mini|Poya-Tableau an einem Hof in Estavannens, Kanton Freiburg. mini|Elsässer Truhe von 1842 mit Sufflenheimer Töpferwaren, Musée alsacien de Strasbourg.
Unter bäuerlicher Malerei versteht man eine nicht-akademische Zier- und Darstellungsmalerei im ländlichen Raum.
Geschichte und Motive
Geschichte Als älteste bekannte Form der bäuerlichen Malerei kann die formunterstützende Malerei von hölzernen Gebäudeteilen angesehen werden. Waren es anfangs nur einfache Kerblinien, die man mit farbigen Linien versah, so entwickelten sich später einfache geschnitzte Verzierungen mit ortsüblichen stilisierten Motiven, die vielerorts farbige Ausschmückungen erfuhren. Zunehmend wurden auch keramische Gebrauchsgegenstände – ursprünglich schmuck- und farblos glasiert – mit einfachen Linien, Wellenbändern oder Tupfendekoren versehen; aufwändiger bemalte Einzelstücke wurden meist zu besonderen Anlässen gefertigt, z. B. Hochzeitsteller oder Hochzeitskrüge. Ab dem 18. Jahrhundert begann die Bemalung von Möbeln und hölzernen Kleingegenständen, wie etwa Brautschachteln, Schützenscheiben oder Uhrblättern. Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam die ursprüngliche bäuerliche Malerei fast vollständig zum Erliegen, man orientierte sich zunehmend an den Städten. Bemalte Gegenstände galten als unmodern, die Begehrlichkeiten – sei es bei Hausrat, Essgeschirr oder Bekleidung – galten der aufkommenden industriellen Massenware. Die wenigen noch nachgefragten Objekte mit Motiven aus dem bäuerlichen Kanon, etwa die Bauernmöbel aus dem Tölzer Land oder bemalte Uhren aus dem Schwarzwald wurden selbst zu einer halbindustriell hergestellten Massenware, garniert mit Bauernmalerei nach gefragten Vorlagen.
Ornamentik Die ornamentalen Motive haben über Jahrhunderte hinweg nur wenig Abwandlungen erfahren und fanden Verwendung als zierendes Schnitzwerk für Gebäudeteile und Möbel ebenso wie als Stickereimotive für die (Sonntags-)Tracht oder auf Tonwaren. Diese Ornamente sind unterschiedlichen Ursprungs: aus dem mythisch-germanischen Volksglauben stammen z. B. Sonnenräder, Sonnenkreuze, die Swastika, der Baum des Lebens oder der Fünfstern (Pentagramm) zur Abwehr des Bösen. mini|Christusmonogramm IHS über dem Eingang des Pfarrhauses von Ailingen (Bodenseekreis) Aus der christlich-religiösen Symbolik kamen das Kreuz, die fünfblättrige Rose als Symbol Mariens bzw. mit Kreuz als Sinnbild der Auferstehung. Ein Symbol des frühen Christentums war auch der Anker als Zeichen der Verankerung im Glauben, bzw. die Dreiheit „Kreuz-Herz-Anker“ als Symbol für Christliche Tugend – kurz „Glaube, Liebe, Hoffnung“ genannt. Später aufkommende Symbole des Christentums das von Pfeilen durchbohrte Herz Jesu, das Christusmonogramm oder das überkreuzte Herz mit der Inschrift IHS. Die Darstellung des Davidsterns war das Bekenntnis zum Judentum. Ab dem späten Mittelalter bediente man sich gerne der Zunftzeichen, um den Inhaber eines Hauses oder eines Gegenstandes als Angehörigen eines bestimmten Berufes auszuweisen. Ab dem Barock fanden stilisierte Blüten und Pflanzenmotive Eingang in den ländlichen Schmuckkanon: Die Marienrose wurde zur zierenden Rose, ergänzt um Glockenblumen und aus zu einfachen Blütenformen weiterentwickelten Rosetten; Stabornamente bekamen Blätter. Parallel dazu hielten Personen- und szenische Darstellungen Eingang in die bäuerlichen Malerei und bildeten so den Übergang zur bildhaften Malerei. Man orientierte sich an „modernen“ Kirchenausschmückungen und „modernen“ Gebäuden, Möbeln und Hausrat der näheren Städte. Wichtige Voraussetzung für den Beginn der szenischen Malerei war die Verbreitung des Buchdrucks, die erste Gesangbücher mit einfachen Illustrationen oder Vorlagentafeln und -bücher zu einem auch für die Landbevölkerung erschwinglichen Preis ermöglichte.
Hausinschriften z. B. über den Bauherren, das Erbauungsjahr und zusätzlich einem Segensspruch haben sich bis Ende des 19. Jahrhunderts gehalten. Schöne Beispiele von 1616 bis 1873 hierfür sind aus Unterwüsten im Lipper Land dokumentiert.Torbogen im Lipper Land Mit dem Beginn eines einfachen Schulunterrichts auch im ländlichen Bereich erfreuten sich Inschriften auch auf Kacheln, Tellern oder Kleinzeug zunehmender Beliebtheit. Die Farbigkeit war ursprünglich sparsam, man bediente sich regional vorkommender Erd- und Pflanzenpigmente. Voraussetzung für eine größere Farbigkeit wurden der Handel und die Erschwinglichkeit von Farbpigmenten aus anderen Regionen. Generell gilt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts: Je bunter, desto wohlhabender. Kleinbauern und Landarme konnten sich Farben, farbig bemaltes Gut, ländliche Handwerksmaler oder später Wandermaler zur Ausschmückung von Haus, Hausrat und Stube kaum leisten.
Regionale Unterschiede Norddeutschland und Niederrhein Im Norddeutschen Raum und am Niederrhein wird dem Wunsch nach Dekoration mehr durch Schnitzwerk Rechnung getragen, zum einen bedingt durch den niederländischen Einfluss, zum anderen als Folge der Reformation: aufgrund der protestantischen Ethik der Schlichtheit, der Ablehnung der Darstellung Gottes und der Abkehr von der Verehrung einzelner Heiliger entfiel auch deren Darstellung. Insofern ist eine szenische bäuerliche Malerei sowohl an Gebäuden wie auch auf Möbeln und anderem Hausrat in reformierten Gegenden seltener zu finden. Man blieb relativ lange beim Einfachen und gelegentlich recht heidnisch geprägten Formenkanon.
Hessen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt Die in Kleinstaaten zersplitterten heutigen Bundesländer Hessen und Thüringen waren von jeher sehr arme Gegenden. Aber auch hier wie auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt wurden ländliche bemalte Möbel und Gebrauchsgegenstände gefertigt. Aus Thüringen und Sachsen sind verschiedene Zentren der Möbelherstellung und Bemalung bekannt, die jedoch wissenschaftlich weniger gut dokumentiert sind, als ihre süddeutschen Pendants. In Sachsen sind insbesondere aus der Lausitz besonders aufwendig bemalte Möbel bekannt, allerdings wurden auch im restlichen Sachsen bemalte Möbel mit jeweils unterschiedlichen Handschriften hergestellt. Einen guten Eindruck vermitteln die bemalten Möbel im Sächsischen Museum für Volkskunst in Dresden. In Thüringen sind vor allem im Thüringer Wald mehrere Zentren der Herstellung bemalter Möbel dokumentiert, wobei sogar einzelne Orte und Tischlerfamilien bekannt sind. Die Bemalungen stehen in Qualität und Umfang ihren süddeutschen Pendants in nichts nach, wobei die Ausführung insgesamt strenger und flächiger, weniger ins ausufernd Ornamentale greift.
Bayern Der volksverbundene König Max II. (1811–1864) begann im 19. Jahrhundert eine rege Förderung von Kunst und Brauchtum des Volkes, um den deutschen Einigungsbestrebungen ein bayerisches Nationalgefühl entgegenzusetzen. Zunächst von der Landbevölkerung selbst skeptisch beargwöhnt, entstand schnell beim Adel wie auch beim wohlhabenden Bürgertum ein Bekenntnis zur ländlichen Kultur und der Bewahrung von Traditionellem. Man kaufte in den Dörfern aufwändig gestaltete Bauernmöbel und Kleinzeug. Parallel dazu entstanden Sammlungen zur ländlichen Kultur, sodass früher als in anderen Gegenden einfach gestaltete Dinge vor der Vernichtung bewahrt werden konnten. Der steigende Bedarf an bäuerlich bemalten Möbeln und Kleinzeug (wer es sich leisten konnte, gab die Bemalung ganzer Stuben in Auftrag) führte zu einer Renaissance der bäuerlichen Malerei, die jedoch als gewünschter Konsumartikel schnell gewisse Standards einforderte und zunehmend von spezialisierten Werkstätten ausgeführt wurde, sodass nicht mehr von einer bäuerlichen Malerei im engeren Sinn, sondern von einer Malerei nach bäuerlichen Motiven, also Bauernmalerei, die Rede sein kann. Hauptzentrum dieser halbindustriell handwerklichen hergestellten und bemalten Möbel wurde Bad Tölz; typisch für die „Tölzer Kästen“ sind üppige Rosenmotive.
Auch die Darstellung des ländlichen Lebens gewann an Interesse: Akademische Maler ließen sich in den Sommermonaten in Dörfern nieder, um Bauern in ihrer Tracht und Szenen des ländlichen Alltags zu malen, und begründeten so die Bäuerliche Genremalerei, die sich bald auch in anderen Gegenden zunehmender Beliebtheit erfreute.
Österreich, Südtirol und Böhmen Die bäuerliche Malerei Österreichs folgt keinem einheitlichen Stilkanon. Tirol und das Salzburger Land stehen stilistisch der bayerischen Volkskunst nahe, im Süden und in Südtirol manifestiert sich der formal strengere, weniger blumige Einfluss Italiens, während der Osten und Südosten wie auch Böhmen von der Farbenfreudigkeit und von Stilelementen des slawischen Formenkreises beeinflusst ist.
Baden-Württemberg und das Elsass Auch hier ist in der bäuerlichen Malerei eine Stilverspätung nachweisbar. Typische Schmuckelemente dieser Region bestehen oft aus Blumen, Rosetten, geometrischen Motiven, Sternen und Symbolen für den Baum des Lebens. Bei den Farben sind örtliche Unterschiede festzustellen. So wurden im Oberelsass türkise Untergründe bevorzugt, im Unterelsass dominieren rote und ockerfarbene Untergründe; hier sind auch deutlich mehr szenische Malereien zu verzeichnen. Eine Besonderheit stellte die Bemalung von Uhren im Schwarzwald dar, die ähnlich der Tölzer Möbelindustrie zu einer handwerklichen Industrie anwuchs. Heute zu einer touristischen Massenproduktion geworden, hat sie nichts mehr mit der bäuerlichen Malerei im engeren Sinne zu tun.
Schweiz Eine Möbelmalerei ist etwa ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts zu finden. Im 18. Jahrhundert dominierten ornamentale, florale Gestaltungen die bemalten Möbel, figürliche Elemente waren noch selten. Ab 1750 kommen barocke Elemente dazu, gegen Ende des Jahrhunderts die Rocaille. Ab 1800 werden Füllungen von Schranktüren zunehmend szenisch bemalt. Aus dieser heraus entwickelt sich ab 1850 vorzugsweise im Appenzeller Land und im Toggenburg die Täfeli-Malerei oder Appenzeller Bauernmalerei, d. h. die bäuerliche Bemalung von Tafelbildern (siehe unten, „Darstellende Malerei“), während die Möbelmalerei aus der Mode geriet.appenzeller-museum-stein.ch:
Formen der bäuerlichen Malerei Möbelmalerei
Mit dem Aufkommen reicher verzierter Möbel mit Schnitzereien und exotischen Furnieren ab dem 17. Jahrhundert in höfischen und bürgerlichen Kreisen erwuchs auch im ländlichen Raum der Wunsch nach verzierten Möbeln. Vereinfachungen der Schnitzereien fanden ihren Eingang in die ländliche Möbelherstellung, doch da exotische Furniere weder zur Verfügung standen, noch erschwinglich waren, begann man zunächst diese malerisch nachzuempfinden. Der zunehmend üppiger werdende Formenkanon reichte bald von stilisierten Blumen über Früchte bis zu Ornamenten, Rocaillen und Figuren, die der jeweiligen Stilepoche – wenn auch immer mit einer gewissen Zeitverzögerung – entsprachen. Einer besonderen Beliebtheit erfreuten sich die Rose und die damals noch exotische Tulpe.
Mit Ausnahme von Bayern kam die Bemalung von Möbeln im 19. Jahrhundert weitestgehend zum Erliegen.
Kleinzeugmalerei
Hierunter fallen Schatullen, Hochzeitsschachteln, Holzteller (vgl. Holzmalerei), Schützenscheiben etc. Diese Artikel wurden meist zu Geschenkzwecken hergestellt. Vor allem die Schützenscheiben, aber auch Hochzeits- und ähnliche Teller wurden zunehmend mit szenischer Malerei, oft mit Versen für den zu Beschenkenden versehen. Dieses Kleinzeug trägt am längsten die bäuerliche Handschrift, da es sich dabei weitgehend um Einzelstücke handelt, die oftmals auch auf dem Hof und nicht von einem Schreiner hergestellt wurden.
Keramikmalerei