mini|Emblem der Orthodoxen Kirche der Ukraine mit einem Bild der Theotokos mini|hochkant=1.3|Das St.-Michaels-Kloster in Kiew mini|hochkant|Dreifaltigkeitskathedrale in Luzk
Die Orthodoxe Kirche der Ukraine () ist eine autokephale orthodoxe Kirche in der Ukraine. Sie entstand 2018 durch Fusion zweier nationaler Kirchen, der Ukrainisch-orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche. Zu ersterer zählten sich 2016 45,7 % aller Ukrainer, zu letzterer etwa 1,4 % der Bevölkerung.Repräsentative Befragung des Instituts für Soziologie der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, 2016, (ukrainisch)Religious Self-Identification and Prayer in Ukraine, Olena Bogdan, Kiev International Institute of Sociology, 2016, PDF (englische Fassung).
Nach ihrer Gründung unterstand die Orthodoxe Kirche der Ukraine zunächst dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel, bis der Ökumenische Patriarch sie am 6. Januar 2019 für eigenständig erklärte. Bislang haben das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria, die Kirche von Griechenland und die Kirche von ZypernErzbischof kommemoriert Metropolit Epifanij. Nachrichtendienst Östliche Kirchen (NÖK), 29. Oktober 2020, abgerufen am 26. November 2020. diesen Schritt Konstantinopels anerkannt. Die neue Kirche ist stärker in der westlichen Ukraine vertreten. Zu ihrem ersten Oberhaupt wurde im Dezember 2018 Metropolit Epiphanius gewählt. Sein Sitz ist das St.-Michaels-Kloster in Kiew.
Neben ihr existiert die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats, die sich 2022 von Moskau lossagte. In Teilen der Westukraine (Galizien) dominiert die Ukrainische griechisch-katholische Kirche.
Geschichte Orthodoxie in der Ukraine bis 1918 Die Geschichte der orthodoxen Kirchen in der Ukraine ist vielschichtig. Um 988 war eine einheitliche orthodoxe Kirche in der Kiewer Rus gebildet worden. Diese gehörte zum Patriarchat Konstantinopel.
Seit dem Mitte des 13. Jahrhunderts wechselte der Sitz des Metropoliten von Kiew und der ganzen Rus. Dabei kam es in der Folgezeit zu Abspaltungen. Um 1586 entstand ein selbständiges Patriarchat Moskau. Um 1596 löste sich in den Gebieten, die zu Polen-Litauen gehörten, eine ukrainische griechisch-katholische Kirche ab, die sich dem Papst in Rom unterstellte.
Nach dem Frieden von 1686 wurde die Metropolie von Kiew dem Patriarchat von Moskau unterstellt, daraus entstand die Ukrainisch-orthodoxe Kirche Moskauer Patriarchats. 1795 fielen infolge der dritten Teilung Polens die nördlichen Gebiete der Ukraine an das Kaiserreich Russland. Die dortigen Kirchen wurden damit ebenfalls dem Patriarchat von Moskau unterstellt.
Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche Nach der Ausrufung des ersten unabhängigen ukrainischen Staates am 25. Januar 1918, der Ukrainischen Volksrepublik, versuchten ukrainische Geistliche, die staatliche Unabhängigkeit mit der Gründung einer Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche zu untermauern. Ein Beschluss der Russisch-Orthodoxen Kirche vom September 1918 billigte die Anerkennung einer autonomen ukrainischen Kirche. Aufgrund der chaotischen Verhältnisse verliefen die ersten Bemühungen erfolglos. Die im Bürgerkrieg siegreichen Bolschewiki wollten jedoch die Russisch-Orthodoxe Kirche schwächen und standen dem Gedanken einer ukrainischen Nationalkirche zunächst wohlwollend gegenüber. Die erste autokephale ukrainische Kirche wurde im Mai 1920 in Kiew gegründet und wählte im Oktober 1921 Wassyl Lypkiwskyj zu ihrem ersten Metropoliten. Da ihm die erforderliche Anerkennung durch einen Patriarchen fehlte, wurde er von Priestern und Laien durch Handauflegung geweiht, was mit dem orthodoxen Kirchenrecht nicht vereinbar war. Die erste UAOK wurde deshalb von den anderen orthodoxen Kirchen nicht anerkannt. Trotzdem konnte sie Mitte der 1920er Jahre in der Ukraine nach eigenen Angaben 3–6 Millionen Gläubige sammeln, die in 1000 Pfarreien mit 1500 Priestern und 30 Bischöfen organisiert waren. Nachdem der stellvertretende Patriarchatsverweser Sergej (ab 1943 Patriarch der Russisch Orthodoxen Kirche) 1927 eine Deklaration gegenüber dem Sowjetstaat abgegeben hatte, in der die Russisch-Orthodoxe Kirche die Trennung von Kirche und Staat akzeptierte, verloren die Bolschewiki ihr Interesse an der ukrainischen Autokephalie. Bischof Lypkiwskyj wurde noch im selben Jahr zum Rücktritt gezwungen und verbannt, die Kirche verlor ihre Autokephalie im Jahr 1930. In den folgenden Jahren wurden über 1000 ihrer Geistlichen verbannt. 1937 hörte sie zu bestehen auf.
Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) Seit 1990 forderten ukrainische Bischöfe eine größere Selbständigkeit ihrer Kirche, die im Exarchat Ukraine der Russisch-Orthodoxen Kirche organisiert war.
Im April 1992 gab Metropolit Philaret von Kiew sein Ausscheiden aus der Russisch-Orthodoxen Kirche bekannt. Die ukrainische Kirche im Patriarchat von Moskau wählte daraufhin eine neue Leitung und gründete sich im Mai als Ukrainische Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat).
Am 25. und 26. Juni 1992 gründete sich in Kiew die Ukrainische Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat als Vereinigung von Klerikern und Gemeinden um Metropolit Filaret und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche. Oberhaupt wurde Patriarch Mstyslaw (Skrypnyk) der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, der in den USA lebte, sein Stellvertreter Metropolit Filaret. Beide Kirchen behielten eigene Organisationsstrukturen bei.
1993 trennten sich nach dem Tod von Patriarch Mstyslaw beide Kirchen wieder; neues Oberhaupt des Kiewer Patriarchats wurde Metropolit Wolodymyr (Romanjuk). 1994 wurde die unabhängige Metropolie von Aquileia und Westeuropa als autonome Teilkirche aufgenommen. 1995 wurde Metropolit Filaret neuer Leiter der Kirche nach dem plötzlichen Tod von Metropolit Wolodymyr. 1997 wurde er von der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell mit dem Kirchenbann belegt.
Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) bemühte sich seit 2000 verstärkt um ein Zusammengehen mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und mit der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, lange ohne Erfolg. Auf der Krim blockierte die Polizei im August 2017 den Zutritt zur Kathedrale der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat) in Simferopol.Katholische Nachrichtenagentur, 1. September 2017.
Laut einer Umfrage des ukrainischen Razumkov-Zentrums von September 2018 sprachen sich 35,4 Prozent der Bürger des Landes dafür aus, eine von Russland unabhängige ukrainische Kirche („lokale Autokephale Orthodoxe Kirche“) zu gründen. 19,2 Prozent erklärten, sie seien dagegen.Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, u. a., Ukraine-Analysen Nr. 207, 26. Oktober 2018, S. 7; aufgerufen am 28. Januar 2019; http://www.laender-analysen.de/ukraine/pdf/UkraineAnalysen207.pdf 33,5 Prozent gaben an, es sei ihnen egal. 11,9 Prozent machten keine Angaben. Je nach Region fielen die Antworten unterschiedlich aus: Im Osten der Ukraine erklärten 14,3 Prozent, sie seien dafür (32,1 Prozent dagegen; 43 Prozent egal; 10,7 Prozent keine Angaben). Im Süden waren 16,1 Prozent dafür (18,2 Prozent dagegen; 44,6 Prozent egal; 21,1 Prozent keine Angaben). Im Westen stimmten 60,5 Prozent dafür (12,3 Prozent dagegen; 19 Prozent egal; 8,2 Prozent keine Angaben).
Im Oktober 2018 wurden die Ukrainische Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) und die konkurrierende Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche gemeinsam und gegen den Widerstand der russischen Kirche als kanonisch anerkannt und dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt.
Orthodoxe Kirche der Ukraine mini|Patriarch Bartholomeos I. bei der Unterzeichnung des Tomos (Dekret) über die Autokephalie der vereinigten Orthodoxen Kirche der Ukraine Am 15. Dezember 2018 wurde die Gründung einer neuen ukrainisch-orthodoxen Landeskirche bei einem Konzil in Kiew beschlossen. Bei einer Zeremonie im Patriarchat in Istanbul am 5. Januar 2019 unterzeichnete Bartholomäus I. mit dem neuen ukrainischen Metropoliten Epiphanius im Beisein des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko ein Dokument über die Autokephalie der neuen Kirche. Der Patriarch von Konstantinopel, Bartholomäus I., überreichte am 6. Januar 2019 der Kirche die Bulle (Tomos) über die Verleihung der kirchlichen Eigenständigkeit (Autokephalie).
In den besetzten Gebieten (sog. Volksrepubliken Donezk und Lugansk) war stets nur die Russisch-Orthodoxe Kirche zugelassen, Christen, die nicht der ROK angehörten, wurden von den moskautreuen Kräften sehr stark unterdrückt.„Göttlich legitimierte Grenzüberschreitung“, domradio.de, 23. Februar 2022
Konflikt zwischen „Ehrenpatriarch“ Filaret und Metropolit Epiphanius Filaret, der Patriarch der bisherigen Ukrainisch-Orthodoxen Kirche Kiewer Patriarchats, der in der neugegründeten autokephalen Kirche zum „Ehrenpatriarchen“ ernannt wurde (eine Position, die es laut Konstantinopel gar nicht geben dürfte), wandte sich wenige Monate nach der Gründung der neuen Kirche offen gegen den Metropoliten Epiphanius sowie insgesamt gegen die Verleihung der Autokephalie durch Bartholomeos I. Philaret kritisierte ihre Bedingungen, die eine Abhängigkeit vom Patriarchen von Konstantinopel etablieren, und behauptete, das bisherige Kiewer Patriarchat bestehe weiter.Patriarch Filaret refuses to accept tomos of Orthodox Church’s autocephaly. UNIAN, 11. Juni 2019 (englisch). Ferner unterstellte er den beiden Hierarchen Wortbruch, da sie ihn angeblich abweichend von den Vereinbarungen marginalisierten.
Am 8. Juni 2021 stellte der Oberste Gerichtshof der Ukraine fest, dass die UOK-KP die Auflösung beschlossen und Filaret diese unterzeichnet habe. Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche Kiewer Patriarchats agierte allerdings auch weiterhin als Kirche unter dem Patriarchen Filaret. Filaret starb am 20. März 2026 in Kiew.
Kirchenrechtliche Situation mini|280px|Aktuelle Stand des Schismas zwischen Moskau und Konstantinopel 2018 nach orthodoxer Kirchengerichtsbarkeit. Die ehemals Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat wurde bis 2019 von den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt. Das bedeutete, dass die Taufe, Priesterweihe und andere Sakramente von den meisten orthodoxen Kirchen nicht anerkannt wurden. Mitglieder der Kirche waren so auch von der Eucharistie in anderen Kirchen ausgeschlossen. Die Kirche war in keinem übergeordneten orthodoxen Gremium vertreten, auch nicht in der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland oder dem Ökumenischen Rat der Kirchen.
Die Kirche unter Metropolit Philaret bemühte sich sehr intensiv um eine kanonische Anerkennung durch das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, bereits vier Tage nach der Gründung reiste Metropolit Philaret 1992 erstmals nach Istanbul. 2016 forderte das ukrainische Parlament den Ökumenischen Patriarchen auf, die Kirche anzuerkennen. Auch 2017 fanden Gespräche beider Kirchen in Istanbul darüber statt.Gespräche in Istanbul. Radio Vaticana nach Informationen des Religiosen Informationsdienstes der Ukraine vom 17. Januar 2017.
Im Sommer 2018 deuteten alle Anzeichen auf eine Anerkennung der Autokephalie der ukrainischen Kirche durch Konstantinopel im Oktober 2018 hin.Die Entscheidung ist gefallen: Die ukrainische Kirche wird autokephal sein! Nowaja gaseta, 31. August 2018. Dass der Druck aus dem Kreml nicht ausgereicht hatte, diesen Schritt zu verhindern, führte zu scharfen Reaktionen der Russisch-Orthodoxen Kirche, welche sich in einer Verliererrolle sah. Alexander Soldatow schrieb in der Nowaja gaseta, die Ideologie der russisch-orthodoxen Kirche entspreche idealerweise der Ideologie Wladimir Putins sowie seinem Antiamerikanismus und Großmachtchauvinismus und ende mit einer Beendigung der Ökumene aufgrund ihres Charakters einer Häresie.Die Patriarchate beginnen einen großen Krieg. Nowaja gaseta, 10. September 2018.