Bensen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf im Weserbergland im Landkreis Hameln-Pyrmont. Der Ort bildete bis 1973 eine Gemeinde im damaligen Landkreis Grafschaft Schaumburg. Innerhalb von Hessisch Oldendorf gehört Bensen zusammen mit den Ortsteilen Haddessen, Höfingen und Pötzen zur Ortschaft Süntel.

Geografie mini|297px|Blick vom Osterberg auf die Ortschaft Bensen Bensen liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des Süntelgebirges auf 130 m ü. NHN und ist 7 km vom Zentrum Hessisch Oldendorf (Bahnhof) und 11,6 km von der Kreisstadt Hameln entfernt.

Geschichte

Römische Kaiserzeit und Spätantike Das Weserbergland, in dem Bensen liegt, gehörte nach Edward Schröder in der Römischen Kaiserzeit und in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Cherusker, in der Spätantike zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Angrivarier, in den die Cherusker wohl bereits vor der Völkerwanderungszeit aufgingen und im Frühmittelalter zum Siedlungsgebiet der Engern, einem Stammesverband der Sachsen, in den die Angrivarier und andere germanische Stämme aufgingen.Edward Schröder: Sachsen und Cherusker. In: Walther Lammers (Hrsg.): Entstehung und Verfassung des Sachsenstammes, Darmstadt 1967, S. 207–231.

Mittelalter Die Rodung und Besiedlung des Gebietes um Bensen reicht mindestens bis in das frühe Mittelalter zurück. Die im Weserbergland sesshaft gewordenen Menschen lebten vermutlich auch im Gebiet um Bensen in Pfosten- und Grubenhäusern auf einzelnen Gehöften auf gerodeten Waldinseln in der Nähe von Bachläufen (im Fall von Bensen ist es die Osterbeeke), noch bevor das Dorf Bensen im Frühmittelalter gegründet wurde. Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie „Benneshusun“ (Bensen),Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.Helga Knoke, 1968, S. 118. Das Gründungsjahr des Ortes ist nicht bekannt. Die schriftliche Überlieferung setzt mit dem Jahr 955 ein: Eine Manse zu Benneshusun (Haus des Benno) gehörte zur Gründungsausstattung des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches und Königs des Ostfrankenreiches Otto I. der Große für das Stift Fischbeck (zusammen mit Besitztümern in Haddessen und Wickbolsen). Es gibt eine entsprechende Schenkungsurkunde von Kaiser Otto I. vom 10. Januar 955.

Bensen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die Malstatt) der Fischbecker Goe befand sich in Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Bensen gehörte während des Mittelalters und der frühen Neuzeit zur Vogtei Fischbeck.Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2025, S. 25. Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten ab dem frühen 12. Jahrhundert als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen.Carl Wilhelm Wippermann: Regesta Schaumburgensia: Die gedruckten Urkunden der Grafschaft Schaumburg, 1853.

Bensen gehörte zum Archidiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.

1244 schenkte Gräfin Adelheid unter anderem zwei Höfe in Bennenhusen ihrer gleichnamigen Tochter, der Gattin des Grafen Ludwig.Peter von Kobbe: Die älteste Geschichte des Herzogthums Lauenburg, Göttingen 1821, S. 340–341 Anm. 37 (Scan bei Google Books)

Neuzeit Der Dreißigjährige Krieg war für Bensen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.

Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Bauern der Sünteldörfer wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Krieg führte in der Region zu Hungersnöten.

Neueste Geschichte Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln.

Am 26. April 1944 gingen nördlich von Bensen im Süntelwald 44 Sprengbomben der Alliierten nieder. Am 26. November 1944 schoss ein viermotoriger alliierter Bomber zwei deutsche Jagdflugzeuge über Bensen ab, die dann westlich von Höfingen abstürzten.Kommunale Ereignisse 1935-1976, auf bensen-suentel.de, abgerufen am 8. Juli 2026.

In Bensen reichten die ursprünglichen, gemauerten Dorfbrunnen durch den Anstieg der Stallviehhaltung im 19. Jahrhundert für die Wasserversorgung nicht mehr aus. Bensen wurde ab 1954 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer schrittweise über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Springbrunnen“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.Information des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Süntelwald, abgerufen am 13. Juni 2026. Der Verband fusionierte 1975 mit dem „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“.

Der Gemeindefriedhof in Bensen wurde im Jahr 1925 angelegt. Zuvor gehörte die Gemeinde zum historischen Kirchspiel Fischbeck. Im historischen Backhaus in Bensen befindet sich eine Ehrentafel der Kriegsteilnehmer und Gefallenen des Ersten Weltkriegs der Gemeinde. Auf dem Benser Friedhof gibt es eine kleine Kriegsgräberstätte, auf der acht Opfer aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, vier Soldaten und vier Zivilisten ruhen. Die Friedhofskapelle auf dem Gemeindefriedhof wurde 1972 eingeweiht.

Bensen nahm 1964 (5. Platz), 1968 (4. Platz) und 1991 am Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden teil.

Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Bensen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.Stadt Hessisch Oldendorf: Satzung über die Abwasserbeseitigung und den Anschluss an die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage der Stadt Hessisch Oldendorf (Abwasserbeseitigungssatzung), in: https://www.stadtwerke-hessisch-oldendorf.de/fileadmin/user_upload/abwasser/satzungen/Abwasserbeseitigungssatzung_01_2014.pdf, abgerufen am 14. Juni 2026.

Waldwirtschaft und Jagdrecht Im Mittelalter gehörten die Waldgebiete um Bensen zum historischen Süntelwald. Die Bauern in Bensen konnten seit dem Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes) nutzen.Die drei Süntelmarkgenossenschaften waren die Schaumburger Mark, die Mündersche Mark und die Ostermark. Die Fischbecker Mark ist der östliche Teil der Schaumburger Mark. Die Aufteilung der Waldmarken wurde bereits in vorkarolingischer Zeit durch die Altsachsen durchgeführt.

Manfred Willeke, 2019, S. 125 f.; zit. Jakob Grimm: „Die drei Süntelmarkgenossenschaften“, in: Deutsche Rechtsaltertümer und Weistümer, 2. Ausgabe, 1854, Nr. 43. Jakob Grimm schrieb: „Die Mark bedeutet ursprünglich Grenze. Die natürliche älteste Grenze war der Wald. Der Name übertrug sich auf den gemeinsamen Wald. Zur Mark gehörte nicht nur der Wald, sondern auch Viehtriften und Hude im Wald, Wild, Vögel und Bienen. Die meisten großen Waldungen sind früher Markengut gewesen. [...] Jeder volle Markgenosse hatte freies Bau- und Brennholz. [...] Die Holtting wurde jährlich abgehalten. Sie stellte das Markrecht fest und überlieferte es. Sie urteilten über Verletzungen des Rechtes und konnten Rechtsbrecher aus der Mark verweisen!“ Die Urgenossen in der Fischbecker Mark besaßen nach altem, mündlich überlieferten germanischen Gewohnheitsrecht die sog. „Erbaxt“ bzw. den freien Holzhieb.Manfred Willeke: 175 Jahre Realverband Forstgenossenschaft Holtensen, Forstgenossenschaft Holtensen (Hrsg.), 1. Auflage. Hameln, 2019, S. 134 f., ISBN 978-3-00-061843-7. Rechtlich gab es im Frühmittelalter noch keine abgegrenzten Forstgebiete, die exklusiv zu einer der frühen Germanensiedlungen gehörten. Ab dem Hochmittelalter wurden genossenschaftliche Organisationsformen der Waldwirtschaft geschaffen, die aber ebenfalls noch für mehrere Dörfer galten. Die Benser Bauern konnten ihr Vieh, vor allem Schweine und Rinder, zur Waldweide (Waldmast) in die Eichen- und Buchenwälder des Süntels, die Allmende treiben und festgesetzte Mengen von Brenn- und Bauholz für den Eigenbedarf schlagen. Die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel, und das Stift Fischbeck sowie das Augustiner-Chorherrenstift in Hameln besaßen durch Schenkungen und Tauschgeschäfte Pachteinnahmen, Zehntrechte und Holzrechte in den Sünteldörfern. Erst mit den großen Teilungen und Verkoppelungen ab den 1830er Jahren wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftswälder real aufgeteilt, und Forstgenossenschaften entstanden.

Bis zum Frühmittelalter durften die freien germanischen Siedler das Wild frei jagen. Das Jagdrecht, speziell die sog. Hohe Jagd (auf Rothirsche,Rothirsche wurden im Süntel Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Jagd und die starke Holznutzung ausgerottet. Heute gibt es gelegentlich Rothirsche, die durch die Wälder um Bensen ziehen, sowie im umzäunten Saupark Springe. Wildschweine, Wölfe,Wölfe wurden im Weserbergland in der Zeitstellung zwischen 1840 und 1850 systematisch ausgerottet. Heute sind Wölfe im Süntel wieder auf Durchreise, aber es gibt im Umkreis von Bensen (noch) kein festes Wolfsrudel. Steinadler, FischadlerBis ins 19. Jahrhundert gab es im Süntel noch Steinadler, die z. B. auf dem Hohenstein nisteten; sie gibt es in Deutschland heute nur noch in den Alpen. Heute gibt es gelegentlich Fischadler in der Region um Bensen. und AuerhähneAuerhähne starben im Weserbergland im Verlauf des 19. Jahrhunderts aus.), ging jedoch im Hochmittelalter auf den Landesherrn über; die Grafen von Schaumburg beanspruchten Hoheitsrechte im Süntel. Die Bauern durften nur das sog. Niederwild wie z. B. Rehe, Marder, Iltisse, Dachse usw. jagen. Mit der Revolution von 1848 wurde das adlige Jagdregal aufgehoben und das Jagdrecht an den Grundbesitz gekoppelt. In der Zeitstellung von 1848 bis 1934 konnten Jagdgenossenschaften das Jagdrecht pachten. Seit 1934 (Reichsjagdgesetz, dessen System bis heute im Bundesjagdgesetz fortbesteht) ist die Jagdpacht auf natürliche Personen beschränkt und wird in Jagdgenossenschaften als Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Wirtschaft In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in Bensen neun Handwerksunternehmen und Geschäfte aufgegeben, darunter drei Lebensmittelläden und drei Gastwirtschaften. 2005 gab es noch sechs Betriebe, 2013 gab es nur noch einen Elektrobetrieb.Landwirtschaft in Bensen früher und heute, auf bensen-suentel.de, abgerufen am 16. Juni 2026.

Ähnlich verlief die Entwicklung in der Landwirtschaft im Ort. 1955 gab es noch ca. 19 Vollerwerbsbetriebe und ca. 25 Nebenerwerbsbetriebe, 40 Pferde und 16 Kleinschlepper. 1975 gab es noch 10 Vollerwerbsbetriebe, 16 Nebenerwerbsbetriebe und zwei Pferde im Ort. 1995 gab es noch fünf Vollerwerbsbetriebe und 4 Nebenerwerbsbetriebe, aber keine Pferde mehr. Gleichzeitig erhöhten sich die Getreideerträge durch die intensive Bewirtschaftung der Ackerflächen stark. Schule Kinderkrippen und Kindergärten befinden sich in den umliegenden Ortschaften Fischbeck, Haddessen und Zersen.