Die Belagerung von Petersburg (auch Richmond-Petersburg-Feldzug) war eine militärische Operation während des amerikanischen Sezessionskrieges, die vom 9. Juni 1864 bis 25. März 1865Militärhistoriker ordnen den Zeitraum des Feldzuges unterschiedlich ein. Dieser Artikel folgt der östlich, südlich und westlich von Petersburg, Virginia stattfand. Der Begriff Belagerung von Petersburg hat sich eingebürgert, obwohl Petersburg weder von den gegnerischen Truppen umzingelt noch von jeglicher Versorgung abgeschnitten wurde. Der Feldzug bestand auch nicht ausschließlich aus Angriffen gegen Petersburg. Nach neun Monaten Grabenkrieg konnte die Nord-Virginia-Armee ihre überdehnten und ausgedünnten Linien nicht mehr halten, was zum Zusammenbruch der Front und zum Ausweichen während des anschließenden Appomattox-Feldzuges führte.
Nach Cold Harbor zeigte dieser Feldzug erneut, welche Bedeutung Feldbefestigungen damals bekommen hatten und bis heute (2024) haben.
Strategie und Taktik
1864 benötigte die Regierung Lincoln unbedingt einen Erfolg. Deshalb ernannte der Präsident im März Generalleutnant Ulysses S. Grant zum Oberbefehlshaber des Heeres. Dieser ordnete Offensiven auf allen Kriegsschauplätzen an. Er beabsichtigte, den Krieg noch im November 1864 zu beenden. Dazu ließ er besonders die beiden großen konföderierten Armeen angreifen, um sie an gegenseitiger Verstärkung zu hindern und so zu zerschlagen. Der westliche Angriffskeil zielte durch Georgia über Atlanta auf die Atlantikküste, der andere durch den Osten Virginias über Richmond, der Hauptstadt der Konföderation, an die Grenze North Carolinas. Beide Angriffskeile sollten sich weiter südlich vereinigen und so den Krieg beenden.James McPherson, Battle Cry of Freedom, S. 721f. Mit der Durchführung der Operationen auf dem westlichen Kriegsschauplatz beauftragte er seinen Freund Sherman. Er selbst schlug sein Hauptquartier ‚im Felde‘ bei der Potomac-Armee auf. Von dort wirkte er unmittelbar auf die Operationen der Potomac-, James- und Shenandoah-Armee ein.
Vorgeschichte Im dreimonatigen Überland-Feldzug versuchte Grant immer wieder, die Nord-Virginia-Armee unter General Robert E. Lee links zu überflügeln, was ihm jedoch nie gelang. Der Überland-Feldzug endete mit der Schlacht von Cold Harbor vom 3.–12. Juni 1864.
Anfang Mai 1864 griff die James-Armee über die Bermuda-Hundred-Halbinsel an und beabsichtigte, die Befestigungen von Richmond anzugreifen. So sollte Lee gezwungen werden, General Beauregard südlich von Richmond durch Truppen der Nord-Virginia-Armee zu verstärken. Die Offensive hatte sich spätestens bis zum 20. Mai 1864 wegen energischen Widerstands der konföderierten Truppen unter Beauregard festgelaufen.
Befehlshaber Die Hauptakteure auf Seiten der Union waren Generalleutnant Grant, Oberbefehlshaber des US-Heeres und die Generalmajore Meade, Butler und Sheridan als Oberbefehlshaber der Potomac- und der James-Armee und als Kommandierender General des Kavalleriekorps.
Noch während des Feldzuges löste Grant Benjamin Franklin Butler von seinem Kommando ab und ersetzte ihn durch Generalmajor Edward Otho Cresap Ord. Grant griff selten in die Operationsführung der Armeeoberbefehlshaber ein, behielt sich jedoch vor, das eine oder andere Korps mit aus seiner Sicht vordringlichen Aufgaben zu betrauen.
Der Oberbefehlshaber der Nord-Virginia-Armee war General Robert E. Lee. Einen wesentlichen Beitrag zur Verteidigung von Petersburg leistete General P.G.T. Beauregard. Zwei weitere wichtige Kommandierende Generale Lees während des Richmond-Petersburg-Feldzuges waren Generalleutnant A.P. Hill und Generalmajor Gordon.
Gelände und Operationsplan
Das Gelände östlich und südöstlich von Richmond war durch die Flüsse Chickahominy und James und den dazwischen liegenden Sümpfen geprägt. Die nach Richmond führenden Straßen boten witterungsunabhängige Bewegungs-, die östlich des James gelegenen bis in die Nähe Richmonds reichenden New Market Heights Annäherungs- und Stellungsmöglichkeiten. Die Bermuda-Hundred-Halbinsel zwischen Appomattox und James war teilweise kultiviert. Petersburg war zu dieser Zeit die zweitgrößte Stadt Virginias und ein wichtiger Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt. Nicht weniger als fünf Eisenbahnlinien führten durch die Stadt und über den Appomattox. Die Stadt war durch mehrere ausgebaute Verteidigungslinien im Osten und Süden geschützt. Das Gelände südlich und westlich von Petersburg war von vielen kleinen Wasserläufen durchzogen, die bei Hochwasser nur auf Brücken überquert werden konnten.
Bereits am 5. Juni informierte Grant seinen Stabschef Halleck, dass er beabsichtige, Petersburg zu erobern, um die Versorgung der Nord-Virginia-Armee und der konföderierten Regierung in Richmond zu unterbrechen. Am 12. Juni brach er die Schlacht von Cold Harbor ab und versuchte erneut, die Nord-Virginia-Armee links zu überflügeln. Über eine 640 m lange Pontonbrücke und auf dem Seeweg über den York und James nach City Point, Virginia verlegte er zunächst von Lee unbemerkt die Potomac-Armee über den James.
Das Ziel Grants war, die fünf Eisenbahnlinien zu unterbrechen. Im ersten Abschnitt des Feldzuges versuchte er, die Stadt und die Eisenbahnbrücken über den Appomattox zu erobern. Im weiteren Verlauf des Feldzuges sollte die Union eine Eisenbahnlinie nach der anderen unterbrechen. Dazu holte Grant immer weiter nach Süden und Westen aus. Die jeweils erreichten Stellungen bauten die Soldaten zu Feldbefestigungen aus.
Da General Lee während des Überlandfeldzuges den Vorteil der Verteidigung aus Feldbefestigungen verinnerlicht hatte, errichtete auch die Nord-Virginia-Armee gegenüber den angreifenden Truppen Grants Feldbefestigungen.
Der Feldzug setzte sich aus beweglich geführten Schlachten am jeweils äußersten Ende der Front und einzelnen Frontalangriffen von Feldbefestigung zu Feldbefestigung zusammen. Innerhalb der Feldbefestigungen herrschte ein Grabenkrieg.
Anfängliche Angriffe auf Petersburg
Erstes Gefecht um Petersburg (9. Juni 1864)
Der Bermuda-Hundred-Feldzug der James-Armee unter dem Oberbefehl von Generalmajor Butler hatte sich schon kurz nach dessen Beginn festgelaufen. Grant, der von Butlers militärischen Fähigkeiten nicht überzeugt war, verglich die Lage der James-Armee mit dem Inhalt einer verkorkten Flasche. Generalmajor Butler suchte nach einer Möglichkeit, seinen Ruf als politischer General wiederherzustellen. Er befahl deshalb, Petersburg anzugreifen, da dadurch Südstaatentruppen vor seiner Front abgezogen werden müssten und die James-Armee erneut gegen Richmond vorgehen könnte.
Rund um Petersburg hatten die Konföderierten schon während des Halbinsel-Feldzuges 1862 starke Feldbefestigungen angelegt. Die vorderste Linie erhielt den Namen des verantwortlichen Offiziers – Dimmock. Sie war 16 km lang und schützte Petersburg nach Osten und Süden.
Am 8. Juni überquerten 4.500 Mann – zwei Infanterie- und eine Kavalleriebrigade – den Appomattox. Die Infanterie sollte die Dimmock-Linie von Osten, die Kavallerie gleichzeitig von Süden entlang der Jerusalem Plank Road angreifen. Die Annäherung aller Brigaden wurde durch konföderierte Feldposten verzögert. Der gemeinsame Angriff wurde so verhindert. Nach einigen Geplänkeln entschloss sich der Kommandeur der Infanterie, den Angriff abzubrechen.
Die Kavallerie traf auf eine Kompanie virginischer Miliz mit einigen Geschützen. Die Miliz bestand aus vielen alten und sehr jungen Soldaten. Deshalb hat das Gefecht auch den Namen Gefecht der alten Männer und jungen Burschen erhalten. Nach nahezu zwei Stunden gelang es der Nordstaatenkavallerie durchzubrechen. Inzwischen hatten die Südstaatler kampferprobten Ersatz aus Richmond nach Petersburg gebracht. Der Kommandeur der Nordstaaten-Kavallerie brach das Gefecht ab und wich mit der Infanterie über den Appomattox aus.
Die Verluste der Konföderierten betrugen 75, die der Union 52 Soldaten.
Zweite Schlacht um Petersburg (15.–18. Juni 1864) mini|rot: konföderierte Truppenlila: vorbereitete Feldbefestigungen der Konföderiertenblau: Unionstruppen
Grant verschleierte den Abbruch der Schlacht von Cold Harbor beginnend am 12. Juni so gut, dass General Lee bis zum 17. Juni nicht an ein neuerliches Verschieben der Potomac-Armee nach Süden glaubte. Grant befahl Butler am 14. Juni, das XVIII. Korps (sein Korps) auf 16.000 Mann zu verstärken. Er beauftragte den Kommandierenden General des Korps, die gleiche Route wie bei den erfolglosen Angriffen am 9. Juni zu nehmen, Petersburg anzugreifen und einzunehmen.
Beauregard standen 2.200 Soldaten unter der Führung Brigadegeneral Henry A. Wise‘, einem ehemaligen Gouverneur Virginias, zur Verfügung, die er im Nordosten der Dimmock-Linie einsetzte. Der James-Armee gegenüber auf der Bermuda Hundred Halbinsel setzte er 3.200 Mann ein. Der Zwischenraum zwischen den einzelnen Infanteristen in der Dimmock-Linie betrug ungefähr drei Meter, was zu der Zeit eigentlich zu wenig war. Smith begann den Angriff mit dem Überqueren des Appomattox in der Abenddämmerung des 15. Juni. Der Angriff war erfolgreich und warf die Konföderierten aus der Dimmock-Linie auf einer Breite von ungefähr fünfeinhalb Kilometern zurück auf eine weitere Befestigung entlang des Harrison Creeks. Trotz dieses Erfolges entschied sich Smith, den Angriff erst bei Anbruch der Morgendämmerung fortzusetzen. Auch der Kommandierende General des II. Korps, Generalmajor Winfield Scott Hancock, obwohl dienstgradhöher und als angriffslustig bekannt, akzeptierte die Entscheidung Smiths.
Beauregard zog mangels Weisungen aus Richmond 3.200 Mann von der Bermuda-Hundred-Front ab. Butler nutzte mit der James-Armee auch diese Gelegenheit nicht, seinen Ruf aufzubessern und blieb tatenlos. Am Morgen des nächsten Tages hatte Beauregard 14.000 Soldaten in den Stellungen östlich Petersburg zur Verfügung. Ihm standen, da inzwischen auch das IX. Korps Generalmajor Ambrose Everett Burnsides den James überquert hatte, 50.000 Soldaten der Union gegenüber. Generalmajor Hancock führte am späten Nachmittag alle drei Korps in einen Angriff gegen die Feldbefestigungen. Trotz einiger Anfangserfolge wurden die Angriffe der Unionstruppen abgewehrt. Die drei Korps gruben sich nahe der Feldbefestigungen der Konföderierten ein.
Am 17. Juni griffen die Unions-Korps unkoordiniert an. Das führte zwar zu einigen Erfolgen, endete aber nach Gegenangriffen meist in den Ausgangsstellungen. Beauregard ließ die Pioniere neue Feldbefestigungen westlich der Dimmock-Linie bauen, die die Konföderierten in der Nacht auf den 18. Juni bemannten. General Lee erkannte nun die Absicht Grants. Lee befahl zwei Divisionen, Beauregards Truppen zu verstärken, so dass die Konföderierten am Morgen des 18. Juni über 20.000 Soldaten verfügten.
Der Oberbefehlshaber der Potomac-Armee erreichte den Raum östlich Petersburg in der Nacht auf den 18. Juni und befahl einen Angriff mit vier Korps im Morgengrauen. Völlig überrascht durch die Aufgabe der Dimmock-Linie scheiterten alle Angriffe an den neuen Feldbefestigungen der Konföderierten. Eines der zur Infanterie umbefohlenen schweren Festungsartillerie-Regimenter, das 1. Maine Heavy Artillerie Regiment, verlor 632 von 900 Soldaten. Auch der Retter des linken Flügels der Potomac-Armee bei Gettysburg, Oberst Chamberlain, wurde schwer verwundet.
Inzwischen hatten die Hauptstreitkräfte der Nord-Virginia-Armee Petersburg ebenfalls erreicht.
Nachdem alle Angriffe gescheitert waren, befahl Generalmajor Meade der Potomac-Armee, Feldbefestigungen zu bauen. In den vier Tagen verzeichnete die Potomac-Armee 11.386 Mann Verluste und die Konföderierten rund 4.000 Mann.Die Tagesstärkemeldungen der Nord-Virginia-Armee waren in dieser Phase des Krieges nur bruchstückhaft, deshalb sind die Zahlenangaben der Konföderierten nur geschätzt
Erste Angriffe zur Unterbrechung der Eisenbahnlinien