Das Freiburger Münster hat mehrere Orgeln: Hauptorgel ist die sog. Marienorgel an der Ostwand des nördlichen Querhauses. Sie wird ergänzt durch die sog. Michaelsorgel auf der Empore unter dem Turm, die der Beschallung des hinteren Bereichs des Münsters dient. An der Nordwand des Mittelschiffs hängt eine Schwalbennestorgel, die sog. Langhausorgel. Im südlichen Chorraum befindet sich die Chororgel, und im Archivraum des Hahnenturms das Turmwerk, ein sog. Auxiliarwerk.
Die Instrumente stammen von verschiedenen Orgelbauern (Rieger, Marcussen, Metzler und Kuhn). Die Marien-Orgel und die Langhaus-Orgel wurden in den Jahren 1964 bis 1966 erbaut, die Marienorgel im Laufe der Zeit mehrfach erneuert und umgebaut; die heutige Michaelsorgel wurde Ende 2008 neu errichtet, die Chororgel und das Turmwerk wurden Anfang 2019 neu errichtet.
Sämtliche Instrumente lassen sich von zwei Generalspieltischen aus anspielen – sowohl einzeln als auch im Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten. Ein Generalspieltisch befindet sich im Chorraum, der zweite ist mobil. Die Marienorgel, die Langschifforgel und die Michaelsorgel können zudem mit mechanischer Traktur von eigenen Spielanlagen aus angespielt werden.
Die Orgelanlage verfügt über insgesamt 153 Register und ist eine der größten Orgeln Deutschlands und der Welt.
Geschichte Eine Orgel im Freiburger Münster ist etwa ab dem 15. Jahrhundert nachweisbar.Informationen zur Geschichte der Orgeln auf der Website der Münstermusik, abgerufen am 9. November 2018. Orgeln wurden zunächst im Langhaus und im Chor errichtet und im Laufe der Zeit immer wieder modifiziert. Im 19. Jahrhundert begann dann der Bau von Orgelwerken bzw. einem Instrument auf der Michaels-Empore unter dem Westturm. Im 20. Jahrhundert kam dann das (nördliche) Querhaus als Standort für die Marienorgel hinzu.
Langhaus Das erste nachweisbare Instrument war an der nördlichen Mittelschiffwand untergebracht; die Disposition ist nicht überliefert.
In den Jahren 1545 – 1548 erbaute der Orgelbauer Jörg Ebert (Ravensburg) an gleicher Stelle ein neues Instrument in Form einer Schwalbennestorgel. Die Orgel hatte 16 Register auf Schleifladen und die drei Effektregister Vogelgesang, hertrumen (Heertrummen) und Rohraffe.
Die Mittelschifforgel wurde in den Jahren 1817 – 1818 wurde die Orgelbauer Matthias und Ludwig Martin (Waldkirch) renoviert; in diesem Zuge wurde das Rückpositiv entsprechend den damaligen Klangidealen nachhaltig verändert. 1839 wurde das Instrument durch den Orgelbauer Joseph Merklin umgebaut und erneut verändert.
Im Jahre 1870 errichtete der Orgelbauer Louis-Benoit Hooghuys (Brügge) eine neue Mittelschifforgel mit 16 Registern auf Hauptwerk, Positivmanual (Wechselschleifen aus dem Hauptwerk) und Pedal. Das neue Orgelwerk wurde von Baron Sir John Sutton gestiftet und vermutlich in das vorhandene Gehäuse eingebaut, welches neue Flügeltüren erhielt.
Dieses Instrument wurde 1929 durch einen Neubau durch die Orgelbaufirma M. Welte & Söhne ersetzt, wobei das Gehäuse der bisherigen Mittelschifforgel stark vergrößert wurde; die Welte-Orgel hatte 50 Register (zuzüglich acht Transmissionen) auf drei Manualwerken und Pedal mit elektrischen Spiel- und Registertrakturen. Außerdem wurde ein Hochdruckwerk mit 8 Registern und ein Fernwerk mit 9 Registern auf der Michaelsempore im Westturm errichtet, auf der auch die durchschlagende Contra Tuba 32' stand. Im Eingang zum Chorraum wurde ein elektrischer Hauptspieltisch aufgestellt, von dem alle Orgelwerke (auch die Chororgel von Walcker) aus angespielt werden konnten.
Nach kurzer Zeit empfand man die neue große Mittelschifforgel als klanglich unbefriedigend. Aber auch unter optischen Aspekten wurde sie als Fremdkörper wahrgenommen – das Instrument ragte 2,6 Meter weit in das Langschiff hinein, war 11 Meter hoch und 10 Meter breit. Daher wurde das Instrument bereits im Jahre 1936 wieder abgebaut, das Orgelgehäuse wurde auf die alten Maßverhältnisse zurückgeführt und mit einem neuen, neobarock disponierten Orgelwerk ausgestattet. Das Instrument hatte 14 Register und 5 Transmissionen auf zwei Manualwerken und Pedal. 1945/46 baute der Orgelbauer W. Dold das Instrument um. 1964 wurde die Mittelschifforgel abgebaut, im Jahre 1965 in St. Laurentius (Bötzingen) aufgestellt, und 1998 erneut abgebaut und ist seitdem im Orgelmuseum Sixtus Lampl / Valley eingelagert.
Im Jahre 1965 errichtete die Orgelbaufirma Marcussen und Søn (Apenrade/Dänemark) die heutige Langhausorgel.
Ebert-Orgel von 1548 I Manual F,G,A,B–g2, a2 1. Principal 8' 2. Octaven 4' 3. Dreifach zimbeln ' 4. Hindersatz (Mixtur) XII 2' 5. Faberton (Rauschpfeife) II ' + 2' 6. Verdeckte fleuten (Gedackt) 8' 7. Trumeten (Trompete) 8' II Positiv F,G,A,B–g2, a2 8. Lieblichs flöutin (Principal) 4' 9. Zimbelin (Zimbel) 10. Hörnlin (Hörnle) III 11. Mixtürlin (Mixtur) III Pedal F,G,A,B–g1, a1 12. Principal 16' 13. Octav 8' 14. Gewaldiger hindersatz (Hintersatz XVI) 4' 15. Trumeten (Trompete) 8' 16. Verdeckts hörnlin (Hörnle)
Welte-Orgel von 1929 I Hauptwerk C–c4 1. Principal 16' 2. Principal 8' 3. Nachthorn 8' 4. Gemshorn 8' 5. Gamba 8' 6. Großflöte 8' 7. Flöte 4' 8. Oktav 4' 9. Quinte ′ 10. Cornett III ′ 11. Super Oktav 2' 12. Mixtur IV-VI ′ 13. Trompete 8' 14. Klarine 4' II Oberwerk C–c4 15. Quintatön 16' 16. Geigenprincipal 8' 17. Salicional 8' 18. Unda maris 8' 19. Rohrflöte 8' 20. Blockflöte 4' 21. Praestant 4' 22. Harm. aeth. IV ′ 23. Waldflöte 2' 24. Krummhorn 8' 25. Englisch Horn 8' III Schwellwerk C–c4 26. Liebl. Gedackt 16' 27. Flötenprincipal 8' 28. Äoline 8' 29. Vox coelestis 8' Bordun (= Nr. 26) 8' 30. Konzertflöte 8' 31. Oktav 4' 32. Hornflöte 4' 33. Violine 4' 34. Sesquialter II 35. Bachflöte 2' 36. Zimbel III 4' 37. Septime ′ 38. Schwiegel 1' 39. Basson 16' 40. Oboe 8' 41. Tuba 8' 42. Zink 4' Tremolo Pedalwerk C–f1 43. Principal 16′ 44. Subbaß 16' 45. Salicetbaß 16' Zartbaß (= Nr. 26) 16' 46. Quintbaß ′ Cello (Ext. Nr. 45) 8' Oktav (Ext. Nr. 43) 8' Gedacktbaß (= Nr. 26) 8' Quintbaß (Ext. Nr. 46) ' 47. Choralbaß 4' 48. Mixtur ′ 49. Contra Tuba (durchschl.) 32' 50. Posaune 16' Trompete (Ext. Nr. 50) 8' Trompete (Ext. Nr. 50) 4'
Chor mini|200px|Frühere Chororgel von 1990/91 Auch im Chor stand früh eine erste Orgel. Aus den Aufzeichnungen der Münsterfabrik aus den Jahren 1595/96 lässt sich entnehmen, dass zu dieser Zeit im oberen Chor eine Orgel stand, die von dem Orgelbauer Hans Werner Muderer (Freiburg) erbaut worden war. Die Disposition ist nicht bekannt.
In den Jahren 1811 – 1813 errichtete der Orgelbauer Nikolaus Schuble (Pfaffenweiler) im Chorraum ein neues Instrument. Das Instrument hatte 15 Register auf einem Manualwerk und Pedal.
Im Jahre 1881 erbaute die Orgelbaufirma E.F. Walcker (Ludwigsburg) eine neue Chororgel. Das Instrument wurde zunächst auf der Gewerbeausstellung in Stuttgart vorgestellt und anschließend im Chor des Münsters aufgestellt. Der vom erzbischöflichen Bauamt entworfene Prospekt fügte sich in das Chorgestühl des unteren Chores ein. Das mechanische Orgelwerk hatte 33 Register (Kegelladen) auf zwei Manualwerken und Pedal und war im romantischen Stil disponiert.
In den Jahren 1929 und 1936 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma M. Welte & Söhne mit elektropneumatischen Trakturen ausgestattet und an den elektrischen Hauptspieltisch zum Zusammenspiel aller Orgeln angeschlossen. Anfang der 1960er Jahre wurde das Instrument abgebaut und ist heute nicht mehr erhalten.
1964 bis 1966 errichtete die Orgelbaufirma Rieger (Schwarzach/Vorarlberg) eine neue Chororgel. Das Instrument stand bis 1990 im ersten Joch der Nordwand des Chores über dem Gestühl des Domkapitels. Im Zuge der Umgestaltung des Chorraumes in den Jahren 1990/91 wurde das Instrument verändert und von der Orgelbaufirma Fischer und Krämer (Endingen) in einem neuen Gehäuse auf der Empore im ersten Joch des Chorraumes auf der Südseite aufgestellt.Zur Disposition der Chororgel aus dem Jahr 1966 auf der Website der Erbauerfirma. Das Schleifladen-Instrument hatte 25 Register auf zwei Manualwerken und Pedal und konnte ausschließlich vom elektrischen Hauptspieltisch angespielt werden. Die Rieger-Chororgel wurde 2018 abgebaut und in der Kirche Unserer Lieben Frau in Salem-Mimmenhausen aufgestellt.
An selber Stelle errichtete die Orgelbaufirma Kuhn AG (Männedorf, ZH) die neue Chororgel.
Chororgel von 1813 Manualwerk 1. Principal 8' 2. Prestant 4' 3. Cornet (ab c1) V 8' 4. Viol di Gamba 8' 5. Bourdon 8' 6. Nazart 3' (Fortsetzung) 7. Flöt 4' 8. Doublet 2' 9. Mixtur III ′ 10. Fagot (Baß) 8' 11. Trompeten (Discant) 8' Pedalwerk 12. Subbaß 16' 13. Octavbaß 8' 14. Trompetenbaß 8' 15. Flötbaß 4'
Chororgel von 1881 I Hauptwerk C–f3 1. Principal 16’ 2. Principal 8’ 3. Viola di Gamba 8’ 4. Concertflöte 8’ 5. Dolce 8’ 6. Quintatön 8’ 7. Gedackt 8’ 8. Quinte ′ 9. Octav 4’ 10. Spitzflöte 4’ 11. Rohrflöte 4’ 12. Piccolo 2’ 13. Mixtur V ′ 14. Cornett V (ab g0) 15. Trompete 8’ II Schwellwerk C–f3 16. Bourdon 16’ 17. Principal 8’ 18. Lieblich Gedackt 8’ 19. Salicional 8’ 20. Voix céleste 8’ 21. Aeoline 8’ 22. Fugara 4’ 23. Flauto dolce 4’ 24. Viola tremolo (ab c0) 8’ 25. Clarinette 8’ Tremolo (für Nr. 25) Pedalwerk C–f1 26. Principalbaß 16’ 27. Violonbaß 16’ 28. Subbaß 16’ 29. Quintbaß ′ 30. Octavbaß 8’ 31. Violoncello 8’ 32. Bombardon 16’ 33. Trompete 8’ Koppeln: II/I, I/P, II/P; Terza Mano (Octavkoppel)
Chororgel von 1966 (bis 2018) I Hauptwerk C–g3 1. Gedecktpommer 16′ 2. Principal 8′ 3. Hohlflöte 8′ 4. Octave 4′ 5. Spitzgedeckt 4′ 6. Waldflöte 2′ 7. Sesquialter II ′ 8. Mixtur IV ′ 9. Trompete 8′ II Positiv C–g3 (schwellbar) 10. Bleigedeckt 8′ 11. Salicional 8′ 12. Principal 4′ 13. Koppelflöte 4′ 14. Octavin 2′ 15. Terz ′ 16. Quinte ′ 17. Zimbel III 1′ 18. Musette 8′ Tremolo Pedalwerk C–f1 19. Subbaß 16′ 20. Octavbaß 8′ 21. Gedecktbaß 8′ 22. Choralbaß 4′ 23. Hintersatz III ′ 24. Bombarde 16′ 25. Trompete 8′ Koppeln der mechanischen Spielanlage (bis 1990): II/I, I/P, II/P
Michaelsempore Orgelwerke auf der Michaelsempore wurden erstmals 1929 aufgestellt, und zwar im Zusammenhang mit dem Ausbau der Langhausorgel. Die Orgelbaufirma M. Welte & Söhne errichtete auf der Turmempore zwei Auxiliar-Werke: ein schwellbares Hochdruckwerk (200 mm Wassersäule) und ein schwellbares Fernwerk. Es handelte sich dabei um unselbständige Werke der Orgelanlage, welche von einem Zentralspieltisch aus angespielt werden konnten.
Die Langschifforgel von 1929 erwies sich klanglich für den Kirchenraum als unzureichend, so dass das Instrument bereits 1936 durch ein neues Instrument ersetzt wurde. Das Welte-Orgelwerk musste anderweitig im Münster untergebracht werden und wurde in Teilen auf der Michaelsempore aufgestellt. Es handelte sich dabei um ein eigenständiges Instrument mit 27 Registern auf zwei Manualwerken und Pedal. Dieses Instrument diente als Begleitorgel für den Chor. Das Fernwerk von 1929 wurde in die Michaelsorgel integriert, das Hochdruckwerk von 1929 blieb zunächst unverändert bestehen, ließ sich aber von einem dritten Manual der Michaelsorgel aus anspielen.
1965 erbaute die Orgelbaufirma Späth (Ennetach und Freiburg) unter Verwendung von Teilen des Prospektes von 1929 ein neues Instrument mit 28 Registern auf zwei Manualen und Pedal. Dieses Instrument wurde 2008 abgebaut und in der Dreieinigkeitskirche Sarajevo aufgestellt. Im Jahre 2008 errichtete die Orgelbaufirma Metzler die neue Michaelsorgel.
Hochdruckwerk und Fernwerk auf der Michaelsempore, 1929, M. Welte und Söhne I Hochdruckwerk C–c5 1. Principal 8' 2. Großflöte 8' 3. Viola 8' 4. Quintatön 4' 5. Oktav 4' 6. Rauschquinte II ' + 2' 7. Tuba mirabilis 8' 8. Clairon 4' Fernwerk C–c5 9. Hornprincipal 8' 10. Salicet 8' 11. Vox angelica 8' 12. Harmonieflöte 8' 13. Echobordun 8' 14. Alphorn 4' 15. Echo Cornett III ' 16. Trompete 8' 17. Vox humana 8'
Michaelsorgel 1936, nach dem Umbau der Langschifforgel