Die Internationale Sechstagefahrt oder Six Days (International Six Days Enduro – ISDE, bis 1980 International Six Days Trial – ISDT) ist eine seit 1913 ausgetragene und die wichtigste Motorsportveranstaltung im Endurosport. Der Wettkampf war die erste vom internationalen Motorradverband Fédération Internationale des Clubs Motocyclistes, einem Vorläufer der FIM, ausgeschriebene Veranstaltung. Die Internationale Sechstagefahrt ist ein Mannschaftswettbewerb und seit 1970 offiziell die Enduro-Weltmeisterschaft für Nationalmannschaften. Neben den Nationalmannschaften nehmen auch Club- und Werksmannschaften teil und werden separat gewertet.
Die Entwicklung der Six Days ist bestimmend für die ganze Entwicklung des Endurosportes. Regeländerungen wurden vielfach zuerst bei dieser Veranstaltung eingeführt und haben dann die anderen Veranstaltungen geprägt. mini|Teilnehmer mit seinerzeit gebräuchlicher Kleidung (1950) mini|Wasserdurchfahrten waren und sind meist obligatorisch (1969) mini|Fahrerhaltung bei einer bis Ende der 1980er-Jahre gefahrenen Beschleunigungsprüfung (1976) mini|Waren die Motorräder zu Beginn in der Regel geringfügig modifizierte Modelle (1958) … mini|… wandelten sie sich bereits ab den 1930er-Jahren zu mehr oder weniger ausschließlich für diesen Wettbewerb konstruierte Modelle in immer anspruchsvollerem Gelände (2012)
Geschichte Entwicklung der Veranstaltung Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland die ersten Zuverlässigkeitsfahrten für Motorräder. So wurde ab 1903 das Six Days’ Reliability Trial durchgeführt. Der 1904 gegründete internationale Motorradverband Fédération Internationale des Clubs Motocyclistes (FICM) war bestrebt, eine eigene Veranstaltung auszuschreiben. Da sich das Reglement der britischen Veranstaltung bewährt hatte, beschloss der Verband 1912 unter der Bezeichnung International Six Days of Regularity für das folgende Jahr seine erste eigene Motorradsportveranstaltung auszuschreiben.
Die erste internationale Sechstagefahrt wurde vom 19. bis zum 23. August 1913 im englischen Carlisle als „First International Touring Trial“ ausgetragen. Ziel des Wettkampfes war es laut Ausschreibung, „Zuverlässigkeit der Motorräder und das Können der Fahrer“ zu ermitteln. Es traten zwei Nationalmannschaften (Frankreich und Großbritannien) sowie 155 britische Einzelfahrer an. Da das französische Team frühzeitig aufgab, siegte die britische Mannschaft.
Die Sieger erhielten einen vom britischen Motorsportverband gestifteten Wanderpreis (Trophy). – Daher wird der Sieg bei der Sechstagefahrt Trophy-Sieg genannt. Er verschwand 1939 nach der Veranstaltung in Salzburg und wurde 1949 durch einen Silberpokal aus der Zeit des englischen Königs Georg III. ersetzt.
Der Erste Weltkrieg unterbrach die Fortsetzung der Veranstaltung im folgenden Jahr. Erst 1920 konnten die nächste Sechstagefahrt in Frankreich durchgeführt werden. Seit dieser Zeit hatte auch die Siegernation das Recht, die Trophäe im eigenen Land zu verteidigen.
Da mit einer Austragung naturgemäß auch hohe Kosten verbunden waren, durfte die Siegernation auch auf eine Ausrichtung verzichten. Als erstes Land machte die Schweiz nach ihrem Sieg 1922 davon Gebrauch und für 1923 wurde Schweden Ausrichternation.
Da um die Trophy-Wertung nur Mannschaften mit im eigenen Land hergestellten Motorrädern fahren konnten, kam 1924 auf Anregung des holländischen Motorradverbandes der Wettbewerb um die Internationale Silbervase dazu, wo diese Pflicht nicht mehr bestand. Auch dieser Pokal wurde 1949 wegen des Verlustes durch einen Silberpokal aus der Zeit von Georg II. ersetzt. Bis einschließlich 1927 war es Fahrern möglich mehreren Nationalmannschaften anzugehören.
Ab 1939 durfte eine Sechstagefahrt nicht zweimal hintereinander im selben Land stattfinden. – Seit 1970 werden diese Regelungen nicht mehr angewandt. 1939 fand die Sechstagefahrt in Salzburg statt. Wegen der angespannten Lage reiste das britische Team am fünften Wertungstag ab, die FIM annullierte die Wertung der Veranstaltung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Nach acht Jahren Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg fand 1947 die Sechstagefahrt wieder und zum ersten Mal in der Tschechoslowakei statt. Bis zur Sechstagefahrt 1956 waren Gespanne und Dreiradfahrzeuge zugelassen.
In Erfurt fuhr 1964 zum ersten Mal ein US-amerikanisches Team bei den Six Days mit. Dies war gleichzeitig das erste Mal, dass ein US-Team an einer Motorsportveranstaltung in einem Staat des damaligen Ostblocks teilnahm. Prominentestes Teammitglied war der Schauspieler und Hobbymotorsportler Steve McQueen.
Die Fahrer und die Motorräder mussten seit der ersten Austragung aus derselben Nation kommen. Mit dem Niedergang der Motorradherstellung in den 1950er und 1960er Jahren musste diese Regelung 1970 aufgegeben werden. Ab 1975 durfte nur noch eine Mannschaft je Nation in der Wertung um die Silbervase starten. Um wieder eine Unterscheidung der Silbervase zur World Trophy zu schaffen, wird dieser Pokal seit 1985 als Junioren-Weltmeisterschaft gewertet und es wurde ein Alterslimit von 23 Jahren eingeführt.
1980 erfolgte die Umbenennung von International Six Days Trial (ISDT) in International Six Days Enduro (ISDE), um eine Verwechslung mit dem Trialsport zu vermeiden.
Die 95. Internationale Sechstagefahrt sollte ursprünglich zwischen dem 31. August und 5. September 2020 ausgetragen werden, wurde jedoch aufgrund der massiven Auswirkungen der COVID-19-Pandemie in Italien am 28. März 2020 abgesagt und vom Motorradweltverband FIM in Abstimmung mit der Federazione Motociclistica Italiana (FMI) auf das folgende Jahr verschoben. Abgerufen am 1. April 2020.
Mit der 100. Austragung im Jahr 2026 öffnet sich der Weltverband FIM der Teilnahme von rein elektrisch angetriebenen Enduromotorrädern, die in gemeinsamen Klassen mit Motorrädern mit Verbrennungsmotor gewertet werden.
Entwicklung ausgewählter Regularien Wichtigste Punkte des Reglements waren und sind, dass fremde Hilfe streng verboten war und Reparaturen am Motorrad durch den Fahrer selbst erledigt werden mussten. Das Reglement wurde vielfach geändert um den sportlichen Anforderungen und den Wünschen der Verbände und der Industrie gerecht zu werden.
Ab 1980 wurden nur noch die besten fünf Fahrer der Trophy-Mannschaft und die besten drei Fahrer der Junior-Trophy-Mannschaft gewertet, um beim Ausfall eines Fahrers nicht alle Siegchancen zu verlieren.
Bis 1994 wurden die gefahrenen Zeiten in Punkte umgerechnet. Ab 1995 traten weitere grundlegendere Änderungen im Reglement in Kraft, insbesondere wurde nunmehr eine Zeitwertung statt einer Punktewertung eingeführt.
2007 wurde die Women’s World Trophy für die beste Frauenmannschaft eingeführt. 2016 wurde die bisherige Renn-Jury abgeschafft. Für jede Sechstagefahrt gibt es jetzt eine „Race Direction“, die aus dem jeweiligen Fahrtleiter, dem FIM-Renndirektor und dem FIM-Streckeninspektor besteht. Einsprüche gegen Entscheidungen der Race Direction werden durch ein Gremium aus zwei FIM-Stewards und einem nationalen Steward behandelt. Letztes Entscheidungsgremium ist die FIM.
+ Übersicht ausgewählter Regeländerungen in den Nationalmannschaftswettbewerben im Laufe der Zeit Wettbewerb Anzahl Fahrer Wertungskriterien zur Siegerermittlung Streichresultate und Restarts World Trophy bis 1929:20px20px20pxbis 1937:20px20px20px20pxbis 1955:20px20px20px20px20pxbis 2015:20px20px20px20px20px20pxseit 2016:20px20px20px20px bis 1930: wechselnd zwischen höchster Punktzahl bzw. geringster Strafpunktzahl aller Fahrer
bis 1974: geringste Anzahl Strafpunkte aller Fahrer und bei Gleichstand Die höchste Zeitdifferenz aller Fahrer gegenüber einer Sollzeit im Abschlussrennen (bis 1954)bzw. erzielten Gutpunkten aller Fahrer während aller Tage (1951 bis einschließlich 1968)bzw. der geringsten Anzahl Wertungspunkte aller Fahrer (ab 1969 bis einschließlich 1974)
ab 1975: geringste Anzahl Zeitpunkte aller Fahrer
ab 1980: meiste Fahrer im Ziel geringste Anzahl Zeitpunkte aller Fahrer
seit 1995: meiste Fahrer im Ziel geringste Gesamtzeit aller Fahrer bis 1979:keine Streichresultate und Restarts
ab 1980:ein Streichresultat, keine Restarts
ab 2022:keine Streichresultate und Restarts Silbervase(1924 bis 1984) bis 1955:20px20px20pxab 1956:20px20px20px20px bis 1930: wechselnd zwischen höchster Punktzahl bzw. geringster Strafpunktzahl aller Fahrer
bis 1974: geringste Anzahl Strafpunkte aller Fahrer und bei Gleichstand Die höchste Zeitdifferenz aller Fahrer gegenüber einer Sollzeit im Abschlussrennen (bis 1954)bzw. erzielten Gutpunkten aller Fahrer während aller Tage (1951 bis einschließlich 1968)bzw. der geringsten Anzahl Wertungspunkte aller Fahrer (ab 1969 bis einschließlich 1974) ab 1975: geringste Anzahl Zeitpunkte aller Fahrer
ab 1980: meiste Fahrer im Ziel geringste Anzahl Zeitpunkte aller Fahrer bis 1979:keine Streichresultate und Restarts ab 1980:ein Streichresultat, keine Restarts Junior World Trophy(seit 1985) bis 2015:20px20px20px20pxseit 2016:20px20px20px bis 1994: meiste Fahrer im Ziel geringste Anzahl Zeitpunkte aller Fahrer seit 1995: meiste Fahrer im Ziel geringste Gesamtzeit aller Fahrer bis 2015:ein Streichresultat, keine Restarts ab 2016:keine Streichresultate und Restarts Women’s World Trophy(seit 2007) 20px20px20px meiste Fahrerinnen im Ziel geringste Gesamtzeit aller Fahrerinnen bis 2021:ein Streichresultat, ein Restart je Fahrerin ab 2022:keine Streichresultate und Restarts
Technisches Regelwerk und Ablauf mini|Parc fermé bei der 87. Internationalen Sechstagefahrt Die Motorräder werden, wie bei den Motorrad-Meisterschaften üblich, vor dem Start einer technischen Kontrolle unterzogen. Dabei werden Teile, die nicht getauscht werden dürfen, mit einem Farbpunkt versehen. Folgende Bauteile werden markiert: Rahmen, Radnaben, Motorgehäuse und der Schalldämpfer. Eine fehlende Markierung führt zur Disqualifizierung des Fahrers und des Teams.
Bis auf wenige Ausnahmen ist es nur dem Fahrer gestattet, Reparaturen und Service-Arbeiten am Motorrad durchzuführen. Der Fahrer kann jederzeit während des Wettkampfes unmarkierte Teile am Motorrad wechseln. Die entsprechenden Ersatzteile sowie das Werkzeug kann er jedoch nur in den vorgeschriebenen Service-Zonen erhalten. Beim Wechsel von Motor- und Getriebeöl sowie der Luftfilter ist die Hilfe von Service-Personal gestattet. Die Nutzung von elektrischen und pneumatischen Werkzeugen ist verboten.
Nach der technischen Abnahme der Motorräder sowie zwischen den einzelnen Tagen müssen die Motorräder im Parc fermé abgestellt werden. Der Parc fermé muss sich immer unter freiem Himmel befinden. Dieser darf erst 15 Minuten vor dem Start von den Fahrern betreten werden. Arbeiten am Motorrad sind im Parc fermé verboten.
Zwischen dem Parc fermé und der Startzone befindet sich ein Arbeitsbereich. In dieser Zone können die Fahrer vor dem Start notwendige Arbeiten am Motorrad durchführen. Ein Starten des Motorrades in diesem Bereich ist verboten und wird mit 5 Minuten Strafzeit geahndet. Die Fahrer können zehn Minuten vor ihrer Startzeit den Arbeitsbereich betreten.
Beim Start sollen in der Regel drei Fahrer pro Minute gleichzeitig starten. Es ist vom Veranstalter sicherzustellen, dass Start und Ziel nicht in der Dunkelheit erfolgen. Die Fahrer haben ab Beginn der Startzeit eine Minute Zeit eine 20 Meter nach der Startlinie angebrachte zweite Linie mit laufendem Motor fahrend zu überqueren. Das Motorrad darf nur mittels Kickstarter oder einer anderen bordeigenen Startvorrichtung gestartet werden. Sollte ein Fahrer diese Vorgaben überschreiten, erhält er entsprechende Strafzeiten. Ein Fahrer hat maximal 15 Minuten Zeit, um zu starten, ansonsten wird er disqualifiziert.
Getankt werden darf während der Reparaturzeit in der Vorstartphase und während des Wettkampfes an vorgeschriebenen Tankpunkten.