Die USS Enterprise (CV-6) war ein Flottenflugzeugträger der United States Navy und das zweite Schiff der Yorktown-Klasse. Der Träger, das siebte Schiff mit diesem Namen, wurde 1938 als sechster Flugzeugträger der US-Marine in Dienst gestellt. Als einziges der drei Schiffe ihrer Klasse erlebte die Enterprise das Ende des Zweiten Weltkriegs, wurde dann aber 1947 außer Dienst gestellt und schließlich von 1958 bis 1960 verschrottet. Sie nahm an nahezu allen wichtigen Seeschlachten und Operationen auf dem pazifischen Kriegsschauplatz teil und war zeitweilig der einzige einsatzbereite Flugzeugträger der US-Marine im gesamten Pazifikraum. Bis heute ist sie mit 20 verliehenen Battle Stars das höchstdekorierte Schiff in der Geschichte der US Navy.

Geschichte Bau und Indienststellung Die USS Enterprise wurde am 16. Juli 1934 auf Kiel gelegt. Der Stapellauf fand am 3. Oktober 1936 statt und die Übergabe an die amerikanische Marine erfolgte am 12. Mai 1938.

Eigentlich war die USS Enterprise das Ergebnis von Abrüstungsverhandlungen, die 1921 zwischen den USA, Großbritannien, dem Kaiserreich Japan sowie Frankreich und Italien geführt wurden. Das Abkommen erlaubte den USA 135.000 t für die gesamte Flugzeugträgerflotte. Die ersten drei gebauten Träger, die Langley, die Lexington und die Saratoga waren umgebaute Schiffe anderer Klassen. Die Ranger war der erste Träger, der auch als solcher geplant war.

Als US-Präsident Franklin D. Roosevelt 1933 den New Deal verkündete, waren im Verteidigungsetat auch 40 Mio. US-Dollar für zwei neue Flugzeugträger vorgesehen. Das Schwesterschiff Yorktown wurde am 21. Mai 1934 auf Kiel gelegt, und die USS Enterprise zwei Monate später.

Die Jungfernfahrt führte die Enterprise und die Yorktown im Mai 1938 nach Rio de Janeiro. Konteradmiral William Halsey führte dabei den Oberbefehl und Captain Newton H. White das erste Kommando über die Enterprise. Doch schon im November wurde er durch Captain Charles Alan Pownall abgelöst, der das Schiff 1939 zur Pazifikflotte brachte. Im Mai 1940 wurde die Flotte zur Abschreckung Japans nach Pearl Harbor verlegt.

Japanischer Angriff auf Pearl Harbor Am 28. November 1941 lief die Enterprise aus, um Flugzeuge und Piloten nach Wake Island zu bringen. Sie sollte am 6. Dezember wieder in Pearl Harbor sein, aber ein Schlechtwettergebiet führte dazu, dass sie sich noch über 200 Meilen westlich befand, als die Japaner Pearl Harbor angriffen.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 34.

Aus Sicherheitsgründen ließ Konteradmiral Halsey am Morgen des 7. Dezembers neun Rotten Dauntless-Sturzkampfbomber der USS Enterprise starten. Die 18 Flugzeuge hatten die Aufgabe, fächerförmig in östlicher Richtung das Seegebiet vor dem Flugzeugträgerkampfverband aufzuklären und dann direkt auf Ford Island zu landen, wo die USS Enterprise vor Anker gehen sollte.

Die ersten dieser Flugzeuge erreichten die Insel gegen 8 Uhr Ortszeit, während der ersten Welle des japanischen Angriffes. Sofort wurden die anfliegenden amerikanischen Flugzeuge von japanischen Begleitjägern vom Typ Mitsubishi A6M Zero attackiert. Den Japanern gelangen dabei mehrere Abschüsse, bei denen insgesamt acht Amerikaner ihr Leben verloren.USS Enterprise Casualties: 7 December 1941 – 8 December 1941, Webseite www.cv6.org, abgerufen am 20. April 2016. Durch einen Zusammenstoß eines amerikanischen Sturzkampfbombers mit einem japanischen Sturzkampfbomber des Typs Aichi D3A verloren auch die Angreifer eine Maschine.NavSource Online: Aircraft Carrier Photo Archive – USS ENTERPRISE (CV-6), Webseite www.navsource.org, abgerufen am 19. April 2016. Dies war der einzige Verlust, den die USS Enterprise an diesem Tag dem neuen Kriegsgegner zufügen konnte.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 35–39. mini|Beginn des japanischen Angriffes auf Pearl Harbor, wenig später trafen die ersten Dauntless-Sturzkampfbomber der USS Enterprise ein mini|Ein Dauntless-Sturzkampfbomber, der am 1. Februar 1942 für einen Angriff auf die Marshallinseln vorbereitet wird

Einem Piloten gelang das Absetzen folgenden Funkspruches an die 150 Seemeilen entfernte Trägerkampfgruppe, die daraufhin sofort in Alarmbereitschaft versetzt wurde:

Konteradmiral Halsey ließ in weiterer Folge die restlichen Dauntless-Sturzkampfbomber, Torpedobomber vom Typ Douglas TBD Devastator sowie sechs Wildcat-Begleitjäger aufsteigen, um nach dem japanischen Angriffsverband zu suchen. Nach erfolgloser stundenlanger Suche begann mit Einbruch der Dämmerung die Landung der insgesamt 24 Bombenflugzeuge auf der Enterprise, während die sechs Jagdflugzeuge nach Pearl Harbor umgeleitet wurden. Beim Überflug des Hafens erfolgte durch Offiziere des Schlachtschiffes Pennsylvania eine falsche Identifizierung der Maschinen. Nachdem die Flugabwehr des Schlachtschiffes das Feuer eröffnete, setzte sofort im gesamten Hafen panikartiges Abwehrfeuer ein. Dieser Eigenbeschuss kostete weitere drei amerikanische Piloten das Leben.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 40–42.

Nach erfolgter Treibstoff- und Proviantübernahme in Pearl Harbor am 8. Dezember lief der Flugzeugträger wieder aus. Zwei Tage später entdeckte ein Dauntless-Sturzkampfbomber das japanische U-Boot I-70, das er trotz heftiger Gegenwehr versenken konnte.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 44–45.

Einsätze im Pazifikkrieg Die Enterprise nahm an über einem Dutzend verschiedener Einsätze im Pazifikkrieg teil.offizielle Website der USS Enterprise CV-6 Wake Island Am 20. Dezember 1941 lief die Enterprise im Rahmen der Task Force 8 unter der Führung von Konteradmiral William Halsey aus Pearl Harbor aus, um an der Schlacht um Wake teilzunehmen. Der Flugzeugträger wurde dabei begleitet von den Kreuzern Chester, Northampton und Salt Lake City sowie den Schiffen der 11. (Balch, Craven, Gridley, McCall und Maury) und 12. (Fanning, Dunlap, Benham, Ellet) Zerstörer-Division.Chronik des Seekrieges – Wake, Webseite www.wlb-stuttgart.de, abgerufen am 20. April 2016.

Die TF 8 sollte als Deckungsgruppe im Gebiet zwischen den Midwayinseln und dem Johnston-Atoll für die einige Tage zuvor ausgelaufenen TF 11 (Lexington) und TF 14 (Saratoga) bereitgehalten werden. Der nach dem Desaster vom 7. Dezember interimistisch als Oberbefehlshaber der Pazifikflotte eingesetzte Konteradmiral William S. Pye konnte sich aber nicht entschließen, die Flugzeugträgergruppen rechtzeitig einzusetzen.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 150–158. Am 23. Dezember, an diesem Tag kapitulierte auch die Besatzung der Insel Wake, erhielten alle drei Kampfgruppen den Befehl, nach Pearl Harbor zurückzukehren.

Marshallinseln mini|Das Kwajalein-Atoll mit dem Flugfeld von Roi-Namur im Norden und dem Anlegeplatz in der Lagune von Kwajalein im Süden mini|Das brennende Wotje-Atoll nach den Angriffen der Flugzeuge der USS Enterprise und dem Beschuss durch amerikanische Kreuzer Auf Drängen des Oberbefehlshabers der United States Fleet (COMINCH) Ernest J. King befahl der neu eingesetzte Oberbefehlshaber der Pazifikflotte (CinCPAC) Chester W. Nimitz einen Angriff seiner Flugzeugträger auf japanische Flugplätze und Militäranlagen auf Atolle der Marshallinseln und Gilbert-Inseln.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 199.

Am 11. Januar lief die USS Enterprise im Rahmen der Task Force 8 in Richtung Amerikanisch-Samoa aus. Dort sollte sie sich mit der Task Force 17, die rund um das Schwesterschiff, der USS Yorktown, gebildet worden war, treffen. Die vom Atlantik in den Pazifik beorderte USS Yorktown war gerade mit einem Geleitzug in dieses Gebiet unterwegs, um auf Samoa 5000 US Marines abzusetzen.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 203.

Während der Fahrt in dieses Gebiet wurde in allen Räumen der USS Enterprise die weiße Wand- und Deckenbemalung mühsam entfernt. Diese leicht brennbare Farbe hatte sich beim Angriff auf Pearl Harbor als Todesfalle für viele Matrosen auf den getroffenen Schlachtschiffen erwiesen. Vom 18. bis zum 25. Januar befand sich das Schiff nördlich von Samoa, um mit seinen Fliegerkräften das Anlanden der 5000 Marineinfanteristen zu sichern, bevor sich die beiden Trägerkampfgruppen in Richtung Marshall- und Gilbert-Inseln in Bewegung setzten.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 205.

Auf der Fahrt ins Zielgebiet nahmen die Schiffe der Task Force 8 vom Tankschiff USS Platte zusätzlichen Treibstoff auf. Aufgrund von Verzögerungen konnte die USS Enterprise erst bei Einbrechen der Dunkelheit mit dem Auftanken beginnen, was zuvor noch nie in der Geschichte der amerikanischen Marine probiert worden war.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 206.

In der Nacht auf den 1. Februar 1942 befanden sich beide Flugzeugträgergruppen bereits kurz vor dem Zielgebiet. Während die USS Yorktown auf Ziele auf den Gilbert-Inseln angesetzt war und dabei wegen schlechten Wetters nur marginale Ergebnisse erzielten konnte, lagen die Angriffsziele der USS Enterprise auf den Kwajalein-, Maloelap- und Wotje-Atollen, die Teil der Marshallinseln waren.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 46.

Die erste von mehreren Angriffswellen, bestehend aus 37 Dauntless-Sturzkampfbombern und 9 Devastator-Torpedobombern, startete bereits vor Sonnenaufgang. Die Aufgabe der Sturzkampfbomber war die Zerstörung eines Flugfelds bei Roi-Namur im Norden des Kwajalein-Atolls, während die Torpedobomber Schiffe, die man südlich des Atolls vermutete, anzugreifen hatten. Da die Flugzeuge rund 150 Meilen bis zum Ziel zurückzulegen hatten und dieses aufgrund von veraltetem Kartenmaterial nicht sofort gefunden werden konnte, fiel beim Angriff der Überraschungseffekt weitgehend weg. Die Folge war, dass japanische Jagdflugzeuge vom Typ Mitsubishi A5M und die Bodenverteidigung des Flugplatzes vier der angreifenden Dauntless-Sturzkampfbomber abschießen konnten. Acht Besatzungsmitglieder verloren dabei ihr Leben. Trotz dieser Verluste konnten einige gegnerischen Flugzeuge auf dem Boden, Gebäude und ein Munitionsdepot zerstört werden.Ian W. Toll: Pacific Crucible – War at Sea in the Pacific, 1941–1942. Verlag W. W. Norton & Company, New York 2012, S. 212–214.

Die Devastator-Torpedobomber flogen zur gleichen Zeit über der Lagune von Kwajalein im Süden des Atolls den ersten Torpedo-Luftangriff in der amerikanischen Militärgeschichte und versenkten ein Transportschiff und beschädigten weitere Schiffe, darunter den leichten Kreuzer Katori.Barrett Tillmann: Enterprise – America's fightingest Ship. Verlag Simon & Schuster, New York 2012, S. 48, 49.