Der Genrebegriff Tierhorror bezeichnet Horrorfilme, in denen mutierte oder auf andere Weise veränderte Tiere, Gestaltwandler oder Hybridwesen zwischen Mensch und Tier eine zentrale Rolle spielen.

Frank Papenbroock beschreibt Tierhorror als Subgenre des Monsterfilms, bei dem die Bedrohung von einem oder mehreren Tieren ausgeht. In Tierhorrorfilmen treten aggressive oder besonders große Vögel, Fische, Ratten, Spinnen oder Insekten mitunter massenhaft auf. Außerirdische Wesen, Monster und Parasiten, die nach einem menschlichen Wirt suchen, sind ebenfalls vertreten.Tierhorror Lexikon der Filmbegriffe, aufgerufen am 29. Januar 2022

Im englischen Sprachraum werden klassische Tierhorrorfilme (mit Tieren oder Kreaturen) entweder als creature horrorHorrorfilm. Subgenres. Creature horror Film-Lexikon, aufgerufen am 30. Januar 2022 oder auch animal terror bezeichnet. Mitunter werden sie gemeinsam mit Horrorfilmen, in denen Pflanzen, Mikroorganismen oder Naturkatastrophen für Spannung sorgen als „natural horror“ bzw. „eco-horror“ („Öko-Horror“) zusammengefasst.Barry Langford: Film genre. Hollywood and beyond. Edinburgh University Press, Edinburgh 2005, ISBN 0-7486-1903-8, S. 169. Zum natural horror zählen auch Übergriffe durch Pflanzen, wie z. B. der Film Angriff der Killertomaten, USA, 1978.

Geschichte mini|Möwen und Krähen werden bei Hitchcocks Die Vögel zur Bedrohung mini|Spätestens seit dem gleichnamigen Film hat der Weiße Hai ein Imageproblem mini|Salzwasserkrokodile sind u. a. in Lake Placid anzutreffen mini|Apulische Tarantel; seit Tarantula ein Klassiker des Tierhorrors (in dem Film ist jedoch keine Tarantel zu sehen, sondern eine Vogelspinne, engl. tarantula; die Verbindung mit der auf Deutsch so bezeichneten Tarantel entspringt einem häufigen Übersetzungsfehler) Zu den ersten Produktionen mit Tierhorror-Motiven zählten Verfilmungen von literarischen Vorlagen wie Arthur Conan Doyles Der Hund von Baskerville (erstmals 1914 von Rudolf Meinert oder die besonders bekannte Fassung Der Hund von Baskerville (1939) mit Basil Rathbone) oder H.G. Wells Die Insel des Dr. Moreau, etwa Insel der verlorenen Seelen (The Island of the Lost Souls, 1932). In den Fünfzigern begannen mit Formicula (Them!, 1954) und Tarantula (1955) erstmals Insekten bzw. Spinnen, die Horrorfilme zu bevölkern.

Seit 1925 der älteste erhaltene Werwolffilm Wolf Blood: A Tale of the Forest erschien, treten Werwölfe mitunter auch gemeinsam mit, oder im Kampf gegen, andere Dämonen, Formwandler und sagenhaften Gestalten (z. B. Vampiren) auf.

Das Subgenre blühte in den 1950er Jahren auf und brachte in der Folge eine Reihe von Thriller- und Horrorfilmklassikern, jedoch auch zahlreiche B-Movies hervor. Im neuen Jahrtausend beschränken sich die Produktionen überwiegend auf eine komödien- und parodiehafte Bearbeitung des Sujets sowie auf Beiträge für das Trashgenre.

Diverse Protagonisten Prägend und stilbildend für viele spätere Tierhorrorfilme wurde Alfred Hitchcocks Die Vögel (The Birds, 1963)Seeßlen, Jung: Horror. 2006, S. 587., obschon der Film nicht auf das Horrorgenre zu reduzieren ist. In dem Genreklassiker rotten sich diverse Vogelarten plötzlich zu tödlichen Schwärmen zusammen und werden so zu einer Gefahr für die Menschen in ihrer Umgebung.

Fische haben sich als Tierhorror-Protagonisten spätestens seit Steven Spielbergs Der weiße Hai (Jaws, 1975) etabliert, zu dem drei Fortsetzungen gedreht wurden. Ab 2013 wüteten ganze Hai-Zyklone durch die trashige Sharknado-Fimreihe, die mit Sharknado – Genug gesagt! begann und 2018, mit dem sechsten Film der Reihe Sharknado 6: The Last One, endete.

Neben Haien und Piranhas sind auch Reptilien wie Alligatoren und Schlangen sowie Riesenkraken beliebte Angreifer in Tierhorrorfilmen. Die Anaconda-Filmreihe (1997–2015), stellte z. B. riesige Anakondas in das Zentrum der Handlung.

Tierhorror als Trashfilm Allgemein wurden und werden im Tierhorror-Genre zahlreiche kostengünstige B-Movie- und Trashfilme produziert.Seeßlen, Jung: Horror. 2006, S. 596. Im Jahr 2008 wurde der Billigproduktion Birdemic: Shock and Terror gar die zweifelhafte Ehre zuteil, von diversen Filmkritikern als der vielleicht schlechteste Film aller Zeiten bezeichnet zu werden.Denise Jeitziner: Unsäglich schlechter Film füllt amerikanische Kino-Säle. In: Tages-Anzeiger, vom 13. April 2010. Auf www.tagesanzeiger.ch.Michael Bee: Horrorfilm „Birdemic“. Trash-Fans feiern skurrilen Hitchcock-Verschnitt. 9. April 2010. Auf www.welt.de.

Der bizarren Faszination von Genrefans an skurrilen Plots, die bei Tierhorrorfilmen oft reichlich vorhanden sind, widmen sich mittlerweile spezielle TV-Formate, wie die seit 2013 beim deutschen Privatsender Tele 5 ausgestrahlte Sendung Die schlechtesten Filme aller Zeiten (mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten). Zu den dort gezeigten Schätzen des Trashkinos zählen unter anderem Filme der Sharknado-Reihe, aber auch Genre-Perlen wie Frogs und Rabbits (beide von 1972).Trashfilme. Geiler Scheiß Deutschlandfunk Nova, aufgerufen am 29. Januar 2022

Die Filmproduktionsfirma The Asylum veröffentlichte im Jahr 2009 mit Mega Shark vs. Giant Octopus einen ersten eigenen Tierhorrorfilm, dem eine Reihe weiterer Veröffentlichungen folgte. Diese Filme sind alle für den DVD-Markt produziert und richten sich praktisch ausschließlich an Genre- und Trashfilmfans. Häufig treten dabei zwei unterschiedliche, monsterartige Tiere gegeneinander an. So wurde 2010 mit Mega Shark vs. Crocosaurus eine Fortsetzung des ersteren gedreht. Roger Corman schloss sich dieser Entwicklung mit einigen Produktionen an und ließ 2010 den Film Dinoshark drehen. Im selben Jahr entstand unter seiner Produktion auch Sharktopus, das ein Hybridwesen aus Hai und Oktopus zum Thema hat. 2011 drehte Jim Wynorski für Corman die B-Filme Piranhaconda und Camel Spiders – Angriff der Monsterspinnen, in denen wiederum unterschiedliche Tiere gekreuzt wurden oder mutierten.

Motive In seinem Buch Horror Geschichte und Mythologie des Horrorfilms unterteilt der deutsche Filmkritiker Georg Seeßlen Tierhorrorfilme in zwei Hauptmotive. Das erste ist die Verwandlung des Menschen in ein Tier oder umgekehrt. Dies schließt auch die zahlreichen im Horrorgenre fest etablierten Tiermenschen wie Affen- und Katzenmenschen, Werwölfe oder das berühmte Schuppenwesen aus Der Schrecken vom Amazonas (Creature from the Black Lagoon, 1954), sowie zahlreiche Body-Horror-Filme (z. B. Die Fliege, 1986 David Cronenberg) mit ein. Das Motiv der Metamorphose durch menschliche Einflüsse wie wissenschaftliche Experimente, Umweltverschmutzung, atomare Strahlung und so weiter überschneidet sich mit anderen Filmgenres wie der Science Fiction.Fernand Jung, Claudius Weil, Georg Seeßlen: Der Horror-Film. Regisseure, Stars, Autoren, Spezialisten, Themen und Filme von A – Z (= Enzyklopädie des populären Films. Band 2). Roloff und Seesslen, München 1977, ISBN 3-88144-122-0.

Zahlreiche Tierhorrorfilme werfen dabei die Frage auf, ob ein Verhältnis zwischen Mensch und Tier, das auf Unterwerfung bzw. Ausbeutung der Tiere beruht, nicht Anlass zur Rache geben sollte. In Tierhorrorfilme, in denen das Motiv „Rache-der-Natur“ dominiert, werden die Gestalt- und Verhaltensänderungen oft durch den menschlichen Umgang mit der Natur verursacht (z. B durch Atombombenversuche, Umweltverschmutzung, verunglückte Experimente oder gezielte Angriffe durch Menschen). In diesem Kontext sind z. B. Moby Dick (1956, John Huston) und Orca, der Killerwal (1977, Michael Anderson) entstanden.

Das zweite Hauptmotiv ist das den Menschen bedrohende Tier. Die Bedrohung wird in der Regel als vom Menschen direkt oder indirekt provoziert dargestellt. Das Tier wird durch Magie, Experimente oder andere menschliche Einflüsse besonders aggressiv und gefährlich, die Natur schlägt zurück. Dazu stellt Seeßlen fest, dass „diese hochmoralische Botschaft selten mehr ist als ein schöner Vorwand, unseren alten Albträumen ein neues kinematographisches Gewand zu verleihen“.

Die Bedrohung durch ein Tier unterscheidet Seeßlen wiederum in zwei verschiedene Typen: Den Horror aus der Nähe und aus der Entfernung. Das heißt, dass das Tier entweder dadurch gefährlich und beängstigend wirkt oder ist, weil es anfängt, sich wie ein Mensch zu verhalten, oder weil das Tier durch die völlige Abwesenheit jeglicher menschlicher Eigenschaften die gefühls-, rücksichts- und mitleidlose Natur verkörpert.So wie der Alien in Science Fiction einen Schrecken auslösen kann, weil er dem Menschen zu ähnlich, oder weil er dem Menschen zu entfernt ist, so kann im Tierhorror die amoklaufende Natur zu menschlich werden […] oder doch einfach zu „natürlic“h ist (sic). Seeßlen, Jung: Horror. 2006, S. 614.

Beispiele für Tierhorrorfilme Einige der hier genannten Filmbeispiele wurden in dem Buch Filmgenres und Filmgattungen, vom HorrormagazinDie besten Tierhorrorfilme horrormagazin, aufgerufen am 29. Januar 2022, MoviepilotDie besten Tierhorrorfilme Moviepilot, aufgerufen am 29. Januar 2022 oder Film.atDie 18 besten Tierhorrorfilme aller Zeiten. Haie, Krokodile, Spinnen oder sonstiges Getier: In diesen Monster- und Survivalfilmen werden Tiere zur tödlichen Bedrohung. Film.at, aufgerufen am 29. Januar 2022 empfohlen.

Weichtiere Jahr Titel Land Regie Handlung1977 Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen USA/IT Ovidio G. Assonitis Riesenkrake greift Menschen an.1988 Slugs USA/ESP Juan Piquer Simón Romanverfilmung: Kleinstadt wird von fleischfressenden Nacktschnecken angegriffen.Slugs (1988) Retro-Film, aufgerufen am 29. Januar 20221998 Octalus – Der Tod aus der Tiefe USA Stephen SommersActionfilm um einen mörderischen Riesenkraken.2000 Octopus USA John EyresActionreicher Angriff eines mutierten Riesenkraken.

Gliederfüßer Die Grenzen zu Genres wie Trash und Science-Fiction werden beim Auftreten gentechnisch veränderter oder verhaltensauffälliger Insekten des Öfteren überschritten. Dabei gibt es durchaus Filme, die sich selbst nicht sonderlich ernst nehmen und somit zu den Horrorkomödien gezählt werden, wie z. B. Arac Attack von 2002.

Spinnen Jahr Titel Land Regie Handlung1955 Tarantula USA Jack ArnoldScience-Fiction-Horrorfilm mit Taranteln; Genre-Klassiker in Schwarz-Weiß.Tarantula. Ein großer Klassiker des Science Fiction-Horrorfilms, der mittlerweile Kultstatus erlangte. RBB, aufgerufen am 30. Januar 20221977 Mörderspinnen USA John „Bud“ Cardos Angriff giftiger Killerspinnen. (Originaltitel: Kindom of the Spiders)1990 Arachnophobia USA/ESP Juan Piquer Simón Aggressive Spinnen greifen Menschen an.2000 Lavalantula – Angriff der Feuerspinnen USA Mike MendezLavaspeiende Riesen-Taranteln. Der Titel spielt auf den Genreklassiker Tarantula an.

Sonstige Insekten Jahr Titel Land Regie Handlung1954 Formicula USA Gordon Douglas Giftige Ameisen auf einem ehemaligen Testgelände für Atomwaffen bilden Kolonien bis in die Kanalisation von Los Angeles.1966 Die tödlichen Bienen USA Freddie Francis Aggressive Killerbienen sorgen für Todesfälle.1974 Phase IV USA Saul Bass In Arizona bedrohen mutierte Ameisen Menschen und Tiere.1978 Der tödliche Schwarm USA Irwin Allen Afrikanisierte Honigbienen überfallen eine Raketenstation in Texas.1986 Die Fliege CAN/USA David CronenbergBody Horror: Durch ein Experiment entsteht ein Hybridwesen zwischen Menschen und Fliege.1993 C2 – Killerinsekt USA Tony Randel Riesige Zecken in den Wäldern Kaliforniens.1997 Mimic – Angriff der Killerinsekten USA Guillermo del Toro Genmanipulierte Kakerlaken verursachen eine Seuche. (Fortsetzungen 2001 und 2003)

Fische Das Imageproblem des Weißen Hais begann offenbar schon mit den Haiangriffen an der Küste von New Jersey, bei denen 1916 vier Menschen ums Leben kamen. Die Vorkommnisse verarbeitet Peter Benchley 1974 in seinem Roman, Der weiße Hai, der nur ein Jahr später unter der Regie von Steven Spielberg verfilmt wurde.Peter Benchley. Der weiße Hai buecher.de, aufgerufen am 29. Januar 2022

Haie