Das Südtiroler Kulturinstitut (abgekürzt: SKI) ist ein Verein privaten Rechts mit Sitz im Kulturhaus Walther von der Vogelweide (Waltherhaus) in der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen (Italien). Schwerpunkte der Tätigkeit sind die Kontaktpflege zum übrigen deutschen Sprach- und Kulturraum und die Organisation von Theatergastspielen, Gastkonzerten, Ausstellungen, Autorenlesungen sowie wissenschaftlichen Tagungen.
Geschichte mini|Das Waltherhaus in Bozen, Sitz des SKI miniatur|hochkant|Gemeinsame Einladung von ÖAW und SKI zur Eröffnung der Teßmann-Bücherei, 1958 mini|Gedenktafel im Waltherhaus Bozen 1967–2017 Das Kulturinstitut wurde im Sommer 1954 in Bozen gegründet.Joseph Kindl: Kulturarbeit im heutigen Südtirol. In: Der Standpunkt, 24. September 1954, S. 5–6 (Digitalisat). Aufgrund der schwierigen politischen Situation in Südtirol ging es dem Institut zunächst darum, für den kulturellen Fortbestand der deutschsprachigen Bevölkerung in Südtirol initiativ zu werden. Zu den ersten Maßnahmen zählten die 1954 ins Leben gerufenen „Meraner Hochschulwochen zur Pflege europäischen Denkens“, die jeweils im September stattfanden, sowie – mit Unterstützung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – die Begründung der Landesbibliothek „Dr. Friedrich Teßmann“.Richard Meister: Die Eröffnung der Dr.-Friedrich-Tessmann-Bücherei im Südtiroler Kulturinstitut: Bozen, 22. September 1958. In: Anzeiger der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse 18, 1958, S. 238–240. Ziel dieser ersten Tätigkeiten war es auch, die während des Faschismus abgerissenen Kontakte zum übrigen deutschen Sprachraum wieder aufzunehmen.Das Südtiroler Kulturinstitut 1954–1960: Bericht und Ausblick. Bozen: Südtiroler Kulturinstitut 1960. 1957 lobte das Kulturinstitut einen Wettbewerb zur Gestaltung eines Plakats „unter besonderer Betonung des Gedankens der Heimatverbundenheit oder der national-völkischen Verpflichtungen“ aus, was die scharfe Kritik einheimischer Künstler hervorrief.Kleine Anfrage an das Südtiroler Kulturinstitut. In: Der Standpunkt, 26. Oktober 1957, S. 5 (Digitalisat).
In Abgrenzung zu den traditionalistisch-konservativen Tendenzen des Kulturinstituts wurde 1975 in Bozen das Südtiroler Kulturzentrum gegründet.
Theatergastspiele und Konzerte Der Theatergastspielbetrieb konnte erst 1967 mit der Errichtung des Hauses der Kultur „Walther von der Vogelweide“ in Bozen aufgenommen werden; an seiner Fassade ist in bildungsbürgerlicher Absicht der namengebende Minnesänger »in der Reichstonpose des Codex Manesse („Ich saz ûf eime steine“)« dargestellt. Auf dem Spielplan standen mit Stücken von Goethe, Shakespeare und Schiller hauptsächlich Klassiker der Weltliteratur. Seit der Jahrtausendwende fanden auch modern inszenierte Klassiker sowie zeitgenössische Stücke verstärkt Platz im Spielplan. Außerhalb der Landeshauptstadt Bozen werden Theatergastspiele und Gastkonzerte auch in Meran, Brixen, Bruneck, Schlanders und Eppan angeboten. Beim Kinder- und Jugendtheater wird auf kind- bzw. jugendgerechte Themen geachtet, damit der Theaterbesuch in der Schule nachbearbeitet werden kann.
Auf dem Spielplan stehen Konzerte mit berühmten Ensembles aus dem Ausland sowie Liederabende. Ein musikalischer Höhepunkt in jedem Sommer ist die Konzertreihe Klangfeste, die im Jahr 2000 im Burghof von Schloss Runkelstein ins Leben gerufen wurde.
Jugend- und Kinderbuchzentrum
Das Jugend- und Kinderbuchzentrum im Südtiroler Kulturinstitut (kurz JuKiBuZ) widmet sich seit 1999 der Leseförderung. Es wendet sich neben Kindern und Jugendlichen auch an Eltern, Lehrpersonen und Studierende. Das JuKiBuZ informiert über neuere Kinderliteratur, vermittelt Leseideen und hält Sekundärliteratur, sonstige Materialien und Unterlagen zur Leseförderung bereit. Es organisiert Schreibwerkstätten für Kinder, Leseclubs oder Leseseminare für Kinder. Auch Lesungen und Autorenbegegnungen für Kinder sind Bestandteile des Programms.
Tanz Bozen
Das alljährlich stattfindende Tanzfestival „Tanz Bozen“ bietet Kurse und Tanzdarbietungen. Unter dem Namen „Ballettsommer Bozen“ fand das Festival erstmals 1985 statt und wurde im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil des europäischen Tanzgeschehens. Das Südtiroler Kulturinstitut organisiert seit 2003 das Kursprogramm. Jedes Jahr unterrichten 25 bis 30 renommierte Dozenten, unterstützt von einem eigenen Musikerteam, verschiedene Tanzstile.
Sprachstelle im Kulturinstitut
Die Sprachstelle ist eine Schnittstelle zwischen Sprachwissenschaft und einer breiteren Öffentlichkeit. Sie wertet für die besondere Situation Südtirols relevante Forschungsergebnisse aus, um sie allgemein zugänglich zu machen. Die Sprachstelle versucht, die Öffentlichkeit für sprachliche Belange zu sensibilisieren, sprachliche Besonderheiten zu verdeutlichen und zum kreativen und bewussten Umgang mit der deutschen Sprache anzuregen. Zu diesem Zweck werden Diskussionen, Vorträge, Themenabende und Tagungen zu aktuellen Sprachproblemen veranstaltet und Aktionen im sprachkulturellen Bereich durchgeführt. Durch Vorträge und Seminare möchte die Sprachstelle das Bewusstsein der Eltern für die Bedeutung der Sprachförderung ihrer Kinder stärken und ihnen beratend zur Seite zu stehen. 2009 wurde in Zusammenarbeit mit drei weiteren Bildungseinrichtungen das „Forum Text und Literatur“ gegründet, das Schreibwerkstätten sowie Seminare im Bereich Literatur anbietet. Die „Presseakademie“ in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Südtirol bietet Fortbildungen für alle, die im Bereich Journalismus, PR, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation oder Marketing tätig sind.
Projekte
Ausstellungen und Tagungen Das Kulturinstitut bietet verschiedene Einzel- und Sammelausstellungen an, so auch zu Leben und Werk berühmter Persönlichkeiten. Alle zwei Jahre werden die Siegerblätter des österreichischen Grafikwettbewerbs ausgestellt. Die Organisation der „Österreichischen Buchausstellung“, die 1955 zum ersten Mal veranstaltet wurde, ist ein weiterer Schwerpunkt des Instituts. Mit dem Titel Bücherwelten im Waltherhaus gibt die Ausstellung alljährlich einen Überblick über die Neuerscheinungen in österreichischen und Südtiroler Buchverlagen, zeigt ausgewählte Neuerscheinungen der Kinder- und Jugendliteratur aus Deutschland und der Schweiz und stellt ausgewählte Hörbücher vor. Die Ausstellung wird ergänzt durch Lesungen, Diskussionen und Werkstätten für Kinder. Das Kulturinstitut organisiert wissenschaftliche Tagungen zu den verschiedensten Themen sowie pädagogische Tagungen für Grundschullehrer.
Publikationen
Das Südtiroler Kulturinstitut fördert Publikationen, die für Südtirol von Interesse sind, und ist als Herausgeber von wissenschaftlichen Werken über Kunst und Kultur in Südtirol tätig. Reihen Jahrbuch des Südtiroler Kulturinstitutes. 9 Bände. 1969–1980. Schriftenreihe des Südtiroler Kulturinstitutes. 18 Bände Veröffentlichungen des Südtiroler Kulturinstitutes. 2003ff. 14 Bände
Walther-von-der-Vogelweide-Preis
1960 wurde vom Kulturwerk für Südtirol in München der „Walther-von-der-Vogelweide-Preis“ zur Anerkennung wissenschaftlicher und künstlerischer Leistungen gestiftet. Das Kulturinstitut schlägt mögliche Preisträger vor und organisiert die Feierlichkeiten zur Preisverleihung. Seit 1968 wird zudem ein „Walther-von-der-Vogelweide-Förderpreis“ und seit 2018 der Jugendpreis an jüngere Talente verliehen. Preisträger seit 1960 (Hauptpreis)
2019: Peter Mitterrutzner 2013: Helmut Stampfer, Völs am Schlern 2010: Markus Vallazza, Bozen 2008: Karl Grasser 2005: Joseph Zoderer, Terenten 2003: Robert Scherer 2002: Hans Grießmair, Brixen 2000: Friedrich Gurschler, Schnals 1998: Egon Kühebacher, Bruneck 1996: Josef Gelmi, Brixen 1994: Hubert Stuppner, Truden 1992: Peter Fellin, Meran 1989: Wolfgang Röd, Bruneck 1987: Heiner Gschwendt, Klausen 1985: Franz Tumler, Bozen 1983: Peter Hölzl, Meran 1981: Hans Prünster, Bozen 1979: Karl Plattner 1978: Hermann Eichbichler, Klausen 1977: Landesverband für Heimatpflege, Bozen 1976: Martin Rainer, Brixen 1975: Alois Staindl, Brixen 1974: Matthias Ladurner-Parthanes, Meran; Luis Oberrauch, Bozen-Gries 1973: Josef Rampold, Bozen 1972: Johanna Blum, Ritten 1971: Karl Wolfsgruber, Brixen 1969: Othmar Barth, Brixen 1968: Sepp Thaler, Auer 1967: Erich Pattis, Bozen 1966: Hans Fink, Brixen 1965: Anselm Sparber, Eppan 1964: Hubert Mumelter, Bozen/St. Konstantin 1963: Maria Delago, Bozen 1962: Karl Maria Mayr, Bozen 1961: Karl Theodor Hoeniger, Meran 1960: Karl Felix Wolff, BozenPreisträger seit 1968 (Förderpreis) 2023: Franziska Gilli 2020: David Fliri 2017: Kurt Gritsch 2015: Hanns-Paul Ties 2014: Andreas Oberhofer 2012: Gudrun Sulzenbacher 2011: Astrid Kofler 2009: Manuela Kerer 2007: Sabine Gruber 2006: Christine Roilo 2004: Rut Bernardi 2001: Eduard Demetz 1999: Paul Videsott 1997: Carl Kraus 1995: Robert Bosisio 1994: Erika Kustatscher 1993: Leo Andergassen 1992: Carmen Tartarotti 1991: Günther Niederwanger 1990: Carmen Müller 1988: Hannes Obermair 1987: Mercedes Blaas 1986: Konrad Rabensteiner 1985: Elmar Waibl 1983: Sepp Haller 1982: Gottfried Oberthaler 1981: Guido Anton Muss 1980: Lois Craffonara 1979: Karl Gruber 1978: Arbeitskreis für Literatur im Südtiroler Künstlerbund 1977: Reimo Lunz 1976: Hans Grießmair 1974: Arbeitskreis Brunnenburg 1973: Peter Ortner 1972: Arbeitskreis für Umweltgestaltung 1971: Egon Kühebacher 1970: Herbert Paulmichl 1968: Luis Stefan Stecher
Literatur 20 Jahre Südtiroler Kulturinstitut 1954–1974. Südtiroler Kulturinstitut, Bozen 1975. Othmar Parteli: 70 Jahre Südtiroler Kulturinstitut. Eine Kulturarbeit der Sonderklasse für unser Land. In: Der Schlern. Bd. 98 (2024), Heft 10, S. 4–63.
Weblinks Website des Südtiroler Kulturinstituts Festival Tanz Bozen Das Waltherhaus in Bozen 70 Jahre Südtiroler Kulturinstitut und die Literatur. Jubiläumsausstellung Sept.–Okt. 2024
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturelle Organisation (Bozen) Kategorie:Verein (Südtirol) Kategorie:Walther von der Vogelweide Kategorie:Vereinsgründung 1954