miniatur|Die Alte Kirche in Kellen von Süden aus Die Alte Kirche Kellen liegt an der Kreuzhofstraße in der ehemals selbstständigen Gemeinde Kellen, die heute ein Stadtteil der Kreisstadt Kleve in Nordrhein-Westfalen ist. Die Alte Kirche steht auf einer geestartigen Erhöhung (ca. 15 Meter über NN), an einer Stelle, wo sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts der ehemalige Ortskern befand. Die erhöhte Lage bot einen gewissen Schutz vor den regelmäßigen Überschwemmungen der Rheinaue. Die Kirche steht unter dem Patronat des Heiligen Willibrord.
Geschichte Die Schenkungsurkunde aus dem Jahre 752 Aus einer Urkunde der Jahre 752 geht hervor, dass der fränkische Adelige Adalard u. a. seinen Hof cellina (Kellen) und den dazugehörigen Wald der Peterskirche zu Rindern vermachte. Dieser Haupthof Kellen (heute: am Ort einer Reithalle an der Wilhelmstraße) bildete mit einer Ausdehnung von ca. 9 Hektar die „Keimzelle“ der Siedlung Kellen. Von der Existenz eines Gotteshauses im 8. Jahrhundert wird nichts berichtet.
Der Memorienstein des Laien Grimoldus miniatur|Memorienstein des Laien Grimoldus im Eingangsbereich der Alten Kirche Ein Indiz für die Existenz eines Gotteshauses an der Stelle der heutigen Alte Kirche ist ein Memorienstein, der sich im Turm der Alten Kirche befindet. Der Stein trägt die lateinische Inschrift: „III:NON:IVNII OBIIT GRIMOLD LAICUS“ (Am 3. Juni starb der Laie Grimoldus). Memoriensteine waren ursprünglich nicht in die Kirchenwände eingelassen, sondern lagen auf den Gräbern der Verstorbenen, waren also Grabsteine. Bei den in den nachfolgenden Jahrhunderten immer wieder notwendig gewordenen Aufbau- und Reparaturarbeiten an der Alten Kirche, dienten die Memoriensteine als Baumaterial. Aus Ehrfurcht vor dem Alter des Steins oder der Bedeutung des Verstorbenen, brachte man den Memoriensteine so an, dass die Inschrift leserlich blieb. Dem Kellener Memorienstein ist neben dem Todestag (3. Juni) auch zu entnehmen, dass der Verstorbene dem Laienstand angehörte, Grimoldus also keine kirchlichen Weihen erhalten hatte. Da ausschließlich dieser Memorienstein erhalten geblieben ist und man zu damaliger Zeit die Gedenksteine ausschließlich für Angehörige der besitzenden Bevölkerungsschicht anfertigte, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich bei Grimoldus um eine bedeutende Persönlichkeit handelte. Es liegt die Vermutung nahe, dass Grimoldus der Vogt auf dem Kellenshof war, der – im Auftrage des Klosters Echternach – die klösterlichen Besitzungen rund um die Alte Kirche verwaltete. Das Alter des Memoriensteins wird vom Bauhistoriker Günther Binding, nach Vergleichen mit ähnlichen Steinen, auf die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert. Somit könnte der Memorienstein des Grimoldus als Indiz für das Bestehen einer Kirche in Kellen nach dem Jahr 950 gelten, ausgehend von der Annahme, dass die Verstorbenen zu dieser Zeit um oder – wie später auch in Kellen geschehen – in dem Gotteshaus bestattet wurden.
6. Mai 1069 – Erste urkundliche Erwähnung In einer Urkunde vom 6. Mai 1069 bestätigt Papst Alexander II. die Besitzungen der Abtei Echternach zu Rindern. Zur Rinderner Kirche gehörten damals auch die in der Urkunde aufgezählten abhängigen Kirchengemeinden (appentitiis) in Kennele (Kellen) und Millinga (Millingen / NL). Papst Alexander II. liefert mit dieser Urkunde den ersten gesicherten Nachweis über die Existenz eines Gotteshauses in der Gemeinde Kellen.
Das erste Gotteshaus an dieser Stelle Über das erste Gotteshaus in Kellen gibt es unterschiedliche Theorien: So vermutet der Klever Historiker Robert Scholten, an der Stelle der heutigen Alten Kirche habe zu Beginn ein Baptisterium (Taufkapelle) gestanden, das dem heiligen Johannes dem Täufer gewidmet gewesen sei. Allerdings gibt es für diese Vermutung keine Beweise. Eine weitere Theorie führt die Gründung der Alten Kirche in Kellen auf den Heiligen Willibrord zurück. Dieser hatte im Jahre 691 von Papst Sergius den Auftrag zur Missionierung erhalten und seinen Sitz als Bischof in Utrecht genommen. Da sich die Missionstätigkeit des Heiligen nicht nur auf die friesischen Lande beschränkte, gibt die Willibrord-Arche in Emmerich ein Indiz für einen möglichen Besuch Willibrords in der Stadt, und die Alte Kirche von jeher als Kirchenpatron den Heiligen führte, lag es nahe, die Gründung der ersten Kirche der Gemeinde auf ihn zurückzuführen. Aber auch für diese Theorie fehlen Belege.
Aus der Datierung des sich heute in der Kirche befindlichen Memoriensteines lässt sich ein Gotteshaus für die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts vermuten. Bauuntersuchungen zeigen, dass man sich das älteste Gotteshaus wohl als eine kleine Kapelle mit einer Größe von 5 × 5 Metern vorstellen muss. Diese kleine Kapelle diente den Bewohnern des Haupthofes Kellen und der dazugehörigen Nebenhöfe als Gottesdienstraum.
Für die Bedürfnisses der ländlichen Bevölkerung Kellens reichte die kleine Kapelle aus. Um das Jahr 1000 jedoch entwickelte sich in unmittelbarer Nähe zur Kapelle die Siedlung Schmithausen zu einem Handelsplatz. In einer Urkunde aus dem 1142 bestätigt der Kölner Erzbischof Arnold I., dass bereits zur Zeit seiner Vorgänger das Gewohnheitsrecht bestanden habe, dass die Markthändler (mercatores) von Rees zu Wesel, Xanten, Emmerich, Elten, Doetinchen und Schmithausen (smithusen), wenn sie dort zum Markte kämen, vom Marktzoll befreit gewesen seien. Die Urkunde belegt, dass es im Jahre 1142 in Schmithausen eine geschlossene Ansiedlung, eine organisierte Händlerschaft und einen von Händlern regelmäßig beschickten Markt gab.
Das Neusser Zollprivileg aus dem 12. Jahrhundert miniatur|Steintafel Neusser Zollprivileg im Eingangsbereich der Alten Kirche In der Alten Kirche befindet sich auch das sogenannte Neusser Zollprivileg, das den Bürgern der Stadt Neuss zusicherte, dass sie bei der Talfahrt nur einen Pfennig und bei der Bergfahrt keinen Zoll in Schmithausen zu zahlen hatten. Aufgrund der Tatsache, dass bei Schmithausen, am damaligen Hauptstrom des Rheines gelegen, ein Zoll zu entrichten war, entstand an dieser Stelle ein florierender Marktplatz. Dies hatte auch Auswirkungen auf die kleine Kapelle in unmittelbarer Nähe. Der Platz im Gotteshaus reichte für die wachsende Zahl der Kommunikanten nicht mehr aus. Die Kapelle wurde daher – vermutlich in den Jahren zwischen 1050 und 1125 – um den heutigen Saal der Alten Kirche erweitert. Nun konnte die Alte Kirche der wachsenden Zahl der Gläubigen den notwendigen Platz bieten. Um das Jahr 1200 wurde an der Südseite des Chores eine Sakristei angebaut. Das Ende der wirtschaftlichen Bedeutung des Marktplatzes Schmithausen kam mit der Verlagerung des Rheinbettes. Die Zollstätte wurde nach Emmerich verlegt. Der ehemals florierende Handelsplatz Schmithausen versank in der Bedeutungslosigkeit.
Die Alte Kirche um 1400 Bau eines Kirchturms an der Westseite miniatur|Das Treppentürmchen auf der Nordseite des Kirchturms Um das Jahr 1400 veränderte sich das Aussehen der Alten Kirche. Im Verlaufe des Mittelalters kam es sowohl in den Städten als auch an den Kirchen auf dem Lande in Mode, Türme zu errichten. Dabei kamen diesen Türmen unterschiedliche Funktionen zu. Es gab Flucht- oder Wehrtürme, in denen sich die Menschen bei Bedrohung zurückziehen konnten. Der Turm einer Kirche bot aber auch einen festen Orientierungspunkt innerhalb der umliegenden Landschaft und die erhöhte Position des Turmes gab eine ideale Möglichkeit frühzeitig zu erkennen, wenn sich eine Gefahr näherte oder es beispielsweise einen Brand in der Umgebung gab. Darüber hinaus fanden in den Kirchtürmen die Glocken ihren Platz und boten der Bevölkerung die Möglichkeit, hier die Uhrzeit ablesen. Um das Jahr 1400 erhielt auch die Alte Kirche an der Westseite einen solchen Turm, der gegen Ende des 16. Jahrhunderts wegen Baufälligkeit einstürzte, sodass man nichts über das ursprüngliche Aussehen sagen kann. Ein kleiner Teil ist jedoch bis heute erhalten geblieben. Denn als man um 1600 an der Alten Kirche einen neuen Turm errichtete, blieb als einziger älterer Teil das heutige Treppentürmchen erhalten.
Bau eines gotischen Chores Eine weitere große Veränderung für das alte Gotteshaus brachte der Bau des neuen gotischen Chores mit sich. An der Südseite der Kirche wurden die beiden alten Fenster zugemauert und der Chor in seiner heutigen Form mit einem Kreuzrippengewölbe gebaut. Das ehemalige Fenster in der Südwand ist heute als Nische deutlich zu erkennen, auf der neu errichteten Nordwand des Chores gegenüber findet sich das Gegenstück. In den beiden Nischen sind die Figuren der vier Evangelisten aufgestellt. mini|Schlussstein des gotischen Chores mit dem Klever Wappen Im gotischen Chor der Alten Kirche gibt es zwei Schlusssteine, die jeweils die Wappen von Kleve und Mark tragen. Es liegt die Vermutung nahe, dass die Wappen der Grafschaften Kleve und Mark, die 1391 erstmals in Personalunion vereinigt wurden, sich deshalb dort befinden, weil diese Häuser durch ihre Unterstützung den Ausbau des Chores der Alten Kirche ermöglichten.
Zum gotischen Chor gehören vier große spitzbogige Fenster. Über die ursprüngliche Ausgestaltung der Fenster ist nichts bekannt. Das Mittelfenster des Chores wurde im Jahre 1955 von dem in Westerholt geborenen Künstler Wilhelm Felix Schlüter (1902–1976) geschaffen. Es zeigt zentrale Punkte aus dem Leben Jesu wie die Kreuzigung, die Auferstehung und die Himmelfahrt. Die Ausgestaltung der drei anderen Fenster hat im Jahre 1985 der Leverkusener Künstler Paul Weigmann (1924–2009) übernommen. Fenster dieses Künstlers finden sich in 300 Kirchen, so u. a. in den Domen zu Xanten, Mainz und Worms.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts: Glocken für den neuen Kirchturm miniatur|hochkant|Die Marienglocke im Turm der Alten Kirche Nachdem die Alte Kirche um 1400 einen Turm erhalten hatte, waren die Kellener sehr schnell darauf bedacht, diesen Turm auch mit Glocken zu bestücken. Da die Glocken der Alten Kirche alle eine Inschrift tragen, fällt ihre Datierung leicht. Und vor allem: Alle drei Glocken, die bald nach der Errichtung des Turmes gegossen wurden, rufen noch heute die Menschen zum Gottesdienst. Dies ist vor allem aufgrund der Tatsache eine Besonderheit, dass die Marien- und die Katharinenglocke im Zweiten Weltkrieg abmontiert wurden und bereits zur Einschmelzung in der Metallhütte Kall in der Eifel transportiert worden waren. Voller Freude berichtet der damalige Pfarrer Joseph Bullmann in seiner Kirchenchronik Licht und Schatten, dass es dem Kellener Fuhrunternehmer Gerd Heeck am 23. Dezember 1943 gelang, die beiden 500 Jahre alten Glocken nach Kellen zurückzubringen. Im Jahre 1404 wurde die Marienglocke mit einem Gewicht von 775 Kilogramm und einem Durchmesser von 106 cm gegossen. Sie erklingt mit dem Ton f. Die beiden anderen Glocken sind die Willibrord- und die Katharinen-Glocke, sie entstanden im Jahre 1438.
Die Daten der beiden anderen Glocken:
Willibrord-Glocke: Gießer: Johannes de Hintem; Durchmesser: 136 cm; Gewicht: 1.525 kg; Ton: e; Inschrift: „Sanctus Clemens Patronus Ecclesie Wisschelensis, Sanctus Willibrordus vocor. Johannes de Hinthem me fecit anno Domini MCCCCXXXVIII“ (Heiliger Clemens, Patron der Kirche zu Wissel, heiliger Willibrord werde ich genannt. Johannes de Hinthem hat mich Jahre des Herrn 1438 gemacht)
Katharinen-Glocke: Durchmesser: 96 cm; Gewicht: 450 kg; Ton: a; Inschrift: „Caterina vocor, Anno Domini MCCCXXXVIII“ (Katharina werde ich genannt, im Jahre des Herrn 1438)
Um 1600 – Ein neuer Turm für die Alte Kirche