mini|Reste des Bewässerungswehres „A Wanaal“ an der Klerf Kiischpelt mini|Das Holzauwehr der der Be- und Entwässerungsgenossenschaft Niederbexbach an der Blies mini|Nebenschleuse an der Blies zum Steuern der Wiesenbewässerung mini|hochkant|Wehr zur Wiesenbewässerung an der Valme im Sauerland 1925 Die Wiesenbewässerung bzw. Bewirtschaftung von Wässerwiesen ist eine besondere Form der Bewirtschaftung von Wiesenflächen in der Landwirtschaft. Ziel ist die Düngung und bessere Wasserversorgung der Wiesen. Grünlandflächen, die durch das Aufstauen von Bächen künstlich bewässert wurden, bezeichnet man auch als Flößwiesen.

Wässerwiesen Die sogenannten Wässerwiesen sind ein Element historischer Kulturlandschaften in Mitteleuropa, das seinen Ursprung wahrscheinlich im Mittelalter hat. Hierzu legte man ganze Grabensysteme und kleine Weiher an, um das Wasser unter anderem von den Häusern, Straßen und Stallungen zu sammeln und zur Ertragssteigerung auf die Wiesen zu leiten. Im 19. Jahrhundert erfuhr die Methode der Wiesenbewässerung einen großen Aufschwung. So erleichterte ein preußisches Wassergesetz vom 28. Februar 1843 die Anlage von Flößwiesen, die dann ohne Genehmigung angelegt werden durften, wenn Nachbargrundstücke nicht überstaut wurden.Wiesenbewässerung an der Alme. (PDF; 993 kB) In: lwl.org Zum Ausbau der Wiesen wendete man, je nach Wasserangebot und Relief, verschiedene Techniken an. So z. B. Überstauung, natürlichen Hangbau, Beethangbau oder den Rückenbau, bei dem man die Wiesenoberflächen vollständig umgestaltete. Die Bewässerung der Wiesen wirkte sich deutlich auf den Vegetationsbestand der Wiesenflächen und Gräben aus: ehemalige Wässerwiesen weisen heute häufig eine hohe Strukturdiversität auf und sind – vor allem abhängig von dem Erhaltungszustand – als Kulturdenkmal einzustufen. Neben den positiven Aspekten brachte der kulturtechnische Ausbau der Wiesen – lokal unterschiedlich ausgeprägt – aber auch eine Reihe von Nachteilen mit sich:

+ Positive und negative Effekte der Wiesenbewässerung Positive Effekte Negative EffekteBeispiel für effektive RessourcennutzungWasserverbrauchWasserretentionseffekteBarrieren im Gewässer (Ausleitungsbauwerke)GrundwasserneubildungGewässerausbau u. -begradigungAusgeprägtes MikroreliefGezielte Trockenlegung der Oberflächengewässerhohe StandortvielfaltWiesenintensivierung (Artenrückgang)kleinräumiges VegetationsmusterReliefumgestaltung u. Bodenstörung

Über die Entwicklung der Wiesenbewässerung und ihren historischen Ursachen schreibt Troll:

Berieselungsformen Wilde Berieselung Die wilde Berieselung ist die einfachste Form der Wiesenbewässerung, bei der man das Wasser durch Zuleiter auf die Geländerücken leitet und aus den Zuleitern die unterhalb liegenden und den Geländelinien folgenden Rieselrinnen speist. Durch Hindernisse fließt das zum Übertreten genötigte Wasser in breiter Bahn über die Flächen zu den in den Geländemulden liegenden Entwässerungsgräben. Angewendet werden kann diese Form der Berieselung bei Geländeneigungen von mindestens 2 %.

Künstlicher Hangbau Ist das Gelände zu gefällearm, kann das fehlende Gelände künstlich geschaffen werden. Ist das Gefälle nicht zu klein, kann noch das Verfahren des künstlichen Hangbaus angewendet werden, bei dem Hangtafeln sägezahnartig übereinander angeordnet werden. Zu- und Ableiter liegen mehr oder weniger senkrecht zu den Hanglinien, die Rieselrinnen waagrecht.

Rücken- (Beet-) bau Beim Rücken- (Beet-) bau wird das Gefälle durch die Anlage von künstlich geschaffenen Rücken hergestellt. Ein Rücken besteht aus zwei Tafeln. Auf dem Rückenfirst liegt die Rieselrinne, die aus dem Zuleiter oder – wie beim Staffelrückenbau, der bei größeren Flächen eingesetzt wird – aus zusätzlichen Verteilergräben besteht, die mit dem Rieselwasser gespeist werden. Entwässerungsrinnen in den Rückenmulden leiten das Wasser ab. Im Gegensatz zum künstlichen Hangbau liegen die Be- und Entwässerungsrinnen wie auch die Rücken in Richtung des natürlichen Gefälles. Ein Beispiel dafür ist der Suderburger Rückenbau.

Wiesenbewässerung an der Soeste bei Cloppenburg Geschichtliche Entwicklung Bis etwa 1927 nutzten die Bauern der mageren Sandeschen von Krapendorf, Schmertheim, Ambühren und Stalförden, also die Bauerschaften links und rechts der Soeste bei Cloppenburg, deren Äcker trotz bester Pflege keinen größeren Ertrag im Soestetal lieferten, die sich immer besser entwickelnden Wiesenbewässerungssysteme.

Über die Geschichte der Wiesenbewässerung an der Soeste von Cloppenburg bis Stedingsmühlen gibt es einen Überblick.H. Rehme: Das Soestetal von Cloppenburg bis Stedingsmühlen – Ausbau und Verfall einer Wiesenbewässerungsanlage an der Soeste. In: Volkstum und Landschaft (= Heimatblätter der Münsterländischen Tageszeitung, Cloppenburg), 15 Jg., 1955, H. 33, S. 5–8. Die Düngung des Ackers durch Plaggenhieb fiel durch die Markenteilung und ihrer gesetzlichen Grundlage 1806 aus.Eggelsmann, o.O.u.J. So richtete man den Blick auf Wasser und Wiese, mit dem Ziel, durch reichere Futtermenge den Viehbestand und die Produktivität des Ackers zu erhöhen.

„Man erinnerte sich des Spruches, daß die Wiese die Mutter des Ackers sei“.

Bereits 1820 waren von der Oldenburgischen Landwirtschaftsgenossenschaft Prämien für die „Verbesserung der Wiesen und Vermehrung des Grasbewuchses mittels Überwässerung“ ausgesetzt worden. 1844 zog die Landwirtschaftsgesellschaft einen Lüneburger Rieselmeister nach Cloppenburg, um Untersuchungen über die Möglichkeiten von Bewässerungsanlagen anzustellen. Der Gutsbesitzer Bothe auf Stedingsmühlen ließ nach 1850 aus dem Oberwasser seines Staus mehrere Wiesen im Flusstal der Soeste, die zu Bewässerungswiesen umgearbeitet waren, bewässern. 1874 hatte der Wiesenbaumeister Naber den Soestelauf unterhalb Cloppenburgs aufgenommen und untersucht, ob das Gefälle für die Anlage einer Bewässerungsanlage als ausreichend anzusehen sei.

+Flächen der Bewässerungssysteme in der Soeste­niederung von Cloppenburg bis Stedingsmühlen, 1884 System Fläche Kunstbauwiesen im Beetbau 31,3 ha Kunstbauwiesen im Hangbau 6,6 ha Wilde Berieselung 16,0 ha Nicht bearbeitete Wiesen 14,2 ha Insgesamt 68,1 ha 1875 legte Naber seinen Entwurf vor, der die Anlage von drei Stauwerken zwischen dem alten Judenfriedhof in Cloppenburg und Stalförden vorsah. Der erste Stau sollte beim alten Judenfriedhof in der Fillerei angelegt werden. Der zweite Stau sollte unterhalb des Weges von Schmertheim nach Ambühren und der dritte bei Börne liegen. Insgesamt wurden 77,4432 ha für die Meliorationsgenossenschaft einbezogen, von denen 54,6895 ha berieselt werden sollten. 1884 revidierte Wiesenbauer Winken aus Schmertheim die gesamte Anlage.

Die Flussbereiche, denen höhere Ufer anlagen, mussten flacher abdosiert werden, 1/2 bis 2 zur Höhe. Die künstlichen Böschungen zwischen dem Ambührener Baggersee und Ambühren, bei Börne und Stedingsmühlen sind in diesem Zusammenhang entstanden. Es wurden nahezu alle Flächen zwischen Cloppenburg und Stedingsmühlen bewässert. Von den Schleusen wurde das Wasser abgeleitet und über Kanäle den Wiesen zugeführt.

Flurnamen und Rieselwiesen An Flurnamen, die zum Gebiet der Rieselwiesen zählen, sind beispielsweise zu nennen: Aberriek, Thunwiese, Diek, Mölenbrink, Telgenkamp, Achterm Graskamp, Grote Wisk, Bruch, Berg, Grünshoh, Neue und Alte Zuschläge, Lattenbrok, Bögewisk und Timphok auf der rechten Talseite und Rolfswiese, am Krapendorfer Moor, Schmaleriek, Anschluß, Moorzuschlag, Moorwisk, Sandwiese, Hinterm Busch, Auf'm Windbusch, Buckwiese, Mausewiese, Ammerbrok, Lutke Wiese, Helle und Bergfeld am linken Soesteufer.

Endphase der Wiesenbewässerung im Soestetal Durch das Aufkommen des Kunstdüngers sowie durch die arbeitsintensive Unterhaltung der Bewässerungswiesen, die den Einsatz schwerer technischer Geräte nicht zuließen, kam es nach dem Ersten Weltkrieg zum Niedergang der Rieselwiesenwirtschaft. Am 2. Oktober 1927 beantragte die Bewässerungsgenossenschaft die Berieselung „für einige Jahre aufzuheben“.

Aktuelle ökologische Bedeutung der Rieselwiesen Der Einfluss der Rieselwiesenwirtschaft auf den Standort besteht einerseits in einer morphologischen Umgestaltung der Bodenoberfläche durch Zuleiter, Grüppen, Rücken und der Einebnung von Uferbereichen und andererseits in einer stofflichen Veränderung des Bodens durch Substrat- und Düngereintrag und erhöhte Nitrifikation infolge einer besseren Durchlüftung bei Entwässerung. Das Be- und Entwässerungssystem bildete die Grundlage für das heutige Entwässerungssystem des Niedermoorbereiches der Soeste zwischen Cloppenburg und Stedingsmühlen. Das Rücken- und Grüppensystem spiegelt sich heute noch in einer mehr oder weniger deutlichen kleinflächigen Änderung der Pflanzendecke wider.

mini|ohne|600px|Das Bewässerungssystem (Rücken- (Beet-) bau) an der Soeste bei Schmertheim in heutiger ZeitParallele schwarze Linien, in Richtung des Gefälles zur Soeste hin, stellen Be- und Entwässerungsgräben dar. Sie haben untereinander einen Abstand von ca. 10 Meter. Schmale schwarze Linien, senkrecht zum Gefälle und parallel zur Soeste, zeigen in erster Linie Verteilergräben an, die das Wasser den Verteilergräben zuleiten, oder Auffanggräben dar, mit dem Zweck in die Soeste zu entwässern oder zur Wiederverwendung des Wassers in eine folgende Rückenstaffel. Außerhalb verlaufen die mit einer fetten schwarzen Linie gekennzeichneten Zuleiter, aus denen das Wasser entweder direkt auf die Rücken oder zuvor in die Verteilergräben geleitet wird.Kartengrundlage: Deutsche Grundkarte (Luftbildplan)Blatt 3113-15 (Stalförden)

Wiesenbewässerung und -wässerung in Franken Wiesenbewässerung mit Schöpfrädern mini|Möhrendorfer Wasserschöpfrad

In Franken wurden in den flachen Tälern der Flüsse Regnitz, Rednitz und Pegnitz gelegene Wässerwiesen von Wasserschöpfrädern bewässert. Im Jahre 1805 waren an der Regnitz zwischen Fürth und Forchheim auf einer Länge von ca. 25 Flusskilometern noch etwa 190 solche Wasserräder in Betrieb, so viele wie an keinem anderen Fluss in Mitteleuropa.

Ein einfaches Wasserrad schöpft pro Tag etwa 1400 Kubikmeter Wasser oder 1.400.000 Liter. Ein Rad versorgte damit bis zu 8 ha Wiesen. Dank dieser Wiesenbewässerung konnten statt sonst nur einer nun drei Mahden (Ernten) von Heu und Grummet im Jahr eingebracht werden. Da das Bewässerungsnetz gewöhnlich Wiesen verschiedener Eigentümer bewässerte, waren die Wässerungszeiten der einzelnen Grundstücke minutiös festgelegt.. In: Stadt-Land-Fluss, Erlangen und die Regnitz. Flyer zur Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, 2013, S. 13.

Heute noch werden in Möhrendorf, flussaufwärts von der Kleinseebacher Mühle, zehn historische Wasserschöpfräder betrieben. Auch im Wiesenttal bei Forchheim pflegen Landwirte die traditionelle Wiesenbewässerung.Hans Böller: Eine Kulturtechnik, die dem Klima hilft. In: Nürnberger Nachrichten vom 29. August 2022, S. 7 Im Sommer wird jedes Jahr in Nürnberg an der Pegnitz ein Wasserschöpfrad aufgebaut.

Wiesenwässerung in Reichelsdorf Im Nürnberger Stadtteil Reichelsdorf werden im Rednitzgrund jedes Jahr von April bis September 60 ha Wiesen mehrmals hintereinander geflutet. Die Eigentümer der Wiesen sind in sechs Wässergenossenschaften organisiert, jeweils ein ehrenamtlicher „Wässerer“ ist für den Ablauf zuständig.

Bereits im 14. Jahrhundert lässt sich die Wiesenwässerung in Reichelsdorf für einen Herrensitz der Waldstromer, einer alten Nürnberger Familie, belegen. Die frühesten schriftlichen Zeugnisse stammen aus dem Jahr 1431 aus dem heutigen Nürnberger Stadtteil Katzwang. 1535 regelte der Wässerbrief von Reichelsdorf, wer wann wie viel Wasser aus dem Fluss entnehmen durfte.