Die Froschweihe (Circus ranivorus) ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). Sie ist in Afrika südlich der Sahara beheimatet und bewohnt Sumpf- und Marschland. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom südlichen Sudan bis ans Kap der Guten Hoffnung. Die Froschweihe ernährt sich von kleinen Säugetieren und Sperlingsvögeln.
Der Bestand wurde bisher nicht großräumig geschätzt, beträgt für das südliche Afrika aber wohl 3000 bis 6000 Brutpaare. Von der IUCN wird die Froschweihe als LC (=least concern – nicht gefährdet) eingestuft, obgleich sie durch den Rückgang von Feuchtgebieten vielerorts starke Habitatsverluste erlitt.
Merkmale Aussehen und Körperbau Froschweihen zeigen, im Gegensatz zu den eurasischen Weihen, keinen Geschlechtsdimorphismus in der Färbung, die Weibchen werden aber größer und schwerer als die Männchen. Das Gewicht beider Geschlechter liegt zwischen 382 und 590 g, die Körperlänge zwischen 44 und 49 cm. Die Flügellänge bei Männchen beträgt 357–382 mm, die des Weibchens 361–395 mm. Die Schwanzlänge liegt bei 187–243 mm beim Männchen, beim Weibchen beträgt sie 215–242 mm. Der Tarsometatarsus misst bei männlichen Vögeln 82–85 mm, bei weiblichen 82–90 mm.Roberts 2005, S. 501.
Der Kopf der Froschweihe ist graubraun gefärbt, wobei sich der weihentypische Gesichtsschleier durch einen Kranz weißer Federn vom Rest des Kopfes abhebt. Kehle, Brust und Unterflügeldecken sind auf braunem Grund weiß gestrichelt und an den Schultern weiß gerändert. Bauch und Schenkel sind für gewöhnlich einheitlich rotbraun, in einigen Fällen jedoch ebenfalls weiß gestrichelt. Die weißen Hand- und die cremefarbenen Armschwingen zeigen eine dünne, dunkle Bänderung, die mit dem etwas breiteren dunklen Flügelrand abschließt. Die Schwanzfedern sind unterseits auf hellem Grund schwarz gebändert. Auf der Oberseite dominiert die braune Färbung als Grundton. Die Oberflügeldecken sind mit weißen und dunklen Sprenkeln überzogen. Die Arm- und Handschwingen zeigen auf der Oberseite die gleiche dunkle Bänderzeichnung wie auf der Unterseite, jedoch ist die Grundfarbe graubraun. Anders als die meisten anderen Weihen besitzen adulte Froschweihen keinen weißen Bürzel, dieser ist vielmehr rötlich-hellbraun gehalten. Die Oberseite der Schwanzfedern ist auf hellgrauem Grund dunkel gebändert.James Ferguson-Lees, David A. Christie: Raptors of the World. Houghton Mifflin Harcourt, 2001, ISBN 0618127623, S. 496–498.
Juvenile Vögel besitzen dunkelbraunes Kopfgefieder, das mit hellen, cremefarbenen Flecken an Genick, Kehle, Schultern und vorderer Stirn kontrastiert. Auch Oberseite und Brust sind mehr oder weniger einheitlich dunkelbraun; eine Ausnahme bildet der Bürzel, der heller rotbraun gefärbt ist. Quer über die Brust verläuft ein weißes Band, Unterleib und Hosen juveniler Froschweihen sind in einem helleren Braun als Kopf und Oberseite gehalten. Die Unterflügeldecken sind auf dunkelbraunem Grund variabel weiß gestrichelt. Der Kontrast zwischen den hier grauen Armschwingen und den an der Basis sandfarbenen Handschwingen ist deutlicher als bei adulten Tieren. Die Handschwingen sind undeutlich und dünn schwarz gebändert, die Spitzen sind an den inneren Handschwingen grau, an den äußeren schwarz. Die Unterseite der Schwanzfedern ist sandbraun, variabel dunkel gebändert und schließt mit einer dunklen Terminalbinde ab. Immature Vögel zeigen wahrscheinlich ein Übergangskleid von der juvenilen zur adulten Phase, hierzu liegen jedoch keine gesicherten Befunde vor.
Flugbild Froschweihen zeigen das für ihre Gattung typisches Flugbild, das sich durch einen gleitenden Gaukelflug in einer Höhe von 5 bis 20 Meter über dem Boden auszeichnet. Eine Serie von einigen wenigen, schwachen Flügelschlägen wechselt dabei mit einer kurzen Gleitphase ab. Erkennungsmerkmale im Flug sind die langen, rechteckigen Flügel mit leicht runden Spitzen, die die Froschweihe dabei in einer V-Stellung hält, sowie der schlanke Körper mit langem, schmalem Schwanz.
Lautäußerungen Akustisch sind Froschweihen eher unauffällig. Nur in der Nähe des Nistplatzes ist während der Paarungszeit ein klagendes Tschiii-uk und ein weicheres towuut des Männchens zu vernehmen. Letzteren Ruf verwendet auch das Weibchen als Antwort, wenn das Männchen ihm mit einem Pju oder Prrduk in der Luft Beute übergibt. Weibliche Vögel betteln mit Psiuw-psiuw-psiuw um Futter. Während des Balzfluges ruft das Männchen mit einem ansteigenden Ouwiep; ein schnelles, aggressives Kekekekek dient beiden Geschlechtern als Alarm- und Warnruf; diese Rufe sind auch unter anderen Weihen verbreitet. Daneben kommunizieren Froschweihen über glucksende und gackernde Laute.
Verbreitung und Wanderungen miniatur|hochkant=1.3|Verbreitungsgebiet der Froschweihe
Das Verbreitungsgebiet der Froschweihe liegt zwischen 4° S und 35° S und reicht vom Südsudan bis zum Kap der Guten Hoffnung. Es umfasst die Südküste Afrikas, das östliche Südafrika, die Nordhälfte Botswanas, Simbabwe, Mosambik westlich von Cabo Delgado und Nampula und das gesamte Malawi; von dort aus erstreckt es sich etwa entlang des zentralafrikanischen Grabens über die Grenzen von Tansania, der Demokratischen Republik Kongo und Uganda. Im Norden reicht es bis in die südsudanesischen Bundesstaaten Central und Eastern Equatoria, im Nordosten bis in die Region des kenianischen Turkana-Sees. Im Westen schließt es zudem den östlichen Teil des angolanischen Cuando Cubango ein. Kleinere Verbreitungsinseln befinden sich im Nordosten Tansanias, in Maniema und in Kwilu.Robert E. Simmons: Harriers of the World: Their Behaviour and Ecology. Oxford University Press, 2000, ISBN 0198549644, S. 13.
Froschweihen sind Standvögel und in der Regel sesshaft. Entsprechend der jahreszeitlich schwankenden Wasserstände reagieren sie jedoch unter Umständen auf veränderte Lebensräume und Nahrungsangebote. Juvenile Froschweihen verlassen zudem die Brutgebiete ihrer Eltern und lassen sich andernorts nieder. Die Sichtungen von Froschweihen reichen über das Verbreitungsgebiet hinaus bis nach Somalia und ins südliche Äthiopien.
mini|Das Okavangodelta bietet einen Lebensraum für einen Großteil der Froschweihen-Population
Lebensraum Der Lebensraum der Froschweihe besteht in erster Linie aus permanenten Feuchtgebieten wie Marschland, Sümpfen oder Seeufern, etwa im Okavangodelta, das einen Großteil der Population beherbergt. Ausschlaggebend ist eine ausreichende Jahresniederschlagsmenge von mehr als 300 mm. Die Vegetation des Habitats besteht in der Regel aus Röhricht, die Froschweihe jagt aber auch über Grasland oder Weizenfeldern und anderen landwirtschaftlichen Flächen. Sie kommt in Höhen von bis zu 3000 m vor, im östlichen Afrika meist oberhalb von 1500 m.
Lebensweise Ernährung mini|links|Die Froschweihe ist stark an das Vorkommen von Mäusen wie der Afrikanischen Striemen-Grasmaus (Rhabdomys pumilio) gebunden
Froschweihen jagen tagsüber im tiefen, gaukelnden Flug über weiträumiger Vegetation, wobei sie ihre Beute sowohl optisch als auch akustisch orten. Die Flughöhe beträgt dabei meist nur ein bis drei Meter über dem Boden, die Fluggeschwindigkeit liegt bei 20 bis 30 km/h. Wenn sie ein potentielles Beutetier ausgemacht haben, sinken sie abrupt ab und greifen es aus dem Flug. Brütende Froschweihen verbringen zwischen 40 und 50 % des Tages mit Nahrungssuche.Simmons 2000, S. 103.
Zum Beutespektrum zählen vorrangig kleine Nagetiere, vor allem Lamellenzahnratten (Otomys) und Afrikanische Striemen-Grasmäuse (Rhabdomys). Das Verbreitungsgebiet und die Habitatwahl der Froschweihe richtet sich stark nach dem Vorkommen dieser beiden Gattungen. Den zweiten Hauptbestandteil der Nahrung machen Vögel aus, darunter in erster Linie Sperlingsvögel (Passeriformes); die Größe der Beute reicht jedoch bis zu kleinen Enten und Tauben. Der jeweilige Anteil von Vögeln und Säugetieren an der Nahrung schwankt stark: Während der Brutzeit werden hauptsächlich Mäuse (rund 80 %) erbeutet, mit dem Flüggewerden nimmt der Prozentsatz an Vögeln stark zu und übersteigt den der Säugetiere zeitweilig sogar. Reptilien und Amphibien erbeutet die Froschweihe seltener – entgegen ihrem deutschen und wissenschaftlichen Artnamen (ranivorus, ). Wenn sich die Gelegenheit bietet, frisst sie auch fremde Nestlinge, Eier, Aas oder Fische.Simmons 2000, S. 252–258.
Sozialverhalten Froschweihen verteidigen ihre Brutreviere gegen Eindringlinge. Dabei patrouillieren sie im Flug entlang der Reviergrenzen und lassen ihre Beine mit deutlich sichtbaren Krallen hängen. Dringt eine fremde Froschweihe in das Revier ein, attackieren sie sie, indem die Weihen versuchen, sie aus der Luft zu greifen und zu Boden zu ziehen. Wie auch andere Weihen finden sich die Froschweihen außerhalb der Brut gelegentlich zu kleineren Schwärmen zusammen, die gemeinsame Schlafplätze aufsuchen.
Die Siedlungsdichte wurde bisher nur in Südafrika erforscht, eine entsprechende Studie ergab 8 Nester in der Untersuchungsfläche von 10 km².Simmons 2000, S. 300–301.
Fortpflanzung Die Brutzeit der Froschweihe variiert je nach geographischer Breite sehr stark. Im äquatorialen Kenia liegt sie zwischen Juni und Oktober; im südlicheren Sambia und Simbabwe findet die Brut zwischen Dezember und August statt. In Südafrika brüten die meisten Paare zwischen September und Januar, die ersten Bruten beginnen aber schon im Mai, die letzten finden im Februar statt.
Während der Balzzeit vollführt die Froschweihe akrobatische Flugmanöver, wie sie sich auch bei anderen Weihenarten beobachten lassen. Dabei steigen die Vögel mit intensiven Flügelschlägen spiralförmig in eine Höhe von 70 bis 400 Metern auf. Dort beschleunigen sie anschließend horizontal, bevor sie eine sinusförmige Flugbahn einschlagen, bei der sie sich abwechselnd herabsinken lassen, dann wieder an Höhe gewinnen und schließlich erneut absinken. Auf dem Gipfelpunkt eines jeden Aufschwungs ruft die Froschweihe mit einem hohen, ansteigenden Ouwiep; gelegentlich vollführt sie im Flug zusätzlich Rückwärtssaltos. Diese U-förmigen Manöver werden zehn- bis zwölfmal pro Minute absolviert; insgesamt dauern diese Flüge 2–3 Minuten, in Einzelfällen aber bis zu 20 Minuten. Im Anschluss stürzen die Vögel in einer zirkelnden, tanzenden Bewegung, die an ein fallendes Blatt erinnert, auf den Boden zu, bevor sie sich etwa zwei Meter über dem Erdboden abfangen und dann auf dem Nistplatz landen. Diese Balzflüge lassen sich bei beiden Geschlechtern beobachten, Männchen vollführen sie jedoch intensiver und rund doppelt so häufig wie Weibchen. Obgleich Froschweihen monogam sind und ihrem Partner auch über mehrere Jahre hinweg treu bleiben, ist dieses Balzritual regelmäßig zu beobachten. Es dient deshalb wohl nicht ausschließlich der Partnerwerbung, sondern stellt eventuell einen Akt der Paarbindung dar.Simmons 2000, S. 59–70.
Zur Kopulation kommt es meist nahe dem Nistplatz. Das Weibchen beugt den Körper und hält den Schwanz leicht seitlich oder erhöht, woraufhin das Männchen aus einem tiefen, langsamen Gleitflug auf dem Weibchen landet. Seine Klauen ballt es dabei zur Faust, um Verletzungen zu vermeiden, während es durch Flügelflattern die Balance hält. Die Kopulation selbst dauert etwa 5–6 Sekunden, anschließend putzen beide Partner ihr Gefieder und ihre Kloake.