mini|Erich von dem Bach-Zelewski, SS-Obergruppenführer und General der Polizei (1944)
Erich von dem Bach-Zelewski (* 1. März 1899 in Lauenburg in Pommern als Erich Julius EberhardVollständiger Vorname nach: Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie. Band 1: Aachen – Braniß, München 2005, S. 334. von Zelewskÿ; ab 1925 von dem Bach-Zelewski; 1940 bis 1945 von dem Bach; † 8. März 1972 in München) war ein deutscher SS-Obergruppenführer, General der Waffen-SS und General der Polizei. Er war als Höherer SS- und Polizeiführer (HSSPF) Russland-Mitte am Holocaust und später als „Bevollmächtigter des Reichsführers SS für die Bandenbekämpfung“ maßgeblich an den Massenmordaktionen in der Sowjetunion beteiligt. Im August 1944 befehligte er die Niederschlagung des Warschauer Aufstandes. Wegen der Ermordung von Kommunisten im Jahr 1933 wurde er 1962 zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt.
Leben Frühe Jahre Erich von Zelewski entstammte verarmtem kaschubischem Landadel aus der gleichnamigen Wappengemeinschaft mit Wurzeln in Seelau. Er war der Sohn des Versorgungsbeamten und Landwirts Otto Johannes von Zelewski (* 20. Mai 1859; † 17. April 1911 in Dortmund) und dessen Ehefrau Amalia Maria Eveline, geb. Schimanski (* 16. April 1862 in Thorn; † 4. Oktober 1936 in Berlin-Lankwitz). Die Familie sprach ursprünglich daheim Kaschubisch sowie Polnisch und war über Generationen hinweg mit der katholischen Kirchengemeinde in Linde (heute pl. Linia) verbunden, obgleich Erich von Zelewski als Erwachsener der evangelischen Kirche beitrat. Da der Vater mehrere Geschwister auszahlen musste, konnte er das ererbte Rittergut nicht halten und wurde als Handlungsreisender tätig. Zelewski, der sechs Geschwister hatte, wuchs daher in ärmlichen Verhältnissen in Bialla in Ostpreußen auf, wo er zunächst die Volksschule besuchte. Als er zwölf Jahre alt war, starb sein Vater, woraufhin die Kinder mangels Erbe auf Pflegefamilien verteilt wurden.Matthias Barelkowski: Vom „Schlagetot“ zum „Kronzeugen“ nationalsozialistischer Verbrechen. Die Karriere des Erich von dem Bach-Zelewski. In: Hans-Jürgen Bömelburg, Eugeniusz Cezary Król, Michael Thomae (Hrsg.): Der Warschauer Aufstand 1944. Ereignis und Wahrnehmung in Polen und Deutschland. Schöningh, Paderborn / Wien / München / Zürich 2011, S. 132. Erich wurde als Pflegesohn des Rittergutbesitzers von Schickfuß in Trebnig aufgenommen. Später gab er mehrfach an, der Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika Emil von Zelewski (1854–1891) sei sein Onkel gewesen. Diese Angabe fand verschiedentlich Eingang in die Fachliteratur; laut von dem Bach-Zelewskis Biographen Jan Kreutz war er mit Emil von Zelewski aber nur entfernt verwandt.Jan Kreutz: Erich von dem Bach-Zelewski: Karrieren der Gewalt zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Wallstein, Göttingen 2025, ISBN 978-3-8353-5842-3, S. 28 f.
Die Schulzeit Erich von Zelewskis verlief wechselhaft. Er besuchte verschiedene Gymnasien in Westpreußen, so in Neustadt, in Strasburg und in Konitz, bis er die Schule nach der Obersekunda verließ.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 28. Unklar bleibt, warum er keine Schule in der Nähe des Wohnortes seines Pflegevaters besuchte. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte er in den Sommerferien bei seiner Mutter in Bialla als traumatisches Ereignis.Matthias Barelkowski: Vom „Schlagetot“ zum „Kronzeugen“ nationalsozialistischer Verbrechen. Die Karriere des Erich von dem Bach-Zelewski. In: Hans-Jürgen Bömelburg, Eugeniusz Cezary Król, Michael Thomae (Hrsg.): Der Warschauer Aufstand 1944. Ereignis und Wahrnehmung in Polen und Deutschland. Schöningh, Paderborn / Wien / München / Zürich 2011, S. 132. Obwohl er erst 15 Jahre alt war, gelang es ihm, sich im Dezember 1914 zur Armee zu melden. Zelewski erlangte einige Bekanntheit als damals jüngster Kriegsfreiwilliger im Heeresdienst. Er erlitt 1915 einen Schulterdurchschuss, 1918 wurde er ein zweites Mal bei einer Gasattacke verwundet. Für seine Einsätze erhielt er diverse Auszeichnungen, darunter das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse. Bei Kriegsende 1918 war er zum Leutnant avanciert.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 28 f.
Nach 1918 schloss sich Zelewski zunächst Freikorps an, mit denen er während der Aufstände in Oberschlesien unter dem Kommando Karl Hoefers polnische Milizen bekämpfte. Anschließend wurde er in die Reichswehr übernommen, die dem Leutnant ein sicheres Einkommen für seine 1921 gegründete Familie sicherte. Politisch betätigte sich von dem Bach beim Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund und ab 1924 beim Stahlhelm und bekannte sich offen zu seinem Hass sowohl auf den Versailler Vertrag als auch auf die Weimarer Republik. Als er sich jedoch der NSDAP annäherte, musste er 1924 wegen „nationalsozialistischer Umtriebe“ seinen Abschied nehmen. Danach schlug er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch und betrieb anschließend ein erfolgreiches Taxiunternehmen in Berlin, bis er 1928 einen Bauernhof in Dührungshof im Landkreis Landsberg an der Warthe erwarb.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 29 f.
Bach-Zelewski heiratete am 21. September 1921 Ruth Apfeld (* 22. August 1901 in Neiße; † 13. September 1967 in Roth). Aus der Ehe gingen drei Söhne und drei Töchter hervor.
Karriere als Nationalsozialist Nach eigenen Angaben trat von dem Bach-Zelewski 1930 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 489.101). Zum 15. Februar 1931 schloss er sich der SS an. Er war der erste Angehörige der SS in seinem Landkreis und baute dort in den folgenden Jahren nicht nur die allgemeine SS der Regierungsbezirke Frankfurt an der Oder und Schneidemühl auf, sondern auch eine SS-Grenzschutzformation. Innerhalb der SS-Hierarchie stieg er rasch auf. Im Dezember 1932 wurde ihm der SS-Abschnitt XII in Frankfurt an der Oder übertragen, ein Jahr später avancierte er zum SS-Brigadeführer.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 30 f. Zusätzlich kandidierte von dem Bach-Zelewski für den Reichstag. Bei den Wahlen vom Juli 1932 wurde er als Abgeordneter des Wahlkreises Breslau gewählt, bei den Wahlen vom November desselben Jahres verlor er sein Mandat aber wieder. Bei den Wahlen vom März 1933 wurde er erneut gewählt und gehörte von da an kontinuierlich dem nationalsozialistischen Reichstag an.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 30 ff.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung setzte er die Machtmittel, über die er als SS-Führer verfügte, rücksichtslos gegen Gegner des Regimes ein. Im März 1933 befahl er zum Beispiel, sämtliche Kommunisten des neumärkischen Woldenberg in Haft zu nehmen und zwei von ihnen zu erschießen – als Sühne für einen kurz zuvor umgekommenen SA-Mann. In Wahrheit war dieser aber einem Eifersuchtsverbrechen zum Opfer gefallen. Im Sommer 1933 ließ er zwei wegen Mordes verurteilte SS-Männer aus dem Gefängnis in Landsberg an der Warthe befreien und mit falschen Papieren untertauchen. Kommunistische Häftlinge, die Zeugen dieser Aktion gewesen waren, ließ er erschießen. Ebenfalls im Sommer 1933 befahl er seinen SS-Männern, zwei Brüder, die im Verdacht standen, 1931 am Mord an einem HJ-Jungen beteiligt gewesen zu sein, zu foltern und zu erschießen.
Im Februar 1934 wurde von dem Bach-Zelewski der SS-Oberabschnitt Nordost in Königsberg übertragen. Gleichzeitig wurde er Leiter der Staatspolizeistelle Königsberg. In diesen Funktionen beteiligte er sich an den Röhm-Morden. Zur Vorbereitung wurde er im Juni 1934 nach Berlin kommandiert, wo ihm der Reichsführer SS Heinrich Himmler mitteilte, die SA plane einen Putsch, mit dessen Niederschlagung Hitler die SS beauftragt habe. Ostpreußen sei besonders gefährdet, da Polen im Falle innerdeutscher Unruhen versuchen würde, es zu annektieren. Himmler befahl von dem Bach-Zelewski, auf ein Stichwort hin sämtliche SA-Dienststellen und von SA-Leuten geführte Behörden zu besetzen sowie Personen hinrichten oder nach Berlin überstellen zu lassen, deren Namen ihm noch zugehen würden. Als das Stichwort und die Namensliste am 30. Juni 1934 in Königsberg eintrafen, legte er seine Instruktionen sehr eigenmächtig aus: Er ließ zwar rund 100 SA-Führer verhaften, ließ sie aber nach einer Belehrung wieder frei. Nur zwei von ihnen wurden nach Berlin überstellt. Von dem Bach-Zelewski nutzte die Gelegenheit aber, um sich an Personen zu rächen, die mit dem angeblichen SA-Putsch nichts zu tun hatten. Den Gauleiter von Ostpreußen Erich Koch konnte er nicht verhaften lassen, da dieser rechtzeitig nach Berlin abgereist war. Seinen ehemaligen Mitarbeiter Anton von Hohberg und Buchwald, der durch eine Indiskretion einen Konflikt zwischen der SS und der Reichswehr ausgelöst hatte und daher als Verräter galt, ließ er ermorden, nachdem er in einem weiteren Fernschreiben aus der Gestapo-Zentrale in Berlin genannt worden war. Die Tat wurde am 2. Juli 1934 vom SS-Obersturmführer Carl Deinhard und von dem Bach-Zelewskis Chauffeur, SS-Scharführer Zummach, in Dulzen bei Preußisch-Eylau ausgeführt. Wegen seiner Verdienste bei der Niederschlagung der angeblichen SA-Verschwörung wurde von dem Bach-Zelewski am 11. Juli 1934 zum SS-Gruppenführer befördert.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 33–36.
Konflikte innerhalb der Polykratie des NS-Regimes führten dazu, dass von dem Bach-Zelewski seinen Posten in Königsberg verlor: So hatte er eigenmächtig einen Kreisparteirichter der NSDAP und einen Vizepräsidenten der Königsberger Handelskammer in Schutzhaft nehmen lassen. Gauleiter Koch beschwerte sich im August 1935 bei Himmler darüber vergeblich. Erst nachdem der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß eingeschaltet worden war, kamen die beiden frei. Am 18. August 1935 sorgte von dem Bach-Zelewski für einen Eklat, als er während einer Rede von Reichswirtschaftsminister Hjalmar Schacht auf der Deutschen Ostmesse ostentativ den Saal verließ: Offenkundig gingen ihm dessen antisemitische und antikatholische Äußerungen nicht weit genug. Diesmal beschwerte sich Gauleiter Koch bei Hermann Göring, von dem Bach-Zelewski sei „nicht mehr tragbar“. Daraufhin wurde er im Februar 1936 nach Breslau versetzt, wo er den SS-Oberabschnitt Südost übernahm. Hier bewährte sich von dem Bach-Zelewski durch Fleiß und konfliktfreies Verhalten. Am 28. Juni 1938 wurde er zum Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF) im SS-Oberabschnitt Südost befördert.Andrej Angrick: Erich von dem Bach-Zelewski. Himmlers Mann für alle Fälle. In: Ronald Smelser, Enrico Syring (Hrsg.): Die SS. Elite unter dem Totenkopf. Schöningh, Paderborn 2000, S. 36 f.
Zweiter Weltkrieg KZ Auschwitz