ M-08 aus sowjetischer Produktion im Wert von nur 1.500 US-Dollar außer Gefecht gesetzt, ihre Reparatur kostete dagegen 135 Millionen US-Dollar.oc.nps.edu (PDF; 4,3 MB)
Minentypen mini|Unterschiedliche Minentypen; 6 und 7 sind Torpedominen Seeminen können grob eingeteilt werden: nach der Art ihrer Positionierung in Grundminen und Ankertauminen nach der Art ihres Zünders in einerseits Berührungs-, Kontakt- oder älter Stoßminen, andererseits Fernzündungsminen (früher auch Beobachtungsminen) Die meisten dieser herkömmlichen Minen können in bis zu 60 m Wassertiefe gelegt werden.
Ankertauminen sind einfache, im Wesentlichen auf Mechanik basierende Waffen, die auch von technologisch nicht sehr entwickelten Ländern preiswert hergestellt und eingesetzt werden können. Grundminen sind technisch anspruchsvoller und schwerer zu räumen als Ankertauminen.
Zusätzlich zu dieser Einteilung gibt es eine Anzahl von Spezialminen.
Treibminen Eine Treibmine ist eine unverankerte Seemine, die mit Kontaktzündern ausgestattet ist. Weil sich ihre Bewegungen nicht über einen längeren Zeitraum voraussagen lassen, ist ihr Einsatz nur erfolgversprechend, wenn berechenbare Strömungen die Minen in ihr Zielgebiet treiben. Wegen der von Treibminen ausgehenden Gefahren für die Schifffahrt verlangt das Völkerrecht, dass Minen ohne Bodenkontakt eine Stunde nach dem Aussetzen unscharf werden müssen.
Ankertauminen
mini|Ankertauminen auf einem deutschen Schnellboot im Zweiten Weltkrieg mini|Ankertaumine im Transportzustand (Deutsches Modell – DM) Ankertauminen bestehen aus einem Minenwagen oder Anker, der auf den Meeresgrund sinkt, und dem Minengefäß, das mit einem Drahtseil, dem sogenannten Ankertau, am Minenwagen befestigt ist und aufgrund seines Auftriebs dicht unter der Meeresoberfläche schwimmt. Ankertauminen sind üblicherweise mit Berührungszündern ausgestattet und werden durch Kontakt mit einem Schiffsrumpf ausgelöst. In größeren Tiefen werden Ankertauminen auch gegen U-Boote eingesetzt.
Die Ankertaumine ist der älteste in großer Zahl eingesetzte Minentyp. Die ersten wurden bereits 1813 vor den Forts Hudson und Richmond eingesetzt. Die Minensperren des Ersten Weltkriegs bestanden ausschließlich aus Ankertauminen, die des Zweiten Weltkriegs vorwiegend, und auch im Kalten Krieg und in Regionalkonflikten nach 1945 wurden Ankertauminen eingeplant bzw. eingesetzt.
Bei Ankertauminen ist die korrekte Tiefeneinstellung wichtig. Steht die Mine zu tief, können Schiffe unbeschadet darüber hinwegfahren. Steht sie hingegen zu flach, besteht die Gefahr, dass das Minengefäß an der Oberfläche sichtbar ist und damit die Sperre verrät. Bei den ersten Minensperren musste vor dem Legen die exakte Wassertiefe gelotet und danach die entsprechende Ankertaulänge eingestellt werden. Diese langwierige Methode eignete sich zwar zum Sperren in eigenen Gewässern, aber nicht, um feindliche Häfen zu sperren.
Im Russisch-Japanischen Krieg wurden Minen eingesetzt, die sich selbstständig auf eine vor dem Werfen eingestellte Tiefe verankerten. Anfänglich kamen zwei verschiedene Systeme der automatischen Tiefeneinstellung zum Einsatz. Bei der Einstellung durch Wasserdruck sinkt das Minengefäß mit dem Anker auf Grund. Anschließend löst sich das Gefäß vom Anker und steigt auf, bis der Umgebungsdruck soweit abgenommen hat, dass eine Federeinrichtung das Ankertau festklemmt. Dieses System wurde von der Kaiserlichen Marine bis 1918 eingesetzt. Es benötigte ein doppeltes Ankertau, was dazu führte, dass durch den erhöhten Wasserwiderstand die Mine bei Strömung die eingestellte Tiefe unterschritt und die Mine dadurch bis zu mehreren Metern zu tief stand. Beim Voreilanker wird die gewünschte Tiefe mittels Voreilstand eingestellt. Nach dem Werfen bleibt das Minengefäß vorerst an der Oberfläche, während der mit dem Voreilgewicht versehene Anker absinkt. Wenn das schneller als der Anker absinkende Voreilgewicht den Grund erreicht, blockiert eine Bremse das Ankertau und das Minengefäß wird auf die eingestellte Tiefe gezogen. Ab 1916 führte die Royal Navy den geschlossenen Voreilanker ein, der einfacher aufgebaut und zuverlässiger ist. Hier schwimmt der luftgefüllte, mit dem Minengefäß verbundene Ankerkasten an der Oberfläche, bis das Voreilgewicht den eingestellten Abstand erreicht hat. Jetzt löst sich das Minengefäß vom Anker, der nun vollläuft und auf den Grund sinkt. Im Zweiten Weltkrieg war dies die von allen beteiligten Staaten am häufigsten benutzte Verankerungsart.
Grundminen mini|links|Geborgene Grundminen mini|links|Gefechtsmine MK 36 25 der Bundesmarine Bereits im Ersten Weltkrieg wurden Grundminen entwickelt, die auf dem Meeresboden liegen. Grundminen sind Fernzündungsminen, die auf in direkter Nähe passierende Schiffe ansprechen. Die Zerstörungswirkung geht von der bei der Detonation entstehenden Gas- und Schaumblase aus, die zunächst den Schiffskörper anhebt. Wenn die Gasblase durch die Wasseroberfläche bricht und ihren Druck verliert, entsteht kurzzeitig ein Hohlraum unter dem Schiff und die tragende Wirkung des Wassers entfällt in diesem Bereich. Der betroffene Bereich wird also zunächst schockartig angehoben, dann wieder fallengelassen, was zu schweren Personalverlusten und Schäden am Schiffskörper führt. Häufig kommt es zum Auseinanderbrechen des Rumpfes, was den Totalverlust des Schiffs bedeutet.
Minenzünder Kontaktzünder Kontaktzünder basieren auf chemischen, mechanischen oder elektrischen Prinzipien. Das chemische Prinzip beruht meist auf der heftigen Reaktion von zwei Stoffen. Mechanische Auslösung geschieht über einen schlagempfindlichen Initialsprengstoff.Brockhaus. 14. A., Band 15.
Herkömmliche Berührungszündersysteme bestehen aus einem elektrischen Zündmechanismus und mehreren Berührungssensoren in Form so genannter Zündhörner. Diese Hörner bestehen aus einem außen am Minengefäß abstehenden Rohr, in dem sich ein mit Säure gefülltes Glasröhrchen befindet. Wird das Rohr durch eine heftige Berührung verbogen, so bricht das Glasröhrchen und die Säure fließt in ein trockenes Galvanisches Element, das wiederum den Strom für den Zündmechanismus erzeugt. Dieses Zündsystem bietet den Vorteil, dass es extrem lange einsatzfähig bleibt. Kontaktzündsysteme, bei denen die Zündhörner lediglich Kontakte darstellen und die Zündenergie durch eine eingebaute Batterie zur Verfügung gestellt wird, sind von der Kapazität der Batterie abhängig und verlieren eher ihre Einsatzbereitschaft.
Abstandszünder
mini|hochkant|Deutsche Magnetmine des Zweiten Weltkriegs, die von einem Flugzeug der Luftwaffe versehentlich mit einem Fallschirm über Land abgeworfen wurdemini|links|Magnetfeld eines SchiffesFernzündungsminen sprechen üblicherweise (auch unbeaufsichtigt) auf die Veränderung ihres nahen Umfeldes an, das heißt des umgebenden Magnetfeldes (siehe Magnetzünder), der Geräusche oder des Wasserdrucks. Bewegt sich ein Schiff über eine Mine, so verändern sich alle drei Umgebungswerte. Die ersten Grundminen sprachen nur auf das Magnetfeld an, neuere auch auf einen der anderen oder auf mehrere dieser Werte. Manche Zünder sind mit einer Verzögerung versehen, so dass die Mine nicht schon unter dem Bug auslöst. Minen können auch mit Zählwerken ausgestattet werden, welche erst nach einer bestimmten Zahl von Überläufen ansprechen, um die genaue Ortung eines Minenfeldes und dessen Räumung zu erschweren. Moderne Seeminen verfügen über eine Kombination mehrerer Sensoren und können bestimmte Schiffsgrößen oder sogar deren Bauarten erkennen.
Spezialminen Für besondere Aufgaben sind spezielle Minen entwickelt worden, beispielsweise für den Einsatz bei großen Wassertiefen oder gegen U-Boote. So wurden Ankertauminen mit Fernzündung entwickelt, die in großen Wassertiefen gelegt werden und deren Minengefäße auf ähnlichen Tiefen schwimmen, auf denen sonst Grundminen gelegt werden. Damit ist die Verminung sehr tiefer Gewässer möglich.