alternativtext=|mini|Rush Limbaugh (2019) Rush Hudson Limbaugh III ([]; * 12. Januar 1951 in Cape Girardeau, Missouri; † 17. Februar 2021 in Palm Beach, Florida) war ein rechtskonservativer US-amerikanischer Radiomoderator, Entertainer und Moderator der The Rush Limbaugh Show. Seine Sendung wurde seit August 1988 landesweit ausgestrahlt; 2005 hatte sie nach einer Arbitron-Umfrage zwischen 14 und 20 Millionen Zuhörer pro Woche. Innerhalb des Segments Talk radio war damit seine Zuhörerschaft die größte in den USA. Limbaugh galt neben Sean Hannity als einer der einflussreichsten Vertreter der New Right in den Massenmedien.
Der als erzkonservativ eingeschätzte Limbaugh war ein großer Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump und galt als eine der einflussreichsten Medienpersönlichkeiten der US-Geschichte.US-Moderator Rush Limbaugh ist tot. In: Die Zeit, 17. Februar 2021. Abgerufen am 17. Februar 2021. Er hatte ein wöchentliches Publikum von ca. 15 Mio. Zuhörern und hatte großen Einfluss auf die republikanische Partei. Er war bekannt dafür, rechtskonservative Positionen zu vertreten, Verschwörungstheorien zu verbreiten und Kritik an Liberalen, Demokraten, Feministen und Umweltaktivisten zu üben.Rechtskonservativer US-Radio-Moderator. Rush Limbaugh ist tot . In: Spiegel Online, 17. Februar 2021. Abgerufen am 17. Februar 2021. Er galt als polarisierende und spaltende Persönlichkeit, der unter anderem Sexismus und Rassismus vorgeworfen wurden, und war Anhänger der rassistischen Birther-Bewegung.Rechter Radiomoderator Rush Limbaugh ist tot. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Februar 2021. Abgerufen am 17. Februar 2021. Aufgrund seiner Äußerungen zu Rassismus, LGBTQ-Angelegenheiten und Feminismus und weiteren Themen war er stark umstritten, zudem leugnete er den Klimawandel.
Leben
Familie Rush Limbaugh wurde in Cape Girardeau, Missouri, als Sohn von Mildred „Millie“ Carolyn (geb. Armstrong), und Rush Hudson Limbaugh jr. geboren. Sein Vater war Rechtsanwalt und Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg, der im Gebiet China-Burma-Indien diente. Der Vorname „Rush“ erinnert an den Geburtsnamen des Familienmitglieds Edna Rush.Paul D. Colford: The Rush Limbaugh story: talent on loan from God: an unauthorized biography. St. Martin’s Press, New York 1993, ISBN 0-312-09906-1. In seiner Familie gibt es etliche Juristen, neben seinem Vater auch sein Großvater und sein Bruder David. Sein Onkel Stephen N. Limbaugh sr. ist ein von Ronald Reagan ernannter Bundesrichter an einem Bezirksgericht in Missouri, und sein Cousin Stephen N. Limbaugh jr. ist Richter am Obersten Gerichtshof von Missouri. Großvater Rush Limbaugh sr. war in Missouri Staatsanwalt, Richter, Sonderbevollmächtigter und von 1930 bis 1932 Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Missouri.The loudest limb on the family tree, radio's Rush Limbaugh is the 'big mouth'; branch of a solid old Cape Girardeau family. In: St. Louis Post-Dispatch. 27. September 1992. Limbaughs Großvater war hoch angesehen als einer der „Patriarchen“ der Gesellschaft von Cape Girardeau und langjähriger Vorsitzender der Historischen Gesellschaft von Missouri. Als Rush sr. im Alter von 104 Jahren starb, war er noch immer als Anwalt tätig. Das Gebäude des Bundesgerichts in Cape Girardeau ist nach ihm benannt.
Limbaugh war seit 2010 in vierter Ehe mit der Eventmanagerin Kathryn Rogers verheiratet. Er hatte keine Kinder. Am 3. Februar 2020 informierte er die Öffentlichkeit über seine fortgeschrittene Lungenkrebserkrankung.
Frühe Jahre Limbaugh begann seine Radiokarriere als Jugendlicher 1967 in seiner Heimatstadt Cape Girardeau unter dem Namen Rusty Sharpe. Er schloss die Cape Central High School 1969 ab. Auf Wunsch seiner Eltern schrieb er sich an der Southeast Missouri State University ein. Nach zwei Semestern brach er sein Studium ab; seine Mutter sagte, „he flunked everything“ (er fiel bei allem durch), sogar eine Veranstaltung zum modernen Tanz. Wie er 1992 einem Reporter sagte, „schien er an nichts anderem als Radio interessiert zu sein“.Rush is Always Right. USA Weekend, Nr. 24, 26. Januar 1992, S. 7.
Anschließend moderierte er Musikprogramme bei wechselnden Radiostationen unter dem Pseudonym Jeff Christie. 1979 begann er für einige Jahre für das Baseball-Team der Kansas City Royals zu arbeiten.
Beginn der Radiokarriere mini|Rush Limbaugh (r.) mit dem Abgeordneten George Radanovich (R) (vor 1997) 1984 begann Limbaugh als regelmäßiger Talkshow-Host beim Mittelwellensender KFBK in Sacramento, Kalifornien. Davor hatte er bei einer Reihe kleiner Sender hauptsächlich Musiksendungen moderiert. Die Show war auch ein Grund, dass Mittelwellensender sich zu einem Nachrichten- und Gesprächsmedium wandelten, als in den 1970er-Jahren die Zahl der Zuhörer sank. Der Aufstieg von Rush Limbaugh und seiner rechtskonservativen Show fiel zudem zusammen mit einer Gesetzesänderung im US-Medienrecht. Bis 1987 waren US-amerikanische Radiosender verpflichtet, eine ausgeglichene politische Berichterstattung zu bieten. Die „Fairness Doctrine“, eine Vorschrift von 1949, wurde unter Präsident Reagan 1987 abgeschafft. Bis dahin musste, wenn in einem Medium ein konservativer Standpunkt vertreten wurde, eine progressive bzw. liberale Haltung dagegen gestellt werden (und umgekehrt). Auch vorher gab es daher konservative Talkformate, jedoch war es bis dahin nicht möglich gewesen, einem ideologisch komplett einseitigen Programm mit einer homogenen Zielgruppe soviel Raum zu geben.
Kritiker beklagen seither oft die mangelnde Balance zwischen rechtskonservativen und linken bzw. liberalen Standpunkten in den meisten Talkshows im US-Radio, namentlich bei Limbaugh. Limbaugh entgegnete darauf, dass Zeitungen und Fernsehen (mit Ausnahme von Fox News) seiner Auffassung nach linke bzw. „liberale“ Positionen massiv bevorzugten, die aber nicht der Meinung der Bevölkerung entsprächen, weshalb er mit seiner Sendung ein Gegengewicht darstelle und nicht etwa rechts stehe, sondern für die Mehrheit spreche. Er war dabei einer der ersten, die „liberal“ konsequent als Schimpfwort benutzten, ähnlich wie später Glenn Beck, Sean Hannity und andere. Wurden ihm Falschaussagen und Tatsachenverdrehungen nachgewiesen, so behauptete Limbaugh meist, eben kein neutraler Reporter zu sein, sondern bezeichnete sich als Unterhalter (Entertainer), der nicht beanspruche, Fakten wiederzugeben. Nach Angaben der Medienforscherin Allison Schafer von der American University in Washington, D.C. bestand die Zielgruppe von Limbaugh dabei aus Zuhörern, die mehrheitlich männlich, weiß, konservativ, gering gebildet und bereits recht alt sind. mini|hochkant|Limbaughs Polizeifoto nach der Festnahme 2006 Aufsehen erregte im Oktober 2003 seine Oxycontin-Sucht. In Deutschland wird der Wirkstoff Oxycodon als Schmerzmittel unter dem Handelsnamen Oxygesic verkauft und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Ähnlich ist die Rechtslage in den USA. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Limbaugh wegen des Verdachtes, sich bei mehreren Ärzten Verschreibungen für das Schmerzmittel erschlichen zu haben, was dieser aber abstritt. Im April 2006 wurde das Verfahren nach einem Vergleich unter der Bedingung eingestellt, dass Limbaugh die entstandenen Kosten der Ermittlungen von US$ 30.000 bezahlen und sich von einem Arzt wegen seiner Sucht behandeln lassen musste. Vor der Enthüllung seiner eigenen Sucht hatte Limbaugh in seiner Sendung regelmäßig Drogenabhängige moralisch verdammt und hohe Gefängnisstrafen für Drogensüchtige gefordert.Rush Limbaugh Arrested On Drug Charges. In: C. B. S. News. 28. April 2006.
The Rush Limbaugh Show mini|Logo für The Rush Limbaugh Show Zunächst in einem lokalen Sender produziert, avancierte die Rush Limbaugh Show zu einer der meistgehörten Talkshows im US-Radio. Verbreitet wurde sie vom Programmvermarkter des größten Radiokonzernes des Landes, Premiere Radio Networks.
1988 verließ Limbaugh mit seiner Show KFBK Sacramento und ging zum US-weit operierenden ABC Radio Network, was seine Bekanntheit noch deutlich erhöhte. "The Rush Limbaugh Show" wurde zu einem der ersten landesweit ausgestrahlten Programme seiner Art. Seine Show mit einem strikt einseitigen konservativen Tenor fand Dutzende Nachahmer in den USA. Zusätzlich wurden 1996 durch eine Änderung im Telekommunikationsgesetz die Besitzbeschränkungen für Radio- und Fernsehsender weitgehend aufgehoben, was große Konzerne begünstigte, bei denen Rush Limbaugh, Sean Hannity und andere unter Vertrag sind.
Anfang Juli 2008 wurde bekannt, dass Limbaugh den Arbeitsvertrag mit seinem Arbeitgeber, dem Unternehmen Premiere Radio Networks, das zum größten US-Medienkonglomerat iHeart Media gehört, bis 2016 verlängert hatte und dafür insgesamt mehr als 400.000.000 Dollar erhält. Nach den 12-Uhr-Nachrichten redet Limbaugh drei Stunden lang „vornehmlich über Politik, über die Welt, das Leben, gerne über sich selbst“.Rush Limbaugh. 400 Millionen Dollar für den Radiomann. In: FAZ. 11. Juli 2008.
Tod Limbaugh machte im Februar 2020 öffentlich, dass er an fortgeschrittenem Lungenkrebs litt. Daraufhin erhielt er einen Tag später vom US-Präsidenten Trump – und entgegen den üblichen Gepflogenheiten bei der Verleihung – die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der USA. Am 17. Februar 2021 starb Limbaugh an den Folgen seiner Lungenkrebserkrankung.
Limbaugh war Zigarrenliebhaber und setzte sich lange Zeit für den Tabakkonsum ein. Nach eigenen Angaben begann er zudem als Teenager mit dem Zigarettenrauchen, gab dies aber Anfang der 1980er Jahre wieder auf. Im Jahr 2015 stellte er den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebs in Frage.Jacey Fortin: Rush Limbaugh Reveals He Has Advanced Lung Cancer. In: The New York Times, 3. Februar 2020. Abgerufen am 17. Februar 2021.
Ansichten In seinem ersten Buch The Way Things Ought To Be bekannte sich Limbaugh dazu, ein Konservativer zu sein, und kritisierte das Verhalten anderer TV- und Radio-Moderatoren, jede politische Voreingenommenheit abzustreiten und zu behaupten, objektiv zu sein. Limbaugh war ein entschiedener Kritiker von Mitgliedern des moderaten, „linken“ Flügels innerhalb der Republikanischen Partei, wobei er diese für den Wahlsieg Barack Obamas bei den Präsidentschaftswahlen 2008 verantwortlich machte, und sie dazu aufforderte, die Republikanische Partei zu verlassen.
Im Zuge der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2012 profilierte sich Limbaugh als die neben Glenn Beck wohl prominenteste Stimme der rechten Tea-Party-Bewegung.
Die Washington Post schrieb in einem Nachruf, dass Limbaugh „mit komödiantischem Bombast und unerbittlichem Bashing von Liberalen, Feministinnen und Umweltschützern zum populärsten Radio-Talkshow-Moderator der Nation“ wurde und die Republikanische Partei zu einer „Politik der Wut und Blockade“ geführt habe.Rush Limbaugh, conservative radio provocateur and cultural phenomenon, dies at 70. In: The Washington Post, 17. Februar 2021. Abgerufen am 17. Februar 2021.
Außenpolitik Gemäß seinen neokonservativen Ansichten befürwortete Limbaugh eine interventionistische Außenpolitik, forderte eine möglichst umfangreiche Unterstützung der USA für Israel und kritisierte die seiner Ansicht nach zu antiisraelische Politik der Demokratischen Partei und der Obama-Regierung. Er war ein Befürworter sämtlicher unter der Regierung George W. Bushs begonnenen Kriegseinsätze einschließlich des zweiten Irakkriegs.
Drogenpolitik Limbaugh kritisierte die seiner Ansicht nach zu lasche Gesetzgebung und Strafverfolgung in den USA gegenüber Drogenkriminalität. Er vertrat die Ansicht, dass die Strafverfolgung von Drogendelikten besonders gegenüber weißen US-Amerikanern zu lax sei. Limbaughs Aussagen zu Drogenkonsum wurden von zahlreichen Medien hervorgehoben, nachdem er 2003 selbst in einer Drogenrehabilitationseinrichtung war.
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