Die Acker-Ochsenzunge (Lycopsis arvensis , Syn.: Anchusa arvensis ), auch als Acker-Krummhals oder Wolfsauge bezeichnet, ist eine Pflanzenart innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae).

Beschreibung mini|links|Behaarter Stängel und behaartes oberes Stängelblatt mini|links|Illustration aus Otto Wilhelm Thomé: Flora von Deutschland Österreich und der Schweiz, Gera-Untermhaus, 1885 mini|Ausschnitt eines Blütenstandes und Blüte mini|Blüte mit geknieter Kronröhre mini|Frucht aufgeschnitten: die Teilfrüchte sind am Grund von einem wulstigen Ring umgeben mini|Klausen

Vegetative Merkmale Die Acker-Ochsenzunge ist eine einjährige krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Es wird eine Pfahlwurzel gebildet.

Die Laubblätter sind wechselständig angeordnet. Die oberen Stängelblätter sind sitzend, die unteren stielartig verschmälert. Die dicht borstig behaarten Blattspreiten sind 10 bis 15 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit und im Umriss lanzettlich. Der wellige Blattrand ist ausgeschweift gezähnt.

Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Mai bis September. In zusammengesetzt-scheinrispigen Blütenständen stehen zahlreiche Blüten in Doppelwickeln zusammen.

Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf dicht borstigen Kelchblätter sind nur an ihrer Basis verwachsen und elliptisch-lanzettlich, während der Anthese 4 bis 5 Millimeter, zur Fruchtzeit 6 bis 7 Millimeter lang. Die hell-blauen Blütenkronen weisen einen Durchmesser von etwa 7 Millimetern auf und haben eine weiße, gekrümmte Kronröhre. Am Schlund befinden sich weiße Schuppen, welche die Staubblätter verdecken.

Die Früchte sind in aufrecht stehenden Fruchtständen angeordnet. Die Klausenfrüchte zerfallen in vier ungleiche und raue Klausen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 48.

Ökologie Die Blüten werden von Apiden, Tagfaltern und Syrphiden besucht. Die Bestäubung erfolgt durch Bienen oder durch Selbstbestäubung. Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Klausen, erfolgt durch Ameisen-Arten (Myrmekochorie) oder durch Klettausbreitung (Epichorie), da die oberirdischen Pflanzenteile durch starre Borstenhaare an Tierfell haften bleiben können.

Vorkommen Das Verbreitungsgebiet der Acker-Ochsenzunge erstreckt sich über ganz Europa, im Süden von Spanien, Italien und Griechenland bis in den Norden nach Norwegen, Finnland und Großbritannien und im Osten bis in den europäischen Teil von Russland. Außerdem kommt die Acker-Ochsenzunge in Armenien vor.

Die Acker-Ochsenzunge gedeiht auf Äckern und Ödland und wächst meist auf stickstoffhaltigen, kalk- und basenarmen Böden. Sie kommt zerstreut im Tiefland und in Sandgebieten des Berglands vor. Sie steigt im Engadin und in Südtirol auf Höhenlagen von bis etwa 1700 Metern, am Berninapass ruderal bis 2290 Metern auf.

In Mitteleuropa ist die Acker-Ochsenzunge ein Archäophyt. Lycopsis arvensis ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Lycopsietum aus dem Unterverband Polygono-Chenopodienion, kommt aber auch in Pflanzengesellschaften des Verbands Polygono-Chenopodion oder seltener des Verbands Sisymbrion vor.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Lycopsis arvensis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 139. Synonyme von Lycopsis arvensis sind: Anchusa arvensis , Anchusa arvensis subsp. occidentalis , Lycopsis arvensis subsp. occidentalis , Anchusa guculeacii , Anchusa rigolei .

Inhaltsstoffe Die Acker-Ochsenzunge enthält möglicherweise Pyrrolizidinalkaloide, die Krebs verursachen und als Lebergifte gelten. Vergiftungen sind keine bekannt.

Trivialnamen Für die Acker-Ochsenzunge sind oder waren, zum Teil nur regional, auch die Bezeichnungen falsche Hundszunge, Krummhals (Schlesien), Liebäugelein (Schlesien), wild Ochsenzung, Schafzung und Wolfsgesicht gebräuchlich.

Quellen Literatur

Hartmut Hilger, Federico Selvi, Alessio Papini, M. Bigazzi: Molecular Systematics of Boraginaceae Tribe Boragineae Based on ITS1 and trnL Sequences, with Special Reference to Anchusa s.l. In: Annals of botany, Volume 94, 2004, S. 201–212. doi:10.1093/aob/mch132 P. W. Ball: Lycopsis L. In: Thomas Gaskell Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea, Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, Cambridge, 1972, ISBN 978-0521084895.

Einzelnachweise Benito Valdés: Boraginaceae. Datenblatt Lycopsis arvensis L. In: Euro+Med Plantbase – the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 26 eingescannt. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2203–2205.

Weblinks

Gerhard Nitter: Datenblatt mit Fotos. Thomas Meyer: Krummhals Datenblatt Acker-Krummhals (Anchusa arvensis (L.) M. Bieb.) mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Datenblatt Anchusa arvensis (Lycopsis arvensis) - Acker-Ochsenzunge / Krummhals / Wolfsauge mit Fotos bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, 2004.

Kategorie:Raublattgewächse